Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der deutschen Fußballnationalmannschaft der Frauen bei Europameisterschaften. Deutschland nahm an allen Qualifikationen teil. Bei den ersten beiden Versuchen misslang die Qualifikation noch, danach wurde sie immer geschafft, bis auf 1993 und 2017 immer das Finale erreicht und dann auch gewonnen. Mit acht Titeln ist Deutschland Rekordeuropameister. Bei den Frauen konnten Brasilien und China (je neunmal), Nigeria (zwölfmal, davon zwei inoffizielle Titel) und die USA (neunmal) häufiger die Kontinentalmeisterschaft gewinnen.
Die Nationalmannschaft bei Europameisterschaften Übersicht Jahr Gastgeberland Teilnahme bis... Gegner Ergebnis Trainer/in Bemerkungen und Besonderheiten 1984 keine Endrunde --- --- --- Nicht qualifiziert 1987 Norwegen --- --- --- Nicht qualifiziert 1989 Deutschland Finale Norwegen Europameister Gero Bisanz Erster Titel für die DFB-Elf 1991 Dänemark Finale Norwegen Europameister Gero Bisanz Erste erfolgreiche Titelverteidigung 1993 Italien Spiel um Platz 3 Dänemark 4. Platz Gero Bisanz Bis 2017 schlechtestes Abschneiden in der Endrunde 1995 keine Endrunde Finale Schweden Europameister Gero Bisanz Dritter Erfolg auf dem Betzenberg 1997 Norwegen Finale Italien Europameister Tina Theune Zweite erfolgreiche Titelverteidigung 2001 Deutschland Finale Schweden Europameister Tina Theune Dritter Titel in Folge, Claudia Müller erzielt das Golden Goal 2005 England Finale Norwegen Europameister Tina Theune Vierter Titel in Folge, Inka Grings wird Torschützenkönigin 2009 Finnland Finale England Europameister Silvia Neid Fünfter Titel in Folge, Inka Grings wird Torschützenkönigin 2013 Schweden Finale Norwegen Europameister Silvia Neid Sechster Titel in Folge, Nadine Angerer wird Spielerin des Turniers 2017 Niederlande Viertelfinale Dänemark Viertelfinale Steffi Jones Erstes Viertelfinal-Aus in der Endrunde 2022 England Finale England 2. Platz Martina Voss-Tecklenburg Gegner in der Qualifikation waren Griechenland, Irland, Montenegro und die Ukraine. Bei der Endrunde traf die deutsche Mannschaft auf Dänemark, Finnland und Spanien in der Gruppe, Österreich und Frankreich in der K.-o.-Runde. 2025 Schweiz Halbfinale Spanien Christian Wück In der Qualifikation traf die deutsche Mannschaft auf Österreich, Island und Polen und qualifizierte sich als erste Mannschaft 2029 Deutschland qualifiziert Als Gastgeber automatisch qualifiziert.
Deutschland und die Niederlande (seit 2017) sind die einzigen Nationen, die sowohl im Männer- als auch im Frauenfußball Europameister wurden.
Die Turniere EM 1984 Bei der ersten Europameisterschaft scheiterte die von Gero Bisanz trainierte Mannschaft in der Qualifikation. Mit fünf Unentschieden und einer Niederlage gegen den Gruppensieger Dänemark belegte die DFB-Auswahl nur den dritten Platz in der Gruppe.
EM 1987 in Norwegen Gero Bisanz hatte die Mannschaft sukzessive verjüngt und hatte durchaus Chancen, sich für die erstmals ausgespielte Endrunde zu qualifizieren. Eine Niederlage in Finnland und ein torloses Unentschieden in Norwegen brachte die deutsche Elf um eine bessere Platzierung. Im Endklassement belegte Deutschland wieder Platz drei.
EM 1989 in Deutschland Ungeschlagen und ohne Gegentor überstand die deutsche Elf die Qualifikation als Gruppensieger. Im Viertelfinale ging es gegen die CSSR um die Qualifikation für die Endrunde. Dies gelang nach einem 1:1-Unentschieden auswärts und einem 2:0 im Heimspiel. Der DFB bewarb sich nach erfolgreicher Qualifikation für die Endrunde und erhielt den Zuschlag.
Das Turnier war der Durchbruch für den deutschen Frauenfußball, der bis dahin immer noch belächelt und verunglimpft wurde. Im Halbfinale traf die deutsche Mannschaft im Siegener Leimbachstadion auf Italien. Nach Verlängerung hieß es 1:1, so dass ein Elfmeterschießen folgte. Hier wurde Torfrau Marion Isbert zur Heldin, als sie erst einen Strafstoß parierte und anschließend selber verwandelte. Zum ersten Mal wurde ein Frauenfußballspiel live im deutschen Fernsehen übertragen.
Am 2. Juli 1989 traf die Bisanz-Elf im Finale auf Norwegen. Austragungsort war die Bremer Brücke in Osnabrück. Norwegen ging zwar als Favorit in die Partie, doch die deutsche Mannschaft konnte mit einem furiosen 4:1-Sieg das Publikum begeistern. Deutschland war zum ersten Mal Europameister.
EM 1991 in Dänemark Zum Auftakt der Qualifikation gab es in Straubing ein torloses Remis gegen Ungarn. Es folgten fünf Siege und Deutschland erreichte als Gruppensieger das Viertelfinale. Durch zwei klare Siege gegen England schaffte die Bisanz-Elf die Qualifikation für das Finalturnier.
Die Endrunde fand in Dänemark statt. Wieder hieß der Viertelfinalgegner Italien. In Frederikshavn machte die deutsche Elf bereits in der regulären Spielzeit alles klar und zog durch einen 3:0-Sieg ins Finale ein. Dort warteten mit der norwegischen Elf alte Bekannte. Die Norwegerinnen konnten eine Verlängerung erzwingen, mussten sich aber schließlich mit 3:1 geschlagen geben. Dieser erneute Titelgewinn bedeutete zugleich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1991 in China.
EM 1993 in Italien Um sich für das Viertelfinale zu qualifizieren, musste die DFB-Auswahl nur ein Spiel bestreiten. Wegen des Bürgerkrieges in Jugoslawien wurde das Heimspiel der Mannschaft vom Balkan nach Sofia verlegt, welches die deutsche Mannschaft mit 3:0 gewann. Jugoslawien verzichtete auf das Rückspiel und die Bisanz-Elf kam kampflos weiter. Im Viertelfinale hieß der Gegner Russland. In Moskau gewann Deutschland mit 7:0 und machte damit die Qualifikation perfekt. Das 0:0 beim Rückspiel in Rheine hatte nur noch statistischen Wert.
So erfolgreich die Qualifikation auch verlief, so enttäuschend war das Ergebnis bei der EM, die in Italien stattfand. Wie schon 1989 und 1991 hieß der Halbfinalgegner Italien. Dieses Mal war die deutsche Elf ohne Fortune. In der 100. Minute erhielt Jutta Nardenbach die Rote Karte und im Elfmeterschießen konnte sich der Gastgeber durchsetzen. Somit spielte die deutsche Mannschaft im kleinen Finale gegen Dänemark. Die Däninnen gewannen dieses Spiel mit 3:1. Bis heute ist der vierte Platz bei der EM 1993 die schlechteste Platzierung einer deutschen Mannschaft.
EM 1995 Bereits in der Qualifikation konnte die DFB-Elf einen neuen Rekord aufstellen. Alle sechs Spiele wurden gewonnen und man blieb sogar ohne Gegentor. Die völlig überforderten Waliserinnen wurden zweimal mit 12:0 besiegt und gegen die Schweiz gab es ein 11:0.
Die EM 1995 war die letzte, bei der es keine Endrunde gab. Das Viertel- und Halbfinale wurde in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Im Viertelfinale gab es zwei Siege gegen Russland, im Halbfinale zwei Siege gegen England. Das Finale gegen Schweden fand im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern statt. In einem packenden Spiel behielt die Bisanz-Elf mit 3:2 die Oberhand und konnte zum dritten Mal die Europameisterschaft feiern. Es war die letzte EM für Gero Bisanz.
EM 1997 in Norwegen Erstmals führte Tina Theune-Meyer die deutsche Nationalmannschaft durch die EM-Qualifikation. Die direkte Qualifikation wurde verpasst. Zwar gab es deutliche Siege gegen Finnland und die Slowakei, doch durch ein Unentschieden und eine Niederlage gegen Weltmeister Norwegen wurde der Gruppensieg verpasst. Als Gruppenzweiter musste die DFB-Elf in die Relegation gegen Island. Hier gab es zwei klare Siege und die Tickets für die Endrunde in Norwegen und Schweden konnten gebucht werden.
Mit viel Mühe erreichte die deutsche Mannschaft das Halbfinale. Nach zwei Unentschieden gegen Italien und Norwegen reichte ein 2:0 gegen Dänemark im letzten Gruppenspiel fürs Weiterkommen. Durch einen 1:0-Halbfinalsieg gegen Schweden erreichte die deutsche Auswahl das Finale in Oslo. Erneut hieß der Gegner Italien. Durch Tore von Sandra Minnert und Birgit Prinz gewann die deutsche Mannschaft mit 2:0 und die vierte Europameisterschaft war unter Dach und Fach. Dabei trat Deutschland im Finale mit der bis dato jüngsten Mannschaft an, die im Schnitt am Finaltag 23,33 Jahre alt war.
EM 2001 in Deutschland Bis auf ein 4:4-Unentschieden in Italien konnte die deutsche Nationalelf fünf klare Siege verbuchen. Nach der erfolgreichen Qualifikation bewarb sich der DFB um die Ausrichtung der EM 2001 und erhielt den Zuschlag. Es war die bisher letzte EM, bei der der Ausrichter nicht im Vorfeld bestimmt wurde.
In der Vorrunde zeigte die DFB-Elf drei überzeugende Spiele und konnte Schweden, Russland und England klar besiegen. Im Halbfinale ging es gegen den alten Rivalen aus Norwegen. Es entwickelte sich eine spannende Partie, die durch ein sehenswertes Flugkopfballtor von Sandra Smisek entschieden wurde. Am 7. Juli 2001 standen sich im Ulmer Donaustadion die deutsche und die schwedische Elf gegenüber. Bei strömendem Regen fielen in der regulären Spielzeit keine Tore. Pünktlich zu Beginn der Verlängerung hörte der Regen auf. Nach einem Pass von Maren Meinert erzielte Claudia Müller das Golden Goal und die Europameisterschaft Nummer fünf war perfekt.
EM 2005 in England Als amtierender Weltmeister ging die DFB-Elf natürlich als Favorit in die Qualifikation für die EM in England. Die acht Qualifikationsspiele wurden allesamt gewonnen und am Ende stand ein sagenhaftes Torverhältnis von 50:2. Der erste Auftritt nach der Weltmeisterschaft brachte mit dem 13:0-Sieg gegen Portugal den bis dahin höchsten Sieg der Nationalmannschaftsgeschichte. Auch das Rückspiel in Portugal wurde mit 11:0 zweistellig gewonnen. Inka Grings erzielte in diesem Spiel alleine fünf Tore, während Torfrau Silke Rottenberg beinahe unbeschäftigt blieb. Mit 14 Toren war Birgit Prinz, die in allen Spielen außer dem 3:1 in der Ukraine mindestens ein Tor erzielt hatte, Torschützenkönigin der Qualifikation.
Der Start in die EM war dagegen holprig. Zum Auftakt gab es ein mühsames 1:0 gegen Norwegen. Gegen Italien (4:0) und Frankreich (3:0) lief es dagegen besser. Finnland hieß überraschenderweise der Halbfinalgegner. Mit einem deutlichen 4:1 konnte der Finaleinzug sichergestellt werden. Wie schon vier Jahre zuvor traf die deutsche Auswahl im Finale erneut auf den Auftaktgegner. Auch dieses Mal behielten die Deutschen die Oberhand und kamen zu einem 3:1-Sieg. Nach der sechsten Europameisterschaft, der vierten in Folge, trat Tina Theune-Meyer zurück und übergab das Traineramt an ihre Assistentin Silvia Neid.
EM 2009 in Finnland miniatur|Deutschland – Norwegen
Die EM 2009 fand in Finnland statt. Erstmals nahmen zwölf Mannschaften am Turnier teil. Deutschland traf in der Qualifikation auf Belgien, die Niederlande, die Schweiz und Wales und qualifizierte sich ohne Punktverlust mit einem Torverhältnis von 34:1. Bei der am 18. November 2008 durchgeführten Gruppenauslosung wurden Deutschland die Vizeeuropameisterinnen aus Norwegen sowie die Französinnen und Isländerinnen zugelost.