mini|Lage des Statischen Bezirk 54 Reichelsdorf in Nürnberg
Reichelsdorf (nürnbergisch: Raichlsdoaf bzw. RaiglschdofD. Fastnacht: Nürnberg, S. 304. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: ráiχlsdǫəf bzw. rạẹglšdọv.) ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Nürnberg in der südwestlichen Außenstadt und namensgebend für die Nürnberger Gemarkung 3457 und den Statischen Bezirk 54.
Geographie Lage Reichelsdorf liegt im Süden der Kernstadt und besteht aus den beiden Teilen Reichelsdorf und Reichelsdorf Ost. Der Nordteil (Reichelsdorf) wird im Westen und Süden von der Rednitz und im Osten von der Bahnstrecke Treuchtlingen–Nürnberg begrenzt und ist mit Koppenhof baulich zusammengewachsen. Der Südteil (Reichelsdorf Ost) wird im Westen von der Bahnstrecke Nürnberg–Augsburg und im Osten vom Eichenwald begrenzt und ist mit Reichelsdorfer Keller zusammengewachsen.
Nachbarorte
Geschichte mini|Waldstromer-Schlösschen Im Jahr 1299 wurde Sifrit von Reicholtsdorf urkundlich erwähnt, somit indirekt auch der Ort Reichelsdorf. Das Ministerialengeschlecht von Reichelsdorf (oder Reichersdorf) saß um 1300 auf der Reichsforsthube zu Reichelsdorf und war wohl eines Stammes mit den Ministerialen von Eibach. Sie waren vermutlich Dienstleute des Reichsministerialengeschlechts Rindsmaul, das 1391 als Lehenherr der „Behausung“ zu Reichelsdorf genannt wird. Conrad Waldstromer kam 1336 in den Besitz der Reichelsdorfer Mühle (dem heutigen Mühlhof). Die Waldstromer verkauften sie 1539 zusammen mit weiteren Besitzungen sowie dem Herrensitz in Reichelsdorf an die Markgrafen von Ansbach.E. Fuchshuber: Nürnberg, S. 301f.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Reichelsdorf aus 25 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Schwabach aus, wurde aber von der Reichsstadt Nürnberg bestritten. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Schwabach. Grundherren sind das Kastenamt Schwabach (4 Höfe, 4 Viertelhöfe, 11 Güter, 1 Wirtshaus, Hirtenhaus, Zollhaus) und das Waldamt Laurenzi (1 Schlossgut, 1 Wirtshaus, 3 Güter).H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 163.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 6, Sp. 295.
Von 1797 bis 1808 unterstand Reichelsdorf dem Justiz- und Kammeramt Schwabach. 1806 kam der Ort an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Reichelsdorf gebildet. Zu diesem gehörten Deutenbach, Gerasmühle, Koppenhof, Krottenbach, Lohhof. 1818 entstand die Ruralgemeinde Reichelsdorf mit den Orten Gerasmühle, Koppenhof und Lohhof. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Schwabach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Schwabach (1919 in Finanzamt Schwabach umbenannt). Ab 1862 gehörte Reichelsdorf zum Bezirksamt Schwabach. Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Schwabach (1879 in Amtsgericht Schwabach umbenannt).H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 243. 1904 hatte die Gemeinde eine Gebietsfläche von 3,509 km².
Am 15. Juni 1922 wurde die Gemeinde Reichelsdorf nach Nürnberg eingegliedert und kam so zum Amtsgericht Nürnberg und dem Finanzamt Nürnberg.
Baudenkmäler In Reichelsdorf gibt es neun Baudenkmäler: Eichstätter Platz 1: katholische Pfarrkirche Heilige Familie Reichelsdorfer Hauptstraße 126: Wohnhaus Reichelsdorfer Hauptstraße 162: historische Gaststätte „Brandenburger Wirtshaus“ Reichelsdorfer Hauptstraße 181: Wohnhaus mit Einfriedung Reichelsdorfer Schulgasse 6: Ehemaliger städtischer Verwaltungsbau Schalkhaußerstraße 24–26: Waldstromer-Schlösschen. Das Herrenhaus wurde 1921 von dem Fabrikanten Hans Durban erworben. Heute ist es im Besitz eines Privatmanns, der es saniert.Fast wie im Märchen; Patrizierschlösschen werden heutzutage ganz unterschiedlich genutzt (auf www.nuernberg.de) Schalkhaußerstraße 28: Bauernhof mit Wohnhaus, Scheune und Backofen Waldstromerstraße 28: Ehemaliges Bäckeranwesen Waldstromerstraße 49: Fabrikantenvilla
ehemalige Baudenkmäler Reichelsdorfer Hauptstraße 177: Zugehörige eingeschossige Scheune, rückwärts abgewalmt. Ende des 18. Jahrhunderts mit späterem Anbau.G. P. Fehring: Die Stadt Nürnberg, S. 399. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Schalkhaußerstraße 1, 13, 19, 20, 23, 27 und 36: Eingeschossige einfache verputzte Häuser der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; teilweise verändert und umgebaut. Nr. 3 aufgestockt mit veränderter Fachwerkscheune. Schalkhaußerstraße 29: Ehemals waldamtlicher Bauernhof. Eingeschossiges massives Wohnhaus, Ende des 18. Jahrhunderts, mit zweigeschossigem Giebel (erneuert). Scheune aus Sandstein mit Satteldach, 18./19. Jahrhundert. Schalkaußerstraße 31: Zweigeschossiges verputztes Wohnhaus mit eingeschossigem Giebel (Eichstätter Einfluss, etwa Anfang des 19. Jahrhunderts). Schalkaußerstraße 37: Eingeschossiges verputztes Hofhaus mit Satteldach und Ladeerker, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Reichelsdorf Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 Einwohner 295 398 542 602 822 624 639 719 727 788 770 849 955 1163 1457 1448HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1900 als Wohngebäude. 37 47 66 80 82 89 Quelle Für die Gemeinde Reichelsdorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Geretsmühl (S. 29), Koppenhof (S. 50) und Lohhof (S. 56). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 392 Einwohner.
Ort Reichelsdorf Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1910Einwohner 183 205 419 355 436 635 1139Häuser 27 34 54 69 Quelle
Religion Reichelsdorf ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und war ursprünglich nach St. Nikolaus (Kornburg) gepfarrt. 1965 wurde in Reichelsdorf die Philippuskirche nach Plänen von Johannes Sauer errichtet.E. Fuchshuber: Nürnberg, S. 300. Die Katholiken gehören seit 1930 zur Pfarrei Heilige Familie.
Veranstaltungen Jedes Jahr findet Ende Juli die Reichelsdorfer Kirchweih am Sportplatz von Reichelsdorf, und am 1. Advent am Platz an der Thomas-Kolb-Brücke der Reichelsdorfer/Mühlhofer Weihnachtsmarkt statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Bildung Grundschule Erich-Kästner, Eichstätter Straße 11 Grundschule Erich-Kästner, Reichelsdorfer Schulgasse 11 Mittelschule Schlößleinsgasse, Schlößleinsgasse 8
Verkehr mini|Reichelsdorfer Bahnhof (2017) Mit der Eröffnung der Ludwig-Süd-Nord-Bahn zwischen Nürnberg und Schwabach erhielt Reichelsdorf am 1. April 1849 einen Haltepunkt in Reichelsdorf und am 15. Januar 1923 mit der Eröffnung der ersten Nürnberger Buslinien den Anschluss an den Nahverkehr.
Am Westrand von Reichelsdorf verläuft in Nord-Süd-Richtung die Bundesstraße 2 Richtung Innenstadt und zur Südwesttangente/Bundesautobahn 73 bzw. nach Schwabach und zur Bundesautobahn 6. Am südlichen Ortsrand zweigt die Staatsstraße 2407 Richtung Kornburg ab.
Im Nahverkehr wird der Stadtteil von der S-Bahnlinie S2 (Bahn-Haltepunkt Nürnberg-Reichelsdorf) und den Stadtbuslinien 61, 62 und 82 erschlossen. Am Wochenende verkehren die Nachtlinien N6 Richtung Hauptbahnhof bzw. Kornburg und N61 Richtung Schwabach.
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Stadtteil von Nürnberg Kategorie:Statistischer Bezirk von Nürnberg Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Nürnberg) Kategorie:Gemarkung von Nürnberg Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1922 Kategorie:Ort an der Rednitz Kategorie:Ersterwähnung 1299