mini|295px|Ortsansicht im Herdorfer Stadtteil Dermbach Herdorf ist eine Stadt im Hellertal, nördlich von Daaden im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz. Sie gehört seit dem 1. Juli 2014 der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf an, deren größte Kommune sie mit rund 7.000 Einwohnern ist. Herdorf ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und gemäß der Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten Die Stadtrechte erhielt Herdorf am 24. Januar 1981.
Geographie Lage Herdorf liegt im östlichen Teil des Landkreises Altenkirchen und im südwestlichen Siegerland, 11,5 km südsüdwestlich von Siegen. Es befindet sich an der Einmündung des Sotterbachs in die Heller, eines östlichen und linken Zuflusses der Sieg. Auf der Grenze zwischen Herdorf und Neunkirchen in Nordrhein-Westfalen liegt der Hohenseelbachskopf, mit die höchste Erhebung im Ortsgebiet. Neben dem Hohenseelbachskopf ist die auch auf der Grenze gelegene Nebenkuppe des Hohenseelbachskopf [Mahlscheid] auf Herdorfer Seite einer der höchsten Erhebungen des Ortsgebiets.
Stadtgliederung Herdorf Dermbach Sassenroth
Geschichte Aus dem Übergang von der Späthallstatt- zur Frühlatènezeit (6./5. Jahrhundert v. Chr.) stammen die ältesten montanarchäologischen Belege aus dem Herdorfer Raum. Es handelt sich dabei überwiegend um Scherben und Schlackenreste.
Im Jahre 1344 wurde Herdorf erstmals urkundlich erwähnt. Etwa 1360 kam der Ort unter die Herrschaft der Grafen von Sayn. Diese teilten den Ortsteil nördlich der Heller dem Amt und Gericht Freusburg sowie dem Kirchspiel Kirchen und den südlichen Ortsteil dem Amt und Gericht Friedewald sowie dem Kirchspiel Daaden zu. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte Herdorf nach einer Erbteilung zur Grafschaft Sayn-Altenkirchen.
Aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses wurde die Grafschaft Sayn-Altenkirchen 1803 dem Fürstentum Nassau-Usingen zugesprochen, von 1806 an gehörte Herdorf zum Herzogtum Nassau und seit 1815 zum Königreich Preußen. Unter der preußischen Verwaltung gehörte Herdorf zur Bürgermeisterei Daaden in dem 1816 neu geschaffenen Kreis Altenkirchen im Regierungsbezirk Koblenz und ab 1822 zur Rheinprovinz.
1955 wurde mit den bis dahin eigenständigen Gemeinden Sassenroth und Dermbach die zunächst amtsfreie Gemeinde Herdorf geschaffen. Am 24. Januar 1981 wurde Herdorf auf Beschluss der rheinland-pfälzischen Landesregierung zur Stadt erhoben. Am 13. Dezember 2013 beschloss der Landtag von Rheinland-Pfalz gegen den Willen der beiden betroffenen kommunalen Gebietskörperschaften, durch das „Landesgesetz über die Eingliederung der verbandsfreien Stadt Herdorf in die Verbandsgemeinde Daaden“ die Verbandsfreiheit der Stadt zum 1. Juli 2014 zu beenden und sie in die Verbandsgemeinde zu integrieren. Der Name der Verbandsgemeinde lautete seitdem „Verbandsgemeinde Herdorf-Daaden“, wurde zum 1. Januar 2017 aber in „Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf“ geändert. Sowohl die Stadt Herdorf als auch die Verbandsgemeinde Daaden hatten gegen das Landesgesetz Verfassungsbeschwerde erhoben.
Kulturdenkmäler
Bergbau Herdorf war eines der Zentren des Bergbaus im Siegerland mit den meisten Bergwerken auf einem Ortsgebiet des Siegerlandes. Bis 1962 wurden in 100 Jahren ca. 60 Millionen Tonnen Eisenerz in den Herdorfer Gruben gefördert. Dutzende von Bergwerken haben die Kultur und Industrie der Region stark beeinflusst. Die wichtigsten Gruben waren: Bollnbach, vor 1746–1927 Concordia (in Dermbach), 1875–1962 Friedrich Wilhelm, vor 1820–1965 Guldenhardt (in Dermbach), vor 1705–1880 Hollertszug, 1794–1910 Hüttenwäldchen (zu Concordia), 1833–1910 San Fernando, 1855–1958 Stahlert (zu Bollnbach), vor 1870–1910 (1926) Wolf, 1870–1958 Zufällig Glück (zu San Fernando), 1830–1921 Neben den Gruben gab es in Herdorf die Friedrichshütte, eine bedeutende Hüttenanlage, deren Hauptgebäude, das sogenannte Hüttenhaus, noch steht und einen Kultursaal und Restaurants beherbergt. Seit 1986 dokumentiert das Bergbaumuseum des Kreises Altenkirchen im Stadtteil Sassenroth die Geschichte des Bergbaus in der Herdorfer Region.
Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Herdorf bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:
Religion
Herdorf ist überwiegend katholisch geprägt. Die katholische Pfarrgemeinde St. Aloisius gehört zum Bistum Trier (Trierische Insel), im Ortsteil Dermbach gibt es eine Filialgemeinde. Seit 2007 besteht eine Pfarreiengemeinschaft der katholischen Pfarrei St. Aloisius Herdorf mit der Nachbarpfarrei Alsdorf.
Die evangelische Gemeinde Herdorf-Struthütten (Ortsteil der benachbarten Gemeinde Neunkirchen in Nordrhein-Westfalen) gehört zur Evangelischen Kirche im Rheinland.
Politik Stadtrat
Der Stadtrat in Herdorf besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne FDP Linke WGR Gesamt 2024 5 14 2 – 1 – 22 Sitze 2019 5 11 – 2 2 2 22 Sitze 2014 7 12 – – 1 2 22 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2009 8 14 – – – – 22 Sitze 2004 6 13 2 – – 1 22 Sitze
Bürgermeister Uwe Geisinger (CDU) wurde am 30. August 2024 Stadtbürgermeister von Herdorf. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war er bei einer Wahlbeteiligung von 60,0 % als einziger Kandidat mit 84,8 % der Stimmen für fünf Jahre gewählt worden.
Geisingers Vorgänger Uwe Erner (parteilos, unterstützt von Bündnis 90/Die Grünen) hatte das Amt 1995 übernommen und kandidierte bei der Wahl 2024 nicht erneut als Ortsbürgermeister.
Wahlkreise Bei Landtagswahlen gehört die Stadt Herdorf zum Wahlkreis 01-Betzdorf/Kirchen (Sieg), bei Bundestagswahlen zum Wahlkreis 198-Neuwied.
Wappen
Städtepartnerschaft Herdorf unterhält seit 1982 eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde und Kleinstadt Saint-Laurent-du-Pont.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Bahnhof Herdorf an der RB96 Herdorf liegt an der von Betzdorf über Burbach nach Haiger führenden Bahnstrecke Betzdorf–Haiger, die von der Hessischen Landesbahn (HLB), Bereich Dreiländerbahn unter der Liniennummer RB 96 nach dem Rheinland-Pfalz-Takt täglich im Stundentakt betrieben wird.
Linie Verlauf Takt
Die VWS-Linie R 23 Neunkirchen-Herdorf-(Daaden) bedient in regelmäßigem Takt das Städtchen, wodurch in Neunkirchen mit der R 22 Anschlüsse nach Siegen und mit der R 24 nach Burbach bestehen. In Daaden besteht Anschluss an die Züge der Linie RB 97 Daadetalbahn nach Betzdorf, diese Linie wird durch die Westerwaldbahn GmbH ebenfalls nach dem Rheinland-Pfalz-Takt täglich im Stundentakt betrieben.
Freizeit- und Sportanlagen Ludwig-Wolker-Sportanlage (vereinseigene Anlage der TuS DJK Herdorf e. V.) Glück-Auf-Kampfbahn (stadteigener Fußballplatz)
Persönlichkeiten Ehrenbürger 1951, 16. März: Albert Homscheid (1871–1955), Prälat, Ehrendomherr, Verleihung aus Anlass seines goldenen Priesterjubiläums. 1951, 14. Dezember: Albert Lerner (1871–1952), Arzt, erhielt die Ehrenbürgerwürde zu seinem goldenen Arztjubiläum. 1958: August Sander (1876–1964), Fotograf 1992, 22. Juli: Alfons Mockenhaupt (1915–1996), Malermeister, hat sich die Anerkennung als erfolgreicher Streiter für die Vereine der Stadt erworben. 2012, 28. November: Ernst (Erni) Schlosser (1937–2024), Elektrohandwerksmeister und Lehrer, hat sich besonders um das kulturelle Leben in der Stadt verdient gemacht.
Söhne und Töchter der Stadt Gustav Brühl (1826–1903), Arzt, Dichter, Archäologe, Jurist Maria Homscheid (1872–1948), Heimatdichterin August Sander (1876–1964), Fotograf Heinrich Joseph Brühl (1879–1946), deutschamerikanischer Lehrer, Schriftsteller und Historiker Felix Gerhardus (1895–1973), Bürgermeister in Kuchenheim und Mechernich (Zentrum), Oberkreisdirektor des Kreises Schleiden (CDU) Hans-Gerhard Dedeke (1904–1975), Politiker (NSDAP) Otto Mockenhaupt (1912–1972), Politiker (SPD), Landtagsabgeordneter Adolf Gebhard Bender (1914–1945), Schulbruder und Märtyrer Lucie Kurlbaum-Beyer (1914–2008), Politikerin (SPD), Bundestagsabgeordnete Walter Helsper (1927–1992), Maler und Zeichner Norbert Fuchs (1935–2020), Fußballschiedsrichter Werner Solbach (* 1952), Mediziner Hildegard Förster-Heldmann (* 1958), Innenarchitektin und Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen)
Mit Herdorf verbundene Personen Verena Dreier vom Verein DJK Herdorf/LG Sieg wurde in den Jahren 2005 und 2006 Deutsche Meisterin im 3000-m-Hindernislauf. Der Boxer Peter Hussing (Superschwergewicht) begann im Boxclub Herdorf seine Karriere.
Widerstand 1934 übten Herdorfer und Sassenrother Bürger Widerstand gegen die Nationalsozialisten. In einer Volksabstimmung über die Vereinigung der Staatsämter „Reichspräsident und Reichskanzler“ sollte die Übernahme der beiden Ämter durch Adolf Hitler legitimiert werden. Landesweit bekam Hitler 89 % Ja-Stimmen. In Sassenroth waren es nur 49,7 % und in Herdorf 65 % an Zustimmung. In der Folge hetzte die NSDAP gegen die Einwohner und rief offen zu Repressalien gegenüber den Bürgern auf. So war auf einem Spruchband in Herdorf zu lesen: „900 Verräter hier am Ort! Verrat ist schlimmer als Mord, drum Wanderer halte ein, nimm dir so’n Schwein!“Hermann-Joseph Löhr: 41 historische Tatorte im rheinischen Westerwald, ISBN 978-3-9813291-4-8.
Literatur Josef Hoffmann (Hrsg.): Herdorfer Heimatbuch. Siegerländer Wirtschaft, Landschaft und Volkstum im Herdorfer Raum. Betzdorf, Siegerland-Druckerei und Verlag K. Hacker, 1950. 128 Seiten. Thorsten Stahl (Hrsg.): Herdorf wie es früher einmal war. Siegen, Vorländer Druck, 2006. 308 Seiten.
Weblinks
www.herdorf.de
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Ersterwähnung 1344 Kategorie:Stadt in Rheinland-Pfalz Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1981