Devisen (meist im Plural gebraucht; selten auch singularisch Devise) sind auf Fremdwährung lautende ausländische Zahlungsmittel, wobei Sorten – also Bargeld in Fremdwährung – ausgenommen sind.
Allgemeines Speziell im Bankwesen (hier als Pluraletantum, also stets in der Mehrzahl gebraucht) werden hierunter auf fremde Währung lautende, im Ausland zahlbare Forderungen verstanden, meist in Form von Guthaben bei ausländischen Korrespondenzbanken, Schecks und Wechseln. Im Devisenhandel der Kreditinstitute wird der Begriff am engsten interpretiert, denn hier reduziert sich der Devisenbegriff auf bei ausländischen Kreditinstituten gehaltene Bankguthaben.
Etymologie Als Fachbegriff des Finanzwesens begegnet Devise(n) erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, zunächst als Bezeichnung für kurzfristig fällige Wechsel mit auswärtigem Zahlungsort, insbesondere in fremder Währung zahlbare Auslandswechsel. Seine Herkunft ist nicht sicher geklärt; offenkundig handelt es sich um eine etymologische Dublette des im 16. Jahrhundert aus dem Französischen ins Deutsche entlehnten Wortes devise, das eigentlich in der Fachsprache der Heraldik einen Wappenspruch bzw. das dafür abgeteilte Wappenfeld (vgl. , „einteilen“) bezeichnet und heute in einem allgemeineren Sinne von „Wahlspruch, Motto, Losung“ gebraucht wird. Die neuerliche Bedeutungserweiterung zu „Wechselbrief“ ist semasiologisch schwieriger zu deuten. Dem Larousse universel von 1922 zufolge pflegten Bankhäuser die Auslandswechsel in ihrem Portfolio nach Zahlungsorten zu sortieren: „“ Der Gebrauch von devise entspricht hier dem von „Auszahlung“ im deutschen Börsenjargon („Auszahlung London,“ heute antiquiert), möglicherweise versteht sich das Wort aber zugleich im Sinne von „Kennwort“, vielleicht aber auch im älteren Wortsinn von „Einteilung“.Alfred Schirmer: Devise. Eine wortgeschichtliche Betrachtung. In: Muttersprache. Zeitschrift zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache. Jg. 1949, Heft 1, S. 66–68; Georg Rabuse: Devise als Ausdruck der Wirtschaftssprache. In: Der österreichische Betriebswirt. Band 11, Jg. 1961, S. 195–201; Eintrag Devisen in: Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25., aktualisierte und erweiterte Auflage (E-Book), Berlin u. a. 2012. Eine weitere Deutung ist „das auf Sicht zahlbare Papier“ (, „auf Sicht“, zu , „sehen“).Ursula Hermann, Knaurs etymologisches Lexikon, 1983, S. 109; ISBN 3-426-26074-3 Sicher scheint indes, dass dieser neue Wortgebrauch zuerst in Deutschland aufkam und später ins Französische rückentlehnt wurde. Als Bezeichnung für Wechsel ist Devise zumindest zuerst in August Schiebes Kaufmännischem Handwörterbuch von 1833 gebucht („ein gezierter und übel angewandter Ausdruck, dessen man sich oft in Cursberichten bedient, wo er so viel als Wechsel bedeutet; z. B. ‚diese Devise (es sei nun Pariser Papier oder anderes) ist gesucht.‘“Eintrag Devise In: August Schiebe: Kaufmännisches Handwörterbuch, oder kurzgefasste Erklärung der im Handel vorkommenden üblichsten Wörter und Ausdrücke, mit Angabe der französischen und englischen Terminologie. F. Fleischer, Leipzig 1833, S. 37.) und im deutschen Schrifttum der folgenden Jahrzehnte vielfach bezeugt, in Frankreich hingegen auffälligerweise nur in deutsch-französischen Wörterbüchern. Für einen rechtsrheinischen Ursprung spricht auch die eigentümliche Wortwahl im Larousse: dass Devisen hier „sur“ London usw. platziert werden, legt eine Übertragung aus dem Deutschen nahe – Wechsel werden „auf“ einen Bankplatz, also etwa „auf London“ gezogen.Kurt Baldingers Besprechung von Rabuses Aufsatz in: Zeitschrift für romanische Philologie. Band 79, Heft 3, Jg. 1963, S. 301.
Bis zum Ersten Weltkrieg blieb der Begriff fast ausschließlich auf handelbare kurzfristige Auslandswechsel beschränkt, diese nennt etwa Arthur Nussbaum noch 1925 „Devisen im engsten Sinne.“Arthur Nussbaum: Das Geld in Theorie und Praxis des deutschen und ausländischen Rechts. Mohr, Tübingen 1925, S. 256. Die heutige Bedeutung, die auch und insbesondere ausländische Bankeinlagen und andere in Fremdwährung notierte Werte umfasst, verfestigte sich erst in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, einhergehend mit dem Bedeutungszuwachs der staatlichen Devisenbewirtschaftung in der Außen- und Wirtschaftspolitik.Devise. In: Hans Schulz, Otto Basler, Gerhard Strauss (Hrsg.): Deutsches Fremdwörterbuch. 2. Auflage, Band 4 (Da capo – Dynastie). De Gruyter, Berlin und New York 1999, S. 449–453.
In dieser weiter gefassten Bedeutung oder schlicht im Sinne von „Fremdwährung“ ist der Begriff heute auch im Französischendevise im Trésor de la Langue Française informatisé. () und allen anderen romanischen Sprachen gebräuchlich (italienisch, portugiesisch und spanisch , rumänisch ), ebenso in den slawischen Sprachen (polnisch , russisch , kroatisch deviza usf.), außerdem im Ungarischen () sowie im Niederländischen (). In den skandinavischen Sprachen, also im Dänischen, im Norwegischen und im Schwedischen, konnte sich der Begriff hingegen nicht durchsetzen; zwar kam er auch hier im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zwischenzeitlich in Mode, geriet dann aber wieder außer Gebrauch.Das Svenska Akademiens Ordbok markiert devis als ‚knappast br.‘, also „kaum gebräuchlich.“ Im Englischen – also der heute dominanten Wirtschaftssprache – fehlt eine exakte Entsprechung; die gängige Übersetzung oder kurz bezeichnet streng genommen nicht die Devisen selbst, sondern den Handel damit, den Devisenmarkt.
Geschichte Erste Formen von Devisen und ihrem Handel sind bereits im alten Griechenland zu verzeichnen. In den verschiedenen Kleinstaaten gab es unterschiedliche Währungen, was den Handel zwischen ihnen sehr erschwerte. Deshalb fungierten Privatbankiers als Geldwechsler, welche das Wechselgeschäft mit den verschiedenen Währungen und Münzen besorgten. Außerdem beschäftigten sie sich mit Anleihen, Pfandleihen und Investitionstätigkeiten.
Auch im Römischen Reich entwickelte sich eine Art Wechselkurs bzw. Währungstausch. Die sogenannten Argentarii (Wechsler, Bankiers) bestimmten den Wert verschiedener Münzen und Währungen auf ihren Wechseltischen und tauschten diese gegen die Römische Währung ein. Dabei wurden viele andere Währungen und Münzen dem römischen Münzsystem angepasst. Dadurch entstanden auch erste Formen von Schecks und Wechseln. Ein weiterer Fortschritt entstand durch die florentinische Familie der Medici, welche sich im Zuge ihrer regen Handelstätigkeiten ein Nostrobuch bzw. Nostrokonto anlegten, in dem sie zahlreiche ausländische und inländische Währungen und deren entsprechenden Werte auflisteten.Raymond De Roover: The Rise and Decline of the Medici Bank: 1397–1494. Beard Books, 1999, ISBN 1-893122-32-8, S. 130–136.RA De Roover: The Medici Bank: its organization, management, operations and decline. New York Univ. Press, 1948. Im späten Mittelalter setzte sich der Goldstandard durch. Die Nationalstaaten begannen Rohstoffe wie Gold und Silber anzuhäufen, um die eigene Währung sicherzustellen. Dies bedeutete, dass eine bestimmte Menge Gold einer bestimmten Menge Geld entsprach. Da Gold überall weltweit ungefähr gleich viel wert war, entstand ein mehr oder weniger konstanter Wechselkurs. 1944 brach das Gold-System aber zusammen und mit dem Bretton-Woods-Abkommen nahm der US-Dollar sozusagen seine Rolle ein. Dies bedeutete, dass Währungen jederzeit in fester Relation zum US-Dollar getauscht werden konnten. Diese wiederum konnten jederzeit in Goldbestände umgetauscht werden. Dieses System brach aber in den 1970er Jahren aufgrund von Zahlungsdefiziten der USA zusammen, in Folge welcher die Wechselkurse mehrmals angepasst werden mussten. Seitdem herrscht das System der freien und schwankenden Wechselkurse. 1982 löste Mexiko mit dem Auflösen seines Devisenhandels die Schuldenkrise aus, was zeigte, dass Devisen und deren Handel von externen Einflüssen wie Politik und Wirtschaft sehr beeinflusst werden können.
Begriffsinhalt und Abgrenzungen Je nach Untersuchungszweck wird der Devisenbegriff weiter oder enger verwendet. Alle Definitionen erfassen Zahlungsmittel in fremder Währung, die im Ausland zahlbar sind. Zahlungsmittel wiederum sind geldähnliche Forderungsrechte im Rahmen des unbaren Zahlungsverkehrs (Wechsel, Schecks und Zahlungsanweisungen wie Reiseschecks oder Kreditbriefe). Devisen ermöglichen die sofortige (oder zumindest sehr kurzfristige) Geldzahlung in einer fremden Währung und verkörpern damit sofortige Kaufkraft in fremder Währung (oder zumindest Kaufkraft in Form kurzfristig fälliger Forderungen, also mit einer kurzen Selbstliquidationsfrist).Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. 2002, S. 35. Bei Kreditinstituten wird der Devisenbegriff technisch auf „Sichteinlagen in fremder Währung auf den Girokonten ausländischer und inländischer Banken“ reduziert,Rolf Caspers: Zahlungsbilanz und Wechselkurse. 2002, S. 37. manchmal sogar auf Sichteinlagen im Emissionsland der Währung eingeengt: „Im Zentrum des Devisenhandels stehen die auf fremde Währung lautenden Sichtguthaben, die bei Banken im Emissionsland der Fremdwährung gehalten werden“Helmut Lipfert: Devisenhandel und Devisenoptionshandel. 1992, S. 17. Darüber hinaus werden kurzfristige Termineinlagen und Geldmarktpapiere hinzugerechnet.Gustav Dieckheuer: Internationale Wirtschaftsbeziehungen. 2001, S. 234.
Nicht zu den Devisen gehören Sorten, weil sie als Bargeld zu den gesetzlichen Zahlungsmitteln gehören. Sie können jedoch durch Einzahlung auf ein Konto in gleicher Landeswährung in Devisen umgewandelt werden. Weniger liquide Forderungsrechte wie Anleihen in ausländischer Währung werden ebenfalls nicht zu den Devisen gerechnet, insbesondere nicht Anteilswerte wie Aktien.
Konvertierbarkeit Ein freier Devisenverkehr ist nur möglich, wenn die betroffenen Währungen einer vollen Konvertierbarkeit unterliegen. Dann hat jeder Besitzer von Devisen das Recht, diese unbeschränkt, insbesondere ohne Rücksicht auf den Verwendungszweck, zum Paritätskurs gegen inländische oder andere ausländische Währungen einzutauschen.International Money Fund, Article VIII Artikel VIII des IWF in Englisch; Artikel VIII in Verbindung mit Artikel IV der Statuten des Internationalen Währungsfonds Ist jedoch eine Währung lediglich beschränkt konvertierbar, so unterscheidet man folgende Teilaspekte:
Ausländerkonvertibilität: Das Recht, inländische Währung gegen ausländische einzutauschen, wird lediglich Ausländern oder ausländischen Zentralbanken gewährt; Verwendungszweck: Das Eintauschrecht wird im Hinblick auf die Verwendung eingeschränkt, etwa Kapitaltransaktionen oder Beteiligungen an inländischen Unternehmen werden verboten oder einer Genehmigungspflicht unterstellt; Währungen: Eintauschrechte werden auf bestimmte Währungen oder betraglich begrenzt.
Die beschränkte oder völlig fehlende Konvertierbarkeit behindert einen freien Devisen- und Kapitalverkehr, insbesondere den Handel mit Devisen über Börsen oder zwischen Kreditinstituten. Volle Konvertierbarkeit ist ein wichtiges Indiz für so genannte „Hartwährungsländer“.
Devisenbörsen und Kursbildung