Fotografisches Gedächtnis ist ein umgangssprachlicher und nicht einheitlich gebrauchter Begriff zur Beschreibung bestimmter Gedächtnisleistungen. Allgemein beschreibt der Begriff die Fähigkeit einer Person, sich an Einzelheiten eines bestimmten Ereignisses erinnern zu können, das in Form visueller Wahrnehmungen gespeichert ist. Die betreffende Person hat so den Eindruck, das Ereignis wie auf einem Foto vor sich zu sehen. Ein fotografisches Gedächtnis in diesem Sinne existiert nicht.
Häufig wird das eidetische Gedächtnis (von Eidetik) als fotografisches Gedächtnis bezeichnet; dies ist auf seine Funktion zurückzuführen.
Eidetisches Gedächtnis In der Psychologie werden als Fachbegriffe ikonisches Gedächtnis und eidetisches Gedächtnis verwendet. Das ikonische Gedächtnis bezeichnet die kurzfristige Speicherung der (exakten) visuellen Informationen im sensorischen Gedächtnis, die eine Zeitspanne von mehreren hundert Millisekunden umfasst. In einigen (seltenen) Fällen können Menschen die detaillierten visuellen Informationen auch wesentlich länger über das ikonische Gedächtnis hinaus speichern; dies bezeichnet man dann als eidetisches Gedächtnis.Rainer Maderthaner: Psychologie. UTB, 2007, ISBN 978-3-8252-2772-2, S. 219 () Bis zu welchem Grad es sich in einem solchen Fall um eine fotoähnliche Speicherung der Informationen im sensorischen Gedächtnis handelt, ist umstritten.David Moxon: Memory. Heinemann, 2000, ISBN 978-0-435-80652-1, S. 15 () Auch die exakte Verwendung dieses Begriffes in der Fachliteratur ist nicht einheitlich. Eine häufig verwendete Definition des eidetischen Gedächtnisses ist nach Gray und Gummerman die folgende:
Studien zufolge besitzen etwa 5 bis 10 Prozent der Kleinkinder bis zu einem gewissen Grad ein eidetisches Gedächtnis. Bekannte Einzelfälle, denen in der Literatur gelegentlich ein fotografisches beziehungsweise eidetisches Gedächtnis zugeschrieben wird, sind unter anderem Kim PeekJ. David Sweatt: Mechanism of Memory. Academic Press, 2009, ISBN 978-0-08-095919-1, S. 44 (), Stephen WiltshireFrancesca Happé, Uta Frith: Autism and Talent. Oxford University Press, 2010, S. 185, ISBN 978-0-19-956014-1 () und Solomon ShereshevskyGary Stix: You Must Remember This ... Because You Have No Choice. In: Remember When?: The Science of Memory. MacMillan, 2013, ISBN 978-1-4668-3388-3, S. 28 (Auszug (Google)). Ihre Klassifizierung als „echte“ Eidetiker ist jedoch umstritten.
Siehe auch Highly Superior Autobiographical Memory Inselbegabung
Literatur Rainer Maderthaner: Psychologie. UTB 2007, ISBN 978-3-8252-2772-2, S. 219 David Moxon: Memory. Heinemann 2000, ISBN 978-0-435-80652-1, S. 15 Bennett L. Schwartz: Memory: Foundations and Applications. Sage Publications, 2013, ISBN 978-1-4833-2326-8, S. 172 ()
Weblinks
Memory (PDF, englisch; 784 kB) – Dokument auf den Webseiten der Kaavya Syndrome (englisch) – Artikel im Slate Magazine vom 27. April 2006
Einzelnachweise
Kategorie:Gedächtnis Kategorie:Sehen