Bischofsheim ist eine Gemeinde in Deutschland, gehört zum Kreis Groß-Gerau in Hessen und hat Einwohner (Stand: ). Von 1930 bis 1945 war Bischofsheim einer der rechtsrheinischen Stadtteile der heutigen rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.
Geographie Geographische Lage Bischofsheim liegt im sogenannten Mainspitzdreieck, dem Gebiet südlich der Mainmündung zwischen Main und Rhein.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Bischofsheim ist nicht in Ortsteile gegliedert. Allerdings besitzt Bischofsheim mit „An den Sportstätten“ und der „Dr.-Hans-Böckler-Siedlung“ zwei vom Ortskern Bischofsheims durch Schienennetz und Bundesstraße 43 bzw. die Bundesautobahn 60 getrennte Teile.
Bischofsheim ist mit dem Bahnhof Mainz-Bischofsheim ein Eisenbahnknotenpunkt mit Rangierbahnhof. Der Bahnhofsname geht zurück auf die frühere politische Zugehörigkeit des Ortes zur Stadt Mainz. Weiterhin ist die Gemeinde über die Autobahnen 60 und 671 direkt erreichbar.
Nachbargemeinden Bischofsheim ist im Norden durch den Main von der Stadt Hochheim am Main (Main-Taunus-Kreis) getrennt, im Osten grenzt es an die Stadt Rüsselsheim am Main sowie im Süden und Westen an die Stadt Ginsheim-Gustavsburg.
Geschichte Ortsgeschichte Der Ortsname geht nicht auf einen Bischof, sondern auf die Lage an einer Mainbiegung zurück (bieschen = biegen).
Die erste Erwähnung in historischen Dokumenten findet Bischofsheim im Jahr 1200 als Bissescheim circa Menum. In den weiteren Jahrhunderten findet es dann unter wechselnden Ortsnamen Erwähnung. So als Biscovesheim (1211), Bischophisheim (1268), Bisschabesheim (1319), Bischoffesheim (1394), Biffesheim (1529) und Mainbischoffsheimb (1659). In den Unterlagen finden sich die folgenden Einträge über die Besitzverhältnisse: 1278 verkauften die Brüder Philipp und Johann von Hohenfels ihre sämtlichen Güter in Bischofsheim, die sie von den Grafen von Rieneck zu Lehen tragen, an das Domkapitel zu Mainz; 1288 vermachte Heinrich, Vikar der Kirche in Oestrich, seine Güter in Bischofsheim dem Mainzer Domkapitel; 1298 bekamen das Agnesenkloster zu Mainz und der Mariengredenstift in Mainz Güter in Bischofsheim geschenkt. 1579 ging der dem Erzbischof von Mainz gehörige Hof in das Eigentum des Landgrafen Georg I. von Hessen-Darmstadt über.
Georg I. von Hessen war der erste Landgraf von Hessen-Darmstadt und erbte von seinem Vater Philipp I. von Hessen die Ämter Rüsselsheim, Dornberg, Darmstadt, Lichtenberg, Reinheim, Zwingenberg. Bis 1820 gehörte Bischofsheim zum Amt Rüsselsheim, ab 1821 zum Landratsbezirk Dornberg der Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen (Hessen-Darmstadt), das 1806 aus der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt nach deren Beitritt zum napoleonischen Rheinbund hervorging.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Bischofsheim:
Bischofsheim gilt gemeinhin als „Eisenbahnergemeinde“. Nach 1865 nahm der Ort durch den Ausbau der hessischen Ludwigsbahn von Darmstadt in das damals zu Hessen-Darmstadt gehörende Mainz einen ungeheuren Aufschwung. Viele Arbeiter, die die Ludwigsbahn bauten, ließen sich mit ihren Familien in Bischofsheim nieder. Von der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre entwickelte sich der Bahnhof Bischofsheim, seit 1931 Mainz-BischofsheimEintrag 1.1.1931 auf bahnstatistik.de, außerdem zu einem der größten Güterbahnhöfe Südwestdeutschlands. Diesen Status hat der Bahnhof seit den 1970er Jahren aber wieder eingebüßt.
Bischofsheim war von 1930 bis 1945 ein Stadtteil von Mainz. Nach der Eingemeindung durch die Stadt Mainz zum 1. Januar 1930 war zunächst der bisherige Bürgermeister Georg Fischer Ortsvorsteher, der nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 von dem Parteigenossen Fritz Eitel abgelöst wurde, dem auch die benachbarten Stadtteile Ginsheim und Gustavsburg zugeordnet wurden. In dieser Amtszeit begann die Diskriminierung und Drangsalierung der jüdischen Mitbürger, die mit der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 ihren Höhepunkt erreichte. Die in Bischofsheim verbliebene jüdische Bevölkerung wurde weitgehend Opfer des Holocaust. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Ort schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ab dem 9. September 1942 wurde Bischofsheim des Öfteren wegen seiner Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt von britischen und US-amerikanischen Flugzeugstaffeln bombardiert. Der Ort und der Verschiebebahnhof Mainz-Bischofsheim wurden zur Hälfte zerstört. Am 13. Januar 1945 kamen durch einen Bombenangriff der Alliierten 119 Bischofsheimer Bürger, 14 Zwangsarbeiter und 3 in Bischofsheim stationierte Soldaten ums Leben. Nach dem Krieg legten die französischen und US-amerikanischen Besatzungsmächte den Rhein als Grenze ihrer Besatzungszonen fest. Damit kam das Mainzer Stadtgebiet in der französischen Zone an das 1946 neu gegründete Land Rheinland-Pfalz, die rechtsrheinischen Mainzer Stadtteile in der US-amerikanischen Zone verblieben bei Hessen in Gestalt des vorher neu formierten Groß-Hessen (heutiges Land Hessen). Während die drei Stadtteile nördlich des Mains (Mainz-Amöneburg, Mainz-Kastel, Mainz-Kostheim) der Stadt Wiesbaden zugeteilt wurden, wurden Bischofsheim und das benachbarte Ginsheim-Gustavsburg wieder eigenständige Gemeinden im Kreis Groß-Gerau. Die Rechtslage der Rückgliederung von Bischofsheim, Ginsheim und Gustavsburg sowie AKK an die Stadt Mainz ist immer wieder in der Diskussion. Während noch der Mainzer Oberbürgermeister Franz Stein die Forderung nach der Rückgliederung aller fünf Mainzer Vororte 1969 gestellt hatte, wurde dies durch seinen Nachfolger Jockel Fuchs (SPD) Mitte der 1980er Jahre auf die AKK-Vororte begrenzt, die treuhänderisch von der Stadt Wiesbaden verwaltet werden. Eine Ländergrenzordnung im Zusammenhang mit einer Föderalismusreform ist vom Willen der politischen Entscheidungsträger abhängig, um u. U. neue Eingemeindungsverträge für eine Wiedervereinigung der Stadt Mainz zu realisieren.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Bischofsheim angehört(e):
vor 1479: Heiliges Römisches Reich, je zur Hälfte: Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg und Kurmainz ab 1479: Heiliges Römisches Reich, je zur Hälfte: Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Rüsselsheim und Kurmainz ab 1567: Heiliges Römisches Reich, je zur Hälfte: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Rüsselsheim und Kurmainz ab 1579: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (durch Kauf), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Rüsselsheim ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Rüsselsheim ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Rüsselsheim ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Rüsselsheim ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DornbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Groß-Gerau) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1930: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Rheinhessen, Stadt Mainz ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Stadt MainzIm Zuge der Gebietsreform 1938 im Volksstaat Hessen werden die drei Provinzen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Groß-Gerau ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Groß-Gerau ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Groß-Gerau
Gerichtsbarkeit Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau, ab 1879 das Amtsgericht Groß-Gerau. Während der Zugehörigkeit von Bischofsheim zu Mainz von 1931 bis 1945 war das Amtsgericht Mainz zuständig und mit der Rückführung von Bischofsheim in den Kreis Groß-Gerau wieder das Amtsgericht Groß-Gerau.
Ausgliederungen Am 1. Februar 1975 wurden Gebietsteile mit damals etwa 80 Einwohnern an die Nachbargemeinde Ginsheim-Gustavsburg abgetreten.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Bischofsheim 12552 Einwohner. Darunter waren 1804 (14,4 %) Ausländer, von denen 532 aus dem EU-Ausland, 1026 aus anderen europäischen Ländern und 246 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 17,4 % einen Migrationshintergrund. Die Einwohner lebten in 2185 Haushalten. Davon waren 619 Singlehaushalte, 570 Paare ohne Kinder und 724 Paare mit Kindern, sowie 229 Alleinerziehende und 43 Wohngemeinschaften.
Einwohnerentwicklung • 1629: 34 Hausgesesse • 1791: 385 Einwohner • 1800: 468 Einwohner • 1806: 512 Einwohner, 80 Häuser • 1829: 668 Einwohner, 92 Häuser • 1867: 1203 Einwohner, 170 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 620 lutheranische (= 92,81 %), 48 jüdische (= 7,19 %) Einwohner • 1961: 6467 evangelische (= 66,46 %), 2936 katholische (= 30,17 %) Einwohner • 2011: 3990 evangelische (= 31,8 %), 3380 katholische (= 26,9 %), 170 orthodoxe (= 1,4 %), 550 andersgläubige (= 4,4 %), 4390 sonstige (= 35,0 %) Einwohner
Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenSozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 2.089 98.042 1.695.567 2.524.156 Veränderung zu 2000 −5,6 % +5,4 % +16,1 % +16,0 % davon Vollzeit 2017 67,3 % 75,9 % 72,8 % 71,8 % davon Teilzeit 2017 32,7 % 24,1 % 27,2 % 28,2 % Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 502 13.048 224.267 372.991 Veränderung zu 2000 +26,1 % −9,6 % +9,0 % +8,8 %
Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenProduzierendes Gewerbe 2000 27,0 % 43,8 % 27,0 % 30,6 % 2017 *) % 33,2 % 20,4 % 24,3 %Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 48,6 % 27,6 % 26,4 % 25,1 % 2017 48,3 % 27,9 % 24,7 % 23,8 %Unternehmensdienstleistungen 2000 10,3 % 14,0 % 25,1 % 20,2 % 2017 12,0 % 19,9 % 31,6 % 26,1 %Sonstige Dienstleistungen 2000 12,3,9 % 13,7 % 20,1 % 22,5 % 2017 22,0 % 18,6 % 23,0 % 25,4 %Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 1,7 % 1,0 % 1,4 % 1,5 % 2017 17,7 % 0,5 % 0,3 % 0,4 % *) anonymisiert
Religion Christliche Gemeinden Der erste Beleg für das Vorhandensein einer Kirche stammt aus dem Jahr 1211. 1267 ist dann eine ecclesia erwähnt und später eine Pfarrkirche. Als Kirchenpatron ist Ägidius erwähnt und 1267 schenkt der Propst von St. Viktor in Mainz das Patronat den Kanonikern seines Stifts. Die Pfarrkirche ist wahrscheinlich im Dreißigjährigen Krieg um 1635 abgebrannt. 1650 erhält die Gemeinde durch eine Schenkung ein neues Gestühl und 1680 wird der Chor neu erbaut. Im Jahr 1740 wurde ein Erweiterungsbau beschlossen, der durch das St. Viktorstift und die Gemeinde finanziert wurde. Die bis heute erhaltene Erweiterung zum Barockbau erfolgte 1747/48. abgerufen am 17. November 2012.