Grímsvötn [] (isländisch „Grímurs Seen“) ist der Name eines Vulkans und eines subglazialen Sees, die im isländischen Hochland im Südosten von Island unter dem rund 8300 km² umfassenden Gletscherschild des Vatnajökull-Gletschers verborgen liegen. Dort befinden sich mehrere große Vulkanzentren, Bárðarbunga und Grímsvötn sind die bedeutendsten von ihnen.

Name Sowohl die Seen wie auch der Vulkan leiten ihren Namen von einer Volkssage ab.

Demnach hatte sich bei den als eisfrei zu denkenden Seen ein Mann namens Grímur niedergelassen, der aus den Westfjorden kam (daher sein Beiname Vestfjarða Grímur). Er hatte jedoch ein Verhältnis mit der Tochter von Trollen, die ihn, als sie auf ihn wütend war, eines Tages mit einem Fluch bedachte: Die Seen, an denen er wohnte, sollten zu bestimmten Zeiten Feuer speien und die Wälder der Umgebung niederbrennen – ein Fluch, der reichlich in Erfüllung ging.www.ruv.is RÚV.is: Hver var Grímur? RÚV, fréttir, 30. Mai 2011 (isländisch); abgerufen am 30. Mai 2011.

Vulkan Es handelt sich um einen subglazialen Zentralvulkan, dessen System seit der Besiedelung Islands die höchste Ausbruchshäufigkeit aufweist.

Im Rand der Hauptcaldera des Zentralvulkans liegt der Berg Grímsfjall, der mit einer Höhe von die höchste Erhebung des Zentralvulkans bildet. Der Zentralvulkan besteht aus verschiedenen ineinander verschränkten und größtenteils mit Eis gefüllten Calderen sowie einem subglazialen See in der Hauptcaldera.

Vulkansystem der Grímsvötn Zum Vulkansystem der Grímsvötn zählt auch der Vulkan Gjálp, der 1996 durch einen großen Gletscherlauf auf sich aufmerksam machte. Laut Magnús Tumi Guðmundsson ist auch Þórðarhyrna zuzurechnen.Magnús T. Gudmundsson, Thórdís Högnadóttir: Volcanic systems and calderas in the Vatnajökull region, central Iceland: Constraints on crustal structure from gravity data, Journal of Geodynamics, Vol. 43, iss. 1, Jan. 2007, 153–169; doi:10.1016/j.jog2006.09.015

Auch die Kraterreihe der Laki-Krater wird nach neuerer Forschung zu diesem Vulkansystem gezählt..

Vulkanische Aktivität Allgemeines mini|hochkant=1|Schemazeichnung einer subglazialen Eruption mit Erläuterungen mini|hochkant=1|Grímsvötn, Juli 1972 Der Vulkan Grímsvötn ist einer der aktivsten Vulkane Islands. Seit der Besiedelung Islands im 9. Jahrhundert sind etwa 60 Ausbrüche des Vulkans bekannt. Während der letzten 100 Jahre eruptierte Grímsvötn im Durchschnitt etwa alle 10 Jahre: 1910, 1922, 1933, 1934, 1938, 1954, 1983, 1986, 1996, 1998, 2004 und 2011Ari Trausti Guðmundsson: Lebende Erde. Facetten der Geologie Islands. Reykjavík 2007, S. 197.Vgl. auch [ Grímsvötn. Eruptive history.] Global Volcanism Program, Smithsonian Inst.; abgerufen am 28. Mai 2011. Weitere Ausbrüche werden in den Jahren 1919, 1939, 1941, 1948, 1972 und 1984 vermutet.

Ein Großteil der etwa 60 bekannten Ausbrüche des Grímsvötn-Vulkans aus den letzten 800 Jahren haben sich an kurzen Ausbruchsspalten innerhalb der Hauptcaldera abgespielt.

Erst 1934 konnte man die erste Eruption tatsächlich aus der Nähe beobachten, obwohl man in vergangenen Jahrhunderten natürlich Aschenfall bemerkt und die Eruptionssäule aus der Ferne gesehen hatte. Doch der Vulkan liegt etwa 50 km vom bewohnten Gebiet entfernt mitten im Gletscher Vatnajökull, d. h. an schwer zugänglicher Stelle.

mini|hochkant=1|Grímsfjall mit Wolken, Juli 1972 Erst seit den 1930er Jahren kennt man auch die Lage der seit damals entstandenen Krater. Die Ausbruchsstellen von 1934, 1983 und 1998 etwa befinden sich alle ungefähr an derselben Stelle, nämlich am Rand der Caldera unterhalb des westlichen Svíahnjúkur und unterhalb der Nordseite des Grímsfjall. Die Nordflanke des Berges erhebt sich steil etwa 200 bis 300 m über die Eisdecke, die ihrerseits den darunterliegenden Gletschersee bedeckt. Die Bergflanke besteht zur Gänze aus Palagonit und bildet gleichzeitig den Südrand der Hauptcaldera der Grímsvötn. Alle bisher bekannt gewordenen Ausbruchsspalten lagen parallel zum Calderenrand.

Die Stelle des Ausbruchs von 2004 befindet sich jedoch an einem anderen Ort, nämlich im Südwesten des Gletschersees, etwa 2 km weiter westlich. Vermutlich befanden sich einige Krater der Ausbrüche im 19. Jahrhundert etwa an dieser Stelle.Nach: Magnús T. Guðmundsson: Grímsvatnagos - Yfirlit. Háskóli Íslands. www.jardvis.hi.is; abgerufen am 15. November 2010.

Einzelne Eruptionsphasen Bis zum 17. Jahrhundert Die bisher nachgewiesene Geschichte der Ausbrüche des Grímsvötn-Vulkans beginnt vor etwa 8230 Jahren mit einem starken explosiven Ausbruch (VEI6).[ www.volcano.si.edu] Grímsvötn, Eruptive History IN: Global Volcanism Program, Smithsonian Inst.; abgerufen am 8. August 2010.

Der berühmte, hauptsächlich effusive Ausbruch der Laki-Krater im 18. Jahrhundert hatte auch schon Vorgänger in der Gegend. So wurde ein ähnlicher Ausbruch unbekannter Stärke vor etwa 4500 Jahren belegt.

Weitere vorhistorische Eruptionen vor etwa 3500 und 2000 Jahren sowie um das Jahr 50 n. Chr. konnten nachgewiesen werden.

Seit der Zeit der Besiedelung Islands im 10. Jahrhundert brach der Vulkan zunächst etwa 2 bis 3 Mal in jedem Jahrhundert aus. Ab dem 17. Jahrhundert stieg die Ausbruchshäufigkeit deutlich an, allerdings können neuere Ausbrüche auch leichter nachgewiesen werden, u. a. weil Tephra- und Lavaschichten nicht so sehr von anderen Schichten überlagert sind.

18. Jahrhundert Mit dem Ausbruch der Laki-Krater in den Jahren 1783 und 1784 produzierte das Vulkansystem eine der verheerendsten Katastrophen in der isländischen Geschichte. Während der Eruption bedeckten 12 bis 14 km³ an Laven weite Teile des isländischen Südens. Gleichzeitig wurden zudem giftige Gase und Aschewolken ausgestoßen, die einen reichen Anteil an Schwefeldioxid und Fluor enthielten. Ein Fünftel der Bevölkerung starb an den direkten und indirekten Folgen wie der aus der Vergiftung der Weiden, Bäche und Flüsse mit anschließendem Viehsterben resultierenden Hungersnot.

Auch in anderen Ländern lösten die Aerosolwolken Missernten aus.Vgl. z. B. abgerufen am 8. August 2010.

1996: Ausbruch im Gjálp und Gletscherlauf über den Skeiðarársandur Der Ausbruch des später so bezeichneten Vulkans Gjálp 1996 hatte sich schon Tage zuvor durch Erdbebenserien und eine Rauch- und Aschewolke angekündigt. Die ungeheuren Mengen an Schmelzwasser flossen unter dem Eis ab und sammelten sich im subglazialen See Grímsvötn, wodurch der Wasserspiegel stark zu steigen begann und schließlich die davor liegende Eisbarriere durchbrochen wurde. Es kam zu einem Gletscherlauf vor allem der Flüsse Skeiðará und Gígjukvísl, wobei am Kulminationspunkt der Flut 45.000 m³/s zu Tal stürzten und die Sander vor dem Skaftafell-Nationalpark überfluteten.Vulkanolog. Inst., Univ. Island, Zum Ausbruch im Gjalp; abgerufen am 27. März 2011 (englisch).

Die Ringstraße (Hringvegur) war schon Tage zuvor gesperrt worden. Sie wurde durch die Fluten und die mitgerissenen Eisberge – von denen manche bis zu 10 m hoch waren und etliche Tonnen wogen – stellenweise schwer beschädigt, eine Brücke wurde ganz zerstört.www.mbl.is Morgunblaðið, 10. November 1996; abgerufen am 8. August 2010.

Die Eruption im Gjálp löste zudem am 6. November eine kleine Eruption im benachbarten Vulkan Bárðarbunga aus, die nur kurz anhielt, aber eine 4 km hohe Eruptionssäule produzierte.

1998: Ausbruch in den Grímsvötn Vom 18. bis zum 28. Dezember 1998 ereignete sich ein Vulkanausbruch in den Grímsvötn. Die Ausbruchsstellen befanden sich entlang einer 1300 m langen Spalte mit Ost-West-Ausrichtung nahe den Ausbruchsstellen von 1934 und 1983. Am Beginn der explosiven Eruption erreichte die Eruptionssäule eine Höhe von 10 km.

Da diesmal im Gegensatz zu der Eruption im Gjálp 10 km weiter nördlich im Jahr 1996 keine großen Eismengen schmolzen, kam es zu keinem größeren Gletscherlauf.Institute of Earth Sciences, Univ. of Iceland (englisch); abgerufen am 8. September 2011

2004: Ausbruch in den Grímsvötn mini|hochkant=1|Satellitenbild vom Ausbruch des Grímsvötn am 2. November 2004 Am 1. November 2004 brach der Vulkan erneut aus und schleuderte eine 13 km hohe Aschewolke in die Atmosphäre. Es wurden keine Personen verletzt, da der Vulkan umgeben und bedeckt von riesigen Eismassen im unbewohnten südöstlichen Hochland Islands liegt. Der Luftverkehr wurde weiträumig um die Aschewolke umgeleitet.DLR: Sciamachy auf Envisat - Ausbruch des Vulkans Grimsvötn in Island; abgerufen am 27. September 2010. Als Grund für den Ausbruch vermuten Forscher den steigenden Druck in der Magmakammer unter dem Gletscher Vatnajökull, der zum Aufbrechen der Gesteinsschichten und zu einer explosiven Eruption führte.earthice.hi.is Vulkanolog. Inst., Univ. Island; abgerufen am 24. Juli 2010. Andererseits wurde diesmal kein großer Gletscherlauf ausgelöst, weil sich seit dem letzten Ausbruch keine eigentliche Eisbarriere mehr aufgebaut hatte, das Wasser nicht gestaut wurde und nach und nach ablaufen konnte.

2010: Gletscherlauf der Grímsvötn ohne feststellbaren Ausbruch Seit dem 31. Oktober 2010 wurde vor allem im Fluss Gígjukvísl, der aus dem Talgletscher Skeiðarárjökull strömt, eine sich stetig erhöhende Wassermenge gemessen. Das Wasser des Flusses stammt teilweise aus den vergletscherten Seen Grímsvötn. Außerdem wurde eine erhöhte elektrische Leitfähigkeit des Wassers gemessen, was auf einen Anteil von heißem Tiefenwasser schließen lässt.

Der Gletscherlauf hatte an der Messstation am Gígjukvísl am 1. November 2010 einen Wasserfluss von 455 m³/s,en.vedur.is Veðurstofan, d. h. Isländisches meteorologisches Institut (englisch); abgerufen am 3. November 2010. am 2. November 2010 war er schon auf etwa 1650 m³/s angestiegen.

Gleichzeitig maß man mehrfach auch stärkere Erdbeben bis zur Stärke von 3 auf der Richterskala an der Messstation am Berg Grímsfjall, der zur Caldera des Grímsvötn-Vulkans gehört.vedur.is Isl. meteorolog. Inst. (isländisch); abgerufen am 3. November 2010.

Geologen des Vulkanologischen Instituts der Universität Island stellten am Morgen des 3. November 2010 außerdem ein plötzliches Anwachsen des vulkanischen Tremors an derselben Messstation fest.www.ruv.is Website der isländischen staatlichen Rundfunkanstalten RUV (isländisch); abgerufen am 3. November 2010.hraun.vedur.is Tremordaten des isl. meteorol. Inst. am Grímsfjall; abgerufen am 3. November 2010. Es hätte sich hier um Anzeichen eines bevorstehenden Ausbruchs handeln können.Axel Bojanowski: Vulkan in Island droht auszubrechen. Spiegel Online; abgerufen am 3. November 2010.

Die Geologen unternahmen daher am 3. November 2010 einen Überwachungsflug über den Gletscher und stellten dabei fest, dass die Gletscheroberfläche an einigen Stellen über den Grímsvötn eingesunken war. Andererseits zeigten sich am Abend des 3. November 2010 keinerlei Anzeichen für einen Vulkanausbruch, der die Gletscheroberfläche hätte durchbrechen können. Mit einer Wassermenge von 2600 m³/s und damit 600 m³/s mehr als beim Ausbruch von 2004 hatte der Gletscherlauf nach Ansicht der Wissenschaftler zu der Zeit seinen Höhepunkt erreicht. Die Leitfähigkeit in den Flüssen Gígjukvísl und Súla war jedoch immer noch hoch.vedur.is (PDF; 39 kB) Gemeinsamer Tagesbericht (isländisch: Minnisblað) des isländischen meteorologischen Amtes sowie der Abteilung für Vulkanologie an der Háskóli Íslands vom 3. November 2010, 17 Uhr (isländisch); abgerufen am 4. November 2010.