mini|Schweineställe im Landkreis Cloppenburg mit Photovoltaikanlage mini|Notstall zum Fixieren von Pferden während des Hufbeschlags mini|Ställe am Bauernhof (Hofställe) Mit Stall (auch Stallung und Viehstall; eigentl. Standort, Stelle) bezeichnet man ein zur Unterbringung von hauptsächlich Nutztieren dienendes Gebäude.
In der Schweiz bezeichnet der Stall auch Wirtschaftsgebäude, welche zur kombinierten Unterbringung von Tieren und z. B. Heu gebaut wurden, respektive gar einzig der Aufbewahrung des Letzteren dienen („Heustall“).als umfassende Bezeichnung für das z. T. alleinstehende Gebäude für Heu, Korn und Vieh, Schweizerisches Idiotikon, Band 11, Sp. 5, Bed. 2 Für die Innenhaltung von Tieren müssen Ställe hinsichtlich Lufttemperatur, relativer Luftfeuchtigkeit, Luftgeschwindigkeit und Schadgaskonzentrationen bestimmte Mindestnormen erfüllen. Diese als Stallklima bezeichneten Umgebungsbedingungen unterscheiden sich nach Tierart und Nutzungsrichtung.
Typen von Ställen mini|Hühnerwagen mini|Aussenstall auf einem Maiensäss (Spalegna bei Flims); kombinierter Viehstall (unten) und Heustall (oben) in Rundholzbauweise. miniatur|Dorfstall in Falera, unten Viehstall, oben links Heustall, oben rechts Scheune, vor der Fassade die Kornhiste (Harpfe). Die Galerie unter dem Dach dient dem Trocknen.
Ställe bilden oft Gebäude auf einer Hofstelle oder befinden sich in deren Nähe. Solche Ställe werden Hofstall genannt, und zwar auch dann, wenn sie relativ groß sind. Das entscheidende Merkmal eines Hofstalls besteht darin, dass der Landwirt seine Tiere relativ schnell von seiner Wohnung aus erreichen kann. Bei Wohnstallhäusern, die vor der Industriellen Revolution vorherrschend waren, wird die Stallfunktion von einem in das Wohnhaus integrierten Gebäudeteil wahrgenommen.
In der Nähe größerer Weideflächen (oft weit abseits einer Hofstelle) liegende Ställe für Tiere in Freilandhaltung werden als Außenstall bezeichnet. Die halbnomadischen Maiensässe der Dreistufenwirtschaft verfügen im Alpenraum über kombinierte Außenställe für die Winterfütterung; häufig wurden vor allem früher während des Winters die Tiere von Stall zu Stall getrieben, anstatt wie heute das Heu überwiegend ins Tal zu transportieren.
In der industrialisierten Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts tritt zu den genannten Stalltypen der Großstall ohne Gebäude mit Wohnfunktion in unmittelbarer Nähe im Außenbereich von Gemeinden als dritter Stalltyp hinzu. In solchen Ställen gehaltenen Tieren wird meistens nicht die Gelegenheit gegeben, auch im Freien Nahrung zu sich zu nehmen.
Ställe im 21. Jahrhundert Auch heute noch gibt es bei Nutztieren sowohl eine Weidehaltung als auch eine Stallhaltung. Bei den meisten Tierarten überwiegt in Deutschland und in anderen Industriestaaten die Stallhaltung: Von 12,5 Millionen Rindern in Deutschland erhalten 4,8 Millionen zumindest zeitweise die Gelegenheit zu einem Weidegang. Von den Schweinen in Deutschland werden weniger als ein Prozent im Freiland gehalten. Hingegen lassen 93 Prozent der 22.800 Schafhalter in Deutschland ihre Tiere weiden; das entspricht 84 Prozent aller Schafe.Deutscher Verband für Landschaftspflege e. V.: Zahlen zur Weidehaltung in Deutschland. Auch für Tiere, die (überwiegend bzw. saisonal) im Freien gehalten werden, gibt es Ställe, zumeist in der Form von Außenställen. Ein Grund für die Stallhaltung von Tieren, die sich theoretisch das ganze Jahr über im Freien aufhalten könnten, ist deren Sicherheit. Im Winter sind die Wasserstellen oft vereist, dort besteht Rutsch- und Verletzungsgefahr. Die Stallhaltung bietet Sicherheit, Kontrolle und Versorgung. Außerdem wird die Einsammlung von Tiermist durch Konzentration der Tiere erleichtert.
Für jede Tierart und Nutzungsrichtung gibt es heute bestimmte Bauformen, die sich an den nach der jeweils gehaltenen Tierart unterschiedlichen Erfordernissen hinsichtlich Fütterung, Bewirtschaftung, Wärmeregulierung und Atemluftzufuhr ausrichten. Insbesondere die Konstruktion großer Ställe muss an zahlreiche Vorgaben angepasst werden.
Eine besondere Art der Stallung hat sich mit mobilen Haltungssystemen entwickelt. Bei den Anlagen handelt es sich um versetzbare komplexe Systeme. Mobile Stallsysteme werden überwiegend in der Hühnerhaltung verwendet.
Allgemeiner Aufbau Stallgebäude sind heute meist Hallen mit einer Stallgasse und einem oder mehreren Ständen oder Boxen (Koben) für je ein oder mehrere Tiere mit angemessener Fressplatzbreite. Die Nahrungsaufnahme der Tiere erfolgt heute entweder ganzjährig oder zumindest in der kalten Jahreszeit im Stall.
Nur bei älteren Hofställen befindet sich über dem Stall oftmals ein Heu- oder Strohlager; bei neueren Stallanlagen wird in der Regel das Futter in eigenen Räumen bzw. Behältern aufbewahrt.
Rinder mini|hochkant|Moderner Kuhstall mini|Rinder in ihrem Auslaufgehege vor dem Laufstall Bei der Stallhaltung von Rindern wird grundsätzlich zwischen der Einzelhaltung und der Gruppenhaltung unterschieden. Bei der Einzelhaltung werden die Rinder fixiert. Dies kann mittels Anbindung auf einem Langstand, Mittellangstand oder Kurzstand erfolgen, wobei der Kurzstand zunehmend bevorzugt wird, weil dort die Ausscheidungen hinter die Liegefläche fallen und so leichter entsorgt werden können. Alternativ existiert die sehr seltene Sperrfixierung, die es im Sperrboxenstand, Schwenkstand („System Ryholm“) und Mobilboxenstand („Unicar-System“) gibt.
Jungtiere (Kälber) werden meist die ersten zwei Lebenswochen in Kälberhütten (auch Iglu, Außenhütte) gehalten. Ab der 8. Woche besteht Gruppenhaltungspflicht, vorzugsweise in Kälberställen.
Bei der Gruppen- oder auch Herdenhaltung im Laufstall gibt es verschiedene Modelle, die sich hinsichtlich Raumaufteilung und Einstreu unterscheiden. Häufigste Variante in der Milchviehhaltung ist der Liegeboxenlaufstall oder auch Fressliegeboxenlaufstall, bei dem die hochleistenden Kühe auf durch Bügel getrennten Unterabschnitten von Liegeflächen ungestört ihr Futter wiederkäuen können, ohne sich beim Aufstehen oder Hinlegen auf die übergroßen Euter zu treten. In der Jungtieraufzucht oder auch der extensiven Mutterkuhhaltung findet sich häufig ein Tretmiststall. Bei diesem ist der Boden mit einer Neigung angelegt, an deren oberem Ende regelmäßig frische Einstreu zugegeben wird, während die Tiere beim Laufen den Mist kontinuierlich zum unteren Ende treten, wo er abgeräumt wird. Auch bei Tieflaufställen wird Einstreu verwendet; hier wird auf den zusammengetretenen Mist frische Einstreu aufgebracht, die anschließend wiederum zusammengetreten wird. Wenn die Zugaben der Einstreu im richtigen Verhältnis zu den anfallenden Ausscheidungen praktiziert werden, entsteht hierbei eine isolierende Matratze auf dem Bodengrund, die zunehmend gen Stalldecke anwächst. Dieses System findet am ehesten noch Anwendung in der Jungtieraufzucht und Bullenmast. Eine zunehmend häufig genutzte Alternative dazu ist der Laufstall mit befestigtem oder teilbefestigtem Boden: komplett betoniert (planbefestigt), Spaltenboden oder eine Mischform ohne Einstreu. Der Laufstall ist bei Neubauten Standard, da er Vorteile bezüglich der Tiergesundheit und Arbeitswirtschaft aufweist.
Die Versorgung mit Wasser erfolgt über Tränken; die Futterversorgung über Tröge oder Futtertische.
Ausgewachsene Rinder erzeugen Sommer wie Winter eine große Wärmemenge. Das Rind bevorzugt Temperaturen von −5 °C bis +8 °C. Es wird zwischen Kalt- und Warmstall unterschieden:
In einem Kaltstall (Außenklimastall) besteht ein Temperaturunterschied von +5 K zum Außenklima. Er steht quer zur Hauptwindrichtung und hat an den Längsseiten ausreichend offene Flächen, so dass eine Querlüftung vorliegt. In modernen Ställen ist vielfach eine Stallseite offen. Je nach Temperatur wird die Zuluft bzw. Querlüftung durch verstellbare Curtains (engl. Vorhang) geregelt.
In einem Warmstall wird der Luftaustausch meistens durch Zwangsbelüftung oder die passive First-Trauf-Lüftung vollzogen. Passive Belüftungssysteme nutzen das geringere spezifische Gewicht der durch die Tiere erwärmten Luft, die nach oben steigt und durch den First entweichen kann. Unter dem Gesichtspunkt des Kuhkomforts wird zurzeit immer mehr zur Errichtung von Außenklimaställen tendiert.
Schweine Bei der Schweinehaltung gibt es verschiedene Bauformen, die auch auf den jeweiligen Haltungsabschnitt abgestimmt sind.
Schweinemast mini|Schweinemast, DDR, 1956 Die Schweinemast erfolgt in Gruppen, weswegen der Schweinemaststall in Abteile unterteilt ist. Der Warmstall wird zwangsbelüftet und die Versorgung mit Wasser erfolgt über Nippeltränken. Die Futterversorgung ist wiederum sehr vielgestaltig, grob kann zwischen Flüssigfütterung, Automatenfütterung und Trockenfütterung (alle Verfahren stark automatisiert) und bei kleinen Beständen Handfütterung unterschieden werden.
Sind die Funktionsbereiche Liegen und Misten getrennt, heißt die eingestreute Variante Dänische Aufstallung; bei strohloser Aufstallung wird teilweise ein Spaltenboden verwendet. Sind die Funktionsbereiche kombiniert und eingestreut, handelt es sich um einen Tiefstreustall, bei der strohlosen Variante ist der gesamte Boden mit Spalten versehen.
Sowohl Stroh- als auch Spaltenböden haben Vor- und Nachteile. Strohaufstallung ist bei großen Beständen teurer und arbeitsintensiver, ist aber artgerechter. Der ökonomische Vorteil von Spaltenböden kommt vor allem bei großen Beständen zum Tragen. Da dabei aber auch große Mengen Gülle anfallen, muss dieser Dünger mittels Güllefass auf die Felder ausgebracht oder nachgenutzt werden.
Ferkelerzeugung Bei der Ferkelerzeugung gibt es den Deck- und Wartestall, wo die Sauen besamt oder vom Eber gedeckt werden. Die Sau wird dabei einzeln im Kastenstand oder in Gruppen in Laufställen gehalten. Im Abferkelstall liegt die Sau in einer Abferkelbucht, wo die Sau entweder frei abferkeln kann oder der mit einem Abferkelkäfig ausgestattet ist sowie eine meist mit Rotlichtlampen geheizte Stelle haben, um ihren Wärmebedarf zu decken. An Nippeltränken können die Sauen trinken und das Futter wird mechanisch zur Verfügung gestellt oder von Hand ausgeteilt.
Pferde mini|Boxen in einem Pferdestall Bei der Pferdehaltung in Deutschland überwiegt die Pferdebox als Aufstallungsform. In einem Boxenstall stehen die Tiere in Einzelboxen. Bei Paddockboxen ist an jede Box ein kleiner Auslauf angeschlossen. Pferde die Einzelpersonen gehören stehen meistens in Pensionsställen.
Pferdegruppen können in Sammelboxen oder Laufställen gehalten werden. Hierbei wird auch zwischen Warm- und Kaltstall oder Ein- und Mehrraumstall unterschieden. In einem Kaltstall herrscht das Außenklima vor, was aus Sicht der Krankheitsprävention vorzuziehen ist. Laufställe sind oft mit einem Auslauf (Paddock) versehen. In einem Mehrraumstall sind die Funktionsbereiche Fressen, Liegen und Laufen getrennt. Anbindehaltung in Ständern ist bei Pferden in Deutschland nur noch in Ausnahmefällen oder vorübergehend erlaubt. Früher wurden in der Landwirtschaft die Arbeitspferde überwiegend so gehalten, da die Aufstallung im Ständer platz- und arbeitssparend war.Michael Koch: Traditionelles Arbeiten mit Pferden. Ulmer, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-7383-2, S. 20 f. Da die Tiere regelmäßig ausgiebig bewegt wurden, waren körperliche Schäden und Untugenden selten – im Gegensatz zum heutigen Reitpferd, das oft nur eine Stunde am Tag bewegt wird.
Geflügel Bei der Geflügelhaltung ist die Stallform ebenfalls stark von der Nutzungsrichtung abhängig.
Mastgeflügel mini|Hähnchenmast Zum Mastgeflügel zählen Hähnchen (auch: Broiler), Puten und wirtschaftlich weniger bedeutend Gänse, Enten, Tauben, Strauße und Wachteln.