mini|Tornister M34 der Wehrmacht von 1940. Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits das Nachfolgemodell M 39 produziert. mini|Rückseite eines Tornisters M34. An der Lasche des Tornisterbodens fehlt auf dem Foto der Koppelhaken, mit dem der Tornister an der Koppelrückseite stabilisiert werden konnte. Der Tornister ist eine vorwiegend im militärischen Bereich verwendete Rucksackform. Charakteristisch war für sie eine Fell- oder Stoffbespannung, genäht über einen rechteckigen Holz- oder Kunststoffrahmen, militärische Tornister haben heute keinen Rahmen mehr. Das Innere ist meist mit Stoff ausgeschlagen. Bis in die jüngere Vergangenheit wurde der Tornister im Volksmund aufgrund seiner Fellbespannung auch als Affe bezeichnet.
Wortherkunft Das Wort Tornister ist mittelgriechischen Ursprungs ( „Futtersack der Reiter“). Der Begriff gelangte zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus der Soldatensprache in die Gemeinsprache. Es ist umgebildet aus dem gleichbedeutenden Tanister, der im ostmitteldeutschen Sprachgebiet bereits für das 17. Jahrhundert bezeugt ist. Das aus dem Slawischen entlehnte Wort (vergleiche tschechisch tanystra, slowakisch tanistra und ungarisch tanisz[t]ra „Ranzen“) hat die ältere einheimische Bezeichnung Habersack abgelöst (daraus entlehnt das französische havresac).Günther Drosdowski, Paul Grebe u. a. (Bearbeiter): Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache (= Der Große Duden. Band 7). Dudenverlag, Mannheim 1963, ISBN 3-411-00907-1, S. 712.
Geschichte Nach dem Ende der sich selbst versorgenden Landsknechtheere in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts begannen die europäischen Staaten mit dem Aufbau professioneller stehender Armeen. Die Erfahrung der Grausamkeiten gegen Stadt und Land mit Plünderungen und Brandschatzungen zur Versorgung der Heere, welche die bisherige Kriegsführung gekennzeichnet hatte, führte zusammen mit den nun aufkeimenden humanistischen Auffassungen jener Zeit zur Entwicklung eines bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs mehr oder minder gültigen Ehrenkodex, demgemäß Kriege nur mehr in offener Feldschlacht ohne Beeinträchtigung der Zivilbevölkerung ausgefochten werden sollten. Unmittelbare Auswirkungen hatte das auch auf die Ausrüstung der Soldaten. Die ungezügelt brandschatzenden Landsknechte, welche das Land plündernd nach Nahrung durchstreiften, ersetzte nun ein immer besser entwickeltes Etappen- und Fouragewesen, das die Soldaten im Feldlager sowie auf dem Marsch mit Nahrung, Kleidung und Munition versorgte. Dennoch sollten die Einheiten auch unabhängig von diesem teils eher schwerfälligen Versorgungssystem operieren können. Hierzu wurden völlig neue Konzepte unter anderem zu einer funktionaleren Ausrüstung entwickelt. Aus dem oft ledernen, nicht standardisierten Ränzel oder Beutel des Landsknechts wurden bis zum Zweiten Weltkrieg aufwendige Tragesysteme. Typisch für das Erscheinungsbild des Tornisters ist die in Hufeisenform an den Seiten entlanggerollte Decke mit Mantel.
Deutschland mini|Zwei Mitglieder des Großherzoglich Mecklenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 14 mit Tornistern Wie in allen Ländern, war der Tornister auch hier ständigem Wandel unterworfen und bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches in jedem Herrschaftsgebiet durch andere Normierungen geprägt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kann man jedoch bei der gesamten militärischen Ausrüstung eine Ausrichtung auf preußische Entwicklungen feststellen.
Oldenburg und Preußen Ende 1810 wurde in Preußen der Brustriemen am Tornister eingeführt, eine Neuerung, welche den Tragekomfort des schweren, nach hinten ziehenden Transportgefäßes verbesserte. Einen Meilenstein setzte dann das sogenannte Virchowsche Marschgepäck (auch Virchow’sches Gepäck). Der mit seitlichen Trageriemen und Koppelaufhängung versehene Tornister löste das die Brust einengende Kreuzbandolier ab, zuerst 1837 im Oldenburgischen Militär, mit A.K.O. vom 7. Oktober 1847 dann auch bei den Fußtruppen der preußischen Armee.Markus Stein: Infanterie von Preussen und anderer Staaten des Nordeutschen Bundes 1870/1871 - Ausrüstung der Mannschaften, auf 2empire.de, 6. Dezember 2021, abgerufen am 13. Februar 2024. Der „Vater“ dieser Neuerung war der spätere Major der Infanterie Johann Christoph Virchow (1788–1856),Wilhelm Rüstow: Militärisches Hand-Wörterbuch, Erster Band, A bis L (1858), Artikel „Gepäck“.[Johann Christoph] Virchow: Denkschrift über eine zweckmäßig erscheinende Trageweise des Infanterie-Gepäcks oder über die Nothwendigkeit: die zu tragende Last dem Baue des Körpers gemäß zu vertheilen. Anklam, 1833.Major [Johann Christoph] Virchow: Virchow’sches Infanterie-Gepäck und die projectirte Reformirung desselben. Berlin, 1848. ein Onkel von Rudolf Virchow.Constantin Goschler: Rudolf Virchow. Mediziner – Anthropologe – Politiker. Böhlau Verlag, Köln, Neuauflage 2021, S. 57 und 59.
Mit den Brustriemen wurden seit den 1890er Jahren verstärkt auch Rucksäcke ausgestattet. Nach Einführung modernerer Tornister in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, welche Koppel und Munitionstaschen in ein ganzheitliches System brachten, entfiel der Brustriemen wieder.
Deutsches Kaiserreich und Weimarer Republik Der ab 1895 millionenfach hergestellte Tornister des deutschen Heeres mit dem stoffverkleideten Holz- oder Geweberahmen, den es im Ersten Weltkrieg aufgrund von Ledermangel als vereinfachte Ausführung vollständig aus grauem („schilfgrünem“) Baumwollstoff mit leinenweißem Innenbezug gab, verschwand erst mit den Umstrukturierungen bei Reichswehr und Wehrmacht in den frühen 1930er Jahren. Der Tornister M1895 war mit Rinderfell bezogen, die Lederteile naturbraun. Im Tornister befand sich Wäsche, Ersatzstiefel und Verpflegung. Im Deckel sind innen zusätzlich kleine Staufächer angebracht, in denen je ein Patronenpäckchen untergebracht war. Außen am Tornister brachte man den grauen Militärmantel (Modell 1887) und die bis 1914 beigefarbene Zeltbahn M1892 an. Ab 1914 wurde die Zeltbahn nur mehr in den gedeckteren Farben schilf und grau hergestellt. Das schwarzgestrichene nierenförmige Kochgeschirr M1910 konnte mit zwei naturfarbenen Lederriemen auf dem Tornisterdeckel befestigt werden.Laurent Mirouze: Infanteristen des Ersten Weltkriegs. Verlag Karl-Heinz Dissberger, Düsseldorf 1990, ISBN 3-924753-28-8. Die Metallteile waren aus Messing mit vernickelten Eisennieten und wurden erst im Zuge des Ersten Weltkriegs aus verzinktem oder lackiertem Eisen hergestellt. Da das Koppelzeug damals auf Taillenhöhe getragen wurde, fielen die Trageriemen recht kurz aus. Die Schnallriemen zum Befestigen von Mantel und Kochgeschirr waren bis 1914 ebenfalls naturfarben mit Aluminiumbeschlägen. Im Kriege wurde das wertvolle Aluminium rasch durch billigeres lackiertes Eisen ersetzt und die Lederteile mussten ab 1915 geschwärzt werden. Bis in die 1980er Jahre waren diese Riemen – schwarzlackiert mit Aluminiumbeschlägen – bei der westdeutschen Polizei und beim Bundesgrenzschutz in Gebrauch.
1934 bis 1945 Optisch änderte sich beim im November 1934 eingeführten Tornister M34Gordon L. Rottman, Ron Volstad: German Combat Equipments 1939–45. Osprey Publishing Ltd, London 1991, ISBN 0-85045-952-4, S. 17. nur wenig am Erscheinungsbild, obwohl man nun den sperrigen Holzrahmen wegließ, die Seitenteile aus Stoff bestanden und das ab April 1941 grauoliv gestrichene nierenförmige Kochgeschirr nun nicht mehr auf dem aufklappbaren Kalbfellrücken angebracht werden konnte.Gordon L. Rottman, Ron Volstad: German Combat Equipments 1939–45. Osprey Publishing Ltd, London 1991, ISBN 0-85045-952-4, Schautafel A.
Für den Felldeckel mussten die Pelzzurichter ihre Arbeitsprozesse verändern, die modernen Gerbmethoden waren nicht unbedingt wasserbeständig. Es wurde eine Alaunzurichtung (mit Aluminiumsalzen) vorgeschrieben, die eine gewisse Wasserbeständigkeit gewährleistete. Zu Beginn des Krieges wurde sie so weiterentwickelt, dass auch die anfangs noch möglichen Schäden durch im Leder freie Säuren weitgehend verhindert wurden. Durch das sogenannte Eulanisieren wurden die Kalbfelle gegen Insektenfraß geschützt.Hans Herfeld: Über Probleme der Pelzzurichtung im Lichte technisch-wissenschaftlicher Untersuchungen der Deutschen Versuchsanstalt und Fachschule für Lederindustrie, Freiburg in Sachsen. In: Der Rauchwarenmarkt. Nr. 43/44 u. 45/46, Leipzig, 12. November 1943, S. 2.
Das Kochgeschirr bekam jetzt seinen Platz neben Feldflasche und Zeltplane am Brotbeutel.Gordon L. Rottman, Ron Volstad: German Combat Equipments 1939–45. Osprey Publishing Ltd, London 1991, ISBN 0-85045-952-4, Schautafel H. Einige Verstärkungen an den ledernen Schlaufen des Tornisters wurden mit Naturdarm ausgeführt. Wie schon bei früheren deutschen Modellen, waren an den ledernen Trageriemen vorne auf Brusthöhe Nieten eingeschlagen, an denen zwei zusätzliche Lederriemen mit verstellbaren Koppelhaken angebracht waren. Diese Haken, von denen sich einer am unteren Tornisterrahmen im Rücken des Trägers befand, wurden vorne mit den Munitionspäckchen oder Aufschiebeschlaufen verbunden, welche auf das Koppel geschoben wurden und im Rücken direkt mit dem Koppel verhakt. Dieses System gewährleistete, dass das Koppel, an dem im Ersten und Zweiten Weltkrieg Seitengewehr, Brotbeutel, Feldspaten, Munitionstaschen und vieles weitere befestigt wurde, nicht verrutschte. Zusätzlich diente es auch zur Stabilisierung des Tornisters.Gordon L. Rottman, Ron Volstad: German Combat Equipments 1939–45. Osprey Publishing Ltd, London 1991, ISBN 0-85045-952-4, Schautafel B und D. Ab April 1939 wurde erneut ein neues Tornistermodell (M39) an die Truppe ausgegeben, es ist jedoch nahezu identisch mit dem Modell 34. Das Kochgeschirr konnte nun in einem Stoffsäckchen, das im Tornisterinneren angebracht war, verstaut werden, und in der Mitte der unteren Hälfte des Tornisterrückens war eine lederne Lasche angebracht worden. Ein weiterer Zusatz befand sich zu beiden Seiten oben auf dem Tornisterrücken. Dort befanden sich nun zwei D-förmige Metallringe.
mini|Dieser Packriementyp war ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre bei der deutschen Armee bzw. zuletzt beim Bundesgrenzschutz (BGS) in Gebrauch.