Alain Antoine Peyrefitte (* 26. August 1925 in Najac (Département Aveyron); † 27. November 1999 in Paris) war ein französischer gaullistischer Politiker (UNR, UDR, RPR) und Autor. Er war zwischen 1958 und 1995 mehrmals Abgeordneter in der Assemblée nationale und von 1995 bis 1999 Mitglied des französischen Senats. Außerdem bekleidete er verschiedene Ministerposten, darunter Informationsminister (1962–1966), Bildungsminister (1967–1968) und Justizminister (1977–1981). Ab 1977 war er Mitglied der Académie française.

Leben miniatur|Der Informationsminister besucht Ludwig Erhard (1964) Nach seinem Gymnasialabschluss (Baccalauréat) und geisteswissenschaftlichen Vorstudium (khâgne) in Montpellier studierte Peyrefitte sowohl an der École normale supérieure als auch der Verwaltungshochschule École nationale d’administration Philosophie, Rechts- und Geisteswissenschaften und forschte am Centre national de la recherche scientifique kurzzeitig im Bereich der Anthropologie. Ein 1947 an der Pariser Universität angemeldetes Promotionsvorhaben zur „Phänomenologie des Vertrauens“ schloss er erst 37 Jahre später mit dem doctorat d’État ab.

Peyrefitte schlug 1948 eine diplomatische Laufbahn ein und erhielt Posten unter anderem an der französischen Botschaft in Bonn (1949–1952) und am Konsulat in Krakau (1954–1956). Als Mitarbeiter und Vertrauter von Charles de Gaulle wurde er 1958 für die gaullistische Partei Union pour la Nouvelle République in die französische Assemblée nationale gewählt. Weiterhin war von 1964 bis 1988 im Generalrat des Départements Seine-et-Marne für Bray-sur-Seine vertreten und von 1965 bis 1997 Bürgermeister von Provins. Im April 1962 wurde er als Staatssekretär für Information in das erste Kabinett Georges Pompidous berufen und leitete von September 1962 an die Ministerien für Rücksiedlung, Information, Forschung und Bildung. Aufgrund der Ereignisse vom Mai 1968 trat Peyrefitte von seinem Ministeramt zurück.

In der Zeit bis 1973, in der er nicht der Regierung angehörte, übernahm er den Vorsitz des Ausschusses für kulturelle und soziale Angelegenheiten in der Nationalversammlung (1968–1972) und bekleidete von 1972 bis 1983 das Amt des Generalsekretärs der gaullistischen Union des Démocrates pour la Ve République (UDR). Nach einer China-Reise 1971 veröffentlichte er mit Quand la Chine s’éveillera… le monde tremblera eine Analyse der chinesischen Gesellschaft der 1970er-Jahre, die große öffentliche Aufmerksamkeit erregte. Im Mai 1973 wurde er erneut in die französische Regierung berufen und bekleidete kurzzeitig die Ministerämter für Verwaltungsreformen (bis Februar 1974) sowie Kultur und Umwelt (bis Mai 1975). Eine längere Amtsperiode folgte 1977 bis 1981, als er das Justizministerium leitete. Anschließend übernahm er keine Posten in der Regierung mehr und blieb Mitglied der Assemblée nationale, bis er 1995 zum Senator für das Département Seine-et-Marne gewählt wurde.

Das schriftstellerische Werk Peyrefittes umfasst neben dem Jugendroman Les Roseaux froissés und den Mémoiren C'était de Gaulle hauptsächlich Essays und Beiträge zu Zeitschriften und Magazinen wie Les Cahiers du Sud, Le Point und Le Figaro.

1977 wurde er in die Académie française gewählt, wo er den Sitz Paul Morands einnahm. Zehn Jahre später wurde er in die Académie des sciences morales et politiques in die Sektion für Geschichte aufgenommen.

Am 15. Dezember 1986 wurde in Provins ein Autobombenanschlag auf das Fahrzeug von Peyrefitte verübt, bei dem ein städtischer Angestellter ums Leben kam. Obwohl nicht eindeutig aufgeklärt, wurde die linksextreme „Action directe“ für das Attentat verantwortlich gemacht.Siehe Website von Le Monde vom 17. Dezember 1986 (französisch; abgerufen am 16. Juni 2025).

Alain Peyrefitte starb am 27. November 1999 in Paris an Krebs.

Er wurde mit dem Ritterorden der Légion d'Honneur geehrt.

Politische Ämter Staatliche Ebene 1958–1995: Abgeordneter der Nationalversammlung für Seine-et-Marne 1962: Staatssekretär für Information 1962: Minister für Rücksiedlung 1962–1966: Minister für Information 1966–1967: Minister für Forschung, Atom- und Raumfragen 1967–1968: Minister für Bildung 1973–1974: Minister für Verwaltungsreformen 1974: Minister für Kultur und Umwelt 1977–1981: Minister für Justiz 1995–1999: Senator

Regionale und lokale Ebene 1964–1988: Generalrat von Seine-et-Marne 1965–1997: Bürgermeister von Provins

Werke 1946: Rue d'Ulm, chroniques de la vie normalienne 1947: Le sentiment de confiance 1948: Les roseaux froissés 1949: Le mythe de Pénélope 1961: Faut-il partager l'Algérie ? 1973: Quand la Chine s'éveillera... le monde tremblera (deutsch: Wenn sich China erhebt. .. erzittert die Welt, Wien, Hamburg, 1974) 1976: Le mal français (deutsch: Was wird aus Frankreich?, Berlin, Frankfurt/M., 1978, ISBN 3-550-07369-0) 1981: Les chevaux du lac Ladoga – la justice entre les extrêmes 1983: Quand la rose se fanera 1985: Encore un effort, Monsieur le Président 1989: L'empire immobile ou Le choc des mondes. Récit historique, Paris, Fayard, ISBN 2-213-02025-6 1990: La tragédie chinoise 1994–2000: C'était de Gaulle, 3 Bände 1995: La société de confiance 1997: La Chine s'est éveillée.

Weblinks

(frz.)

Einzelnachweise

Kategorie:Senator (Frankreich) Kategorie:Bildungsminister (Frankreich) Kategorie:Justizminister (Frankreich) Kategorie:Kulturminister (Frankreich) Kategorie:Umweltminister (Frankreich) Kategorie:Mitglied der Nationalversammlung (Frankreich) Kategorie:Mitglied des Europäischen Parlaments für Frankreich vor 1979 Kategorie:Bürgermeister (Provins) Kategorie:UNR-Mitglied Kategorie:RPR-Mitglied Kategorie:Mitglied der Académie française Kategorie:Autor Kategorie:Mitglied der Académie des sciences morales et politiques Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur) Kategorie:Träger des Ordre des Palmes Académiques (Komtur) Kategorie:Offizier des Ordre national du Québec Kategorie:Absolvent der École nationale d’administration Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 1999 Kategorie:Mann