Michael Klonovsky (* 19. August 1962 in Schlema, Kreis Aue) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Von Juni 2016 bis Anfang 2017 war er parteiloser Berater von Frauke Petry, als sie Bundessprecherin der Partei Alternative für Deutschland (AfD) war. Von Februar 2018 bis Dezember 2021 war er persönlicher Referent des AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Alexander Gauland, seitdem ist er nach eigenen Angaben Redenschreiber mehrerer AfD-Bundestagsabgeordneter(Auto-)Biografisches auf klonovsky.de, abgerufen am 15. Februar 2022..

Leben Klonovsky wuchs in Ost-Berlin auf. Er machte zunächst eine Ausbildung als Maurer und holte sein Abitur nach. Bis 1989 arbeitete er als Maurer, Gabelstaplerfahrer, Sportplatzwart, ab 1988 als Korrektor bei der LDPD-Tageszeitung Der Morgen.Leipziger-Volkszeitung vom 21. April 2006, S. 4

1990 wurde Klonovsky als Journalist für Der Morgen tätig. Im Juni 1991 erhielt er mit zwei anderen Redakteuren, Jan von Flocken und Erwin Jurtschitsch, den Wächterpreis der Tagespresse der Stiftung „Freiheit der Presse“ für couragierte Berichte zur „Aufdeckung und Behandlung von Menschenrechtsverletzungen durch die DDR-Justiz“. Nach der Einstellung des Morgen 1991 war Klonovsky freiberuflich tätig, darunter für Die Zeit. 1992 wechselte er nach München zum Focus. Dort arbeitete er zunächst als Redakteur. 2000 wurde er Chef vom Dienst für den Bereich Text., vom 21. August 2000 Von 2010 bis 2012 leitete er das „Debattenressort“. Im „gegenseitigem Einvernehmen“ endete am 31. Mai 2016 das Arbeitsverhältnis mit dem Focus. Zwei Monate zuvor hatte Klonovsky der Öffentlichkeit nach Angaben des Spiegel über seinen Blog mitgeteilt, ihm seien „sämtliche Nebentätigkeiten“ untersagt worden.

Klonovsky ist seit 2008 regelmäßiger Autor der anarchokapitalistischen Zeitschrift eigentümlich frei. Er gab der neurechten Zeitung Junge Freiheit Interviews und zitierte sie 2011 in seinem Roman Der Held. 2006 unterzeichnete er den von der Jungen Freiheit initiierten „Appell für die Pressefreiheit“ gegen den Ausschluss der Jungen Freiheit von der Leipziger Buchmesse.

Am 28. April 2016 gab Klonovsky bekannt, den Focus zu verlassen und ab dem 1. Juni 2016 als publizistischer Berater für die AfD-Vorstandssprecherin Frauke Petry tätig zu sein. In einem Interview mit der taz erklärte er, sich in seiner neuen Rolle als Spin-Doctor zu verstehen. Seine eigene politische Position bestimmte er auf Nachfrage als konservativ, mit einer „Konfliktlinie“ zu rechts.AfD-Sprecher Michael Klonovsky: „Der Herr dient sich der Dame an“, Interview von Alexander Wallasch mit Michael Klonovsky, taz, 1. Mai 2016. Laut Frankfurter Rundschau verortet sich Klonovsky zudem als „reaktionär“. Er übte die Beratertätigkeit an der Seite des Vorsitzenden der Jungen Alternative, Markus Frohnmaier aus. Anfang 2017 endete seine Beratertätigkeit nach einem Zerwürfnis mit Petry und deren Ehemann Marcus Pretzell.AfD Ex-Spin-Doktor von Frauke Petry rechnet mit der Spitzenpolitikerin und ihrem Mann ab, von Alexander Wendt, Focus, 13. April 2017Ob mit oder ohne Frauke Petry – die AfD verliert, von Matthias Kamann Die Welt 17. April 2017

Im Frühsommer 2017 wurde Klonovsky zum Pressesprecher der Fraktion der AfD im Landtag von Baden-Württemberg ernannt, die von Jörg Meuthen geführt wurde, Petrys größtem innerparteilichen Rivalen. Im Juli 2017 wurde Klonovsky als Mitglied einer „Spezialeinheit“ der AfD für den Bundestagswahlkampf 2017 benannt.

Im Dezember 2017 gab die AfD-nahe nationalkonservative Wochenzeitung Deutschland-Kurier die Mitarbeit von Klonovsky als Autor bekannt.

Seit Februar 2018 ist Klonovsky als persönlicher Referent des AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland tätig.Michael Klonovsky: Der Gauland-Flüsterer, fr.de, 5. September 2018Streit um AfD-Vortrag im Landeshaus, kn-online.de, 16. November 2019

Er betreibt den Blog „Acta diurna“. In einem Eintrag vom 12. September 2019 bezichtigt er Polen im Jahr 1939 „unbändiger Provokationslust“. Weiter heißt es: „Seit 1968 findet ein Prozess gegen die Akteure der jüngeren deutschen Geschichte statt, in dem nur Belastungszeugen zugelassen sind. … Was geschah tatsächlich vor dem deutschen Angriff auf Polen vor 80 Jahren? Und warum weigern sich deutsche Offizielle, über dieses Thema zu sprechen?“ Klonovsky nennt einen Entlastungszeugen und publiziert unkommentiert einen Text von Exgeneral Gerd Schultze-Rhonhof.

Klonovsky hat als Autor in mehreren Genres gearbeitet. Dazu gehören Romane und Essays, aber auch Aphorismen, ein Sportbuch und ein Weinratgeber. 2001 veröffentlichte Klonovsky seinen ersten Roman, Der Ramses-Code, der die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen durch Jean-François Champollion vor dem historischen Hintergrund der Ägypten-Expedition Napoleons sowie dessen Aufstieg und Fall beschreibt. 2005 erschien Klonovskys autobiographisch inspirierter Deutschland-Roman Land der Wunder, 2008 ein Aphorismen-Band und eine Hommage an Giacomo Puccini zu dessen 150. Geburtstag. Im Verlag von André F. Lichtschlag, dem Herausgeber von eigentümlich frei, veröffentlichte er zwei Bücher. Mitte der 1990er Jahre gab Klonovsky zudem die Niederschriften des autistischen Autors Birger Sellin in zwei Büchern heraus, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. 2007 fungierte Klonovsky als Herausgeber einer Sammlung von Sentenzen aus dem Werk des Kolumbianers Nicolás Gómez Dávila.

Klonovsky ist in zweiter Ehe mit der in Kaliningrad geborenen israelischen Pianistin Elena Gurevich verheiratet und hat vier Kinder.Interview: «Man kümmert sich lieber um die Förderung muslimischer Mädchen», bazonline.ch (Basler Zeitung), 21. Juli 2011 Er lebt in München.Michael Klonovsky, randhomehouse.de, abgerufen am 12. Februar 2019

AfD-Kandidatur Im Dezember 2020 wurde Klonovsky zum Direktkandidaten der AfD im Wahlkreis Chemnitz für die Bundestagswahl 2021 gewählt und setzte sich dabei gegen MdB Ulrich Oehme durch. Klonovsky war jedoch nicht über die Landesliste abgesichert, weil er im Februar 2021 die Abstimmung um Platz 2 der Landesliste gegen MdB Jens Maier verloren hatte, und gelangte deshalb nicht in den Bundestag.

Positionen und Rezeption

Parteienlandschaft Im Sommer 2010 sprach sich Klonovsky in einem Artikel im Focus für eine „Bürgerbewegung“ rechts von der CDU aus. „Nie war die Zeit für die Gründung einer konservativen Alternative zur CDU günstiger als heute“, schrieb er.Isolde Aigner: „Schrumpfmänner“ im „lila Imperium“ – antifeministische Denkmuster im medialen Diskurs. In: Andreas Kemper: Die Maskulisten, Unrast Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-89771-523-3, S. 49fAndreas Speit: Führungschaos in der AfD. „Hochstapler“ und „Dunkeldeutsche“, in: taz vom 14. April 2017.

Political Correctness 1995 kritisierte Klonovsky in einem Focus-Artikel an zahlreichen Beispielen eine „Bewegung“ der political correctness, die unter dem Vorwand einer Sprachpflege die Meinungsfreiheit angreife. Diese in den USA entstandene Bewegung breite sich seit 1990 auch in Deutschland aus. Sie vertrete „postsozialistische Heilsbotschaften […]: Multikulti, one-world-Visionen, Feminismus. Die nach dem Scheitern des Sozialismus frustrierte Linke bildete in den USA den Katalysator, in Deutschland den Motor der pc-Bewegung.“

Martin Dietzsch vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung und Anton Maegerle kritisierten diese Aussagen Klonovskys als Beispiele für den Gebrauch von political correctness als „Kampfbegriff aller Rechten“ gegen Linke. In einem 1996 verfassten Aufsatz ordneten sie Klonovsky aufgrund dieser Aussagen in die Neue Rechte ein.

Alan Posener macht bei Klonovsky wie bei anderen Autoren der Neuen Rechten eine programmatische „Verrohung der Sprache“ aus, die den Hass salonfähig mache und so eine Anbindung an das „Pack“ gewährleiste. Bestimmte Formulierungen von Klonovsky hätten auch „von einem islamistischen Rapper stammen“ können. Man könne, so die Frankfurter Rundschau, Klonovskys Texte „für ironisch halten“, wie er es tut, „aber wer in ihnen nicht mehr als eine Vermählung von Widerwärtigkeit und Dummheit erkennt, liegt auch nicht falsch.“

Feminismus und Antifeminismus Die von Klonovsky im Programmentwurf für eine neue konservative Alternative zur CDU dargestellte Position zum Feminismus und zur Genderthematik beschrieb die Sozialpädagogin Isolde Aigner als Beispiel für „antifeministische Denkmuster im medialen Diskurs“. Sie habe festgestellt, dass Klonovsky 2010 und 2011 fast alle Artikel des Focus zu den Themen Gleichstellung der Geschlechter, Gender, Gender-Mainstreaming und Feminismus verfasst habe, diese oft in die Nähe von Sozialismus und Kommunismus rücke, als Benachteiligung des Mannes zu diskreditieren versuche und damit eine dezidiert antifeministische Haltung einnehme. So mache er die Frauenbewegung für eine angebliche „Dressur“ und Verweichlichung des Mannes verantwortlich, die aus Männern „nur noch Schrumpfmänner“ gemacht habe, die „weder Heroismus noch Größe“ kennten.

Ursula G. T. Müller nannte den Focus und Klonovsky als ein Beispiel dafür, dass bedeutende Medien eine Krise der Männer oder der Männlichkeit heraufbeschwörten und dafür den Feminismus, Feministinnen oder Frauen verantwortlich machten.Ursula G. T. Müller: Feministisches Denken und Handeln wird vom Neoliberalismus beeinflusst, geht aber nicht völlig darin auf. In: Dem Feminismus eine politische Heimat – der Linken die Hälfte der Welt. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-531-19453-0, S. 191–248. doi:10.1007/978-3-531-19453-0_8

2012 bezeichnete die Zeitschrift Emma Klonovsky als „Strippenzieher“ (Fototitel) einer „Verschwörung der Maskulisten“ (Artikeltitel) gegen die Frauen, die Frauenbewegung und Gender-Mainstreaming. Dazu zitierte sie unter anderem Aussagen Klonovskys wie „Der Feminismus ist ein Luxusphänomen“ und die „Männer sind das benachteiligte Geschlecht“ und stellte fest: Solche Aussagen würden in „geachteten Blättern“ wie der FAZ und dem Spiegel sowie in „bekennend rechten Blättern“ wie der Jungen Freiheit, Sezession oder eigentümlich frei zunehmend aufgegriffen.Alice Schwarzer: Frauenhass – Die Verschwörung der Maskulisten. In: Emma. Frühling 2012

Rassistische Ausschreitungen 2007 Die Berichterstattung über die rassistischen Ausschreitungen in Mügeln 2007 bezeichnete Klonovsky in einem Focus-Artikel als einen Fall von „Vorverurteilung“ und betonte, dass nicht nur Ausländer, sondern auch Deutsche verletzt worden seien.Jahresrückblick – Essay. Chinalinksruck? Weltklimadoping? In: Focus, Nr. 50 (2007). Die Politikwissenschaftlerin Britta Schellenberg schrieb in einer Analyse über Klonovskys Artikel, dass der Focus als einziges Medium abgestritten habe, dass es sich bei den Gewalttaten um einen fremdenfeindlichen Übergriff handelte.Britta Schellenberg: Die Medien. In: Die Rechtsextremismus-Debatte. Charakteristika, Konflikte und ihre Folgen. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-04176-2, S. 232 f. .

Rechtsstreit mit Anton Maegerle Im Jahr 2008 wurde Klonovsky und dem Focus mit Beschluss des Landgerichts Berlin untersagt, künftig zu behaupten, der Journalist Anton Maegerle arbeite „gleich für fünf verfassungsschutzrelevante Periodika“, die als linksextremistisch eingestuft werden.Umstrittene Fakten – Der "Focus" und sein Jubiläum, NDR (ZAPP), 5. März 2008 In einem Artikel 2007 im Focus unter der Überschrift „Ich sehe was, was du nicht siehst“Michael Klonovsky: Ich sehe was, was du nicht siehst, in: Focus 50/2007, S. 51 hatte sich Klonovsky diese Falschaussage von Felix Krautkrämer, einem Autor der Jungen Freiheit, zu eigen gemacht.Volker Schmidt: Wein, Weib und Meinungsfreiheit – Die merkwürdige Allianz eines Focus-Redakteurs mit der rechten Postille «Junge Freiheit» gegen SPD-Politiker. Frankfurter Rundschau, 31. Dezember 2007/1. Januar 2008, 63. Jahrgang Nr. 303, S. 31Helmut Lölhöffel: Unheilvolle Allianz. Vorwärts, 12. Dezember 2007

Soziale Gerechtigkeit