mini|Galeriewald bei Simandou
Guinea [] ( []) ist ein Staat in Westafrika, der (von Nordwesten aus im Uhrzeigersinn) an Guinea-Bissau, Senegal, Mali, die Elfenbeinküste, Liberia, Sierra Leone und den Atlantik grenzt. Die Hauptstadt von Guinea ist Conakry.
Die ehemalige französische Kolonie Guinea wurde am 2. Oktober 1958 unabhängig. In seiner wechselhaften Geschichte erlitt Guinea viele Militärputsche, zuletzt 2021. Die dadurch hervorgegangene aktuelle Regierung unter Mamady Doumbouya regiert wie auch die vorherigen Regierungen autoritär. Es kommt weiterhin regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte.
Neben dem benachbarten Guinea-Bissau gibt es noch einen weiteren Staat in Afrika mit dem Namen Guinea: das weiter östlich zwischen Kamerun und Gabun gelegene Äquatorialguinea. Die afrikanischen Guineas sind nicht zu verwechseln mit den südamerikanischen Guyanas (Guyana, Französisch-Guayana und Niederländisch-Guayana / Suriname).
Geografie Guinea befindet sich in Westafrika zwischen 7° und 12° nördlicher Breite und 8° und 15° westlicher Länge. Der Staat lässt sich in vier Landschaftsräume einteilen (von Westen nach Osten): die Küstenregion Niederguineas, das bergige Fouta Djallon oder Mittelguinea, das bis 1537 Meter hinaufreicht, das flachere Oberguinea und das hügelige Waldguinea. Insbesondere der Mittel- und Südostteil des Landes befindet sich auf der Oberguineaschwelle. Der Mont Nimba, der sich in Waldguinea, im äußersten Südosten des Landes an der Grenze zur Elfenbeinküste befindet, ist mit 1752 Metern der höchste Berg beider Staaten. Das Naturschutzgebiet rund um den Mont Nimba steht seit 1982 auf der Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit der UNESCO. Die Landesfläche von Guinea beträgt mit 245.857 km² ungefähr die Fläche des Vereinigten Königreichs.
Klima In Guinea herrscht tropisches Wechselklima mit regional unterschiedlich langen Regen- und Trockenzeiten. An der Küste ist es feuchtheiß mit hohen Niederschlägen, östlich des Fouta-Djalon-Plateaus gehen die Niederschläge zurück. Die Niederschläge des westafrikanischen Monsuns fallen zwischen April und November mit tropischen Gewittern und heftigen Stürmen; in den südlichen Regenwaldgebieten beginnen sie meist schon im Februar. Der Höhepunkt des Monsuns wird im Juli und August erreicht. Von November bis April herrscht Trockenzeit. In dieser Zeit steht das Land unter dem Einfluss des Nord-Ost-Passats Harmattan aus der Sahara.
Die Temperaturen in Guinea betragen durchschnittlich 22 °C bis 32 °C, die Höchsttemperaturen liegen zwischen 28 und 35 °C. Im Fouta-Djalon-Plateau liegen die Tiefsttemperaturen im Winter bei 6 °C. In der Hauptstadt Conakry an der Atlantikküste herrscht unabhängig von Regen- oder Trockenzeit Tag und Nacht eine fast gleichbleibende Temperatur zwischen 24 und 32 °C, der jährliche Niederschlag in Conakry liegt bei mehr als 4.000 mm. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit (bis zu 98 Prozent) wird das Klima von Besuchern als schwül und sehr ermüdend empfunden. Besonders ungünstig sind die Monate am Beginn und Ende der Regenzeit (Mai/Juni und Oktober/November) mit tropischen Gewittern, orkanartigen Stürmen und Regengüssen.
Gewässer In Guinea entspringen einige bedeutende westafrikanische Ströme. Der Niger, sein Einzugsgebiet nimmt mit 97.780 km² knapp 40 % der Landesfläche ein, und mehrere seiner Zuflüsse vorwiegend in Waldguinea. Des Weiteren der Gambia und der Bafing, ein Quellfluss des Senegal im Fouta Djallon. Der Süden des Landes entwässert über die Nachbarstaaten Sierra Leone, Liberia und Elfenbeinküste in dortige Flusssysteme in den Atlantik, der Westen über entsprechende Küstenflüsse und Guinea-Bissau.
Flora und Fauna Die Lebensräume variieren von Mangroven an der Atlantikküste, den Hochflächen des Tafellandes in Mittelguinea, dem Savannen-Grasland in Oberguinea und dem Regenwald im Südosten, in Waldguinea.
Städte Im Jahr 2023 lebten 38 Prozent der Einwohner Guineas in Städten. Die größten Städte sind (Stand Zensus 2014):Guinea – Major Cities Conakry 1.660.973 Einwohner Nzérékoré 195.330 Einwohner Kankan 194.671 Einwohner Kindia 135.000 Einwohner Manéah 130.000 Einwohner
Bevölkerung mini|Bevölkerungsentwicklung, Fertilitäts- und Nettoreproduktionsraten von 1950 bis 2021; Prognose der Bevölkerungsentwicklung bis 2032; Schätzung der Vereinten Nationen 2022Blaue Kurve (linke y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in TausendBlaue gepunktete Kurve (linke y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend, „Mittlere Prognose“ („Medium variant“)Rote Kurve (rechte y-Achse): Gesamtfruchtbarkeitsrate (Lebendgeburten pro Frau)Gelbe Kurve (rechte y-Achse): Nettoreproduktionsrate (überlebende Töchter pro Frau) mini|Bevölkerungspyramide Guineas 2020
Demografie Guinea hatte 2022 13,9 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,4 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 33,9 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 9,9 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 4,3, die der Region West- und Zentral-Afrika betrug 4,9. Die Lebenserwartung der Einwohner Guineas ab der Geburt lag 2022 bei 59 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 17,7 Jahren. Im Jahr 2023 waren 41,2 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 3,3 Prozent der Bevölkerung betrug.
Jahr Einwohnerzahl 1950 3.094.000 1960 3.577.000 1970 4.220.000 1980 4.512.000 1990 6.041.000 2000 8.809.000 2010 10.794.000202013.205.000
Bevölkerungsstruktur Die drei größten ethnischen Gruppen – unter insgesamt mehr als 40 Völkern – sind inzwischen größtenteils muslimisch: 33,4 % stellen die Fulbe (Felatta, französisch Peul), sie sind die größte Ethnie und wohnen vorwiegend im Fouta-Djalon-Hochland und in der Hauptstadt Conakry, 29,4 % sind Malinke und leben in Oberguinea, 21,2 % sind Susu, die in der Küstenregion beheimatet sind. Bei den kleineren Volksgruppen sind die Kpelle mit 7,8 %, die Kissi mit 6,2 %, die Loma mit 1,6 % die bekanntesten, sie wohnen mehrheitlich in Waldguinea und sind meistens Anhänger von traditionellen Religionen. Außerdem gibt es vor allem in den Städten libanesische Einwanderer, die ersten kamen schon vor mehr als 100 Jahren ins Land; sie beherrschen einen Großteil des Handels und des Hotelgewerbes. Im Jahre 2017 war 1 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Als in den Nachbarländern Sierra Leone und Liberia Bürgerkrieg herrschte, kamen aus diesen Ländern zahlreiche Flüchtlinge nach Guinea. Noch heute sind es etwa 40.000 (Stand 2007).
Religionen Ursprünglich herrschten in Guinea verschiedene afrikanische Religionen vor, die von animistischen Vorstellungen geprägt waren und die auch heute noch vielfach praktiziert werden. Seit Jahrhunderten dominiert ein sunnitischer Islam, der vom Gelehrten al-Ghazālī, der Richtung der Malikiten und der Sufiorden der Qadiriya, Schādhilīya und Tidschānīya geprägt ist. Von Arabien und Nordafrika her kamen muslimische Händler, die dann das mittelalterliche Mali-Reich beherrschten, wozu auch ein Teil von Guinea gehörte. Das Bergland des Fouta Djallon wurde zum Zentrum und zur Hochburg dieses Glaubens und 1725 ein muslimischer theokratischer Staat. Von Pakistan her kam zudem im 19. Jahrhundert die Ahmadiyya-Bewegung ins Land. Sekou Touré, der erste Präsident Guineas, versuchte, den Einfluss des Islams zu reduzieren. Als aber seine Popularität abnahm, war er gezwungen, vermehrt muslimische Institutionen einzubeziehen, was sich auch im Bau der Großen Moschee in Conakry ausdrückte. Sie haben bis ins 21. Jahrhundert wesentlichen Einfluss auf Schulbildung, medizinische und soziale Einrichtungen und bestimmen Lebensweise und Kultur weitgehend mit.Sergio Palmer: Religiöse Überzeugungen in Guinea Conakry. In: RipleyBelieves.com. Februar 2020, abgerufen am 3. Februar 2024.Fara Daniel Tolno: Bonne Nouvelle pour les Peuls. Une étude auf Fouta Djallon en République de Guinée, Langham, Carlisle 2023, ISBN 978-1-83973-756-5, S. 9–112: Présentation du peuple peul du Fouta-Djallon.
1797 gab es erste Bemühungen von evangelischen Missionaren der Scottish Missionary Society, einer schottischen Missionsgesellschaft, den christlichen Glauben zu verkünden, die jedoch weitgehend fehlschlugen. 1804 bis 1818 war die anglikanische Church Missionary Society (CMS) tätig, wobei etwa dreißig Personen von ihnen an Gelbfieber starben. Reverend Leopold Butcher arbeitete am Rio Pongo. 1855 folgten die Missionare der Société pour la Propagation de l’Evangile (SPL), die auch auf den Îles de Los nachhaltig wirkten. Bis 1901 konnten neun anglikanische Kirchen errichtet werden, wobei diejenigen in Fotoba und in Kaloum noch im 21. Jahrhundert bestehen. 1877 wurde die erste katholische Gemeinschaft St. Joseph in Boffa ins Leben gerufen, die sich in den nächsten Jahrzehnten vor allem in der Küstenregion ausbreiten konnte. Ab 1917 kam die amerikanische evangelische Missionsgesellschaft Christian and Missionary Alliance (CMA) ins Land und gründete erste Stationen in Oberguinea und 1919 eine evangelische Kirche in Baro. Von 1926 bis 1939 nahmen die Kirchengründungen in Waldguinea zu, danach wurden auch vermehrt Schulen ins Leben gerufen.Samuel Kondano: Eglise protestante évangelique de Guinée. Aperçu historique. L’Harmattan, Paris 2020, ISBN 978-2-343-21716-1, S. 18–103.Fara Daniel Tolno: Bonne Nouvelle pour les Peuls. Une étude auf Fouta Djallon en République de Guinée, Langham, Carlisle 2023, ISBN 978-1-83973-756-5, S. 113–192: Histoire de l’évangelisation des Peuls.
Verteilung der Religionszugehörigkeit: Muslime 85 %, ethnische Religionen 7 %, Christen 8 %.
Die christlichen Minderheiten (meist römisch-katholisch) haben ihre Anhänger vorwiegend in Conakry und in Waldguinea, davon: Römisch-katholische Kirche: 55 % Anglikanische Kirche: 11 % (gegründet 1855)The history of the Anglican Diocese of Guinea. Die Geschichte der anglikanischen Diézese Guineas. In: guinea.anglican.org. Abgerufen am 3. Februar 2024. Église Protestante Evangélique de Guinée: 9 % (gegründet 1919)cmalliance.org Neuapostolische Kirche: 3,5 %
Guinea und der Heilige Stuhl unterhalten diplomatische Beziehungen. Apostolischer Nuntius ist seit März 2019 Erzbischof Tymon Tytus Chmielecki.
Bildung In Guinea liegt die Analphabetenquote 2020 bei 58,8 %. Zurückzuführen ist dieser hohe Wert auf die geringe durchschnittliche Schulbesuchsdauer der über 25-Jährigen von gerade einmal 1,6 Jahren, die zu den niedrigsten weltweit zählt. Die erwartete Schulbesuchsdauer der nachwachsenden Generation liegt dagegen bei 9,3 Jahren.https://www.hdr.undp.org/en/countries/profiles/GIN Die Einschulungsrate liegt im Primarschulbereich bei etwa 50 %, im Sekundarbereich bei 10 % und im Hochschulbereich bei 1 %.
In Guinea gibt es fünf Universitäten, drei in der Hauptstadt Conakry, eine in Kankan (mit einer Außenstelle in Faranah) und eine bei Labé, an denen insgesamt etwa 35.000 Studenten eingeschrieben sind.campusguineeinfo.net
Sprachen Neben der bisherigen Amtssprache Französisch werden Fulfulde (Peulh, Fula), Malinke und Susu sowie weitere einheimische Sprachen gesprochen, die seit der neuen Verfassung vom September 2025 ebenfalls zu Amtssprachen geworden sind. Insgesamt sind acht offizielle Sprachen anerkannt, sechs davon sind auch Unterrichtssprachen. Die in Waldguinea und auch in Liberia ansässigen Loma verfügen über ein eigenes Schriftsystem, ebenso die Kpelle mit der Kpelle-Schrift. Seit 2026 sollen per Gesetz die N'Ko-Schrift und die Adlam-Schrift der Fulbe gefördert werden.
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