mini|hochkant=1.5|Trekker in der Serra da Mantiqueira; Werbefoto eines brasilianischen Veranstalters für Trekkingreisen mini|Bei Wildnistouren trotz GPS-Navigation unverzichtbar: Karte und Kompass
Trekking (auch Trecking, von ‚Wanderung‘ oder ‚Marsch‘) bezeichnet im engeren Sinn eine anstrengende, mehrtägige Langstreckenwanderung mit großem Gepäck durch das Hochgebirge (klassisch) oder wenig erschlossene naturnahe Landschaften und Wildnisregionen (englisch ). Das oberste Ziel für den Wanderer (Trekker) ist ganz oder größtenteils der Weg selbst bzw. die ununterbrochene und ungestörte Naturerfahrung – bis hin zum Erlebnis herausfordernder Abenteuerreisen. Aus diesem Grund fanden solche Reisen ursprünglich nur mit Trekkingzelt oder Tarp in Regionen mit marginaler Infrastruktur statt (Hütten nur vereinzelt, weglos oder Trampelpfade statt ausgebauter Wege, Waten statt Brücken). Im weiteren Sinn (einer Trendsportart) werden jüngst jedoch auch andere Mehrtagesreisen (über Hütten, Wege, Brücken) in Naturgebieten Trekking genannt, wenn sie ohne motorisierte Transportmittel stattfinden und die Art der Fortbewegung (Wandern, Radfahren, Paddeln u. a.) im Vordergrund steht. Diese „weichen“ Trekkingformen werden heute weitaus häufiger durchgeführt.
Die Bezeichnung Trekking wurde von der Tourismusbranche verbreitet (siehe Kap. Etymologie). Trekkingreisen sind heute ein wichtiger Bestandteil touristischer Angebote im Segment Naturtourismus.Kareen Riedel: Trekking-Tourismus in Nepal. Diplomarbeit Fachhochschule Stralsund, Diplomica, Hamburg 2007, ISBN 978-3-8366-1705-5, S. 41–44. Der Begriff wird von den Veranstaltern jedoch immer weiter gefasst, sodass es sich bei manchen Angeboten tatsächlich um normale Wanderreisen handelt, da nur wenig Gepäck getragen werden muss, Übernachtung und Verpflegung komfortabel sind und kaum noch spezielle Outdoor-Kenntnisse notwendig sind. Experten bemängeln diese „Begriffsverwässerung“ und fordern eine klare Abgrenzung zwischen Bergsteigen, Trekking und Bergwandern (Hiking). Hintergrund ist die Tatsache, dass die Risiken eines Treks oftmals verharmlost werden und die sorgfältige persönliche Vorbereitung entfällt, sodass es viel häufiger zu Unfällen und aufwändigen Hilfeleistungen kommt als früher.Sven Groß, Manuel Sand: Draußen erleben! UVK, München, Tübingen 2022, ISBN 978-3-7398-3179-4, Kap. 5.1.8. Die im Verhältnis zum Bergsteigen eher als gering bezeichneten Gefahren (siehe Kap. Abgrenzung) setzen dennoch entsprechende Trekkingerfahrung und umfangreiche Kenntnisse voraus. Sind diese nicht vorhanden oder ist die Ausrüstung unzweckmäßig, liegt das Unfallrisiko deutlich höher.Christian Reich: Basiswissen für Wildnisführer. 1. Auflage OutdoorHandbuch Band 199, Basiswissen für draußen, Conrad Stein, Welver 2006, ISBN 978-3-86686-199-2, S. 49–51.
Diese Entwicklung hat in einigen beliebten Trekkinggebieten zu einer drastischen Zunahme des Tourismus und damit zu einem erheblichen Störfaktor im Naturschutz geführt, auf den von den Behörden teilweise mit Zugangsbeschränkungen und -verboten reagiert wird.
Wandern, Bergwandern und Trekking sind im allgemeinen Sprachgebrauch häufig gleichbedeutende Bezeichnungen, die nicht unterschieden werden. In den deutschsprachigen Alpenländern ist die Bezeichnung Trekking eher unüblich. Schwierige, meist wissenschaftliche Vorhaben, die so bisher noch nicht unternommen wurden, werden gemeinhin als Expedition bezeichnet. Eine Reise zur Wildbeobachtung und Wildfotografie sowie zur Jagd auf Wild in Afrika wird Safari genannt.
Etymologie mini|Als „Groot Trek“ wird die Migration der Buren aus der Kapkolonie (Südafrika) zwischen 1835 und 1841 bezeichnet. mini|Werbeplakat für Bergwandern in Japan aus den 1930ern
Für den Ausdruck Trekking sind mehrere Ursprünge in den Westgermanischen Sprachen denkbar. Der heutigen Wortbedeutung kommt der niederdeutsche oder niederländische Begriff ‚ziehen‘ am nächsten: Er stand vormals für Menschen, die auf einer mehrtägigen Suche nach neuen Siedlungsgebieten durch abgelegene Regionen zogen. Dieser Ausdruck wurde ebenso als (gefahrvoller) Marsch mit Gepäck durch schweres Gelände verstanden – auch mit Last- oder Zugtieren (Afrikaans „trek“ ‚Zug mit Ochsenkarren‘). Aus dem Afrikaans übernahm das Englische das Wort Trekking, das dann als Anglizismus ins Deutsche Eingang fand.
Seine aktuelle Bedeutung bekam das Wort vor allem mit der Entstehung des Himalayatourismus in Nepal verliehen: Die Faszination der Achttausender, die in den 1950er Jahren begann, lockte neben Bergsteigern immer mehr Touristen an, die ebenso an spannenden Selbsterfahrungen in atemberaubender Urnatur interessiert waren – jedoch ohne Bergsteigererfahrung, Training, extreme körperliche Anforderungen und wochenlange Vorbereitungen.
Veranstalter und Ausrüster im deutschen Sprachraum fördern durch ihre Marketingstrategien eine wesentlich weitere Auslegung des Begriffes im Sinne einer Trendsportart: Zum einen werden auch Tageswanderungen als Trekking bezeichnet, da das Wort moderner, sportlicher und internationaler klingt. Zum anderen werden organisierte Trekkingreisen zunehmend durch verschiedene Zusatzangebote (Lodgeübernachtung, Gepäcktransport, Kulturerlebnisse, Tierbeobachtung usw.) erweitert, die den ursprünglichen Begriff verwässern.
Abgrenzung mini|Die Risiken einer Trekkingtour (hier Gletscherüberquerung) liegen zwischen Wandern und Bergsteigen
Der Fränkische Albverein definiert das Wandern als mehrstündige Tour zu Fuß, die in zügigem Tempo durchgeführt wird und hinsichtlich Ausrüstung, Ziel und Anreise nur wenig Vorbereitung erfordert. Trekkingtouren hingegen sind mehrtägige „Unternehmungen“ im Hochgebirge beziehungsweise in anderen abgelegenen naturnahen Landschaften, die ausreichend Fitness, umfangreiche Planung und Vorbereitung (entweder durch den individuell Reisenden und/oder den Reiseveranstalter) und eine spezielle Trekkingausrüstung erfordern. Das Wandertempo richtet sich nach dem Umfang des Gepäcks, den Wetterverhältnissen und den jeweiligen Geländeverhältnissen (Wege, Pfade, weglos; Flachland oder Gebirge; Dichte und Art der Vegetation; Hindernisse usw.).
In seiner engeren Bedeutung steht Trekking bezüglich der Anforderungen und des Risikos zwischen Bergwandern und Bergsteigen:
Ereignisse sind im Wesentlichen vorhersehbar Die Risiken sind vorwiegend kontrollierbar gefährliche Situationen treten selten auf geringes Verletzungsrisiko und geringes Schadensausmaß
Trekkingtourismus mini|Rostende Getränkedosen im japanischen Gebirge
Die Tourismusbranche hat die Motivation ihrer Kunden zu Trekkingreisen genau untersucht: Das intensive, tagelange Naturerlebnis fernab des Alltags ist wohl die verbindende Motivation aller Trekker. Darüber hinaus gibt es verschiedene persönliche Vorlieben, die eine mehr oder weniger große Rolle spielen: Entweder die Suche nach sportlichen Herausforderungen und Grenzerfahrungen oder das einfache Leben (auf Zeit), kurze „Trekkingabenteuer“ als ein Reisehighlight unter mehreren oder der Wunsch nach einer ausgefallenen, exklusiven Reise.
Der Trekkingtourismus wird heute in drei Segmente untergliedert: Organisierter (pauschaler), semi-organisierter und individueller Trekkingtourismus. Das zunehmende Bedürfnis nach unverfälschter Natur fördert die organisierten Formen, da diese aufgrund deutlich geringerer Anforderungen an Kenntnisse, Fitness und Ausrüstung sowie umfangreichere Komfortmöglichkeiten ein wesentlich breiteres Kundenspektrum ansprechen.
Der Trekkingboom hat zu einer deutlich gestiegenen Zahl von Unfällen und Rettungseinsätzen für unerfahrene und sich oftmals selbst überschätzende Touristen geführt. Obwohl von Massentourismus nur punktuell die Rede sein kann, entstand in den ersten Jahren im Himalaya (und anderen beliebten Trekkingregionen) ein zunehmendes Problem mit unsachgemäßer Müllentsorgung und der Störungen empfindlicher Tier- und Pflanzenpopulationen. Auch von Belastungen und/oder Diskriminierung bis hin zur Ausbeutung der lokalen (oft indigenen Bevölkerung) wird berichtet. Dies hat sich im allgemeinen Trend zu mehr Nachhaltigkeit in den letzten Jahren jedoch verbessert.
Einige typische Folgen eines unkontrollierten Trekkingtourismus bzw. unsensiblen Verhaltens einiger Trekker am Beispiel Schweden:Johan M. Sanne, Sofi Marklew: ????. IVL – Svenska Miljöinstitutet, Stockholm 2021, ISBN 978-91-7883-352-8, PDF abgerufen am 28. Juni 2023, S. 12, 15, 17, 22, 30–31.Persönliche Erfahrungen aus 30 Jahren Trekkingerfahrung in den meisten Regionen des skandinavischen Gebirges, z. T. als Guide, einschließlich diverser Gespräche mit der einheimischen Bevölkerung, Frank Baldus (Benutzer:Fährtenleser), 27. Juni 2023. Zu große, viel zu viele und falsch angelegte „wilde“ Feuerstellen mit deutlichen Schäden an Böden, Krautschicht und Bäumen (die sehr kurze Vegetationsperiode im hohen Norden „konserviert“ diese Schäden jahrelang) weggeworfene Flaschen, Dosen (trotz überflüssigem Gewicht im Rucksack transportiert!), Verpackungen und „Toiletten-Hinterlassenschaften“ zwischen Steinen und hinter Felsen unweit der Pfade Störungen der Rentierherden durch wilde „Fotosafaris“ Offenlassen der Durchgänge an Rentierzäunen und Zerstörungen an den Zäunen führt zu unnötiger Mehrarbeit der samischen Rentierhalter (Wiederfinden und Treiben der Tiere, Reparaturen) Dreistes Betreten vermeintlich unbenutzter samischer Koten, Herumstöbern in samischem Eigentum (an Lagerplätzen, Bootsanlegern etc.) Tiefe Erosionsrinnen durch abgetretene Pflanzendecke und nachfolgende Regenfälle; häufig direkt neben Bohlenwegen, die zum Schutz der Vegetation angelegt werden Verbreiterung der Pfade mit entsprechenden Trittschäden in stark frequentierten Gebieten (etwa Kungsleden mit dem Trekking-Event „Fjällräven Classic“)
In schwedischen Nationalparks wurde zum Teil das Jedermannsrecht eingeschränkt, um die Schäden des Tourismus zu minimieren.
Voraussetzungen mini|Auf Trekkingtour mit Guide mini|Eine detaillierte Routenplanung ist eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen einer Trekkingtour mini|Wettereinflüsse wie Nebel, Schneetreiben oder Gewitter bergen insbesondere bei schwierigen Wegverhältnissen Risiken (Bild: Taiwan) mini|Ruta del Cares auf der Ruta circular Picos de Europa in Spanien: Ein perfekt erschlossener Trek
Reiseveranstalter setzen neben Kondition auch mentale Stärke und „allgemeine Wildnisfähigkeiten“ voraus, auf die sie meist umfangreich hinweisen. Diese Voraussetzungen werden von den Veranstaltern aus Haftungs-, - und Werbegründen auf unerfahrene Touristen ausgelegt. Auch wenn dies sicherlich vielen Kunden im Nachhinein übertrieben vorkommt, gelten diese Dinge umso mehr für individuell geplante Touren, die zudem eine wesentlich aufwändigere Vorbereitung benötigen.
Planung Da Trekkingtouren meist fernab von Verkehrswegen und Geschäften stattfinden, müssen die meisten lebensnotwendigen Dinge mitgeführt werden und die Planung erfordert eine wesentlich größere Sorgfalt als für eine Wandertour in Regionen mit ausgebauter Infrastruktur. Während die Planung einer organisierten Trekkingreise mehr oder weniger vom Veranstalter durchgeführt wird, muss sich der Individualtourist mit allen im Weiteren aufgeführten Punkten auseinandersetzen.Klaus Betz: Wanderwege in Skandinavien. Norwegen, Schweden, Finnland. Bruckmann, München 1984, ISBN 3-7654-1879-X, S. 8, 10–25.
Je nach Teilnehmerzahl, Dauer der Trekkingtour und landesüblichen Möglichkeiten wird die Ausrüstung auch von Trägern, Tragtieren oder geländegängigen Begleitfahrzeugen transportiert.
Zielgebiet, Risiken und Leistungsgrenzen