Die Zentralafrikanische Republik (, ; abgekürzt ZAR (deutsch), CAR (englisch) oder RCA (französisch), in Kurzform auch Zentralafrikadw.com, abgerufen am 13. Februar 2024.zeit.de, abgerufen am 13. Februar 2024., französisch Centrafrique) ist ein Binnenstaat in Zentralafrika. Sie grenzt (im Uhrzeigersinn von Norden) an den Tschad, den Sudan, den Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, die Republik Kongo und Kamerun. Die Hauptstadt ist Bangui. Aufgrund des seit 2012 andauernden Bürgerkrieges ist die Zentralafrikanische Republik als zusammengehöriges, souveränes Staatsgebilde allerdings nicht mehr existent.
Die Zentralafrikanische Republik ist, gemessen am realen Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner, eines der ärmsten Länder der Welt.
Durch die autoritäre Regierung kommt es regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte.
Geographie Das Land liegt hauptsächlich auf dem Plateau der Nordäquatorialschwelle, die im Durchschnitt eine Höhe von 600 Metern über dem Meeresspiegel hat. Im Norden des Landes liegen 216.000 km² im Tschadbecken. Das Bongo-Massiv an der Grenze zum Sudan erhebt sich bis zu einer Höhe von 1330 m, im Yadé-Massiv (östlichster Bereich des Hochlandes von Adamaua) entlang der Grenze zu Kamerun liegt der Ngaoui, mit 1420 m höchster Berg des Landes. Die Fläche der Zentralafrikanischen Republik entspricht etwa 1,75-mal der Fläche Deutschlands.
Klima Das Klima entspricht größtenteils dem der wechselfeuchten Tropen und im Süden der immerfeuchten Tropen. Das heißt, es gibt eine feuchte und eine trockene Jahreszeit. Im Norden, an der Grenze zur Trockensavanne, ist die Regenzeit rund vier Monate lang, während sie sich im Süden über acht bis zehn Monate erstreckt. Im Norden ist es vor allem in der Trockenzeit enorm heiß, teilweise bis 40 °C. Nachts hingegen kühlt es teilweise auf unter 10 °C ab. In der Hauptstadt sind die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede wegen der Nähe zum tropischen Regenwald hingegen gering.
Hydrologie Praktisch der gesamte Niederschlag in dem Land entwässert entweder über den Schari in das Tschadbecken oder über den Sangha und den Ubangi in den Kongo. Nur im äußersten Westen der Zentralafrikanischen Republik liegen kleine Bereiche des Einzugsgebietes des Grenzflusses Lom, der über den Sanaga in den Golf von Guinea entwässert. Die Grenze zum Südsudan ist, abgesehen von kleinen Unschärfen, nahezu deckungsgleich mit den Einzugsgebietsgrenzen des Ubangi und des Nils. Hier befindet sich auch der Hauptwasserscheidepunkt Afrikas (etwa )
Flora und Fauna Der dichte tropische Regenwald im Süden ist eine der letzten Zufluchtsstätten für Flachlandgorillas und Waldelefanten. Hier liegt auch das Dzanga-Sangha-Schutzgebiet, in dem beide Arten geschützt sind. Der größte Teil des Landes besteht aber aus Baumsavanne (Feuchtsavanne) und lichtem Wald, die im Norden allmählich in die baumärmere Trockensavanne übergehen. Zum Tierbestand zählen Elefanten, Affen, Antilopen, Büffel, seltene Vögel sowie Warane und Flusspferde in den Gewässern.
Weite Teile des Landes befinden sich in der Ökoregion Wald-Savannen-Mosaik des nördlichen Kongo.
Verwaltungsgliederung mini|567px|Präfekturen der Zentralafrikanischen Republik Der Staat gliedert sich in 20 Präfekturen:
Name Hauptstadt Bamingui-Bangoran Ndélé Bangui Bangui Basse-Kotto Mobaye Haute-Kotto Bria Haut-Mbomou Obo Kémo Sibut Lim-Pendé Paoua Lobaye Mbaïki Mambéré Carnot Mambéré-Kadéï Berbérati Mbomou Bangassou Nana-Gribizi Kaga-Bandoro Nana-Mambéré Bouar Ombella-Mpoko Boali Ouaka Bambari Ouham Bossangoa Ouham-Fafa Batangafo Ouham-Pendé Bozoum Sangha-Mbaéré Nola Vakaga Birao
Bevölkerung Demografie mini|339x339px|Bevölkerungsentwicklung, Fertilitäts- und Nettoreproduktionsraten von 1950 bis 2021; Schätzung der Vereinten Nationen 2022Blaue Kurve (linke y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in TausendBlaue gepunktete Kurve (linke y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend, Mittlere Prognose (Medium variant)Rote Kurve (rechte y-Achse): Gesamtfruchtbarkeitsrate (Lebendgeburten pro Frau)Rote gepunktete Kurve (rechte y-Achse): Gesamtfruchtbarkeitsrate (Lebendgeburten pro Frau), Mittlere Prognose (Medium variant)Gelbe Kurve (rechte y-Achse): Nettoreproduktionsrate (überlebende Töchter pro Frau)Gelbe gepunktete Kurve (rechte y-Achse): Nettoreproduktionsrate (überlebende Töchter pro Frau), Mittlere Prognose (Medium variant)
Die Zentralafrikanische Republik hatte 2022 5,6 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,2 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 42,3 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 11,0 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 5,9, die der Region West- und Zentral-Afrika betrug 4,9. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 14,7 Jahren. Im Jahr 2023 waren 47,8 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 2,5 Prozent der Bevölkerung betrug.
Während die Regenwaldgebiete und die Trockensavanne fast menschenleer sind, was auch zu einer niedrigen Bevölkerungsdichte von 8,8 Einwohner pro km² führt, siedelt der größte Teil der Bevölkerung entlang der wichtigsten Wasserwege des Landes. mini|Bevölkerungspyramide der Zentralafrikanischen Republik (2020) Für das Jahr 2050 prognostiziert die UN eine Einwohnerzahl von 11,5 Millionen („mittleres Szenario“). + Bevölkerungsentwicklung (jeweils zum 1. Januar) Jahr Einwohnerzahl19501.427.00019601.665.00019702 045.00019802.403.00019902.766.00020003.706.00020104.614.00020205.272.00020306.998.000(Prognose)
Bevölkerungsstruktur Die ursprüngliche Bevölkerungsgruppe, die Pygmäen, zählt heute wenige Angehörige und lebt nur noch in den südwestlichen Regenwäldern. Die als Bewohner der südlichen Flusslandschaften lebenden Bantuvölker der Ngala-Gruppe bilden ebenfalls eine Minderheit: Von ihnen sind die Yakoma mit 4 % Anteil an der Bevölkerung das größte Volk, daneben gibt es auch die Mbaka mit ebenfalls 4 %, Lissongo, Bamda und Banziri.
Hinzu kommen im Norden sahelo-sudanische Völker – zumeist Savannenbewohner, von denen die Baya mit 33 % der Bevölkerung die größte Volksgruppe des Landes stellen, neben den Banda mit 27 %. Weiterhin sind unter den sahelosudanischen Völkern die Mandschia mit 13 %, die Sara mit 10 %, die Mboum mit 7 % und die Ngbandi stärker vertreten.
Ferner gibt es Niloten – vor allem Runga – sowie im Osten Azande-Völker. Einige Tausend Europäer, zumeist Franzosen, leben in den Städten. Im Jahr 2017 waren 1,9 % der Bevölkerung im Ausland geboren.
Sprachen
Die Amtssprachen sind Sango (seit 1991) und Französisch (seit der Unabhängigkeit). Darüber hinaus werden zahlreiche weitere indigene Sprachen gesprochen, vor allem Ubangi-Sprachen, zu denen auch das Sango gehört. Sango hat zudem auch den Status einer Nationalsprache. Insgesamt werden 72 verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen.
Religionen Die Christen sind die mit Abstand größte Religionsgemeinschaft der Zentralafrikanischen Republik. 2010 schätzte das Pew Research Center den Bevölkerungsanteil der Christen auf 90 %, darunter 2,67 Millionen Protestanten (= 61 % der Bevölkerung) und 1,26 Millionen Katholiken (29 %).Christian Population in Numbers by Country, 19. Dezember 2011, abgerufen am 10. März 2025. Der sunnitische Islam wird von etwa 10 % der Bevölkerung praktiziert und ist vor allem im Nordosten bis Norden, in geringerem Maße auch im Nordwesten sowie durch Binnenvertreibung in weiteren Regionen des Landes verbreitet. Bei der Volkszählung 2003 hatten sich noch 9,6 % der Einwohner als Anhänger der indigenen Glaubensrichtungen bezeichnet..
Seit der Kolonialzeit missionieren verschiedene Konfessionen in der Zentralafrikanischen Republik, vor allem Lutheraner und Katholiken, dazu Baptisten, Grace Brethren und Zeugen Jehovas. Während diese Missionare anfangs vor allem aus Frankreich, den Vereinigten Staaten, Italien und Spanien kamen, sind es heute mehrheitlich Afrikaner, die den christlichen Glauben weitergeben, nämlich Laien aus der Zentralafrikanischen Republik selbst,Aurelio Gazzera: La crise en Centrafrique, un defi pour la mission de l’Église. In: Fabrizio Meroni (Hrsg.): Challenges to Church’s Mission in Africa. Aracne editrice, Canterano 2020, ISBN 978-88-255-2841-1, S. 87–116, hier S. 94–95. außerdem Missionare aus Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo und anderen Subsahara-Staaten. Viele westliche Missionare verließen das Land in den Jahren 2002 und 2003 aufgrund von Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen.
Bildung Trotz Schulpflicht liegt die Analphabetenquote bei 62,6 % (Stand 2018). Die Schulbildung ist zwar kostenlos, aber immer noch nur einer kleinen Minderheit zugänglich. Seit 1969 besteht die Universität Bangui.Homepage der Universität Bangui. 2008 kam die internationale Euclid-Universität hinzu.Homepage der Euclid-Universität.
Gesundheit mini|Mütter sowie Kinder im Alter zwischen 0 und 5 Jahren warten vor einem Gesundheitszentrum in Bangui auf ihre Polio-Impfung (2008) Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 9,1 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2018 praktizierten in Zentralafrikanische Republik 0,7 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 96,8 pro 1000 Lebendgeburten.
Das Gesundheitswesen ist der Schlafkrankheit, Malaria, der Lepra, AIDS und anderen Krankheiten nicht gewachsen. Ein hoher Anteil der Bevölkerung ist HIV-infiziert. Je nach Quelle wird von einer Prävalenz von 6,3 %Länderdatenbank der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung: „Zentralafrikanische Republik“. bis 13,5 %CIA: The world Factbook. ausgegangen. Eine soziale Versorgung gibt es kaum.
Beim Welthunger-Index 2019 belegte die Zentralafrikanische Republik den letzten Platz. Sie ist das einzige Land der Welt, in dem die Lage als „gravierend“ eingeschätzt wurde. Im Zeitraum 2016–18 galten fast 60 % der Bevölkerung als unterernährt.
Die weltweite COVID-19-Pandemie trat in der Zentralafrikanischen Republik erstmals im März 2020 auf.
Geschichte
Nach dem vom Sudan aus betriebenen Sklavenhandel siedelten hier später Bantu und Azande. Letztere gründeten die Sultanate Rafaï und Bang Assou.
Das Gebiet der heutigen Zentralafrikanischen Republik deckt sich weitgehend mit dem ehemaligen Ubangi-Schari, Teil von Französisch-Äquatorialafrika. Am 25. April 1946 wurde von der Konstituierenden Nationalversammlung Frankreichs die Loi Lamine Guèye verabschiedet, nach der ab dem 1. Juni 1946 alle Bewohner der überseeischen Gebiete einschließlich Algeriens denselben Bürgerstatus wie Franzosen in Frankreich oder den überseeischen Gebieten hatten. Damit war das Frauenwahlrecht Gesetz. Bei den Wahlen zur Französischen Nationalversammlung sowie für alle örtlichen Wahlen in ganz Afrika außer Senegal galt bis 1956 ein Zweiklassenwahlrecht.Franz Ansprenger: Politik im Schwarzen Afrika. Die modernen politischen Bewegungen im Afrika französischer Prägung. Westdeutscher Verlag Köln und Opladen, 1961, S. 73. 1956 wurde, noch unter französischer Verwaltung, die loi-cadre Defferre und damit das allgemeine Wahlrecht eingeführt.Jad Adams: Women and the Vote. A World History. Oxford University Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-19-870684-7, S. 438.