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Oftersheim (kurpfälzisch: Ofdasche []) ist eine Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis, Baden-Württemberg in der Nähe von Heidelberg mit etwa 12.000 Einwohnern. Oftersheim bildet mit der Nachbarstadt Schwetzingen ein zusammenhängendes Stadtgebiet und ist ein Teil der Metropolregion Rhein-Neckar, eines Ballungsraums mit 2,4 Millionen Einwohnern. Das im Jahr 766 erstmals schriftlich im Lorscher Codex erwähnte Oftersheim gehörte jahrhundertelang zur Kurpfalz. Aufgrund der hohen Einwohnerzahl von mehr als 10.000 könnte Oftersheim den Status einer Stadt mit Oberbürgermeister etc. anstreben.

Geographie Geographische Lage Die Gemeinde Oftersheim liegt inmitten des Rhein-Neckar-Raums rund 15 km südlich von Mannheim und gut 10 km westlich vom Stadtzentrum Heidelberg entfernt.

Das Gemeindegebiet ist mit der im Westen und Norden angrenzenden großen Kreisstadt Schwetzingen vollkommen zusammengewachsen, so dass auch die Oftersheimer Bürger die Schwetzinger Innenstadt fußläufig erreichen und die kulturellen Angebote wahrnehmen können. Weiterhin grenzen im Nordosten Plankstadt, im Osten Heidelberg, im Südosten Sandhausen und eine unbewohnte Exklave von Leimen sowie im Süden Hockenheim an das Gemeindegebiet.

Vom Kraichgau kommend, durchfließt der Leimbach das Ortsgebiet in Ost-West-Richtung. Unmittelbar vor Erreichen der geschlossenen Bebauung mündet in diesen der Landgraben. Im äußersten Süden grenzt die Gemarkung außerdem an den Hardtbach.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Oftersheim gehören das Dorf Oftersheim, der Ort Hardtwaldsiedlung, der Name ist seit 1963 amtlich, das Gehöft Bachmayer-Hof und die Häuser Blindenführerhundeschule, Golfplatz und Schießstand (ehemal. Panzerschießstand).Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 388–389

Die Hardtwaldsiedlung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von heimatvertriebenen Zuwanderern erbaut. Dort befinden sich auch die Sportplätze und Clubhäuser des TSV und der SG Oftersheim.

Geologie und Klima Oftersheim liegt inmitten der Oberrheinischen Tiefebene. Begünstigt durch den Pfälzerwald im Westen, den Odenwald im Osten und den Taunus im weiteren Norden herrscht ein ausgeglichenes, mildes Klima. Warme Sommer und milde, fast schneefreie Winter sind hier die Regel.

Zum Gemarkungsgebiet gehört auch das größte zusammenhängende Inlanddünengebiet Deutschlands, durch das der Dünenrundweg Oftersheim führt. Die ausgedehnten Waldgebiete der Schwetzinger Hardt und die Nähe zu Odenwald und Pfälzerwald bieten zudem gute Erholungsmöglichkeiten.

Die Gemarkung erstreckt sich über 1278 Hektar. Davon sind 19,6 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 30,4 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 49,4 Prozent sind bewaldet.

Geschichte

Frühe Geschichte Vereinzelte Funde belegen Siedlungen in römischer Zeit. Es gab auf dem späteren Stadtgebiet vielleicht zwei Villae Rustica. In der Kantstraße fand sich 1952 ein Brandgrab.Mathilde Grünewald: Ein römisches Wohnhaus mit Wandmalereien in Oftersheim, Regensburg 2017, ISBN 978-3-7954-3298-0, S. 18 Oftersheim wurde im Jahr 767 anlässlich einer Schenkung zugunsten des Klosters Lorsch im Lorscher Codex als Offtreshem erstmals urkundlich erwähnt. Man nimmt an, dass es bereits früher von einem fränkischen Gemeinfreien Ofteri gegründet wurde, worauf auch die Ortsnamensbildung mit der Endung -heim hindeutet. Im 11. Jahrhundert schenkte der König die Herrschaft über die Schwetzinger Hardt an den Bischof von Speyer, der zur Verwaltung ein Ministerialengeschlecht einsetzte. Die Schenken von Wersau verkauften das Lehen an die Pfalzgrafen bei Rhein, was 1286 durch den Speyerer Bischof bestätigt wurde. Oftersheim wurde aus dem Wersauer Herrschaftsbezirk herausgelöst und unterstand seitdem direkt der pfälzischen Grund- und Landesherrschaft. Innerhalb der Kurpfalz gehörte Oftersheim zu Kirchheimer Zent.

Im 17. Jahrhundert wurde Oftersheim im Dreißigjährigen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört.

19., 20. und 21. Jahrhundert mini|Gemarkungsplan Oftersheim 1878 Im Jahr 1803 wurden die Kurpfalz aufgelöst und Oftersheim gelangte zu Baden. Dort gehörte die Gemeinde zum Bezirksamt Schwetzingen und ab 1924 zum Bezirksamt Mannheim, dem späteren Landkreis Mannheim.

Politisch waren nach der Reichsgründung 1871 die Nationalliberalen am stärksten, ehe sie 1903 von den Sozialdemokraten überflügelt wurden. In der Endphase der Weimarer Republik kam es zu einer Radikalisierung der Wählerschaft. 1930 war die KPD die stärkste Partei und ab 1932 hatte die NSDAP die Mehrheit und erhielt bei der Reichstagswahl 1933 50 Prozent der Stimmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Oftersheim mehr als 600 Heimatvertriebene auf und wurde Teil des neugebildeten Bundeslandes Baden-Württemberg. 1966 konnte das 1200-jährige Gemeindejubiläum gefeiert werden. 1972 hatte Oftersheim erstmals mehr als 10.000 Einwohner Mit Auflösung des Landkreises Mannheim 1973 kam der Ort zum neuen Rhein-Neckar-Kreis. 1984 wurde die Bundesstraße 291 als südliche Ortsumgehung eröffnet.

Etwa ab dem Jahr 2006 wurde das etwa 28,5 ha große Neubaugebiet Oftersheim-Nordwest zwischen der Bahnstrecke Oftersheim–Hockenheim, der Bundesstraße 291, dem Schwetzinger Ortsteil Schälzig und dem Ortsteil Oftersheim-Nord freigegeben. In der Folge entstanden hauptsächlich Einfamilienhäuser als Reihenhäuser oder Doppelhaushälften, nur in geringerem Umfang frei stehende Einfamilienhäuser und sehr wenige Mehrfamilienhäuser. Es lockte in der Folge viele eher wohlhabendere Familien mit Kindern an. Das Wohngebiet wird im Gegensatz zu dem „eigentlichen“ oder „alten“ Oftersheim auf der anderen Bahnseite, das aus Häusern besteht, die Anfang oder Mitte des 20. Jahrhunderts erbaut wurden, oder aus Hochhäusern aus den 1960er oder 1970er Jahren, als „neues Oftersheim“ bezeichnet. Der Zuzug in dieses Neubaugebiet hat mit hoher Wahrscheinlichkeit zu dem beträchtlichen Einwohnerzuwachs der Gemeinde geführt. Damals kam es zu einer bemerkenswerten Gemeinderatssitzung mit sehr hoher Bürgerbeteiligung. Die Gemeinderatsfraktionen von CDU, SPD und FDP stimmten gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister und heutigen Ehrenbürger gegen eine Änderung des Bebauungsplanes und der Erlaubnis von massiven Trennwänden zwischen den Terrassen der einzelnen Häuser, wie es eine Interessenvertretung von „Neubürgern“ aus Oftersheim-Nordwest anstrengte. Die einzige Gemeinderatsfraktion, die anders abstimmte, waren die Freien Wähler. Der Gemeinderatsbeschluss wurde später auf gerichtlichem Wege aufgehoben.

2016 fanden zur 1250-Jahr-Feier mehrere Jubiläumsfeiernhttps://www.morgenweb.de/schwetzinger-zeitung_artikel,-oftersheim-historischer-umzug-wird-hoehepunkt-_arid,743281.html und ein Jubiläumsumzug mit Stadtfest und Mittelaltermarkt statt.https://www.morgenweb.de/schwetzinger-zeitung_fotostrecke,-fotostrecke-oftersheim-historischer-festzug-teil-1-_mediagalid,18818.htmlhttps://issuu.com/oftersheim/docs/programmheft_oftersheim.20070728

Einwohnerentwicklung Jahr 1439 1577 1777 1834 1875 1905 1925 1950 1961 1967 1970 1991 1995 2005 2010 2015 2020 EinwohnerEinwohnerzahlen bis 1950 und 1967 Kreisbeschreibung Bd. 3, S. 744, und Statistisches Landesamt 95 190 489 963 1.710 2.674 3.629 5.384 6.860 8.277 8.398 10.494 10.485 10.086 11.192 12.010 12.257 mini|hochkant|Katholische Kirche St. Kilian mini|hochkant|Turm der evangelischen Christuskirche mini|Hauptportal der Christuskirche

Eingemeindungen Die Schwetzinger Hardt sowie die von ihr abgetrennten Rodungsbezirke unterstanden ab 1803 direkt dem badischen Staat. Dieser übergab 1810 die Polizeihoheit und die Führung der Grundbücher über den Karl-Ludwig-See, die Seeäcker, das Talfeld, die Brühler Hardt, die Zentmaiers Hardt, die Blessenhardt und die Kurze Hardt an die Gemeinde Oftersheim, weil die meisten Pächter in diesen Gebieten Oftersheimer waren. 1891 wollte sich Oftersheim die Markungen endgültig einverleiben, konnte sich aber nicht durchsetzen. Aufgrund der größeren Nähe wurden die Gebiete 1896 unter Schwetzingen, Ketsch und Hockenheim aufgeteilt.

1920 wollte sich Oftersheim nach Schwetzingen eingemeinden lassen, was der Gemeinderat und der Bürgerausschuss auch bereits beschlossen hatten. Die Fusion scheiterte allerdings an der ablehnenden Haltung des Schwetzinger Bürgerausschusses.

Bei der Aufteilung der alten Bruchhausener Gemarkung konnte sich Oftersheim 1928 58 Hektar einverleiben. Weitere 18 Hektar erhielt die Gemeinde von der Stadt Heidelberg an der ehemaligen Kirchheimer Gemarkung.

1931 wurde die Gemarkung der Schwetzinger Hardt unter den anliegenden Gemeinden aufgeteilt. Dabei konnte Oftersheim sein Gemeindegebiet um stattliche 536 Hektar vergrößern.

Bei der baden-württembergischen Gemeindereform in den 1970er Jahren gab es zunächst Pläne, eine große Verwaltungseinheit mit Schwetzingen, Brühl, Ketsch, Oftersheim und Plankstadt zu bilden. Nachdem dies verworfen worden war, sollten Oftersheim und Plankstadt nach Schwetzingen eingemeindet werden. Letztlich konnte Oftersheim aber seine Selbständigkeit behaupten.

Religionen Allgemein Kirchlich gehörte Oftersheim im Mittelalter zur römisch-katholischen Pfarrei Schwetzingen. Im 16. Jahrhundert führte die Kurpfalz die Reformation ein und vollzog in der Folge einen häufigen Religionswechsel. Bei der Pfälzischen Kirchenteilung 1707 fiel die Oftersheimer Filialkirche an die Reformierten.

Die evangelische Gemeinde, die 1900 eine eigene Pfarrei in Oftersheim erhielt, gehört heute zum Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz der Evangelischen Landeskirche in Baden und die 1945 selbständig gewordene, katholische Gemeinde zum Dekanat Wiesloch des Erzbistums Freiburg.

Konfessionsstatistik Von 1727 bis 1925 war die Verteilung der Religionszugehörigkeit in der Bevölkerung nahezu stabil bei zwei Dritteln Reformierten bzw. Evangelischen und einem Drittel Katholiken. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der Anteil der Katholiken durch Zuzüge auf mehr als 40 Prozent im Jahr 1967.

Laut der Volkszählung 2011 waren 36,3 % der Einwohner evangelisch, 33,0 % römisch-katholisch und 30,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Oftersheim Religion, Zensus 2011 Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken.

Politik Nachbarschaftsverband Oftersheim gehört zum Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim, dessen Aufgabe es ist, den regionalen Flächennutzungsplan zu erstellen.

Gemeinderat Der Gemeinderat in Oftersheim besteht aus den 22 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FWV Freie Wählervereinigung 35,17 7 34,3 7 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 23,19 5 20,7 5 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 17,46 4 16,3 4 Grüne Bündnis 90/Die Grünen 16,66 4 20,1 4 FDP/OL Freie Demokratische Partei/Offene Liste 7,52 2 8,5 2 gesamt 100,0 22 100,0 22 Wahlbeteiligung 64,55 % 63,3 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. November 2022 Pascal Seidel (parteilos). Bei der Wahl am 18. September 2022 wurde er mit 64 Prozent der Stimmen gewählt. Amtsinhaber Jens Geiß (CDU), der von 2014 bis 2022 amtierte, erhielt lediglich 35,3 Prozent der Stimmen.

Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Seit 1832 gibt es die einheitliche Amtsbezeichnung Bürgermeister (vorher Schultheiß, Vogt oder Anwalt).

Amtsinhaber seit diesem Zeitpunkt waren:

mini|Gemeindewappen am Rathaus

Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: Im geteilten Schild oben von Blau und Silber waagerecht gerautet, unten in Silber eine kriechende grüne Schlange.