mini|Feier zum Beginn des akademischen Jahres 2010/2011 der Franziskanischen Theologischen Fakultät in Sarajevo Die Franziskaner (OFM) wirken seit dem 13. Jahrhundert in Bosnien und auch der Herzegowina und sind in der Franziskanerprovinz von der Erhöhung des Heiligen Kreuzes – Silbernes Bosnien (; ) organisiert. Der Sitz des Provinzials ist heute in Sarajevo.

Die Franziskaner lösten ab den 1430er-Jahren die Dominikaner als Inquisitoren und Missionare in Bosnien ab. Die Mission der Franziskaner erwies sich als erfolgreicher und es gelang ihnen die Angehörigen der Bosnischen Kirche zu (re)katholisieren. Tief mit Bosnien verwurzelt gelang es den Franziskanern zusammen mit Kaufleuten aus Dubrovnik und deutschen („sächsischen“) Bergleuten eine mittelalterliche Stadtkultur zu entwickeln, die aufgrund der Eroberung durch die Osmanen im Jahr 1463 nicht ausreifen konnte.

Der Franziskanerorden hatte vom 15. bis 19. Jahrhundert einen bedeutenden Einfluss auf das religiöse und politische Leben der Kroaten in Bosnien und Herzegowina, in Dalmatien und Slawonien, den er teils noch heute ausübt. Franziskaner der Provinz sind in 82 Pfarrgemeinden tätig, überwiegend in Bosnien-Herzegowina aber auch in Kroatien, Serbien und im Kosovo. Einige arbeiten seelsorgerlich in Albanien, Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Marokko, den Niederlanden, Österreich und Ruanda.

Geschichte mini|„Stammbaum“ der Franziskanerprovinzen in Bosnien Die ersten Minderbrüder („Minoriten“) des 1210 gegründeten Franziskanerordens kamen im Jahr 1291 nach Bosnien. Der erste Konvent der Franziskaner wurde in Srebrenica errichtet. Daher nannte der Orden das Land seines Wirkens Bosna Srebrenika oder Bosna Srebrena. Im Gebiet um Srebrenica wurde seinerzeit reiche Silber-Vorkommen abgebaut.

Zu Beginn waren die Geistlichen größtenteils Deutsche, Ungarn und Italiener. Wegen der Förderung der Gründung durch lokale Adelige überwogen später einheimische Geistliche. Der regierende Ban von Bosnien, Stjepan II. Kotromanić schrieb dem Papst im April 1347, nachdem er in die römisch-katholische Kirche eingetreten war. In seinem Brief bat er den Papst, ihm bei der Suche nach erfahrenen Priestern für Bosnien zu helfen.Noel Malcolm: Geschichte Bosniens, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1996, S. 35. Kotromanić wünschte, dass die Geistlichen die Landessprache sprechen können.„in fidei doctrina peritos et lingue croatice non ignaros“ [„erfahren in der Lehre des Glaubens und nicht ohne die Kenntnis der kroatischen Sprache“]; vgl.: Radoslav Katičić: «Slověnski» i «Hrvatski» kao zamjenjivi nazivi jezika hrvatske književnosti. In: Jezik: časopis za kulturu hrvatskoga književnog jezika. Jg. 36, Nr. 4, Zagreb, April 1989. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts hatte die Bosnische Vikarie (Bosanske vikarije) 35 Klöster, die in sieben Kustodien organisiert waren.

Nach der Eroberung Bosniens durch das osmanische Reich erstreckte sich die Provinz der Franziskaner von Dalmatien im Süden bis Buda im Norden und Temesvár im Osten. Der Orden wirkte in den Städten Šibenik, Skradin, Knin, Sinj, Vrlika, Makarska, Zaostrog, Imotski, Rama, Fojnica, Olovo, Srebrenica, Kreševo, Mostar, Tuzla, Modriča, Požega, Đakovo, Udbina, Gračac, Kostajnica, Našice, Vinkovci, Osijek, Pécs und Budapest.

mini|Altar im Franziskanerkloster von Kraljeva Sutjeska Der Konvent von Kraljeva Sutjeska („Königsschlucht“) wurde 1385 erstmals schriftlich erwähnt. In dieser Region waren die Franziskaner über einen langen Zeitraum die einzigen Seelsorger und Lehrkräfte für das einfache Volk. Ab Anfang des 17. Jahrhunderts entfalteten die Franziskaner in Bosnien eine reiche literarische Tätigkeit in bosnischer Sprache. Im Lauf der Geschichte erreichten sie auf diese Weise die meisten Katholiken.Dadurch leistete der Orden einen wichtigen Beitrag im Bereich der Bildung und Literatur und für den Erhalt des bosnischen Volkes im zum Osmanischen Reich gehörenden Bosnien.

Zwischen den örtlichen Franziskanern und den Diözesanbischöfen von Mostar gibt es Spannungen, die über 100 Jahre zurückreichen. Franziskaner und der Diözesanklerus konkurrieren seit 1881 um die pastorale Betreuung der Gläubigen im Bistum Mostar. Diese Spannungen führten insbesondere im Zusammenhang mit den Marienerscheinungen in Međugorje (seit 1981) zu Konflikten.

Bekannte Mitglieder der Provinz Anđeo Zvizdović (1420–1498), seliggesprochener Prediger Juraj Dragišić (1445–1520), Bischof, Theologe und Philosoph Matija Divković (1563–1631), Schriftsteller Pavao Posilović (1597–1657), Bischof Grgo Martić (1822–1905), Schriftsteller und Übersetzer Paškal Buconjić (1834–1910), Bischof Marijan Marković (1840–1912), Apostolischer Administrator Ivan Musić (1848–1888), Anführer eines Aufstandes gegen die Osmanen Alojzije Mišić (1859–1942), Provinzial und Bischof Josip Stjepan Garić (1870–1946), Bischof Miroslav Filipović (1915–1946), Militärgeistlicher und Kriegsverbrecher (laisiert) Bazilije Pandžić (1918–2019), Autor, Historiker, Archivar und Orientalist

Klöster der Provinz

Karten

Siehe auch Römisch-katholische Kirche in Bosnien und Herzegowina Geschichte von Bosnien und Herzegowina Geschichte Kroatiens Marienerscheinungen in Međugorje Ahdnama

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Römisch-katholische Kirche in Bosnien und Herzegowina Bosnien Kategorie:Gegründet im 13. Jahrhundert