mini|Koloman Moser, um 1894|alternativtext=

Koloman Josef Moser (geboren 30. März 1868 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 18. Oktober 1918 ebenda; auch Kolo Moser ) war ein österreichischer Maler, Grafiker und Kunsthandwerker. mini|Selbstporträt, um 1915, Belvedere, Wien|alternativtext= mini|Leopoldine Steindl-Moser, Schwester des Künstlers, 1895, Belvedere, Wien|alternativtext=

Leben Kolo Moser kam in einem Gebäude des Theresianums, im 4. Bezirk, Favoritenstraße 15, auf die Welt. Er war das älteste Kind von Josef Mathias Moser (* 3. August 1828; † 16. April 1888)Ancestry/Kirchbuch, dem Verwalter am Wiener Theresianum, und dessen zweiter Ehefrau Theresia, geb. Hirsch (1841–1926; Heirat am 22. Febr. 1868). Sie war die jüngere Schwester von Josef Mosers erster Ehefrau Anna geb. Hirsch (1833–1865; Heirat am 6. September 1862)Ancestry/Kirchbuch: gestorben an einer Nierenkrankheit. Am 4. April 1868 wurde Kolo Moser in der Paulanerkirche in Wien-Wieden auf die Namen Koloman Josef getauft.Digitalisat Er hatte zwei jüngere Schwestern, nämlich Charlotte (* 2. Juli 1869; † 8. Juni 1955)Charlotte Moser, Schwester des Künstlers, bei Belvedere und Leopoldine (* 6. November 1877; † 13. Juli 1957).Leopoldine wurde am 19. Februar 1901 die Ehefrau von Rudolf Steindl (* 13. April 1871; † 14. September 1953). Seinen Schwiegersohn hat Kolo Moser zweimal porträtiert. Das Paar bekam drei Kinder: Elisabeth Maria Theresia (* 4. Oktober 1901; † 22. März 1978) Digitalisat, Johann Ludwig Rudolf (* 13. Dezember 1902; † 24. November 1972) und Josef Calas Koloman Steindl (* 14. April 1912; † 7. März 1993)

Koloman besuchte nach der Grundschule die Handelsschule. Regelmäßigen Zeichenunterricht erhielt er dann an der Gewerbeschule auf der Wieden. Dem Wunsch seines Vaters, eine Anstellung in einem Wiener Seifen- und Parfümgeschäft anzunehmen, entzog er sich. Stattdessen meldete er sich 1885 heimlich an der Akademie der bildenden Künste Wien zur Aufnahmeprüfung an, die er bestand. 1886 bis 1889 studierte er an der Akademie bei Franz Rumpler, 1889 bis 1890 bei Christian Griepenkerl und 1890 bis 1893 bei Josef Mathias Trenkwald. Der Vater starb 1888 im Alter von nur 59 Jahren.Kirchbuch: gestorben an einem Lungenödem in Verbindung mit Altersschwäche. Das erforderte für die Familie den Auszug aus dem Theresianum in der Favoritenstr. 15. Seitdem lebten die Mutter und ihre drei Kinder in einer kleinen Mietwohnung im 3. Bezirk, in der Stanislausgasse 5.

Zur Finanzierung des Familienhaushalts und um ab 1893 an der Kunstgewerbeschule ein weiteres Studium beginnen zu können, nahm Moser zahlreiche Illustrationsaufträge bei Kunstzeitschriften an, wie der Wiener Mode oder den Meggendorfer-Blättern. Dazu gehört auch, dass er auf Empfehlung seines Lehrers Josef Mathias Trenkwald 1892 und 1893 die Stelle eines Zeichenlehrers der beiden TöchterMaria Annunziata 1876–1961 und Elisabeth Amalia 1878–1960. des Erzherzogs Karl Ludwigs von Österreich auf Schloss Wartholz in der Reichenau an der Rax übernahm.

1892 bis 1897 war Moser Mitglied im Siebener-Club, aus dem später die Wiener Secession entstehen sollte. Von 1893 bis 1895 studierte Moser bei Franz von Matsch an der Kunstgewerbeschule, wo er ab 1899 auch selbst unterrichtete. 1896 wurde er in die Genossenschaft der bildenden Künstler im Wiener Künstlerhaus aufgenommen, trat aber bereits nach einem halben Jahr wieder aus. In dieser Zeit arbeitete er an Beiträgen für Martin Gerlachs Mappenwerk „Allegorien. Neue Folge“. 1897 war Moser Mitbegründer der Wiener Secession und gewann den Wettbewerb zur Ausgestaltung der Vignette für den Briefkopf. Über die Zeitschrift der Secession, Ver Sacrum, nahm er maßgeblichen Einfluss auf Konzeption und Gestaltung der Arbeit und stellte bis 1903 ca. 140 Illustrationen zur Verfügung. In den Folgejahren kümmerte er sich, teils allein, teils mit anderen Künstlern, um die Veranstaltungen, Ausstellungen und die Organisation der Wiener Secession. Als im November 1898 das Gebäude der Secession eröffnet wurde, konnte der von Moser entworfene Fassadenschmuck in Form stilisierter Eulen, Bäume und des Frieses der Kranzträgerinnen sowie das figurale Glasfenster in der Eingangshalle bewundert werden.

Im Herbst 1897 unternahm Moser eine Reise über München, Nürnberg und Bamberg nach Leipzig, Dresden und Prag. Zwischendurch arbeitete er am Entwurf weiblicher Porträtmedaillons als Allegorien der Tugenden, die für das 1898 fertiggestellte Wohn- und Geschäftshaus des Architekten Otto Wagner bestimmt waren. Auch fertigte er mehrere Entwürfe zur Textilgestaltung für die österreichische Firma Joh. Backhausen & Söhne – einen renommierten Textilhersteller – an. Kolo Moser war in jenen Jahren hauptsächlich kunstgewerblich tätig. Weitere Entwürfe eines figuralen Glasfensters für das Geschäftslokal von Josef Hoffmann und Entwürfe für die Glasgestaltung des k.k. Hoflieferanten E. Bakalowits & Söhne folgten 1899. Dabei wurde er von dem in der Wiener Secession ausstellenden schottischen Künstlerpaar Charles Rennie Mackintosh und Margaret MacDonald Mackintosh und der englischen Arts-&-Crafts-Bewegung beeinflusst. 1899 reiste Moser wiederum nach Prag, Dresden und auch Berlin. 1900 fuhr er über München und Straßburg zur Pariser Weltausstellung. 1901 besuchte er gemeinsam mit Ludwig Bakalowits die böhmischen Glasfabriken in Klostermühle und Winterberg und reiste mit Carl Moll nach Dresden.

Seine Ernennung zum Professor für dekoratives Zeichnen und Malen an der Kunstgewerbeschule im Jahr 1900 war ein folgerichtiger Schritt in Anerkennung seiner bisherigen künstlerischen Arbeit. Neben seiner Unterrichtstätigkeit und der Förderung künstlerischen Nachwuchses waren auch die nächsten Jahre sehr stark von handwerklich-gestalterischen Aufgaben geprägt. So fertigte er für den Möbel- und Innenausstatter-Betrieb der Firma Portois & Fix eine Serie von Möbelentwürfen, für die renommierte Wiener Porzellanmanufaktur Josef Böck stellte er Gestaltungsentwürfe bereit und fertigte 1901 ein figurales Glasfenster für das Hotel „Bristol“ in Warschau an. Auch erschloss er sich weitere Aufträge im Bereich des Wiener Theaters. Für Felix Saltens „Jung-Wiener Theater“ stellte er 1901 Entwürfe für Bühnenbilder, Kostüme, Plakate und Programme bereit.

1902 bezog Moser mit seiner Mutter und Schwester das von Josef Hoffmann erbaute Wohnatelier auf der Hohen Warte in Wien 19., Steinfeldgasse 6 (Villenkolonie Hohe Warte)In diesem Haus lebte nach Kolo Mosers Tod 1918 weiterhin seine Mutter Therese bis zu ihrem Tod 1926, sowie seine Schwester Leopoldine (1877–1957) mit ihrem Mann Rudolf Steindl (1871–1953) bis 1930. Lt. Adressbuch "Lehmann" wohnte dort auch Kolo Mosers Sohn Karl (1906–1976) bis ca. 1938, wogegen Rudolf Steindl 1935 zunächst in die Himmelstraße 30 (Malerakademie Delug) und 1937 in die Himmelstraße 45 (Feistel-Villa) umzog., neben der Doppelhaushälfte Steinfeldgasse 8, wo Carl Moll wohnte. Die Wohnung wurde von Moser nach seinen eigenen Entwürfen möbliert. Im Sommer bereiste er Abbazia, Lovran, Triest, Venedig und Padua. Möbelentwürfe für die Korbwarenfabrik Prag-Rudniker und die Bugholzfirma Jacob & Josef Kohn, die gemeinsam mit Josef Hoffmann vorgenommene Ausgestaltung der Villa des Textilunternehmers Fritz Wärndorfer folgten.

1903 gründete Josef Hoffmann gemeinsam mit Kolo Moser und dem Industriellen Fritz Wärndorfer die Wiener Werkstätte. Diese hatte zum Ziel, das Kunsthandwerk gegenüber der industriellen Produktion zu fördern. Nach Entwürfen von Kolo Moser wurden dort Möbel, Schmuck, Leder- und Metallarbeiten, Spielzeug, Bucheinbände und weitere der Kunst verpflichtete Arbeiten ausgeführt. Für die Werkstätte selbst entwarf er zwei figurale Glasfenster „Regen und Sonnenschein“. Im Sommer reiste Moser wieder mit Moll über München nach Bern, wo er zum ersten Mal mit Ferdinand Hodler und Cuno Amiet zusammentraf, Basel, Paris, Brügge, Scheveningen, Antwerpen, Lübeck und Hamburg. 1904 fuhr er mit seiner späteren Frau Ditha (1883–1969) und deren Mutter Editha Mautner von Markhofgeb. Freiin Sunstenau von Schützenthal (1846–1918) nach Riva an den Gardasee, nach Verona und Venedig. Im September war er in Berlin, wo die erste Ausstellung der Wiener Werkstätte von ihm gestaltet wurde.

Am 14. Juni 1905 trat Moser mit der Klimt-Gruppesog. „Klimt-Gruppe“: Josef Maria Auchentaller, Adolf Boehm, Josef Hoffmann, Adolf Hölzel, Gustav Klimt, Maximilian Kurzweil, Wilhelm List, Richard Luksch, Carl Moll, Koloman Moser, Felician Myrbach-Rheinfeld, Emil Orlik, Alfred Roller, Otto Schönthal, Otto Wagner, Eduard Josef Wimmer-Wisgrill aus der Wiener Secession aus. Er heiratete am 1. Juli 1905 die vermögende Industriellentochter Ditha Mautner von Markhof und wechselte wegen dieser Hochzeit seine Konfession. Die Mautner Markhofs waren multikonfessionell. Die Hochzeitsreise führte das junge Paar ins Salzkammergut nach Hallstatt und St. Gilgen zu Carl Moll. Moser übersiedelte von seinem Haus auf der Hohen Warte auf die Landstraßer Hauptstraße 138 in eine Wohnung im Gartentrakt des Palais Mautner Markhof, die er ebenfalls wieder nach eigenen Entwürfen einrichtete. Die junge Familie hielt sich auch oft in der Villa der Mautner Markhofs auf dem Semmering auf.Adresse: Semmering 74 - nahe dem Wolfsbergkogel und dem Südbahnhof. Das Haus wurde 1901 von dem Österreichischen Architekten Franz Neumann (1844–1905) errichtet. Später hieß es „Haus Adelmann“. Am 21. August 1906 wurde der älteste Sohn Karl († 26. Februar 1976) geboren. Im November des gleichen Jahres erschien die von Moser entworfene Briefmarkenserie für Bosnien-Herzegowina. 1907 verließ Moser die Wiener Werkstätte wegen Differenzen mit Fritz Wärndorfer und begann sich seither wieder mehr der Malerei zu widmen. Im Sommer reiste er wieder nach Venedig und Padua, 1908 gemeinsam mit seiner Frau und Hermann Bahr ebenfalls nach Venedig. Am 1. Juli 1909 wurde der zweite Sohn Dietrich geboren, der bereits mit fast 16 Jahren am 21. Juni 1925 starb.

mini|Grab Koloman und Ditha Moser auf dem Hietzinger Friedhof|alternativtext=