Das Wildtier-Reservat Cuyabeno (span. Reserva de Producción de Fauna Cuyabeno) – welches heute gleichzeitig in verschiedene indigene Territorien (Territorios Indígenas) für fünf indigene Völker südamerikanischer Indianer eingeteilt ist – umfasst 594.950 ha WCMC, abgerufen am 11. Februar 2019. und ist damit mehr als doppelt so groß wie der Staat Luxemburg. Das Schutzgebiet liegt im Amazonas-Regenwald der nordöstlichen Provinzen Sucumbíos und Orellana in Ecuador nahe zum Dreiländereck zu Kolumbien (nördlich) und Peru (östlich). Der Äquator verläuft durch den Norden des Reservates. Nur wenige Kilometer südlich der Reservatsgrenze beginnt der Yasuní-Nationalpark. Das Wildtier-Reservat umfasst die hydrographischen Becken der drei Flüsse Cuyabeno – nach dem das Gebiet benannt wurde –, Lagartococha und Aguarico. Zusammen mit Yasuní ist das Gebiet einer der artenreichsten Orte der Erde.Global ICCA Database TERRITORIOS A’I COFAN, SIEKÓYA P I, SIONA SHUAR1 Y KICHWA ZONA BAJA DE LA RESERVA DE PRODUCCIÓN FAUNÍSTICA CUYABENO, ECUADOR, PDF-Version, abgerufen am 11. Februar 2019.

Dem Managementplan von 2010 ist zu entnehmen, dass neben der Erhaltung der intakten Ökosysteme (vor allem des Cuyabeno-Flussbeckens und des Lagartochocha-Flussbeckens inklusive der jeweiligen Süßwasserlagunen) und der biologischen Vielfalt (unter besonderer Berücksichtigung des Amazonasdelfins, der Amazonas-Seekuh, des Riesenotters und des Jaguars) die Förderung der indigenen Kulturvielfalt durch eine nachhaltige und partizipative Nutzung der natürlichen Ressourcen (vor allem durch Tourismus) einen gleichwertigen Stellenwert haben.Ministerio del Ambiente: ‘’Plan de Manejo de la Reserva de Producción de Fauna Cuyabeno’’, Quito, Ecuador 2012, , S. 11–14 (derzeitige Situation, Kategorien, Detailbeschreibungen), 15–16 (Karten), 17 (Fauna), 20–23 (Tourismus), 27 (Strategie).

Aus Sicht des internationalen Naturschutzes wird Cuyabeno zusammen mit den angrenzenden Nationalparks Güeppí Sekime in Peru und La Paya in Kolumbien als länderübergreifender Schutzgebietskomplex von insgesamt über 12.200 km² betrachtet.Las lagunas de Cuyabeno, mantos de la biodiversidad, iucn.org, 5. September 2017, abgerufen am 11. Februar 2019. Cuyabeno entspricht am ehesten der internationalen Schutzgebietskategorie IV (Biotop- und Artenschutzgebiet, vergleichbar mit den deutschen Naturschutzgebieten), wird jedoch von der IUCN im Gegensatz zu den beiden Nationalparks noch nicht gelistet (2019).

Geschichte mini|hochkant=2|Schutzgebiet Cuyabeno und Umland (Stand 2019)

Das Reservat wurde 1979 im Zusammenhang mit der Schaffung eines Systems von Naturschutzgebieten in Ecuador auf der Grundlage einer FAO-Studie von 1976https://www.birdlist.org/downloads/parks/estrategia_conservacion_areas_silvestres_sobresalientes_ecuador.pdf eingerichtet. Ursprünglich umfasste es deutlich weniger als die Hälfte der heutigen Fläche.

Im Zuge der „Zivilisierung“ des Amazonastieflandes, der Erdölförderung und den dadurch verursachten dramatischen Schäden in der Region westlich des Reservates – aber auch durch die neuen Regulatorien des Naturschutzgebietes, die ein Ausweichen der lokalen Bevölkerung in unzerstörte Gebiete verhinderte – kam es zu Konflikten mit den betroffenen Ethnien.Barbara Nenning: Naturtourismus in Ecuador unter besonderer Berücksichtigung des Vulkantourismus’. Diplomarbeit, Universität Wien, 2009, PDF-Version, S. 62. Dies führte schließlich 1991 – zusätzlich unterstützt durch die Tourismusindustrie, die sich seit 1986 in Cuyabeno etabliert hatteHeather Zeppel: ‘’Indigenous Ecotourism: Sustainable Development and Management’’, Cabi, Oxfordshire (Großbritannien) und Cambridge (USA) 2006, ISBN 978-1-84593-124-7, S. 72–74. – zu einer Ostverlagerung sowie -erweiterung bis an die peruanische Grenze. Dabei wurde das Reservat auch dem Schutz und Nutzen der einheimischen indigenen Gruppen gewidmet.

Zwischen 1992 und 2002 wurde mit acht verschiedenen lokalen Gemeinschaften entsprechende Vereinbarungen getroffen. Die wichtigste Ad-hoc-Maßnahme war die Festlegung des 4.350 km² großen Gebietes „Cuyabeno-Imuya“ im Norden und Osten des Reservates, in dem die marktwirtschaftliche Nutzung von Holz und Bodenschätzen verboten wurde. Bis 2008 wurde der Großteil des Reservates (nach einem konfliktreichen Prozess) in entsprechende Sektoren nach Ethnien unterteilt.

1994 wurde der bereits erheblich beeinflusste ehemalige Reservatsteil im Westen als staatliches Waldschutzgebiet ausgewiesen, in dem nachhaltige, umweltverträgliche Forstwirtschaft erlaubt sein sollte.Judith Denkinger: Demographische Untersuchungen am Amazonasdelfin (Inia geoffrensis) im Cuyabeno Reservat, in Ecuador. Promotionsarbeit an der Universität Bielefeld, 2001, PDF-Version, abgerufen am 17. Februar 2019. S. 3, 12-14.

Klima mini|Tropischer Regenwald in der Trockenzeit (Anfang März)

Das ecuadorianische Amazonasgebiet ist heiß, feucht und regnerisch. Die Temperatur liegt bei 22 °C bis 26 °C (ø 24 °C) Die jährlichen Niederschlagsmengen liegen bei 3000 bis 4000 mm (ø 3300 mm) und die Luftfeuchtigkeit beträgt 85 bis 95 %. Anders als im weiter östlich liegenden Amazonasbecken beginnt die Trockenzeit in Cuyabeno im Dezember und dauert bis Mitte März. In dieser Zeit trocknet die Laguna Grande in der Regel komplett aus und der Cuyabenofluss führt nur noch im unteren Abschnitt Wasser. Die Regenzeit dauert von April bis November.

Landschaften, Flora und Fauna mini|Überschwemmungslandschaft in Cuyabeno mini|Die prägenden Macrolobiumbäume der Cuyabeno See (Laguna Cuyabeno)

Bis auf den äußersten Westen mit niedrigen Hügeln ist das Gebiet flach. Die 14 temporären Süßwasser-Lagunen entlang des Cuyabeno-Flusses, die durch Überschwemmungen zu Beginn der Regenzeit von April bis Juli gebildet werden, sind einzigartig im ecuadorianischen Amazonastiefland. Ihr Wasserstand schwankt im Jahr um bis zu 5 m. Zusammen mit dem einzigen Weißwasserfluss Río Aguarico und zahlreichen schmalen Schwarzwasserläufen bildet Cuyabeno das größte Feuchtgebiet des ecuadorianischen Amazonasgebietes. Darüber hinaus verfügt das Gebiet über eine sehr hohe Biodiversität in einer Vielzahl unterschiedlicher Habitate. Es ist überdies erwähnenswert, dass Cuyabeno zu einem von sieben pleistozänen Refugien Amazoniens gehört, in dem der Regenwald auch während der letzten Eiszeiten mit seinem typischen Arteninventar bestehen blieb, während sich die anderen Gebiete in eine Savannenlandschaft verwandelten. Der Wald gehört damit zu den ältesten dauerhaft bestehenden Ökosystemen der Erde.

Die ökozonale Gliederung des Reservates wird vor allem durch den Lauf des Río Aguarico bestimmt. Seine Ufer werden auf einige Kilometer von palmreichen tropischen Weißwasser-Auwäldern (Várzea-Wald) gesäumt, die regelmäßig überflutet werden. Auch entlang der Schwarzwasserflüsse befinden sich Auwälder, die regelmäßig überflutet werden (Igapó-Wald). Dahinter erstreckt sich auf beiden Seiten in weiten Teilen feuchtes Gras- und Buschland, dass wiederum in den niemals überfluteten tropischen Tieflandregenwald (Terra Firme) übergeht.dennstedt.files.wordpress.com, abgerufen am 17. Februar 2019.

Cuyabeno hat eine enorm große Biodiversität und Wildtierpopulationen. Im Regenwald existiert eine artenreiche Vegetation mit Pflanzen wie z. B. diversen Palmengewächsen (wie etwa die dominierende Buriti-Palme am Río Aguarico), Bromelien, Ceibos, Helikonien, Macrolobium-Bäumen (als prägende Art der Schwarzwasserlagunen), wilden Rosen und Orchideen. Die für das Reservat nachgewiesenen Pflanzen umfassen 1.400 verschiedene Arten. Davon sind allein 473 Baumarten.Cristina Casavecchia: Estudio de Caso Ecuador: RESERVA DE PRODUCCIÓN DE FAUNA CUYABENO, 2014, PDF-Version, IUCN, Quito (Ecuador), abgerufen am 17. Februar 2019. Schätzungen zufolge dürfte die Anzahl der Pflanzenarten jedoch 3–4.000 Arten umfassen.

Bei den Tieren kommen nahezu alle Arten Amazoniens vor. 165 Säugetierarten: Jaguar, Puma, Capybara, Riesenotter, zwei Hirscharten, Flachlandtapir, Ameisenbären, Pekaris, Gürteltiere, mindestens 10 Arten von Neuweltaffen (wie Krallenaffen, Tamarin-Affen und Brüllaffen), Amazonas-Seekuh und der Amazonasdelfin rund 500 Vogelarten: z. B. Hoatzin, Neuweltpapageien, tropische Eisvögel, Reiher 81 Amphibienarten: Baumsteigerfrösche 54 Reptilienarten: z. B. Kaimane, Schildkröten, Anakondas, Leguane 184 Fischarten: z. B. Piranhas, Welsartige, Zitteraal

Territorios Indígenas mini|Herstellung von Fladen aus frisch gemahlenem Maniok

Ursprünglich lebten im Cuyabeno-Gebiet nur die zwei verwandten indigenen Völker der Siona und Secoya, die dort bis in die frühen 1980er Jahre weitgehend unbeeinflusst ihr traditionelles Leben führten. Bei der Einrichtung von acht indigenen Territorien innerhalb des Wildtier-Reservates – bei der zusätzlich ein Gebiet für die Cofán, zwei Gebiete für Kichwa aus dem Umfeld der Ölstadt Lago Agrio festgelegt wurden, zwei für „Splittergruppen“ der Shuar (die normalerweise im Südosten Ecuadors siedeln) und eins für die Pookoya – wurde keine Rücksicht auf die ursprünglichen Siedlungsgebiete genommen. Dies führte zu langjährigen Konflikten zwischen den Ethnien. Heute existieren 11 indigene Dorfgemeinschaften in Cuyabeno. (Hinzu kommen rund 600 Kleinbauern innerhalb und über 8.000 im grenznahen Bereich des Reservates, deren Aktivitäten die Ökosysteme negativ beeinflussen.)

Vom Grundsatz her sollen die indigenen Territorien ihren Bewohnern die Möglichkeit bieten, ihre traditionellen Subsistenzformen fortzuführen. Seit den 1990er Jahren wurden zudem etliche ökotouristische Lodges eingerichtet, von denen auch die indigenen Gemeinschaften profitieren sollen.

Management Die indigenen Angelegenheiten und Konflikte, die von außen drohenden Gefahren durch illegale Aktivitäten, die mögliche Ausweitung der Erdölförderung und der Tourismus machen ein intensives und nachhaltiges Management des Wildtier-Reservates erforderlich. Die Festlegung der „Verbotszone“ Imuya („Zona intangible“) und die Garantie des Staates zur Bewahrung des Reservatsgebietes sowohl im Sinne des Naturschutzes als auch im Hinblick auf die Versorgung der Indigenen und ihrer kulturellen Eigenständigkeit waren die ersten, wichtigen Voraussetzungen dazu. Nach Angaben des UNEP World Conservation Monitoring Centre soll das in der ecuadorianischen Verfassung verankerte indigene Lebensprinzip des "Sumak kawsay" (Kichwa für “Gutes Leben”) als Grundlage für die Managementpläne dienen.

Managementkategorien der Cuyabeno Fauna-Produktionsreserve (2010) Forschung Umwelterziehung Nachhaltiges Management von Wildtieren Wiederherstellung von Ökosystemen Erhaltung kultureller und ethnischer Werte Naturorientierter Tourismus

Tourismus mini|Cuyabeno River Lodge, die einzige Lodge westlich der Straße mini|Tourismus per Boot mini|Totenkopfaffen sind recht häufig anzutreffen mini|„Urwaldriesen“: Für jeden Touristen ein unvergessliches Erlebnis

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