Unter einer Beratung (oder auch Konsultation, von ; zugehöriges Verb konsultierenKonsultation – Duden, Bibliographisches Institut; 2017) wird im Allgemeinen eine Form des Gesprächs bzw. der Kommunikation verstanden, also ein BeratungsgesprächBeratungsgespräch – Duden, Bibliographisches Institut; 2017 (). (englisch-deutsch) – Duden, Langenscheidt; 2015 Je nach Ziel, Format und Thema sind Beratungsgespräche unterschiedlich aufgebaut und strukturiert.Franz-Christian Schubert/Dirk Rohr/Renate Zwicker-Pelzer: Beratung. Grundlagen - Konzepte - Anwendungsfelder. Springer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-658-20843-1, S. 154–165. Üblicherweise findet Beratung mündlich statt, auch telefonisch oder über Videokonferenzen (von zwei oder mehr Personen), seltener auch schriftlich etwa mit Hilfe von E-Mail, Chats oder Briefen. Ziel von Beratung kann darin bestehen, Informationen weiterzugeben, den Adressaten zu einer bestimmten Handlung oder einem Unterlassen zu bewegen oder ihn bei der Bearbeitung von Problemen, der Klärung von Themen oder der Entscheidungsfindung zu unterstützen.
Personen, die Beratung häufig anbieten, werden auch mit dem Nomen Agentis Berater sowie KonsultantKonsultant – Duden, Bibliographisches Institut; 2017 oder auch (englisch ausgesprochen) Consultant (aus dem englischen entlehnt) (englisch-deutsch) – Duden, Langenscheidt; 2015 bezeichnet. In Österreich und in der Schweiz wird auch die Bezeichnung Konsulent verwendet.
Herkunft Das Wort Beratung stammt aus dem althochdeutschen , was „beraten“, „helfen“, „ratschlagen“ oder „einen Rat erteilen“ bedeutet.Wilhelm Braune: Althochdeutsches Lesebuch. 1875, S. 203. (books.google.de) Es beinhaltet den Rat als das aus einer Überlegung hervorgehende, an jemand gerichtete Urteil.Friedrich L. Weigand: Deutsches Wörterbuch. Band 1, 1968, S. 534. (books.google.de) Bereits im Althochdeutschen wurde Rat auch im Sinne von Beratung oder „beratende Versammlung“ gebraucht, woraus sich die Komposita Familienrat, Stadtrat oder Rathaus entwickelten.Duden: Das Herkunftswörterbuch: Etymologie der deutschen Sprache. Band 7, 2014, S. 678. (books.google.de) Der Ratschlag wiederum ist die „unmittelbar an eine Person gerichtete Sprechhandlung“.Rainer Paris, Raten und Beratschlagen. In: Sozialer Sinn 6/2, 2005, S. 355. Das Wort stammt aus dem althochdeutschen Verb râtslagôn, was so viel bedeutet wie „einen Kreis für die Beratung ziehen“.Lutz Mackensen: Ursprung der Wörter: Das etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache. 2013, S. 320. (books.google.de)
Allgemeines Beteiligte an einer Beratung sind der Berater und der Beratene, die jeweils natürliche Personen oder Organisationen sein können oder Beteiligte sind alle Gemeinsamberatende.Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Beratung, eine von der Forschungsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit erarbeitete Textzusammenstellung, Bahá’í Verlag, 2021, ISBN 978-3-87037-649-9 Die Berufsbezeichnung Berater ist nicht gesetzlich geschützt und wird oft auch in ehrenamtlichen Prozessbegleitungen verwendet. Insbesondere in der Wirtschaft und im Management wird der Begriff oft mit dem annähernden englischen Äquivalent Consulting umschrieben, das ebenfalls nicht geschützt ist. In diesen Sektor gehören insbesondere Unternehmensberatung, Management Consulting und IT-Beratung.
Beratung kann als ein Schema der Kommunikation verstanden werden, das relativ frei verfügbar ist und in vielen unterschiedlichen Situationen gewählt werden kann.Peter M. Fuchs, Enrico Mahler: Form und Funktion von Beratung. In: Soziale Systeme. 6/2, 2000, S. 359. Es ist die Kommunikation einer Gruppe, die zu einer gemeinsam akzeptierten Handlungsentscheidung findet oder sich über die Bestimmung oder Beurteilung eines Sachverhalts einigen möchte.Kai Buchholz: Professionalisierung der wissenschaftlichen Politikberatung? 2008, S. 36. (books.google.de)
Abgrenzungen Der Beratene kann am Ende der Beratung entscheiden, ob er den Rat annimmt und welches Verhalten er jetzt wählt.Rainer Schützeichel: Soziologische Kommunikationstheorien. 2004, S. 277. Dies unterscheidet die Beratung von Belehrung und Betreuung. Während der Beratene bei der Belehrung eine bestimmte Sichtweise zu berücksichtigen hat, muss er bei der Betreuung Fremdentscheidungen des Beraters hinnehmen. Zu unterscheiden ist ferner zwischen Auskunft (), Empfehlung (englisch ), Ratschlag (englisch ) und gemeinsam gefundenem Entscheid (englisch ). Auskunft ist die vom Anfragenden erbetene Mitteilung von Tatsachen, Empfehlung ist der Vorschlag eines bestimmten Verhaltens als im Interesse des Beratenen liegend. Im Vergleich zur Beratung fehlt der bloßen Empfehlung das Werturteil. Beide können den Willen des Adressaten beeinflussen, bei der Beratung ist diese Funktion jedoch stärker.Ingo R. Müller: Spanisches Anwaltshaftungsrecht. 2010, S. 176. (books.google.de) Der Ratschlag ist eine meistens unverbindliche, in der Regel verbale Empfehlung.
Beratung kann im Speziellen auch ein Verfahren sein, bei dem es keine Beratenen gibt, sondern alle Anwesenden gleichberechtigt miteinander beraten, z. B. bei der Baha'i-Beratung.Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Beratung, eine von der Forschungsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit erarbeitete Textzusammenstellung, Bahá’í Verlag, 2021, ISBN 978-3-87037-649-9
Rechtsfragen Beratung ist die Erklärung von Tatsachen einschließlich der Darstellung und Bewertung von Entscheidungsalternativen.Otto Palandt, Hartwig Sprau: Kommentar BGB. 73. Auflage. 2014, § 675 Rn. 32. Die Beratung umfasst sowohl eine Eigenbewertung des Beraters als auch – unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse des Beratenen – eine Empfehlung, die in eine Kauf-, Verkauf-, Halteempfehlung oder sonstige Entscheidung durch den Beratenen mündet. Eine unentgeltliche Gefälligkeitsauskunft zieht als Alltagsgefälligkeit keinerlei Haftungsansprüche nach sich, auch wenn sich diese im Nachhinein als falsch erweisen sollte.Tobias Platzen: Zivilrechtliche Haftung bei Informationsverschulden in der Versicherungsvermittlung. 2014, S. 52. (books.google.de) Eine unentgeltliche Beratung ist ein Indiz dafür, dass kein Beratungsvertrag abgeschlossen wurde.Peter Derleder, Kai-Oliver Knops, Heinz Georg Bamberger: Handbuch zum deutschen und europäischen Bankrecht. 2009, S. 115. (books.google.de) Ein unentgeltlicher Beratungsvertrag ist ein Auftrag (§ ff. BGB), ein entgeltlicher Beratungsvertrag ist ein Geschäftsbesorgungsvertrag als Dienstvertrag ( BGB).
Ist eine derartige Beratung Gegenstand eines geschäftlichen Kontaktes zwischen Berater und Beratenem und wirkt sich auf die finanziellen Verhältnisse des Beratenen aus, so wird die Beratung zur Vertragspflicht in einem Beratungsvertrag.Tobias Platzen: Zivilrechtliche Haftung bei Informationsverschulden in der Versicherungsvermittlung. 2014, S. 53. Die Parteien brauchen dabei ihren Willen, einen Beratungsvertrag zu schließen, nicht einmal ausdrücklich kundzutun. Von einem stillschweigenden Beratungsvertrag ist nämlich auszugehen, wenn ein Kreditinstitut mit einem Kunden ein Beratungsgespräch führt und dabei erkennen kann, dass die Beratung für den Kunden von erheblicher Bedeutung ist und er sie zur Grundlage einer Vermögensdisposition machen will.BGH, Urteil vom 6. Juli 1993, Az.: XI ZR 12/93 = , 128 Das gilt insbesondere dann, wenn für den Rat ein Entgelt gewährt oder versprochen wurde.BGH, Urteil vom 7. Januar 1965, Az.: VII ZR 28/63 = Das hat zur Folge, dass der Berater die Beratungshaftung für etwaige Beratungsfehler zu übernehmen hat.
Arten Die Beratung lässt sich wie folgt systematisieren:
beratendes Wirtschaftssubjekt Beratungsart Beratungsobjekt freie Berufe Ärztliche Beratung durch Ärzte Rechtsberatung durch Rechtsanwälte Steuerberatung durch Steuerberater Gesundheit Rechtsfragen Steueroptimierung Institutionen Berufsberatung durch Bundesagentur für Arbeit Sozialberatung durch Sozialverbände Berufswahl sozialer Status Unternehmen Anlageberatung durch Kreditinstitute Versicherungsberatung durch Versicherungsunternehmen Vermögensberatung durch Vermögensberater Vermögen, Altersvorsorge Risikotransfer Portfoliomanagement
Während die Beratung meist entgeltpflichtig ist (Ausnahme: Beratung durch Behörden und Lebensberatung), ist der Ratschlag in der Privatsphäre kostenlos.
Beratung kann zudem unterschieden werden nach Formaten (also der Art und Weise, wie beraten wird) und nach den Themenbereichen, denen sie sich widmet.
Zu den Beratungsformaten können zählen: Coaching, Klientenzentrierte Beratung, Lösungsorientierte Beratung, Mediation, Neuro-Linguistisches Programmieren, Psychodynamische Beratung, Systemische Beratung, Supervision.
In einer weiten Definition können auch alle Formen des therapeutischen Gesprächs als Formen von Beratung verstanden werden.Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer: Beratung. Grundlagen - Konzepte - Anwendungsfelder. Springer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-658-20843-1, S. 63–142.
Bezogen auf Themenbereiche können unterschieden werden: Anlageberatung, Ärztliche Beratung, Arbeitsmarkt-, Aufsuchende Familienberatung, Bauberatung, Berufsberatung, Bewerbungsservice, Bildungsberatung, Drogenberatung, Partnerschafts- und Eheberatung, Ehevorbereitung, Energieberatung, Ernährungsberatung, Erziehungsberatung, Fallberatung, Familienberatung, Farbberatung, Feng-Shui-Beratung, Findungsprozesse, Finanzberatung, Genetische Beratung, Honorarberatung, Individualpsychologische Beratung, Jugendberatung, Personenzentrierte bzw. Komplementärberatung, Konfliktklärung, Lebensberatung, Migrantenberatung, MPU-Beratung, Organisationsberatung, Philosophische Praxis, Politikberatung, Psychologische Beratung, Psychosoziale Beratung, Rechtsberatung, Rehabilitationsberatung, Rentenberatung, Schuldnerberatung, Schulberatung und Schullaufbahnberatung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Seelsorge, Sicherheitsberatung, Sozialberatung, Sozialarbeiterische Beratung, Soziologische Beratung, Steuerberatung, Strategieberatung, Stilberatung, Studienberatung, Verbraucherberatung, Verkehrspsychologische Beratung, Vermögensberatung, Versicherungsberatung und Weiterbildungsberatung.
Während die meisten dieser Beratungsformen freiwillig in Anspruch genommen werden, besteht bei anderen Themenbereichen eine Verpflichtung zur Beratung. Beispiele dafür sind in Deutschland die Schuldnerberatung vor der Beantragung einer Privatinsolvenz, die Regelung vor einer Schwangerschaftskonfliksberatung, die Energieberatung für bestimmte Unternehmen oder eine Gründungsberatung bei Förderprogrammen für Existenzgründer.
Ferner unterscheidet man auch nach dem Medium, über das die Beratung stattfindet (etwa Onlineberatung oder telefonische Beratung) sowie nach dem organisatorischen oder personellen Rahmen, in dem sie stattfindet (etwa Kollegiale Fallberatung oder Consulting).
Ist eine Beratung (anstelle eines aktiven Rat-Gebens) so gestaltet, dass Einzelpersonen oder Gruppen methodisch durch den Berater begleitet werden, um ihre Antworten selbst zu finden, Veränderungen selbst zu gestalten oder Entscheidungen (ohne inhaltliche Empfehlungen seitens des Beraters) zu treffen, spricht man auch von Prozessberatung, wohingegen die Vermittlung von Fachwissen, die Anleitung oder das Aussprechen von Empfehlungen als Fachberatung bezeichnet wird.Roswita Königswieser/Ebrû Sonuç/Jürgen Gebhard (Hrsg.): Komplementärberatung. Das Zusammenspiel von Fach- und Prozess-Know-how. Klett-Cotta, Stuttgart, 2006, ISBN 3-608-94142-8. In der Regel bestehen Beratungsformate aus einer Mischung eher prozessbezogener und eher inhaltsbezogener Beratungstätigkeit. Je nach Stil und Themenbereich kann Beratung dabei eher direktiv und ratgebend ausgerichtet sein oder eher non-direktiv, begleitend und prozessgestaltend.