Massenricht ist ein Gemeindeteil der Stadt Hirschau im Landkreis Amberg-Sulzbach in der Oberpfalz in Bayern. Ab 1818 war es eine Gemeinde, zu der die Orte Obersteinbach und Untersteinbach, die Weiler Rödlas und Träglhof sowie die Einöde Hummelmühle gehörten. Heute hat Massenricht etwa 180 Einwohner; die Ortschaften der ehemaligen Gemeinde haben zusammen etwas mehr als 350. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Böhmischen Salbüchlein, das in den Jahren 1366 bis 1368 entstand. Neben dem Ort Massenricht gibt es eine Gemarkung Massenricht.

Herkunft des Namens Massenricht wurde im Mittelalter meist als „Melsenreut“ (in verschiedenen Schreibweisen)Heribert Batzl: Geschichte der Stadt Hirschau. Hirschau 1968, S. 3. erwähnt. Der Namensbestandteil -reuth lässt auf eine Rodesiedlung schließen, der Bestandteil Melsen wohl entweder auf die Person des Gründers Eliso zum Elsenreuth oder auf den vorgefundenen Zustand der Örtlichkeit zurückzuführen.Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Massenricht zum 125-jährigen Gründungsfest, Massenricht 2009, S. 45. 1409 erschien Massenricht in einer Lehensurkunde unter dem Namen „Melsenrewt bey Ehenfeldt“, 1465 als „Melsenrewt bey Ehenfelt gelegen“. 1471 war die Rede von „Melssenriet“, 1486 von „Mellsenrewt“ und 1577 von „Melssenried“. Im 17. Jahrhundert erschien erstmals Massen als vorderer Bestandteil des Ortsnamens. 1630 ist es als „Massenriedt“ belegt und als 1661 „Massenrieth“.

Im Verzeichnis von Ignatz Biechl aus dem Jahr 1783 sowie in dem von Johann W. Melchinger aus dem Jahr 1796 wird Massenricht als „Mässenried“ erwähnt.Ignatz Biechl: Vollständige Beschreibung aller in dem Herzogthume der oberen Pfalz, der Landgrafschaft Leuchtenberg und anderen oberpfälzischen Reichsherrschaften befindlichen Land- Pflege- und Herrschaftsgerichter, Mauth, Forst, Bergämter, und Eisenhämmer, Abteyen, Städten, Märkten, Hofmärkten, Edelmanssitzen, und Landsassen Gütter, wie solche in die Pfleggerichte ordentlich eingetheilet sind, item aller derer Schlösser, Dörfer, und Einöden, Flüssen, Seen, Gebürgen, und Waldungen. München 1783, S. 71 (online verfügbar auf Google Books)Johann W. Melchinger: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Baiern. Ulm 1796, S. 245 (online verfügbar auf Google Books) Die heutige Schreibweise „Massenricht“ ist erstmals 1812 belegt.

Geographie

Geographische Lage Die Gemarkung Massenricht und der Ort liegen im nördlichen Stadtgebiet von Hirschau an der Grenze des Landkreises Amberg-Sulzbach zum Landkreis Neustadt an der Waldnaab.

Nördlich von Massenricht liegen Ober- und Untersteinbach, Thansüß und Freihung, im Osten Röthenbach und Kohlberg, im Süden Ehenfeld und Hirschau und im Westen Seugast und Großschönbrunn.

Geologie Zwischen Massenricht und Ehenfeld verläuft die sogenannte Freihunger Störung. Entlang dieser Störung wurden Gesteinsschichten um bis zu 1500 Meter herausgehoben, wodurch die zirka 88 Millionen Jahre alten Gesteine der Oberkreide bei Ehenfeld direkt neben die etwa 280 Millionen Jahre alten Ablagerungen des Rotliegend gelangten, auf denen Massenricht, Rödlas und Träglhof liegen.

Topographie Das Dorf liegt an der Nordflanke des Rödlasberges. Der Ortskern von Massenricht befindet sich auf . Die Spitze des Rödlasberges, etwa 800 Meter südlich des Ortskerns, hat eine Höhe von . Der Rödlasberg ist der westliche Abschluss des Höhenzuges zwischen dem Ehenbachtal und dem Röthenbachtal beziehungsweise Haidenaabtal.

Kleine Fließgewässer gibt es in Massenricht nicht. Für eine ständige Wasserführung ist das Einzugsgebiet vom Rödlaser Berg an zu klein und die Entfernung zu gering. Das Wasser versickert in der sogenannten Louh (Lohe) oder gelangt bestenfalls bis zu den Weihern. Einige Fischweiher in der Senke nördlich des Dorfes haben keinen ständigen Zulauf.

Die Senke stellt eine Wasserscheide dar. Der nordwestliche Teil entwässert über den Ringelmühlbach zur Vils bei Freihung, der nordöstliche Teil über Obersteinbach zum Röthenbach und damit in die Haidenaab.Franz Bogner: Im Tal von Vils und Lauterach Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2001, S. 23, ISBN 3-7917-1755-3.

Klima Massenricht liegt in der warmgemäßigten Klimazone (effektive Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger: Cfb). Das ganze Jahr über gibt es deutliche Niederschläge, selbst der trockenste Monat weist noch hohe Niederschlagsmengen auf. Die Jahresdurchschnittstemperatur in Massenricht liegt bei 9,0 °C. Jährlich fallen durchschnittlich etwa 820 mm Niederschlag.

Naturräumliche Zuordnung Massenricht liegt im Norden des Oberpfälzischen Hügellandes. Da von den Einzelblättern 1:200.000 zum Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands das Blatt 154/155 Bayreuth nicht erschienen ist, existiert für den Nordteil des Oberpfälzischen Hügellandes keine Feingliederung.Dietrich Jürgen Manske: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 164 Regensburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1981, S. 53–54. → Online-Karte (PDF; 4,8 MB)

In einschlägiger Fachliteratur wird die geologische Untereinheit, in der Massenricht mit den Teilen der ehemaligen Gemeinde liegt, als Kohlberger Höhenrücken bezeichnet.

Geschichte Erstnennung (14. Jahrhundert) Wann sich im Gebiet von Massenricht erstmals Menschen niederließen, ist nicht bekannt. Belegen lässt sich jedoch, dass dort verschiedene Orte entstanden und wieder verschwanden. An manche erinnern noch Flurnamen, wie zum Beispiel Pürkha oder Pimpach.

Erstmals erwähnt wurde der Ort Massenricht im Böhmischen Salbüchlein, das zwischen 1366 und 1368 entstand. Dort heißt es: „Marquart Slifperger von Hirßawe hat den zehenden uber andenhalb lehen zu Melsenreuth“.In verschiedenen Quellen wird das Böhmische Salbüchlein als Sulzbacher oder Neuböhmisches Salbuch bezeichnet. „Schlifberg“, das im Jahre 1409 erstmals und im Wehrverzeichnis des Pflegamts Hirschau aus dem Jahre 1501 abermals zusammen mit „Mellßenrieth“ (Massenricht) urkundlich erwähnt wurde, tauchte ab 1533 nicht mehr auf. Wahrscheinlich ist es in Massenricht aufgegangen.

Lehensverhältnisse, Übergang an Bayern (1628), dörfliche Strukturen 1409 verlieh Pfalzgraf Johann „in name und an stad“ des Königs Ruprecht von der Pfalz „den zehenden uber zwey gut zu Slyffperg und den zehenden uber zwey gut zu Melsenrewt by Ehenfeldt“ als Reichslehen an Jakob Wyder von Puchelberg. 1465 bekam Jakob Wider dieselben Privilegien, die sein Vater von König Rupprecht erhalten hatte, von Kaiser Friedrich III. zuerkannt. Drei Jahre später erwarb diese Rechte Hansen Krausen, 1471 kaufte Hansen Roten diese Rechte. Dessen Söhne Caspar und Hieronimus erhielten sie 1481.Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Massenricht zum 125-jährigen Gründungsfest, Massenricht 2009, S. 46.Heribert Batzl: Geschichte der Stadt Hirschau. Hirschau 1968, S. 113.

Einschneidende Änderungen brachte der Dreißigjährige Krieg für Massenrichts politische Zugehörigkeit. Als Folge der ersten Kriegsjahre mit einer Reihe von Niederlagen für die pfälzisch-böhmischen Truppen erhielt Herzog Maximilian I. als Entschädigung für die Kriegskosten 1628 die Obere Pfalz, zu der auch Massenricht gehörte. Massenricht wurde kurbayrisch, die Herrschaft der Kurpfalz über die Obere Pfalz war damit beendet.Anna Schiener: Kleine Geschichte der Oberpfalz Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 2011, S. 107. Im weiteren Fortgang des Krieges kamen im Januar 1637 Reiter und Musketiere der kaiserlichen Regimenter Gonzaga und Graf Maximilian von Walstein in die Gegend um Luhe und plünderten in den Tagen um den 1. Mai die Dörfer um Hirschau. Auch in Massenricht wüteten die Truppen. Sie drohten, dass sie den Bürgermeister Konrad Meyer „prennen und klammern“ wollten, die Bauern drangsalierten sie besonders übel. Daraufhin rückten 40 Einwohner aus Hirschau aus und nahmen einen Leutnant, einen Fähnrich, einen Feldwebel, einen Korporal und einen Musketier fest und führten sie nach Hirschau. Dort zwang man sie, ihre Beute herauszugeben und die Übergriffe einzugestehen. Danach entließ man sie wieder mit Ausnahme des Feldwebels Hans Veit.Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Massenricht zum 125-jährigen Gründungsfest, Massenricht 2009, S. 47.

Spätestens seit 1660 wurde in Massenricht ein Mühlsteinbruch betrieben. Der dortige Sandstein galt für die Herstellung von Mühlsteinen als besonders geeignet.Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Massenricht zum 125-jährigen Gründungsfest, Massenricht 2009, S. 51. Der Betrieb musste jedoch 1893 wegen Wassereinbruchs eingestellt werden.Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Massenricht zum 125-jährigen Gründungsfest, Massenricht 2009, S. 52.

In zwei Verzeichnissen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts wird Massenricht als dem Gericht Hirschau, dem Rentamt Amberg und dem Bistum Regensburg zugehöriges Dorf erwähnt. Daher befinden sich im Staatsarchiv Amberg, Lehenhof Amberg, eine Reihe von Einträgen zu den oftmals kleinen Höfen, wie etwa den Sölden, oder es handelte sich, wie ein Eintrag lautet, um den „Zehnt aus einem halben Viertel des halben Hofs zu Massenricht“,Zehnt aus einem halben Viertel des halben Hofs zu Massenricht Inhaber: Conrad Rumpler. Laufzeit: 1690–1692. Signatur: Staatsarchiv Amberg, Lehenhof Amberg 321 der zu entrichten war. Auch lebten im Dorf Tagelöhner, die gar kein Land besaßen. Selbst die als „Söldner“ bezeichneten Kleinstbauern mit nur wenig oder gar keinem Vieh arbeiteten häufig als Tagelöhner oder Handwerker.

Nicht nur heute liegt Massenricht im Grenzgebiet von zwei Landkreisen, auch in früheren Zeiten befand sich das Dorf immer im Grenzgebiet von Herrschaftsbereichen. So verwundert es nicht, dass im Heiratsbuch der Pfarrei Ehenfeld 1767 ein Zöllner Mathias Luber aus Massenricht eingetragen ist. Das zum vor dem Dreißigjährigen Krieg kurpfälzischen und seitdem kurbayrischen Hirschau gehörende Massenricht lag zwischen dem bambergischen Vilseck und den zum Gemeinschaftsamt Parkstein-Weiden gehörenden Freihung, Röthenbach und Kohlberg. Parkstein-Weiden wurde von 1421 bis 1714 als Kondominium verwaltet. Ab 1714 war es sulzbachisch.Franz Bogner: Im Tal von Vils und Lauterach Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2001, S. 28, ISBN 3-7917-1755-3.Max Spindler, Gertrud Diepolder: Bayerischer Geschichtsatlas, München 1969, S. 31 (online verfügbar auf www.historisches-lexikon-bayerns.de)

Gemeinde (1818 bis 1978) mini|Die wohl älteste erhaltene Postkarte aus Massenricht (Poststempel 28. März 1915) zeigt oben eine Ansicht des Ortes und unten ein Bild aus der Dorfmitte, die Gastwirtschaft von Thomas Prösl (ehemaliges Gasthaus Schiffl), rechts daneben die Kapelle Maria Hilf von 1766 Als Teil der Reformen, die Anfang des 19. Jahrhunderts in Bayern initiiert wurden, und die als Teil der „Revolution von oben“ bezeichnet wurden, erhielten die dörflichen Gemeinden einerseits eine größere Selbstständigkeit in lokalen Fragen, andererseits wurden sie fiskalisch und rechtlich klarer zugeordnet. Durch das Erste bayerische Gemeindeedikt wurde Massenricht 1808 Steuerdistrikt und dem Landgericht Amberg und damit dem Naabkreis zugeordnet.Kommission für bayerische Landesgeschichte, bearbeitet von Georg Leingärtner: Historischer Atlas von Bayern. Heft 24, München 1971, S. 141 (online verfügbar auf digitale-sammlungen.de) Die Gemeindegrenzen sollten genau mit den Steuerdistriktgrenzen übereinstimmen. Zudem wurden einheitliche Kataster geschaffen und die Ämter in Steuerdistrikte eingeteilt. Nach der Auflösung des Naabkreises zugunsten des Mainkreises und des Regenkreises wurde Massenricht 1810 zusammen mit dem Landgericht Amberg dem Regenkreis zugeordnet (ab 1838 Kreis Oberpfalz und Regensburg).Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980 in Verbindung mit Richard Bauer, Reinhard Heydenreuter, Gerhard Heyl, Emma Mages, Max Piendl, August Scherl, Bernhard Zittel hrsg. von Wilhelm Volkert, o. Professor an der Universität Regensburg, München 1983, ISBN 3-406-09669-7.