Hopsten ist eine Gemeinde an der Nordspitze der westfälischen Region Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt), durch dessen Lage es als Tor zu Westfalen bezeichnet wird. Die Gemeinde umfasst seit 1975 neben dem Töddendorf Hopsten die Ortsteile Schale und Halverde.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Hopsten liegt an der Nordspitze des Tecklenburger Landes und ist bis in die heutige Zeit eher landwirtschaftlich geprägt. Der Ortsteil Schale ragt wie ein Sporn in das benachbarte Niedersachsen, aus dem somit die Bezeichnung Tor zu Westfalen entstand. Im Süden des Ortes liegt in einer geologischen Senkungszone das Naturschutzgebiet Heiliges Meer – Heupen. Nördlich und westlich schließt sich das Emsland an, östlich das Osnabrücker Land. Durch die Lage der Gemeinde gingen in früherer Zeit viele Hopstener als Hollandgänger in die nahen Niederlande arbeiten. Zudem brachten sie als reisende Kaufleute, die sog. Tödden, Waren in die Niederlande. So erhielt Hopsten die noch heute gebräuchlichen Bezeichnung als Töddendorf.Diether Stonjek: (PDF; 4,86 MB). In: lwl.org, abgerufen am 7. Dezember 2017.
Landschaften, Berge, Flüsse mini|Historischer Ortskern von Hopsten
Hopsten liegt in der Plantlünner Sandebene, einer Unterkategorie der Norddeutschen Tiefebene. Nördlich des Gemeindegebietes verlaufen die Lingener- und die Ankumer Höhen, eine durch die Eiszeit aufgeschüttete Sandhügellandschaft (sog. Endmoräne). Südlich der Gemeindegrenze zwischen Hörstel und Bevergern liegt am Huckberg der westliche Beginn des Teutoburger Waldes. Südwestlich beim Nachbardorf Obersteinbeck beginnt mit dem vorgelagerten Kälberberg die Ibbenbürener Bergplatte, mit dem westlichen Dickenberg und dem östlichen Schafberg. Durch den Abbau von Kohleflözen am Karbonhorst, stellte das Bergwerk Ibbenbüren bis 2018 den größten Arbeitgeber der Hopstener Bevölkerung dar.
Durch Hopsten fließt die Hopstener Aa; diese teilt sich westlich der Rheiner Straße in die größere Giegel- und die kleinere Hopstener Aa auf. Die Schaler Aa verläuft durch das Nördliche Gemeindegebiet erst durch Halverde, wo sie noch Halverder Aa genannt wird; flussabwärts in Schale vereinigt sie sich mit der Wiechholz Aa und mündet bei Freren in einen anderen Fluss, mit dem sie die Große Aa bildet. Das Gemeindegebiet durchläuft auch der Bardelgraben, der gleichzeitig die Grenze des Ortsteils Hopsten zu den Ortsteilen Halverde und Schale darstellt. Die in den benachbarten Regionen Münsterland und Weser-Ems-Land üblichen Wallhecken sind auch in Hopsten anzutreffen. Sie sind aber nicht so kleinräumlich wie in der Münsterländer Parklandschaft angeordnet, sondern locker zwischen Feldern eingestreut.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden im Tecklenburger Land sind Hörstel, Recke und Ibbenbüren. Im niedersächsischen Emsland befinden sich die Nachbarorte Freren und Schapen sowie im Osnabrücker Land die Gemeinden Fürstenau und Voltlage. Hopsten gilt für diesen ländlich geprägte Versorgungsbereich mit weniger als 10.000 Einwohnern als ein Unterzentrum.
Das zur Deckung des Grund- und periodischen Bedarfs hauptsächlich frequentierte und nächste Mittelzentrum ist Ibbenbüren. Weitere Mittelzentren in der Umgebung sind Lingen (Ems) und Rheine. Oberzentrum der Gemeinde Hopsten und wie auch des gesamten Tecklenburger Landes ist die Stadt Osnabrück. Bedingt durch die größere Entfernung und die schlechtere Verkehrsanbindung kommt Münster als Oberzentrum eine geringe Bedeutung zu.
Gemeindegliederung alternativtext=|mini|Ortsteile von Hopsten Heutige Gliederung Ortsteil Fläche Einwohner (31. Dez. 2017) Hopsten 48,70 km² 5301 Halverde 17,17 km² 1052 Schale 33,95 km² 1248 Gesamt 99,82 km² 7601 Die ehemalige Hopstener Bauerschaft Ostenwalde zählt heute nicht mehr zu Hopsten, sondern zu Hörstel. Bis Ende 1974 umfasste das Gebiet die zum Amt Hopsten gehörenden eigenständigen Gemeinden Halverde, Hopsten und Schale.
Einwohnerentwicklung + Gemeinde Hopsten Jahr Einwohner 2012 7551 In: IVZ, 9. Januar 2014 2013 7583 2014 7600Einwohnerentwicklung: Zahlen seit 2015 wieder rückläufig In: IVZ, 7. Februar 2018 2015 7677 2016 7619 2017 7601+Ortsteil Hopsten Jahr Einwohner 2012 5181 2013 5224 2014 5254 2015 5327 2016 5318 2017 5301+Ortsteil Schale Jahr Einwohner 2012 1311 2013 1300 2014 1292 2015 1280 2016 1252 2017 1248+Ortsteil Halverde Jahr Einwohner 2012 1059 2013 1059 2014 1054 2015 1070 2016 1049 2017 1052
Geschichte Vorzeit bis 1400 mini|Hof Holling, eine der ältesten Hofstellen in Hopsten. Links ist die Töddensäule zu erkennen. Die Besiedlung des Gebietes um Hopsten reicht hin bis in die Stein- und Bronzezeit.
Der erste schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahr 890 n. Chr. Im Steuerverzeichnis des Klosters Werden an der Ruhr sind mehrere Höfe der Bauerschaft Staden aufgeführt. An der alten Flötte in den Gebieten um den Stadener Esch, Rüschendorfer Esch und dem Stertesch haben sich die ersten Menschen angesiedelt. Erst später fand eine Besiedlung der südlichen Bauerschaften Breischen, Börnebrink und Aa statt, da aufgrund des Moorgebiets nur eine Ansiedlung auf Anhöhen (auf einen „Hop seten“) möglich war. Verkehrsverein Hopsten – Geschichte der Gemeinde Hopsten
Durch den Erwerb der Osnabrücker Hochvogtei 1236 durch Graf Otto I. von Tecklenburg, wurde das Kirchspiel Schapen und die zugehörigen Gebiete Ostenwald und Stadener Wald ein Teil der Grafschaft Tecklenburg. Der Name Hopsten wird erstmals urkundlich 1265 in Osnabrück erwähnt. Dort ist die Rede von einem Ministerialen Fretherich von Hopseten. Im Jahr 1343 wird in einer Urkunde bereits eine Kapelle für das Dorf Hopsten genannt, für die Graf Nikolaus I. von Tecklenburg das Patronats- und Präsentationsrecht des Abtes von Werden anerkennt.Zeittafel. In: st-georg-hopsten.org, abgerufen am 7. Dezember 2017.
1400 bis 1500 Hopsten gehörte bis zum Ende des 14. Jahrhunderts landesherrlich zur Grafschaft Tecklenburg. Nach einem verlorenen Krieg gelangte am 25. Oktober 1400 die Hälfte des Kirchspiels Schapen mit dem Stadener Wald und dem Ostenwald: das heutige Hopsten an das Hochstift Münster. Dieses war das Resultat andauernder Auseinandersetzungen des Grafen Nikolaus II. von Tecklenburg mit den mächtigen Nachbarn Münster und Osnabrück. Weil bereits eine Kapelle auf dem Boden der Gemarkung Hopsten stand, wurde der Ort dat Kerspel to Hopseten, später Kirchspiel Hopsten genannt. Rund 200 Jahre waren die Hopstener noch zur Pfarrkirche Schapen gehörig, bis der Ort eine selbständige Pfarrei bekam.
1648 bis 1818 Hopsten wird als Töddendorf bezeichnet. Die Tödden waren Wanderkaufleute und Hausierer, die sich nach dem Dreißigjährigen Krieg, mit der Blütezeit im 18. Jahrhundert, aus Hollandgängern entwickelten und die ihre Waren zunächst in den Niederlanden, dann auch in den nordischen und baltischen Ländern anboten. Der Töddenhandel brachte den Heimatgemeinden einigen Wohlstand, was heute noch in Hopsten die Töddenhäuser mit ihren häufig aufwendig gestalteten Giebeln, die Annakapelle auf den Breischen, die barocke Pfarrkirche, die vielen Bildstöcke und die Denkmäler bezeugen, die in allen sechs Bauerschaften stehen. Unter den Töddenhäusern ist das Haus Nieland das bekannteste. Um 1750 hatte Hopsten ungefähr 2000 Einwohner, von denen im Einwohnerverzeichnis über 200 Personen als „reiset“ beschrieben wurden, also als Personen, die durch Handel ihr Geld verdienten. 1803 wurde Hopsten dem Königreich Preußen angeschlossen und kehrte nach der napoleonischen Herrschaft 1816 mit der Gründung des Kreises Tecklenburg nach etwas über 400 Jahre in das Tecklenburger Land zurück.
1818 bis 1900 Das Ende des Wanderhandels nach 1818 führte zu einer Rückentwicklung Hopstens zu einer rein landwirtschaftlichen Gemeinde; unter der Landbevölkerung bildete sich Armut aus. In dieser Zeit (von 1846 bis 1849) war der Arbeiter- und Sozialbischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler Pfarrer von Hopsten. Vom Juni 1848 bis zum Januar 1849 gehörte er der Frankfurter Nationalversammlung an. Seine Gedenkrede am Grab der im Septemberaufstand getöteten Abgeordneten Auerswald und Lichnowsky machte den Bauernpastor zur Berühmtheit. Er wurde 1849 zur Sankt-Hedwigs-Kathedrale nach Berlin versetzt. Später wurde er Bischof von Mainz.
Seit 1900 mini|Altes Rathaus in Hopsten an der Bunten Straße 25 Das Amt Hopsten wurde 1917 mit dem Amt Schale/Halverde in Hopsten zusammengelegt, die Gemeinden blieben bis auf eine gemeinsame Verwaltung zunächst selbstständig. Die Amtsverwaltung fand in den Räumen der späteren Post im Haus Doeker provisorische Unterkunft, bis 1922 das Rathaus fertiggestellt war.Christa Tepe (red.) et al.: Schale. Ein Dorf stellt sich vor. S. 138–140. Verlust des Amtssitzes Es befindet sich an der Bunten Straße 25 und wird inzwischen als Wohn- und Geschäftshaus benutzt. In den 1960er-Jahren zeigte sich, dass das alte Rathaus nicht mehr den Platzbedürfnissen des Amtes genügte: An der Bunten Straße 35 wurde eine neue Verwaltung errichtet. Das alte Rathaus wurde zwischenzeitlich vom DRK und als Wohnhaus genutzt, bis es 2010 verkauft wurde.
In der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November wurde die Hopstener Synagoge sowie Wohnhäuser verwüstet, jedoch nicht angezündet. Das Pogrom wurde von SA-Männern aus Ibbenbüren eingeleitet, aber es beteiligten sich auch einige Hopstener Bürger daran. Jüdische Hopstener Bürger wurden zusammengeschlagen und einige in Schutzhaft genommen. Den Holocaust überlebten nur zwei Frauen. mini|Ein britischer Panzer passiert Hopsten Anfang April 1945 Nach der alliierten Rhein-Überquerung am 23. und 24. März 1945 (Operation Plunder und Operation Varsity) stießen britische und kanadische Truppen nördlich des Ruhrgebiets rasch in das Münsterland vor. Anfang April wurde Hopsten erreicht. Im April 1973 wurden in der Gemeinde Hopsten Straßennamen mit durchlaufenden Hausnummern eingeführt, die Bezeichnungen Dorf oder der jeweiligen Bauernschaft mit chronologisch vergebener Hausnummer entfiel hiermit.
Das Amt Hopsten wurde im Zuge der Gebietsreform zum 1. Januar 1975 aufgelöst. Auch die bisherigen im Amt Hopsten verwalteten aber selbstständigen Gemeinden Hopsten, Schale und Halverde wurden in einer vergrößerten Einheitsgemeinde Hopsten vereinigt. Diese verwaltungstechnische Änderungen, die mit dem Verlust der Selbständigkeit für Schale und Halverde verbunden waren, stießen auf völliges Unverständnis in allen drei Ortsteilen.Christa Tepe: Hopsten – Ein Dorf an der Grenze. Herausgegeben zur 600-Jahr-Feier der Gemeinde Hopsten im Jahr 2000. S. 206–208, zur Entstehung der Gesamtgemeinde
Am 23. August 1995 richtete ein F1-Tornado auf zwei Bauernhöfen südöstlich des Ortskerns großen Schaden an, zudem wurden zahlreiche Bäume umgeworfen.
Einer der schwersten Busunfälle der deutschen Geschichte schockte den Ort am 18. Juni 2007. Auf der Bundesautobahn 14 verunglückte bei Könnern ein Reisebus, der Mitglieder des landwirtschaftlichen Ortsvereins nach Dresden bringen sollte. Dabei wurden 13 Menschen getötet und 36 verletzt. An einer Gedenkstunde in der Pfarrkirche St. Georg am 19. Juni 2007 nahmen neben zahlreichen Menschen aus dem Ort auch der damalige Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, und der aus der Region stammende Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, teil.
Am 7. Dezember 2020 wurden in Hopsten die ersten Stolpersteine verlegt.
Verwaltung von 1400 bis 1809 als Kirchspiel Hopsten 1400–1803 Gericht Bevergern 1. Januar 1804–1806 Gericht Bevergern, Münsterscher Kreis 1. Juni 1806–1809 Gericht Bevergern, Bevergernscher Kreis als eigenes Amt Hopsten 20. Mai 1809–1813 Mairie Hopsten (Frankreich) 18. November 1813–1844 Bürgermeisterei Hopsten 4. Januar 1844–1851 Amt Hopsten 19. Mai 1851–1856 Samtgemeinde Hopsten 20. März 1856–1974 Amt Hopsten seit 1. Januar 1975 Gemeinde Hopsten
mini|Kirche St. Georg in Hopsten Religionen Kath. Kirchengemeinde St. Georg, Hopsten Kath. Kirchengemeinde St. Peter u. Paul, Halverde Ev. Kirchengemeinde Recke-Hopsten