mini|Durchführung einer Brit Mila mini|Beschneidungsbank in der Abuhav-Synagoge in Safed mini|Beschneidungsmesser mit Etui (um 1760, Museum für Hamburgische Geschichte) mini|Beschneidungswerkzeuge des Mohel mini|Grabstein mit Mohelmesser auf dem Jüdischen Friedhof Hagenbach in der Gemeinde Pretzfeld
Die Brit Mila (, auch Bərit Mila; Plural ; jiddische Aussprache Brismile, abgekürzt: die Bris/Brit) ist die Entfernung der Vorhaut des männlichen Gliedes (Zirkumzision) nach jüdischem Brauch. Durchgeführt wird sie durch einen Mohel, den Beschneider, der in der Praxis der Brit Mila ausgebildet wurde.Peter Bollag: Schnittiger Typ. In: Jüdische Allgemeine. 17. November 2011.
Die Beschneidung ist ein Gebot, das selbst von den meisten säkularen Juden befolgt wird, da sie es als wichtigen Bestandteil jüdischer Identität ansehen.
Religiöse Tradition Darstellung im Tanach Die Brit Mila wird im Judentum als Eintritt eines männlichen Nachkommen in den Bund mit Gott angesehen. Diesen Bund ging Gott nach jüdischer Überlieferung mit Abraham (und seiner Familie) ein; er wird auch als „abrahamitischer Bund“ bezeichnet. In heißt es:
Auslegung Der evangelische Theologe Claus Westermann schrieb Gen 17 der Priesterschrift (P) zu. Er macht folgende Textbeobachtungen:
Gen 17,1–3 hat strukturelle Ähnlichkeiten zu Adonai spricht Befehl und Verheißung Adonais Reaktion Abrahams Gen 17 besteht zum größten Teil aus der Gottesrede, die in drei Stücke gegliedert werden kann: 3b–8 Verheißung (als Verarbeitung der Vorlage Gen 15) 9–14 Gebot 15–21 Verheißung (als Verarbeitung der Vorlage Gen 18) Das entscheidende Leitwort ist „Bund“ (): Damit hängt einerseits Gottes Verheißung und andererseits Abrahams Erfüllung des Beschneidungsgebots zusammen. Gen 17 dient der Vergegenwärtigung der Väterverheißung in der Exilszeit und knüpft sie an die Beschneidung. P verwendet El Schaddaj () als Gottesbezeichnung der Vätergeschichte, abgrenzend zur Urgeschichte () und zur Volksgeschichte (), vgl. Ex 6,3. Die Landverheißung tritt im Vergleich zu Gen 15 gegenüber der Mehrungsverheißung zurück. Abraham repräsentiert in Gen 17 das Volk Israel. Es wird erwartet, dass die Zugehörigkeit zu Gott vorbehaltlos und „ganz“ ( V. 1) ist. Das Niederfallen kann als Annahme der Verheißung und zugleich als Bejahung des Gebots verstanden werden (V. 3). Die Namensumbenennung will den Namen nicht erklären, sondern verknüpft ihn mit der Bedeutung „Vater von Menschenmengen“ (hamon), wobei sprachgeschichtlich die Bedeutung von Abra(ha)m „Der Vater ist erhaben“ sein müsste. Es tauchen die klassischen Väterverheißungen auf (V. 7–8): Nachkommenschaft, Land, Gottsein (mit besonderer Hervorhebung der Verheißung des Gottseins). „um für dich Gott zu sein“ entspricht der Bundesformel „Ihr werdet mein Volk sein und ich werde euer Gott sein“, allerdings nicht in ihrer zweigliedrigen Form Das Beschneidungsgebot sieht Westermann weniger im Zusammenhang mit Kult oder Gottesverehrung (daher das Fehlen des Beschneidungsgebots in den älteren Gesetzescorpora des Tanach), sondern interpretiert sie als Zeichen für die Volkszugehörigkeit (zum Volk Adonais). Die häufigsten Begründungen für die Beschneidung sind für Westermann (a) physische/hygienische Gründe, (b) aus gesellschaftlichen Gründen (rite des passage) und (c) aus religiösen Gründen. P zielt für Westermann darauf, drei volkskultische Riten zu begründen, die mit dem Bestehen der Familie zusammenhängen: Beschneidung (Gen 17) Heiraten im eigenen Volk (Gen 24) Begraben im eigenen Land (Gen 23 + 25) mini|Beschneidungskissen, Jüdisches Museum der Schweiz
Wirkungsgeschichte Sie findet am achten Lebenstag des männlichen Säuglings statt. Falls dieser schwach oder kränklich ist, wird sie bis nach der Genesung verschoben. Lassen Eltern ihren Sohn nicht beschneiden, ist der Junge mit Erreichen der religiösen Volljährigkeit mit Vollendung des 13. Lebensjahres selbst verpflichtet, sich beschneiden zu lassen. Tut er dies nicht, begeht er laut Schulchan Aruch dadurch jeden Tag eine Sünde.Schulchan Aruch, Jore Deah 261:1
Die Beschneidung wird begleitet von verschiedenen Brachot (Segen) und ist nur in Verbindung mit diesen gültig. Der Sandak, auf dessen Knien der Junge ruht, übergibt ihn zur Beschneidung dem Mohel, einem dazu ausgebildeten Fachmann. Bei zeremoniellen Beschneidungen in der Synagoge wird meistens ein Beschneidungsstuhl verwendet. Solche Stühle oder Bänke haben meistens zwei Sitze. Der Sandak sitzt mit dem Baby links, während die rechte Seite leer bleibt. Der leere Sitz ist dem Propheten Elia reserviert. Unterschiedliche Auffassungen gibt es darüber, ob die Beschneidung mit Betäubung„Bedenken gegen die Brit Mila aus medizinischen Gründen läßt sich durch eine Durchführung der Zirkumzision nach dem jeweils aktuellsten chirurgischen Standard begegnen, unter Anwendung einer geeigneten Anästhesie.“ (Antje Yael Deusel: Beschneidung und jüdische Identität. Website der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland) oder ohne„[Das Baby] erhält nicht einmal eine örtliche Narkose, denn den Bund mit Gott muss man sozusagen bei vollem Bewusstsein vollziehen. Natürlich schreit das Baby, natürlich tut ihm der Eingriff weh.“ (Paul Spiegel: Was ist koscher? Jüdischer Glaube, jüdisches Leben. München 2003, S. 40) durchgeführt werden soll. In Israel praktizieren 380 der 400 vom Oberrabbinat anerkannten Mohalim die Brit Mila ohne örtliche Betäubung; die restlichen 20 führen die Brit Mila mit Betäubung durch (Stand 2012 oder davor).Thorsten Schmitz: Der Schrei. In: Süddeutsche Zeitung. 7. August 2012, S. 3. Die Beschneidung darf nicht von einem Nichtjuden durchgeführt werden.Schulchan Aruch, Jore Deah 264
Die Brit Mila ist eine der 613 Mitzwot, der Gebote des Judentums. Auch ein männlicher Proselyt muss sich beim Übertritt zum Judentum beschneiden lassen.Schulchan Aruch, Jore Deah 268:1 Falls der Übertretende schon beschnitten ist, fordert das orthodoxe Judentum eine symbolische zweite Beschneidung (Tippat Dam, hebr. „Blutstropfen“, d. h. Vornahme einer kleinen Inzision, bei der mindestens ein Blutstropfen sichtbar wird); im liberalen/progressiven Judentum wird dies nicht durchgängig gefordert bzw. praktiziert.
Nach Auffassung der historisch-kritischen Bibelwissenschaft wurde die Brit Mila als Bekräftigung des „abrahamitischen Bundes“ erst mit der im Babylonischen Exil entstandenen Priesterschrift dem Pentateuch hinzugefügt.
Entscheidung der frühchristlichen Kirche mini|Giovanni Bellini: Die Beschneidung Jesu
Die judenstämmigen frühen Christen trafen in ihrer Heidenmission bei der Durchsetzung von Gebot und Verbot aufgrund anderer kultureller Traditionen der zu Missionierenden teils auf heftigen Widerstand. Dieser machte sich insbesondere in der Abwehr des Beschneidungsrituals fest.
Disput auf einem Apostelkonvent Die Entscheidungsfindung in der christlichen Gemeinde zum Umgang mit der Beschneidung im Bezug auf „Heidenchristen“ dokumentiert die Apostelgeschichte im Neuen Testament im Zusammenhang der Ersten Missionsreise des Paulus im Kapitel 15, Das Apostelkonzil beschließt über die Grundsätze der Heidenmission: „Eines Tages kamen Leute aus Judäa nach Antiochien und behaupteten: ‚Wer nicht die Beschneidung nach mosaischem Gesetz vollzieht, kann nicht gerettet werden.‘ Paulus und Barnabas widersprachen und gerieten in heftigen Streit mit ihnen. Da beschloss die Gemeinde, dass Paulus und Barnabas und noch einige andere aus dem Kreis diese Streitfrage durch die Apostel und Ältesten in Jerusalem klären lassen sollten.“
„Dort angekommen, wurden sie von der Gemeinde, Aposteln und Ältesten formell empfangen. […] Pharisäer, die Christen geworden waren“, wiesen auf die Notwendigkeit hin, „das Gesetz des Mose zu halten“, woraufhin eine Versammlung abgehalten wurde und „nach hitzigem Streit“ ergriff Petrus das Wort, wobei er sich auf seine Ersterwählung durch Gott berief, um den Heiden zu predigen: Durch Gottes unterschiedslose Vergabe des Heiligen Geistes an alle Menschen, seien „alle Unterschiede zwischen ihnen und uns verschwunden.“ Daraus leitete Petrus ab: „Warum fordert ihr also Gott heraus, indem ihr den Heidenchristen das Joch des Gesetzes auferlegen wollt, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten.“ Nach dem anfolgenden Bericht von Paulus und Barnabas über die allgemeinen Erfolge ihrer Mission argumentierte „Jakobus, der Herrenbruder“, – in Bezug auf Amos 9,11 f. LXX – mit Gottes ‚Wiederaufrichtung der verfallenen Hütte Davids‘ und [Gottes Gebot:] Dann sollen die anderen anfangen, den Herrn zu suchen, alle Heidenvölker, über denen mein Name ausgerufen ist und die dadurch schon immer mir gehören.‘ Jakobus: „Daher bin ich dafür, dass wir denen aus den Heidenvölkern, die sich zu Gott bekehrt haben, keine unnötige Last auferlegen sollten.“
Bekanntgabe der Entscheidung Das „Apostelkonzil“ beschloss, zusammen mit dem Brief „zwei Männer aus ihrer Mitte zu bestimmen, die mit Paulus und Barnabas nach Antiochien reisen sollten, und zwar Judas, genannt Bar Sabbas, und Silvas, beide führende Persönlichkeiten der Gemeinde.“ Dadurch war die Legitimation der Überbringer gewährleistet. „Nachdem diese dann in Antiochien angekommen waren, übergaben sie den Brief der versammelten Gemeinde. Als der Brief vorgelesen wurde, freuten sich alle über die ermutigende Entscheidung.“Zitate nach: Klaus Berger, Christiane Nord: Das Neue Testament und frühchristliche Schriften. Insel, Frankfurt am Main/Leipzig 1999, S. 538 ff.
Berger und Nord, die die Verfassung der Apostelgeschichte auf das Ende der 60er Jahre n. Chr. datieren, weisen darauf hin, „daß das auf dem sogenannten Apostelkonvent (ca. 48 n. Chr.) erstellte Aposteldekret (Apg 15,20) innerhalb dieses Buches öfter wiederholt wird [und …] es im Adressatenbereich um ein Zusammenleben von Judenchristen und Heidenchristen ging.“ Dabei wird die „Legitimität und Notwendigkeit einer beschneidungsfreien Heidenmission begründet.“Berger/Nord: Das Neue Testament und frühchristliche Schriften. 1999, S. 506.
Unterschiedliche Sichtweisen und Ausübung innerhalb des Judentums Orthodoxes Judentum Das orthodoxe Judentum ist der Auffassung, dass die Tora (sowohl die schriftliche Tora, wie sie in der hebräischen Bibel überliefert wurde, als auch die mündliche Tora, die im Talmud verschriftlicht wurde) Mose am Sinai von Gott offenbart wurde und dass deshalb die Halacha (der rechtliche Teil der Überlieferung des Judentums) verbindlich ist.
Die Brit Mila ist nach der Halacha zwar keine Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum Judentum; diese ist religionsrechtlich bereits durch die Abstammung von einer jüdischen Mutter gegeben. Die Brit Mila ist aber laut der Halacha bei männlichen Nachkommen als eine Bestätigung des Bundes mit Gott eine religiöse Pflicht (Mizwa) des Vaters des Kindes; kommt der Vater dieser Pflicht nicht nach, geht sie mit Erreichen der religiösen Volljährigkeit mit 13 Jahren auf den Sohn selbst über.
Ultraorthodoxes Ritual Metzitzah B’peh In manchen ultra-orthodoxen Gemeinden, insbesondere in Israel und in den USA, saugt der Mohel als Abschluss der Beschneidung das Blut von der Wunde direkt am Kinderpenis mit dem Mund ab (Metzitzah B’peh). Diese Praxis ist stark umstritten, da es dabei zu einer Infektion des Kindes mit Herpes simplex Typ 1 kommen kann, mit dem Risiko von Hirnschäden und Tod.The New York City Department of Health and Mental Hygiene: