In the Mood for Love (Originaltitel ; dt. Untertitel: Der Klang der Liebe) ist ein Film von Wong Kar-Wai aus dem Jahr 2000, der in Hongkong spielt.
Handlung Hongkong, 1962: Chow Mo-wan, Chefredakteur einer lokalen Zeitung, bezieht mit seiner Frau ein Zimmer in einem Haus in der Shanghai-Community. Dabei begegnet er Chan Li-zhen, die am selben Tag mit ihrem Mann ein Zimmer in der Nachbarwohnung desselben Hauses bezieht, das von Frau Suen vermietet wird. Li-zhens Mann, Herr Chan, ist meistens auf Geschäftsreise; Frau Chow ist in Schichtarbeit in einem Hotel tätig. Beide Paare leben somit in einer Situation, in der sie sich nur selten sehen können. Eine Entfremdung findet statt, Streit und Vernachlässigung werden angedeutet.
Im Zuge einer Gefälligkeit – Herr Chan besorgt aus Japan einen modernen Reiskocher für Frau Chow und hat sie sogar mit nach Japan genommen – kommen diese beiden in näheren Kontakt, entwickeln Sympathien füreinander und verbringen mehr und mehr Zeit miteinander, um der Trauer und der Einsamkeit zu entfliehen. Die Beziehung zwischen den beiden bleibt dabei zart und scheu und ist ständig überschattet vom Wunsch Li-zhens nach der Rückkehr ihres Mannes wie auch von der Gebundenheit an Sitte und Moral. Obwohl Mo-wan und Li-zhen sich ineinander verlieben, wagen sie den letzten Schritt daher nicht. Chow versucht einen Ausweg, indem er beginnt, „Kung-Fu-Geschichten“ zu schreiben, ein Thema, für das sich auch Li-zhen interessiert. Die gemeinsame, sachliche Arbeit in Chows Zimmer bringt beide tatsächlich einander näher, ist aber belastet durch die nötige Heimlichkeit in der engen, von Frau Suen überwachten Hausgemeinschaft. Daher mietet Chow ein Hotelzimmer (Nr. 2046), vorgeblich um ungestört schreiben zu können, aber mit der kaum verhüllten Absicht, der Liebe neuen Raum zu schaffen. Nach einigen Anläufen kommt Li-zhen tatsächlich zu diesem Zimmer, aber später erfährt der Zuschauer, dass nie „etwas gewesen ist“ – es bleibt bei Verlegenheit und Melancholie. Als Höhepunkt der scheuen Beziehung bleibt, dass sich die beiden seither duzen (deutsche Filmfassung).
Beide erkennen nun, dass ihre Liebe keine Zukunft haben kann. In Rollenspielen bereitet Mo-wan Li-zhen für die Wiederaufnahme ihrer Ehe vor. Schließlich kehrt Li-zhens Ehemann zurück. Deprimiert reist Chow nach Singapur, um in der dortigen Niederlassung der Zeitung zu arbeiten. Noch einmal versucht Li-zhen einen Ausbruch, um ihre Gefühle zu prüfen: Sie reist Chow nach und wartet in seinem Zimmer, während dieser bei der Arbeit ist, ohne von Li-zhens Besuch zu wissen. Sie geht, bevor Chow zurückkehrt.
Zum Ende sieht man Herrn Chow, der alleine Kambodscha bereist und während eines Besuchs in der Tempelanlage Angkor Wat seine Liebe begräbt: Er flüstert etwas – vermutlich sein bisher nie ausgesprochenes Liebesgeständnis – in ein Loch in einer Mauer und verstopft es dicht mit Erde und Gras.
Ein Ende nach dem Ende zeigt spiegelbildliche Abläufe zur Hauptgeschichte und handelt 1965, als Li-zhen, ihr Mann und Sohn sich wieder in das alte Haus einmieten, während Frau Suen auszieht. In einer nostalgischen Anwandlung besucht Herr Chow ebenfalls seine ehemalige Wohnung, nicht wissend, dass Li-zhen wieder da ist. Er geht wieder, ohne ihr zu begegnen.
Hintergründe Die Dreharbeiten wurden von Peking nach Macau verlegt, weil es Probleme mit den chinesischen Behörden gab. Diese bestanden auf Vorlage eines Drehbuchs, welches Wong Kar-Wai jedoch selten benutzt, da er es vorzieht, mit den Schauspielern zu improvisieren. Für ihn entsteht so eine Geschichte und die Stimmung des Films. Teile der Außenaufnahmen fanden in Bangkok statt, da Wong Kar-Wai die Atmosphäre der 1960er Jahre einfangen wollte, die er so im modernen Hongkong nicht mehr finden konnte.
Ursprünglich sollte sich der Film hauptsächlich in dem Hotelzimmer mit der Nummer 2046 abspielen, in der sich Chow und Li-zhen regelmäßig treffen. Wongs Arbeitsweise (kein detailliertes Drehbuch, improvisierte Szenen, tatsächliche Herstellung des Films beim Schnitt) führte allerdings zu einem etwas anderen Ergebnis. Der nachfolgende Film, der eine lose Fortsetzung zu In the Mood for Love darstellt, erhielt dann den Titel 2046. In ihm werden Chows Aufenthalt in Singapur und seine Rückkehr als Schriftsteller nach Hongkong geschildert. Die Aussage in diesem Film, dass die Nummer 2046 für Chow eine besondere Bedeutung habe, ist als anknüpfender Verweis auf In the Mood for Love zu verstehen.
Die Dreharbeiten alleine dauerten 15 Monate und etwa eine Woche vor dem Debüt in Cannes war Wong Kar-Wai noch immer mit Arbeiten am Film, insbesondere dem Schnitt, beschäftigt. Eine ursprünglich aufgenommene Sexszene zwischen Chan und Mo-wan verwendete Kar-Wai letztlich nicht.Abgedreht!, Folge 205 vom 29. Januar 2017. Min. 06:57–07:05.
Musik Wong Kar-Wai arbeitete mit dem japanischen Komponisten Shigeru Umebayashi zusammen, dessen Yumeji’s Theme sich wie ein roter Faden durch den Film zieht. Des Weiteren wird in dem Film zeitgenössische chinesische Folklore verwendet sowie Musik aus dem Hongkong der 1960er Jahre. Ferner sind drei Lieder von Nat King Cole – Te Quiero Dijiste, Aquellos Ojos Verdes und Quizás, quizás, quizás – zu hören. Der Text von letzterem ist zu Beginn der Fortsetzung 2046 zu sehen.
Den Titel für den Film fand Wong Kar-Wai, als er Bryan Ferrys Song I’m in the mood for love, eine Coverversion eines Liedes aus den 1930er Jahren, hörte. Dieser fand dann auch Verwendung in den Kinotrailern.
Dramaturgie
Synchronisation Die deutsche Vertonung des Werks wird wie folgt synchronisiert: Figur Darsteller Deutscher Sprecher Su Li-zhen – Mrs. Chan Maggie Cheung Uta Kienemann-Zaradic Chow Mo-wan Tony Leung Chiu-wai Michael Roll Ah Ping Ping-lam Siu Kai Taschner Mrs. Suen Rebecca Pan Marion Hartmann Mr. Ho (Su’s boss) Kelly Lai Chen Erich Ludwig Mr. Koo Man-Lei Chan Gerd Potyka Man living in Mr. Koo’s apartment Joe Cheung Peter Musäus Amah Szu-ying Chien Ursula Traun
Trivia Maggie Cheung trägt in fast jeder Szene ein anderes Kleid (Qipao) – allein zehn verschiedene in den ersten zehn Filmminuten – während ihr Filmpartner stets im gleichen, mehr oder weniger dunklen Anzug auftritt.Abgedreht!, Folge 205 vom 29. Januar 2017. Min. 04:07–06:02. Insgesamt wurden von Chan in der Produktion 46 verschiedene Qipaos getragen, von denen in der finalen Fassung des Films jedoch nicht alle zu sehen sind.
Rezeption
2016 landete In the Mood for Love bei einer Umfrage der BBC auf Platz zwei der 100 bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts.
Auszeichnungen Bester männlicher Darsteller, Cannes Filmfestival 2000 (Tony Leung Chiu Wai) Beste Kamera (Technical Grand Prize), Cannes Filmfestival 2000 (Christopher Doyle, Pin Bing Lee, William Chang) Screen International Award, Europäischer Filmpreis 2000 Bester internationaler Film, Deutscher Filmpreis 2001 Bester internationaler Film (Meilleur film étranger), César 2001 Bei den Hong Kong Film Awards 2001 gewann der Film Preise in fünf Kategorien: Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin, Beste Art Direction, Bestes Kostüm- und Makeup-Design und Bester Schnitt. Außerdem war er noch für sieben weitere Auszeichnungen nominiert: Bester Film, Bester Regisseur, Bestes Drehbuch, Beste Kamera, Beste Original-Filmmusik (Michael Galasso), Beste Nebendarstellerin (Dick-Wah Poon) und Bester New Performer (Ping Lam Siu). Beim Asia-Pacific Film Festival im Jahr 2000 gewannen Christopher Doyle und Pin Bing Lee den Preis für die beste Kamera und William Chang die Auszeichnung für den besten Schnitt. In the Mood for Love hat bei vielen weiteren Preisverleihungen Auszeichnungen und Nominierungen erhalten. Zum Beispiel war der Film für den BAFTA Film Award als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert. Chlotrudis Awards 2002: 6 Nominierungen; Sieger in den Kategorien: Bester Film und Beste Kamera Platz 2 der 100 besten Filme des 21. Jahrhunderts (internationale Kritikerumfrage der BBC von 2016)
Weblinks
In the Mood for Love in der Hong Kong Movie Database (chinesisch, englisch)
Ein Interview mit Wong Kar-Wai über In the Mood for Love: In: filmtext.com In: wkw-inthemoodforlove.com (englisch, Website teilweise mit der veralteten Adobe-Flash-Technik)
Fußnoten Chow Mo-wan () alias „[Mann], der sich anzieht, um auszugehen“ () nach Hong Kong Movie Database. Der Schauspieler Joe Cheung alias Tung-cho Cheung alias Tung Cho 'Joe' Cheung alias Joe Cheung Tung-Cho (). Die Schauspielerin Szu-ying Chien alias Tsi-Ang Chin alias Mama Hung ().
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2000 Kategorie:Hongkong-Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Independent-Film Kategorie:Wong Kar-Wai