mini|hochkant|Wappenbild Gräfenbergs am Hiltpoltsteiner Tor mini|Gräfenberg, Stahlstich (1858) mini|Blick vom Bahnhof zur Kirche (3. April 2005)
Gräfenberg ist eine Stadt im Landkreis Forchheim (Regierungsbezirk Oberfranken) und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg.
Geographie Gräfenberg liegt am südlichen Ende Oberfrankens im Tal der Kalkach, dieses begrenzt die historische Altstadt. Das Tal liegt unmittelbar am Albtrauf der Fränkischen Alb. Daher weist Gräfenberg erhebliche Höhenunterschiede (400 m bis 550 m) auf. Der Albtrauf stellt dort den Übergang zwischen den Gesteinsschichten des Braunjura im Tal und dem Weißen Jura auf den Hochflächen dar. Auch die Bezeichnung als das südliche Eingangstor zur Fränkischen Schweiz rührt daher. Der Ort wird im Osten und Nordwesten von zwei großen Steinbrüchen begrenzt, in denen die Gesteine des Jura abgebaut werden.
Über das relativ sanft ansteigende Gelände führt die Bundesstraße 2. Diese folgt einer alten Salzhandelsstraße, an der sich Gräfenberg befand. Die originale Trasse folgt dem Verlauf der Kalkach das Tal hinauf. Sie verläuft über die heutige Bahnhofstraße, durch das Gesteigertor und verlässt Gräfenberg über die Egloffsteiner Straße. Dort endet das Tal an der Quelle der Kalkach (eines Zuflusses der Schwabach) und geht in die Jura-Hochfläche über. Während die Kalkach anfangs sanft verläuft, fließt sie durch den ehemaligen Stadtgraben bis zum Bahnhof mit großem Gefälle. Bei ihrem weiteren Verlauf flacht sie in den Wässerwiesen, einem sumpfigen und quellenreichen Gebiet, wieder ab. Dort befinden sich Schrebergärten und Fischteiche.
Klima Gräfenberg liegt in der kühlgemäßigten Klimazone im Übergangsbereich zwischen maritimem und dem kontinentalen Klima in der für deutsche Verhältnisse begünstigten Fränkischen Schweiz am Rand des Regnitztales, einer Region mit eher trockenem (600–700 mm Jahresniederschlag), sonnigem (etwa 1700 Sonnenstunden im Jahr) und insbesondere in Tallagen (Regnitztal) warmem (jährliche Durchschnittstemperatur über 9 °C) Klima.Fränkische Schweiz bei Bayern online Eine Klimastation in Kasberg auf 511 m Höhe weist 1611 Sonnenstunden, eine Durchschnittstemperatur von 8,1 °C und 978 mm Jahresniederschlag nach, dies ist in mehrerer Hinsicht für die regionalen Verhältnisse ungewöhnlich. Der hohe Niederschlag ist durch die Lage Kasbergs auf der Albhochfläche am Südwestende der Fränkischen Schweiz zu erklären, welche durch bis zu 250 m Höhendifferenz für Steigungsregen sorgt. Die Zahl der Sonnenstunden ist etwas geringer als im Rest der Fränkischen Schweiz und im Regnitztal. Die Temperatur ist niedriger als im Regnitztal, bedingt durch die Höhe und die Lage auf der windexponierten Albhochfläche.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn):
Egloffstein, Obertrubach, Hiltpoltstein, Simmelsdorf, Weißenohe, Igensdorf, Neunkirchen am Brand, Kunreuth, Leutenbach
Gemeindegliederung Die Gemeinde Gräfenberg hat 15 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Gräfenberg, Guttenburg, Lilling (Gemarkungsteil 0), Thuisbrunn und Walkersbrunn. Die Gemarkung Gräfenberg hat eine Fläche von 7,174 km². Sie ist in 2325 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3085,47 m² haben. In ihr liegt Gräfenberg (zum Teil).
Natur und Geologie Die Hochlagen rund um Gräfenberg bilden den Bereich des weißen Jura. Die Tallagen gehören zum Braunen Jura; dort befinden sich verschiedene Sand-Kalksteine.
Geotop Lillachquelle, in der Gemarkung Lilling, östlich von Weißenohe (Geotop-Nummer 474Q004) Kasberger Linde, Naturdenkmal am Rand von Kasberg Kasberger Schlucht, befindet sich südöstlich von Kasberg Teufelstisch, markante Felsformation südlich von Guttenburg Thuisbrunner Leitenweg, Weg durch die Magerrasen und Trockenlandschaft rund um Thuisbrunn Kalkach; entlang der Stadtmauer und am Bahnhof befinden sich Wasserfälle und Sinterstufen, die teilweise durch einen Weg erschlossen sind. Todsfelder Tal, 1,5 km langes Tal mit Trockenhängen und Dolomitfelsen
Forschung Gräfenberg ist namensstiftend für ein Netzwerk von 13 seismischen Messstellen in der Fränkischen Alb, dem sogenannten Gräfenberg-Array.Gräfenberg-ArrayGräfenberg-Array, Haidhof Dieses ist ein Teil des Seismologisches Zentralobservatoriums der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Gräfenberg wurde erstmals 1172 mit dem Namen „Kreuenberc“ urkundlich erwähnt. Die Nürnberger Patrizierfamilie Haller hatte seit 1333 die Herrschaft im Ort inne. König Karl IV. verlieh dem Ort im Jahr 1371 das Stadtrecht. Am 4. Juni 1567 vernichtete der große Stadtbrand alle Häuser innerhalb der Stadtmauern. Im 16. Jahrhundert erwarb die Reichsstadt Nürnberg Gräfenberg. Am 8. Juni 1778 wurde Gräfenberg nach einem gewaltigen Gewitter von einer Flutwelle heimgesucht, die mehrere Bürger in den Tod riss. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss kam der Ort 1803 zu Bayern. Am 30. und 31. Juli 1866 wurde während des Deutschen Bruderkriegs in dem Ort, der Hauptquartier der vorrückenden Preußen war, ein Waffenstillstand ausgehandelt.
Das erste dokumentierte Schafkopfspiel nach „bayerischen Regeln“ fand 1849 in Gräfenberg statt.Der Zuschauer an der Pegnitz
Eingemeindungen Die Gemeinde Guttenburg mit Gräfenbergerhüll schloss sich am 1. April 1959 der Stadt Gräfenberg an. Am 1. Juli 1976 wurde die Gemeinde Walkersbrunn mit ihren Gemeindeteilen Kasberg, Rangen und Schlichenreuth in die Stadt Gräfenberg eingegliedert. Am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde Thuisbrunn mit ihren Gemeindeteilen Hohenschwärz, Höfles, Dörnhof, Neusles und Haidhof eingemeindet, lediglich der Gemeindeteil Haselstauden wurde Teil der Gemeinde Obertrubach. Auch schlossen sich aus der Gemeinde Lilling (Umbenennung der Gemeinde Wölfersdorf in Lilling am 1. Januar 1870) die Gemeindeteile Lilling und Sollenberg der Stadt Gräfenberg an. Die Gemeindeteile Erlastrut und Wölfersdorf schlossen sich dem Markt Hiltpoltstein an.
Gräfenberg ist bunt mini|Anti-Nazi-Demonstration „Gräfenberg ist bunt“ am 18. August 2007 auf dem Marktplatz Seit 1999 marschierte die NPD alljährlich am Volkstrauertag, vom Dezember 2006 bis zum Herbst 2009, monatlich zum Gräfenberger Kriegerdenkmal. Dagegen richtete sich breiter Bürger-Protest der Aktion Gräfenberg ist bunt, einer parteiübergreifenden Bewegung gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Mit kreativen Aktionen setzen sich die Gräfenberger Bürger für Frieden, Vielfalt und Völkerverständigung ein. Das Bürgerforum Gräfenberg ist bunt hat überregionale Bedeutung, ist Träger des Würzburger Friedenspreises, auf der Seite des Komitee Würzburger Friedenspreis des Josef-Felder-Preises der BayernSPD, des Bürgerkulturpreises des Bayerischen Landtages und genießt bundesweit Anerkennung.Kriegerdenkmal hinter Bauzaun verbannt, Junge Welt vom 1. August 2008, S. 15. Der damalige Bürgermeister Werner Wolf wurde wegen des Engagements des Bürgerforums Gräfenberg vom Bayerischen Rundfunks zum „Bayern des Jahres“ gekürt.Neonazi-Widerstand - BR berichtet umfassend In: Bayerischer Rundfunk, 9. Dezember 2011, abgerufen am 15. Oktober 2022.
Am Tag der Deutschen Einheit 2007 feierten 2000 Gräfenberger und Nazi-Gegner aus der Umgebung ein zweitägiges Fest Für Demokratie und Menschenrechte im geeinten Deutschland und protestierten mit einem ökumenischen Gottesdienst, vielen Grußworten und einem kulturellen Programm gegen eine Versammlung von Neonazis. Prominente Besucher waren Arno Hamburger, Susanne Kastner, Ulrich Maly, Eva Bulling-Schröter, Ulrike Gote, Elisabeth Scharfenberg und Christine Stahl.
Im Oktober 2009 erklärte die NPD, ihre Aktivitäten künftig mehr in die Oberpfalz, nach Niederbayern und ins nahegelegene Weißenohe zu verlegen.Nordbayerischer Kurier: vom 1. Oktober 2009.
Religion mini|Evangelisch-lutherische Stadtpfarrkirche (2018) mini|hochkant|Altar in der evangelischen Kirche
Die älteste christliche Kirche, die Michaelskapelle, stand in frühmittelalterlicher Zeit auf dem Michelsberg. Nach dem Einsturz des Wachturms auf dem Michelsberg war sie dem Verfall preisgegeben. Im 13. Jahrhundert entstand die Dreieinigkeitskirche im Stadtzentrum. Seit Einführung der Reformation im Jahr 1528 ist Gräfenberg mehrheitlich evangelisch. Weitere evangelische Kirchen befinden sich in Thuisbrunn und Walkersbrunn. Die Stadt Gräfenberg ist Sitz des evangelischen Dekanates Gräfenberg.
Die Gräfenberger Katholiken gehören zur Kirchengemeinde Weißenohe im Dekanat Erlangen im Erzbistum Bamberg. Im Gegensatz zum Rest des Gemeindegebietes sind die Gemeindeteile Lilling und Sollenberg katholisch geprägt. Diese waren früher dem Kloster Weißenohe und damit der Oberpfalz zugehörig. Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Katholiken, vor allem in Gräfenberg selbst, stark an. Nach dem Krieg feierten sie ihre Gottesdienste im Saal des Wirtshauses Gundelfinger. Seit 1967 besitzen sie eine moderne Filialkirche. In Lillinger Höhe befindet sich eine Kapelle, in der im Mai regelmäßig Andachten stattfinden.
Politik Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg bildet mit den Gemeinden Hiltpoltstein und Weißenohe eine Verwaltungsgemeinschaft. Vorsitzender ist der Gräfenberger Bürgermeister.
Stadtrat Der Stadtrat von Gräfenberg besteht aus 16 Mitgliedern und dem Ersten Bürgermeister. Wahljahr Freie Wähler CSU SPD Gräfenberger Bürger Liste (GBL) Bündnis 90/Die Grünen UWG Gesamt 2026 6 4 2 2 2 - 16 Sitze 2020 5 4 3 2 2 - 16 Sitze 2014 5 4 4 2 1 - 16 Sitze 2008 5 5 5 1 - - 16 Sitze 2002 5 4 4 1 - 2 16 Sitze (Stand: Kommunalwahl am 8. März 2026)
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit der Kommunalwahl 2020 Ralf Kunzmann (Freie Wähler). Er erzielte bei der Wahl 2026 ein Ergebnis von 65,7 % gegenüber seinem Gegenkandidaten.
Bürgermeister bis zur Gebietsreform 1978 Bis zur Gebietsreform 1978 hatte die Stadt Gräfenberg vier Bürgermeister. Amtszeit Name Partei1948–1952 Georg Friedmann -1952–1966 Hans Erlwein CSU1966–1976 Karl Kaul CSU / NPD 1976–1978Hans Nekolla SPD
Bürgermeister seit der Gebietsreform 1978 Seit dem Beitritt der Gemeinde Thuisbrunn, der letzten Gebietsveränderung, hatte Gräfenberg insgesamt fünf Bürgermeister.
Amtszeit Name Partei1978–1990 Hans Nekolla SPD1990–1996 Horst-Werner Nitt CSU1996–2014 Werner Wolf FW2014–2020Hans-Jürgen Nekolla SPDseit 2020Ralf KunzmannFW
Wappen
Städtepartnerschaften : Gräfenberg pflegt seit 1987 eine Städtepartnerschaft mit dem Ort Pringy. Inzwischen wurde Pringy nach Annecy eingemeindet, die Partnerschaft besteht fort. : Am 1. Mai 2003 wurde eine weitere Städtepartnerschaft mit der Stadt Tiszaföldvár begründet.
Kultur, Sehenswürdigkeiten und Freizeitangebote Altstadt alt=Stadtgrabenfest Gräfenberg|mini|Im Sommer findet in der historischen Burganlage das Stadtgrabenfest statt. In der Gräfenberger Altstadt befinden sich an verschiedenen Gebäuden Informationstafeln. Diese wurden vom Verein Altstadtfreunde Gräfenberg angebracht und sind zu einem Rundgang verknüpft. Dieser ist auch digital auf der Seite der Altstadtfreunde abrufbar.
Museen In Gräfenberg ist ein Turmuhren-Museumturmuhren-graefenberg.de Turmuhren-Museum in Privatbesitz beheimatet. Von April bis Oktober können dort jeweils sonntags verschiedene Uhren und der Fortschritt der Mechanik über mehrere Jahrhunderte besichtigt werden. Außerdem betreiben die Altstadtfreunde und der Kulturverein das Ritter-Wirnt-Stüberl, ein kleines Museum, das sich dem Leben und Schaffen des Wirnt von Gravenberc widmet.
Bauwerke mini|Gemälde am Hiltpoltsteiner Tor in Gräfenberg (1925) Die Anlage des Ortes am bzw. auf dem Berg ist städtebaulich von großem Reiz.