Pinaki, alter Name: Whitsunday oder Whitsun Island (Pfingstinsel), ist ein kleines Atoll im südöstlichen Pazifischen Ozean, das geografisch zum Tuamotu-Archipel und politisch zu Französisch-Polynesien gehört.
Geografie Das heute unbesiedelte Pinaki liegt zentral in der Südostgruppe der Tuamotus. Die nächstgelegene Insel ist das ebenfalls nur zeitweilig bewohnte Nukutavake, 16 km im Nordwesten. Die nächste ständig bewohnte Insel ist Vairaatea, 56 km im Westen.Sailing Directions Pacific Islands, National Geospatial-Intelligence Agency, Springfield (Virginia) 2017, S. 16 Die Insel Pinaki ist von fast runder Form und misst ca. 2,1 × 1,9 km. Sie erhebt sich nur wenige Meter über den Meeresspiegel. Ein Großteil der Gesamtfläche von 3,2 km² wird von der 2,2 km² umfassenden Lagune eingenommen. Die Lagune ist sehr flach, maximal 6 Meter tief und man kann sie, wie bereits Agassiz 1899 feststellte, an einigen Stellen sogar durchwaten.Cruise of the Albatross. Artikel in der Science, Vol. 11, No. 264 vom 19. Januar 1900, S. 96–97 Sie ist mit zahlreichen Riffen und Inselchen gesprenkelt, die überwiegend aus aufgehäuften Muschelschalen bestehen und verlandet allmählich durch angewehten Sand. Im Westen gibt es eine Passage (Hoa), die dem Wasseraustausch mit dem Ozean dient. Die Lagune ist von unzähligen Tridacna-Muscheln in allen Größen besiedelt, deren bunter Mantelrand besonders auffällig ist.
Flora Die heutige Vegetation wird von Kokospalmen (Cocos nucifera) dominiert, die nach dem verheerenden Zyklon von 1983 zahlreich angepflanzt wurden. Die natürlichen Pflanzengemeinschaften wurden dabei weitgehend zerstört und sind nur noch in Resten vorhanden.
Über die ursprüngliche Vegetation, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch relativ unberührt war, gibt der Bericht von William Beechey Auskunft. Sie bestand vorwiegend aus Schraubenbäumen (Pandanus), Heliotropen (Heliotropium arboreum, Synonyme: Tournefortia argentea, Argusia argentea), Lepidium piscidium aus der Familie der Kreuzblütler (Cruciferae) und Scaevola taccada. Im Vergleich zu den Nachbarinseln waren Kokospalmen wenig verbreitet.William Beechey: Narrative of a Voyage to the Pacific and Bering’s Strait. Henry Colburn & Richard Bentley, London 1831, S. 135–136
Klima und Wetter Langjährige Wetteraufzeichnungen für Pinaki sind nicht bekannt. Die Insel liegt nach der Klassifikation des Klimas von Köppen und Geiger in der tropischen Klimazone Af.Koeppen-Geiger world climate classification map Pianki liegt im Korridor tropischer Wirbelstürme. Die Zyklon-Saison 1982/83 war die bisher längste und aktivste im Südpazifik. Bei 30 Atollen der Tuamotus wurden beträchtliche Verwüstungen und umfangreiche Zerstörungen gemeldet. Pinaki war besonders vom Zyklon Nisha-Orama im Februar 1983 betroffen, der schwere Schäden an der Vegetation anrichtete.
Geschichte Frühgeschichte Sowohl Berichte der frühen Entdecker als auch archäologische Spuren lassen auf eine vormalige Besiedlung schließen.
1924 rüstete Medford Kellum, ein US-Amerikaner, der durch Immobiliengeschäfte reich geworden war, den Vier-Mast-Schoner Kaimiloa für eine fünf Jahre dauernde Expedition zu abgelegenen und schwer erreichbaren Inseln im Pazifik aus. Mit an Bord waren mehrere Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen vom Bernice P. Bishop Museum in Honolulu, darunter der Ethnologe Kenneth Emory (* 23. November 1897, † 2. Januar 1992). Im Juli 1930 erreichte die Kaimiloa Pinaki. Emory erkundete die Insel und beschrieb drei Zeremonialstätten der Ureinwohner (Marae), ohne jedoch archäologische Grabungen vorzunehmen.
Die Marae Marumaruatua liegt in einem Pisonia-Hain an der Nordwestküste. Von der Zeremonialplattform waren noch, so Emory, zwei nord-süd-orientierte und im Abstand von zwei Metern parallel laufende, sieben Meter lange Reihen von senkrecht stehenden Platten aus Korallengestein zu sehen. Das Bauwerk lag ungefähr 50 m vom Strand entfernt.Kenneth P. Emory: Tuamotuan Stone Structures. Bernice P. Bishop Museum Bulletin 118, Honolulu 1934 Die Steinreihen sind heute nicht mehr zu erkennen. Die französische Archäologin Tama Marik von der Universität Paris-Nanterre fand dort Überreste zahlreicher Löcher, die von Schatzsuchern gegraben wurden, sodass anzunehmen ist, dass die Anlage auf der Suche nach dem „Kirchenschatz von Pisco“ völlig zerstört wurde.Tamara Maric: Archéologie et traditions orales des atolls de Nukutavake, Vaira’atea et Pinaki. Papeete 2010 Eine Sage von der Insel Hao erzählt, dass die Marae Marumaruatua am Ort einer großen Schlacht zwischen Munanui, dem Riesenkönig von Hao, und dem Stamm der Manahune, einer legendären Rasse von Zyklopen aus den östlichen Tuamotus, errichtet wurde.
Die Marae Omanu an der Westküste beschreibt Emory als diagonal zum Strand verlaufende Steinreihe von ungefähr 15 Metern Länge. Sie war in sehr schlechtem Zustand und kaum zu identifizieren. Noch im 19. Jahrhundert, so sei ihm erzählt worden, habe in der Anlage ein Orthostat gestanden. Dies entspräche dem üblichen Baumuster der Marae der Tuamotu-Inseln.
Die Marae bei Teonemahue an der SüdküsteEmory schreibt Ostküste, aber er hat seine Karte falsch eingenordet erwähnt Emory nur in einem Nebensatz. Die Archäologin Tamara Maric hat die Anlage 2009 untersucht und beschreibt sie wie folgt:
Die Archäologin hat außerdem mehrere mit Korallengestein eingefasste Gräber, Pflanzgruben und Zisternen der Ureinwohner identifiziert, die belegen, dass Pinaki einst besiedelt war.
Entdeckungsgeschichte Samuel Wallis hat Pinaki während seiner Weltumseglung mit der Dolphin am 6. Mai 1767 entdeckt.
Wallis Positionsbestimmung war mangelhaft. Zwar stimmte die Breite ungefähr, aber in der Länge hat er sich um deutlich mehr als 100 km verschätzt. Ob seine Beobachtungen eine dauerhafte Besiedlung bestätigen oder nur Anzeichen für einen zeitweiligen Aufenthalt von Menschen sind, ist unklar.
Fast sechzig Jahre hatte kein Europäer Pinaki betreten, bis am 9. November 1825 Kapitän Peter Dillon während einer Handelsreise von Valparaiso die Insel erreichte. Er hoffte vergeblich, dort Futter für Pferde und Esel zu finden, die er auf seinem Schiff St. Patrick nach Tahiti transportierte. Es ist nicht bekannt, ob er Menschen antraf.J.W. Davidson, Deryk Scarr (Hg.): Pacific Islands Portraits, Australian National University Press, Canberra 1973, S. 24
Der nächste europäische Besucher, ein Jahr später, war der britische Seeoffizier, Forscher und Geograph Frederick William Beechey. Die HMS Blossom kam von Puka Rua und erreichte Pinaki am Morgen des 23. Januar 1826. Beechey beschreibt die Insel in seinem Bericht recht ausführlich und korrigiert Wallis´ Positionsbestimmung sowie die Ausmaße der Insel. Er schreibt, dass er unzweifelhafte Beweise dafür fand, dass die Insel bewohnt war, aber er sah keine Insulaner („found indubitable proofs of the island having been inhabited; but no natives were seen“).
Der deutsche Geograph Karl Eduard Meinicke meinte, Pinaki sei identisch mit der Insel Byam Martin, die Beechey Anfang Februar 1826 als erster Europäer entdeckte und nach Sir Thomas Byam Martin (1773–1854), Admiral of the Fleet (Flottenadmiral) der Royal Navy, benannt hatte.Carl Meinicke: Die Inseln des Stillen Oceans, Geographische Monographie, Zweiter Teil: Polynesien und Mikronesien. Paul Freohberg Leipzig 1876Johann Jakob Egli: Nomina geographica. Friedrich Brandstätter, Leipzig 1871, S. 96 Meinickes Meinung ist falsch, Beecheys Byam Martin ist die Insel Ahunui.Andrew Sharp: The Discovery of the Pacific Islands. Greenwood Press, Westport (CT) 1985, S. 215
In den Jahren 1899 und 1900 reiste der Dampfer Albatross der United States Fish Commission sieben Monate lang durch die pazifischen Inseln, kartographierte Küstenlinien und sammelte Proben. Mit an Bord waren mehrere Wissenschaftler, darunter Alexander Agassiz, Professor für Zoologie an der Harvard University, der Meeresbiologe Harry Clifford Fassett (1870–1953), Mitglied der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften, und der Zoologe Charles Haskins Townsend (1859–1944). Die Albatross erreichte Pinaki am 31. Oktober 1899.Alexander Agassiz: Reports on the Scientific Results of the Expedition to the Tropical Pacific in Charge of Alexander Agassiz, by the U. S. Fish Commission Steamer “Albatross”, from August, 1899, to March, 1900, Commander Jefferson F. Moser, U. S. N., Commanding. Memoirs of the Museum of Comparative Zoology at Harvard College, Vol. 26, No. 1, Cambridge 1902, S. 25Memoirs of the Museum of Comparative Zoology at Harvard College, Volume XXVI, Cambridge, Januar 1902, Plate 14
Townsend fertigte die ersten Fotografien von Pinaki. Sie befinden sich heute u. a. in der Sammlung der Smithsonian Institution in Washington, D.C.
Verwaltung und Infrastruktur Pinaki gehört heute zur Verwaltungseinheit der Subdivision des Îles Tuamotu-Gambier, genauer zur Gemeinde (Commune) Nukutavake, eine der kleinsten Communes associées in Französisch-Polynesien. Pinaki verfügt über keinerlei Infrastruktur, weder Straßen noch eine Anlegestelle für Boote. Auf der Insel befinden sich zwar einige offene Hütten, die jedoch nur während weniger Wochen bewohnt sind, um die Kokoshaine zu bewirtschaften. Elektrizität wird in dieser Zeit mit mobilen Generatoren erzeugt, zur Frischwasserversorgung ist man auf mitgebrachtes Süßwasser oder gesammeltes Regenwasser angewiesen. Die kleine, aus Korallengestein gebaute Kapelle im Nordwesten der Insel, die nach dem Zyklon von 1983 wieder aufgebaut wurde, wird nach wie vor gepflegt.
Der Pisco-Schatz Angeblich soll auf Pinaki ein Goldschatz vergraben sein. Dem liegt folgende Geschichte zugrunde:
In der Krypta der Iglesia San ClementeDie ursprüngliche Kirche wurde bei einem Erdbeben 2007 zerstört und 2012 in modernem Stil wieder aufgebaut., der „Kathedrale“ von Pisco in Peru, waren angeblich Mitte des 19. Jahrhunderts vierzehn Tonnen Goldbarren, goldene Statuen und Juwelen versteckt. Das Gold sei Eigentum eines spanischen Adeligen, der das Gold den Inkas abgenommen und bei den Mönchen verborgen haben soll. Niemand außer einigen Patres wusste davon. Einer von ihnen offenbarte jedoch das Geheimnis vier ehemaligen Söldnern der peruanischen Armee. Sie redeten den Priestern ein, der Schatz sei in Gefahr, geraubt zu werden und sie seien in der Lage, das Gold nach Lima zu bringen. Dort sei es in Sicherheit. Der Schatz wurde auf das Schiff Bosun Bird verladen, um ihn nach Callao, der 200 km entfernten Hafenstadt von Lima, zu transportieren. Auf See warfen die Söldner die begleitenden Priester über Bord, ermordeten die Besatzung und segelten zu einer unbewohnten Insel im Tuamotu-Archipel, wo sie den Schatz vergruben. Danach fuhren die Räuber nach Australien und versenkten die Bosun Bird, um alle Spuren ihrer Tat zu beseitigen. Sie suchten Arbeit in einer Goldmine, damit sie genug Geld für ein Boot verdienen konnten, um nach Pinaki zurückkehren und den Schatz heben zu können. Von den Räubern überlebte nur ein Ire mit Namen Killorain, der schließlich schwer erkrankte und in einem Krankenhaus in Sydney starb. Auf dem Totenbett soll Killorain jedoch dem in Australien lebenden Briten Charles-Edward Howe die Schatzgeschichte erzählt und ihm eine handgezeichnete Karte anvertraut haben, die offenbarte, wo das Gold vergraben war. Auf dieser Karte waren drei Inseln eingezeichnet, die ein Dreieck bildeten, ohne jedoch die Namen der Inseln, ihre Position und die Entfernungen dazwischen anzugeben.