Die Zahntechnik ist ein Handwerk, dessen Aufgabe es ist, alle Arten von Zahnersatz, wie Zahnkronen, Brücken, Teil- und Vollprothesen, Inlays, kieferorthopädische Behandlungsgeräte, sogenannte Knirscherschienen wie auch Schienen für Kieferbrüche oder Mundschutze für bestimmte Sportarten herzustellen. Die Zahntechnik ist damit ein wichtiger Teilbereich zahnärztlicher Behandlungen.

Zahntechnische Arbeiten werden in einem Dentallabor (auch Zahntechnisches Labor) gefertigt, das entweder als selbständiges Gewerbliches Labor besteht oder einer Zahnarztpraxis angegliedert ist.

mini|hochkant|Zahntechnikerin bei der Arbeit

Gewerbliches Labor

Ein gewerbliches Dentallabor ist ein Handwerksbetrieb und ist als solcher Mitglied der örtlich zuständigen Handwerkskammer. Viele Betriebe sind zusätzlich über die entsprechende Innung organisiert. In Deutschland unterliegen gewerbliche zahntechnische Labore dem Meisterzwang. Es muss also mindestens eine Person (meistens der Inhaber) mit Großem Befähigungsnachweis verantwortlich zeichnen.Anmerkungen zur Meisterprüfungsordnung für Zahntechniker Auch nach mehreren Reformen der Handwerksordnung unterliegen in Deutschland noch zahlreiche Handwerksberufe dem Meisterzwang. Dazu zählt auch die Zahntechnik.Mit der Novellierung der Handwerksordnung fällt in vielen Berufen der Meisterzwang wer sich selbstständig macht braucht kaufmännisches Know-How. In: Berliner Zeitung, 10. Januar 2004.

Praxislabor Zahnärzte dürfen ein Praxislabor unterhalten, in dem Zahnersatz hergestellt wird. In Deutschland sind die für Praxislabore geltenden Preise für gesetzlich Versicherte Patienten gemäß Abs. 2 SGB V gegenüber den Preisen, die gewerbliche Laboratorien gemäß dem Bundeseinheitliches Leistungsverzeichnis (BEL II) in Rechnung stellen dürfen, um 5 % abzusenken, da ein gewerbliches Labor – im Gegensatz zum praxiseigenen Labor – gewerbesteuerpflichtig ist. Im Praxislabor kann auch ein Zahntechnikermeister beschäftigt werden, was aber nicht zwingend vorgeschrieben ist. Im Bereich der Privatabrechnung kann das Praxislabor nach §9, §10 GOZ nur die nachgewiesenen Kosten + Gewinnanteil berechnen.BZÄK/KZBV (Juli 2015): Zahnmedizin und Zahntechnik – Rechtsgrundlagen und Hinweise für die Zahnarztpraxis. S. 4 Zur Kalkulation der darin eingehenden Arbeits- und Rüstzeiten bietet der VDZI Leistungsverzeichnisse (sog. Benennungslisten) an.

Zusammenarbeit Zahnarzt – Zahntechniker Eine enge Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor ist unerlässlich. Sowohl die Prozessabläufe als auch die Behandlungsvarianten müssen zwischen beiden abgestimmt sein. Teilweise werden Zahntechniker auch bei den Einproben oder der Farbauswahl mit einbezogen, damit sie sich individuell ein besseres Bild machen können. Im Regelfall werden den Patienten im zahnärztlichen Beratungsgespräch mehrere Behandlungsmethoden vorgestellt. Da neben medizinischen Fragen oft auch Fragen bezüglich Optik, Handhabung und Material entstehen, gibt es mittlerweile auch Dental-Labore, die eine unabhängige Möglichkeit zur Information anbieten.Wird weitergeleitet zu einer Unternehmensberatung für Dental-Labore. Keine Beratung zu Optik, Handhabung und Material Dafür ist die Ortsnähe eines zahntechnischen Labors zur zahnärztlichen Praxis von Vorteil. Zur zahntechnischen Herstellung gehört das Wissen und Können um den Trias Farbe, Form und Funktion.

Arbeitsbereiche der Zahntechnik Zahnersatz Modellerstellung Bei nahezu jeder Arbeit sind Abformungen der Kiefer und Zähne die Grundlage für zahntechnische Arbeiten. Zur Abformung kann je nach Arbeitsgang Alginat, Silikon oder Polyäther eingesetzt werden. Der Zahntechniker stellt mit Hilfe dieser Abformungen Gipsmodelle (meist aus Hartgips) her, sodass er dann die Situation vorliegen hat, die auch im Munde des Patienten gegeben ist. Zusätzlich stellt er in einem Artikulator durch eine KieferrelationsbestimmungTerminologie & Nomenklatur der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und Therapie (DGFTD) und der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde (DGzPW), V 2.0 vom 1. September 2005, abgerufen am 14. April 2013. (früher: Bissnahme) die Lagebeziehung der Kiefer zueinander her. Eine solche Kieferrelationsbestimmung kann je nach Art der anzufertigenden Arbeit und den Ansprüchen, die Zahnarzt und Patient stellen, ein einfacher Wachsbiss sein, aber auch eine aufwendige (und teure) Axiographie. (PDF; 2,9 MB) Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ 2012).

Auch die Modelle werden unterschiedlich für die folgenden Maßnahmen vorbereitet. Handelt es sich um einen individuellen Abdrucklöffel, eine Registrierschablone (früher: Bissschablone) oder eine einfache Prothese, kann auf dem Modell direkt weitergearbeitet werden. Sollen jedoch Edelmetallarbeiten (Kronen, Brücken, kombinierter Zahnersatz, Suprakonstruktionen auf Zahnimplantaten) gefertigt werden, wird ein Sägemodell hergestellt, bei dem die einzelnen Zähne getrennt bearbeitet, aber auf den Modellsockel eindeutig zurückgesetzt werden können. Bei Suprakonstruktionen integriert der Zahntechniker vorgefertigte und auf das jeweilige Implantatsystem abgestimmte Teile in die Konstruktion.

Modellation der (Edel)metallteile in Wachs Der Zahntechniker modelliert auf dem Zahnstumpf, der den vom Zahnarzt beschliffenen Zahn maßstabsgetreu wiedergibt, ein Wachsmodell, das der späteren Krone oder Brücke entspricht. Zusätzlich wird ein Gusskanal aus Wachs mit der Modellation verbunden, durch den beim Gießen das Metall einschießen kann.

Guss der Wachsmodelle Die Wachsmodellation wird in einer speziellen, auf Gips basierenden Einbettmasse, die sich innerhalb einer Gussmuffel befindet, eingebettet. Nach der Aushärtung wird das Wachs in einem Ausbrennofen herausgebrannt. Dabei expandiert gleichzeitig die Einbettmasse so weit, dass die Schrumpfung der Legierung beim Abkühlen exakt ausgeglichen wird. Es wird eine Passgenauigkeit zum natürlichen Zahn von 10 µm angestrebt. Das Metall wird durch eine Flamme (veraltet), elektrische Widerstandsheizung, Induktionsstrom oder Lichtbogen geschmolzen und durch Vakuumdruckguss (früher per Fliehkraft: Gussschleuder) in den nunmehr vorhandenen Hohlraum der Einbettmasse hineingepresst. Es handelt sich um einen Guss mit verlorener Form. In aller Regel werden heutzutage auch größere Gussteile in einem Stück (Einstückguss) gegossen. Es können aber auch einzelne Teile gegossen und diese dann durch Löt-, Schweiß- (durch Lichtbogen oder Laser) oder Klebetechnik verbunden werden.

Verblendung mit Keramik oder Komposits Metallgerüste können mit keramischen Massen beschichtet werden (Verblend-Metall-Keramik, VMK), um sie gegenüber natürlichen Zähnen in Form, Oberflächengestaltung und Farbaufbau täuschend echt erscheinen zu lassen. Lichteffekte des natürlichen mineralischen Zahnschmelzes, wie Opaleszenz, Fluoreszenz, Transluzenz, unterschiedlich intensive Farbschichten usw. werden in individueller Handarbeit aus feuchtem Keramikpulver aufgebaut und unter Vakuum bei 780 °C bis 900 °C gebrannt.

Auch mit Keramik versetzte Kunststoffe (Komposits) eignen sich zur Verblendung, wenn auch deren Ergebnis nicht so natürlich erscheint wie bei einer Keramikverblendung. Hierzu werden mit Keramik versetzte Kunststoffe (Komposits) in knetbarer Konsistenz aufgeschichtet und mit Halogenlicht polymerisiert.

Teilprothese – Modellguss Bei Modellgussprothesen wird aus einer Chrom-Cobalt-Molybdän-Legierung eine Basis mit den erforderlichen Halt- und Stützelementen (Klammern) in einem Stück gegossen. Durch die Federkraft der Klammern oder durch Anker, Geschiebe, Stege oder Teleskopkronen finden derartige Prothesen Halt am Restgebiss. Zum Gießen wird ein aus einer speziellen Einbettmasse hergestelltes vollständiges Modell eingebettet, auf das zuvor das Gussstück in Wachs modelliert wurde. Die Lage der Klammern wird exakt mit einem Parallelometer ausgemessen, wobei der prothetische Zahnäquator maßgeblich ist.

Auf die Prothesensättel werden Retentionen modelliert, an denen sich der Kunststoff, der das Zahnfleisch simuliert, mechanisch verankert. Am Kunststoff wiederum sind die künstlichen Zähne mechanisch, aber auch durch chemische Reaktion befestigt. Die Zähne werden von der Industrie in vielen unterschiedlichen Formen, Größen und Farben hergestellt. Der Kunststoff und auch die Zähne sind ein Acrylat, das zunächst als Pulver (Polymer) und Flüssigkeit (Monomer) vorliegt und bei der Aushärtung polymerisiert, entweder unter Erwärmung in einem Heißluftschrank (Heißpolymerisation) oder ohne Wärmezufuhr als Kaltpolymerisat. Näheres siehe unten bei Totale Prothese.

Teilprothese – Kunststoffbasis Bei einfachen (provisorischen) Prothesen ohne Modellgussbasis werden die Halteelemente aus V2A-Draht in einer Stärke von 0,8 bis 1,0 mm gebogen. Zahnärztliche Prothetik, Gernet, Wolfgang et al.: 2011, DOI:10.1055/b-0034-18248 6 Teilprothetik Die Zähne und die Kunststoffanteile entsprechen denen einer Modellgussprothese.

Totalprothese

Die Herstellung einer Totalprothese erfolgt Hand in Hand mit dem Zahnarzt. Für die Herstellung einer Totalprothese (im Fachjargon: entsprechend der Anzahl der Zähne: „14-er“ für einen Kiefer und „28-er“ für beide Kiefer) stellt der Techniker auf einem einfachen Situationsmodell zunächst einen individuellen Löffel aus Kunststoff her. Mit diesem Löffel nimmt der Zahnarzt eine Funktionsabformung. Mit dieser Abformung erstellt der Zahntechniker das Arbeitsmodell, also die Grundlage der weiteren Arbeitsschritte. Es folgt die Anfertigung von Bissschablonen, mit deren Hilfe der Zahnarzt die Relation der Kiefer zueinander einstellt, die Okklusionsebene festlegt, die Mittellinie und die sogenannte Lachlinie einzeichnet. Lachlinie ist der Bereich, in dem die oberen Zähne bei leichter Anhebung der Oberlippe sichtbar sind. Auch Farbe und Form der künstlichen Zähne müssen jetzt bestimmt und dem Techniker übermittelt werden.

Zahntechnische Herstellung der Totalprothese Nachdem der Zahntechniker mit diesen Vorgaben die Modelle in den Artikulator eingestellt hat, stellt er die Zähne auf einer (oft durch eine Akrylplatte verstärkten) Wachsbasis auf. Diese Wachsaufstellung wird vom Zahnarzt beim Patienten einprobiert und evtl. korrigiert.

Im Labor wird diese Prothese dann in Kunststoff umgesetzt. Dazu wird das Wachsmodell mit den Prothesenzähnen in eine Küvette eingebettet. Nach der Aushärtung des Gipses kann das Wachs mit heißem Wasser ausgeschmolzen werden, wobei die Zähne in der Küvette verbleiben. Für das Einbringen des Kunststoffes und dessen Aushärtung sind verschiedene Verfahren möglich:

Stopf-Press-Verfahren: Eine teigartige Mischung aus Monomer und pulverförmigem Polymer wird in den Hohlraum der zweiteiligen geöffneten Kürette gestopft. Anschließend werden die Küvettenhälften zusammengepresst. Vorteil: Wenig Aufwand, Nachteil: Passungenauigkeit durch Bisserhöhung.Klaus de Cassan: Injektionsverfahren: Der maschinell angemischte Kunststoff wird als Heiß- oder Kaltpolymerisat in die geschlossene Küvettenhohlform gepresst (injiziert). Vorteil: Optimales Mischungsverhältnis, Nachteil: hoher technischer Aufwand. Gießverfahren: Kaltpolymerisat wird in eine Gießküvette gegossen und unter Druck bei ca. 50 °C im Wasserbad polymerisiert. Nachteil: hohe Schrumpfung und damit Passungenauigkeit. Spritzgussverfahren: ein bereits polymerisiertes Thermoplast (meist Polymethylmethacrylat (PMMA)) wird durch Erwärmung verflüssigt und unter hohem Druck in eine Spritzküvette eingebracht. Vorteile: keine Polymerisationsschrumpfung, also hohe Passgenauigkeit. Äußerst geringer Restmonomergehalt. Nachteile: Die Prothesenzähne werden nicht anpolymerisiert, gehen also keine chemische Verbindung ein, sondern müssen mit mechanischen Retentionen versehen werden. Hoher technischer Aufwand.