Baldriane (Valeriana) sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Baldriangewächse (Valerianoideae) innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Die 150 bis 300 Arten sind in Eurasien und in der Neuen Welt weitverbreitet.

Beschreibung Der medizinisch verwendete Echte Baldrian (Valeriana officinalis) hat weiße bis rosafarbene, doldenartige Blütenstände und gefiederte Laubblätter und erreicht Wuchshöhen von 50 bis 100 Zentimetern.

mini|links|Echter Baldrian (Valeriana officinalis) mini|150px|Blütendiagramm von Valeriana

Vegetative Merkmale Bei Baldrian-Arten handelt es sich um ausdauernde, krautige Pflanzen und manchmal Sträucher wie Valeriana microphylla in den Anden. Die Laubblätter sind einfach oder geteilt.

Generative Merkmale Die – mit Ausnahme des zweihäusigen Kleinen Baldrians – zwittrigen Blüten sind drei- bis fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Blütenkronblätter sind verwachsen. In jeder Blüte gibt es nur drei Staubblätter. Die drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen.

Inhaltsstoffe und ihre Wirkung Sämtliche Baldrian-Arten enthalten Alkaloide und vor allem ätherische Öle (Monoterpene und Sesquiterpene), die (nach der Trocknung) charakteristisch und für manche Menschen unangenehm riechen, da teilweise Zersetzung zu niederen Carbonsäuren wie Valeriansäure eintritt. Für die schlaffördernde und beruhigende Wirkung sind vor allem die Sesquiterpene verantwortlich. Diese Effekte beinhalten eine Modulation der Erregungsübertragung und Funktion von GABA-Rezeptoren. Neueren Erkenntnissen zufolge gilt jedoch das Zusammenspiel mehrerer Inhaltsstoffe als wahrscheinlicher Faktor für die schlaffördernde Wirkung des Baldrians. Dabei sollen besonders die in Baldrian enthaltenen (Schlaf-)Lignane eine wesentliche Rolle spielen.

Aus der Baldrianwurzel (Radix valerianae) können Extrakte, aber auch ethanolische oder wässrige Auszüge (Baldriantinktur) hergestellt werden.

Je nach Auszugs- bzw. Extraktionsmittel, welches zur Herstellung des Extraktes verwendet wird, variiert auch dessen inhaltsstoffliche Zusammensetzung. In Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass schlaffördernde Lignane nur in Extrakten, die mit dem Extraktionsmittel Methanol aus der Pflanze gewonnen wurden, in ausreichender Menge enthalten sind. Bei Auszügen, welche mit Ethanol extrahiert wurden, konnte die Lignan-Wirkung nicht festgestellt werden.K. Sichardt et al.: Modulation of postsynaptic potentials in rat cortical neurons by valerian extracts macerated with different alcohols: involvement of adenosine A(1)- and GABA(A)-receptors. Phytother Res 2007; 21(10):932-7.

mini|Getrocknete Baldrianwurzel

Anwendung bei Schlafstörungen Wurzelextrakte des Baldrians (Valeriana officinalis) werden seit langem bei Schlafstörungen empfohlen. Allerdings hat eine systematische Analyse von randomisierten, Placebo-kontrollierten Studien nur 16 Arbeiten gefunden, die wissenschaftlichen Kriterien standhalten. Diese untersuchten eine Gesamtgruppe von 1093 Patienten. Trotz grundsätzlicher Eignung dieser Studien hatten die meisten erhebliche methodische Probleme und die verabreichten Baldrian-Mengen, ihre Zubereitung und Dauer der Anwendung wiesen beträchtliche Schwankungen auf. Sechs dieser 16 Studien fanden eine zweideutige Wirkung, d. h. sowohl Verbesserung des Schlafes oder auch nicht, aber insgesamt überwogen die Vorteile (d. h. Baldrian zeigte eine Verbesserung der Schlafqualität). Es gibt also nach wie vor Forschungsbedarf: der Vorteil von Baldrian ist nicht zweifellos nachgewiesen und könnte nur bei bestimmten Personen wirken.

Namensgebung Der botanische Name geht über mittellateinisch valeriana (seit dem 10. JahrhundertClaudia Erbar, Karin Zimmermann: Der Codex Palatinus germanicus 539 – eine Pflanzenliste aus dem 15. Jahrhundert. 2009 (Digitalisat), S. 45 (Baldrian). für die Pflanze Baldrian, insbesondere für Echter BaldrianVgl. etwa Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 159 (Valeriana).) entsprechend seiner Herkunft auf lateinisch Valeria, die römische Provinz Valeria in Pannonien, zurück.Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, ISBN 3-7643-0755-2, S. 378–379. Der deutsche Name stammt über spätmittelhochdeutsch baldriān (mit Einschiebung des Gleitlauts „d“) vom lateinischen abFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 45–46. und ist möglicherweise volksetymologisch angelehnt an den Namen des nordischen Lichtgottes Balder (Baldur), Sohn des Odin und der Frigga.

Noch im 19. Jahrhundert hießen Valeriana-Arten auch Narden.

Systematik und Verbreitung Die Gattung Valeriana wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, Seite 31, aufgestellt. Synonyme für Valeriana sind Aretiastrum () , Astrephia , Belonanthus , Phuodendron () & , Phyllactis und Stangea

Das weite Verbreitungsgebiet der Gattung Valeriana reicht von den gemäßigten Gebieten Eurasiens und der Neuen Welt bis Afrika. Sie gedeiht hauptsächlich in den Waldregionen Eurasiens, zum Teil auch in Nordamerika und in den Tropen Südamerikas. Es gibt mit Valeriana wallichii auch eine rein indische Art.

mini|Valeriana acutiloba var. pubicarpa mini|Valeriana alliariifolia mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Valeriana apula mini|Blütenstände des Arizona-Baldrian (Valeriana arizonica) mini|Haselwurzblättriger Baldrian (Valeriana asarifolia) mini|Echter Speik (Valeriana celtica) mini|Berg-Baldrian (Valeriana montana) mini|Pyrenäen-Baldrian (Valeriana pyrenaica) mini|Felsen-Baldrian (Valeriana saxatilis) mini|Zwerg-Baldrian (Valeriana supina) mini|Dreiblättriger Baldrian (Valeriana tripteris) mini|Knolliger Baldrian (Valeriana tuberosa)

In der Gattung Valeriana gibt es 150 bis 250 Arten (Auswahl): Scharfblättriger Baldrian (Valeriana acutiloba ): Die zwei Varietäten sind in den westlichen Bundesstaaten der USA verbreitet. Valeriana alliariifolia (Syn. Valeriana tiliifolia ): Das Verbreitungsgebiet liegt auf der griechischen Insel Euböa in der Ägäis und reicht von der Türkei über den Irak und Iran bis in die Kaukasusregion. Valeriana amurensis (Syn.: Valeriana officinalis var. incisa ): Sie kommt in Russlands Fernen Osten in Korea und in den chinesischen Provinzen Heilongjiang sowie Jilin vor. Valeriana apula : Sie kommt in Marokko, Portugal, Spanien und Frankreich vor. Valeriana arborea & : Die Heimat ist Kolumbien. Arizona-Baldrian (Valeriana arizonica , Syn.: Valeriana ovata ): Die Heimat sind die südöstlichen USA. Haselwurzblättriger Baldrian (Valeriana asarifolia ): Dieser Endemit kommt nur auf Kreta und Karpathos vor. Valeriana barbulata : Sie kommt in Bhutan, Nepal, südöstlichen Tibet, Myanmar und im südwestlichen Sichuan sowie nordwestlichen Yunnan vor. Valeriana bertiscea : Sie kommt in Serbien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Montenegro sowie Griechenland vor. Valeriana bolkarica : Sie kommt in der Türkei vor. Valeriana bridgesii & (Syn.: Valeriana regularis , Valeriana simplex ): Die Heimat ist Chile. Valeriana briquetiana : Dieser Endemit gedeiht in Höhenlagen von 2600 bis 2800 Metern nur im nordöstlichen Yunnan. Kalifornischer Baldrian (Valeriana californica ): Heimat sind die westlichen US-Bundesstaaten Oregon, Nevada und Kalifornien. Kopfiger Baldrian (Valeriana capitata ex ): Das Verbreitungsgebiet ist Russlands Fernen Osten, das US-amerikanische Alaska und in Kanada das Yukon-Territorium sowie die Provinz British Columbia. Valeriana cardamines : Sie kommt in Aserbaidschan, Armenien und Georgien vor. Echter Speik (Valeriana celtica ): Er kommt mit zwei Unterarten nur in den Grajischen Alpen, den Walliser Alpen sowie in den Ostalpen vor. Valeriana chaerophylloides (Syn.: Astrephia chaerophylloides () ): Das Verbreitungsgebiet liegt im westlichen Südamerika mit Ecuador, Kolumbien und Peru. Valeriana clarkei (Syn.: Valeriana elegans ): Die Heimat ist Pakistan. Valeriana columbiana : Dieser Endemit kommt nur nordwestlichen US-Bundesstaat Washington vor. Valeriana crinii : Sie kommt in Albanien und in Griechenland vor. Valeriana daghestanica : Sie kommt in Armenien, Aserbaidschan und Georgien vor. Valeriana daphniflora (Syn.: Valeriana delavayi und Valeriana infundibulum ): Sie gedeiht an Grashängen in Höhenlagen von 2600 bis 3000, selten bis zu 4500 Metern in Tibet und im südwestlichen Sichuan sowie nordwestlichen Yunnan (nur in Binchuan sowie Lijiang). Valeriana dioica : Es gibt zwei Unterarten: Kleiner Baldrian (Valeriana dioica subsp. dioica): Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Europa über West- bis Zentralasien und liegt auch im nordamerikanischen Kanada sowie in den westlichen USA. Ganzblättriger Baldrian (Valeriana dioica subsp. simplicifolia , Syn.: Valeriana simplicifolia ) Valeriana edulis : Sie ist von Kanada über die USA bis ins nördliche Mexiko weitverbreitet. Ostalpen-Baldrian (Valeriana elongata ): Er kommt nur in den Ostalpen von Italien, Österreich und Slowenien vor. Valeriana eriophylla : Sie kommt in Armenien und in Georgien vor. Valeriana fedtschenkoi (Syn.: Valeriana caespitosa , Valeriana longiflora & ): Sie kommt von Kasachstan und Kirgisistan über Afghanistan bis zum nördlichen Pakistan sowie im chinesischen Autonomen Gebiet Xinjiang vor. Valeriana ficariifolia : Sie ist vom chinesischen Xinjiang (nur Yecheng) über Tadschikistan, Kasachstan, Afghanistan, Pakistan bis in den nördlichen Iran verbreitet. Valeriana flaccidissima (Syn.: Valeriana faberi , Valeriana nokozanensis , Valeriana tripteroides non ): Sie kommt in Taiwan (nur Kaohsiung, Nantou, Hsinchu), Japan und in den chinesischen Provinzen Anhui (nur Shucheng), Chongqing, südöstlichen Gansu, Guizhou, südöstlichen Henan (nur Shangcheng), westlichen Hubei, Hunan (nur Xinning), Sichuan sowie Yunnan vor. Valeriana flagellifera (Syn.: Valeriana pseudodioica & , Valeriana venusta , Valeriana xiaheensis ): Sie gedeiht an feuchten Hängen in Höhenlagen von 3300 bis 4300 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Gansu (nur Xiahe), Qinghai (nur Tongde), westliches Sichuan (nur Dawu, Sêrtar) sowie nordwestliches Yunnan (nur Dêqên). Valeriana hardwickii (Syn.: Valeriana acuminata , Valeriana helictes , Valeriana rhodoleuca & , Valeriana rosthornii , Valeriana tenera ex , Valeriana udicola ): Das Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen bis zentralen China über das Autonome Gebiet Tibet über Myanmar, Thailand, nördlichen Vietnam sowie Indonesien bis in den Himalaya mit Bhutan, Nepal, Indien und Pakistan. Valeriana hengduanensis : Sie gedeiht in Wäldern und Schluchten in Höhenlagen von 3100 bis 3700 Metern in den chinesischen Provinzen südwestliches Sichuan (nur in Muli) sowie nordwestliches Yunnan (in Dêqên, Weixi, Zhongdian). Valeriana hiemalis : Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 2000 bis 3000 Metern in den chinesischen Provinzen Shaanxi (nur in Taibai Shan) sowie im nordwestlichen Sichuan. Valeriana himalayana (Syn.: Valeriana dioica , Valeriana pusilla ): Sie kommt im nördlichen Westasien sowie in der Kaschmir- und die Karakorum-Region vor. Valeriana hirticalyx : Sie gedeiht auf Grashänden mit Sträuchern und an steinigen Standorten in Höhenlagen von 4000 bis 5000 Metern im nordöstlichen Tibet (in Amdo, Biru, Sogxian) und in der chinesischen Provinz Qinghai (in Henan, Nangqên, Qilian, Zadoi). Valeriana interrupta (Syn.: Valeriana elatior ): Das Verbreitungsgebiet liegt im westlichen Südamerika mit Ecuador, Peru und Chile. Valeriana italica : Sie kommt in Griechenland, auf Kreta, auf Inseln in der Ägäis und in Jordanien vor.