mini|Vespa velutina in Corcelette, Frankreich 2024
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist eine in Südostasien heimische Hornissenart. Mit der Unterart Vespa velutina nigrithorax wurde sie 2004 im Département Lot-et-Garonne in Südwestfrankreich erstmals auch in Europa nachgewiesen. Diese aus China stammende Unterart gilt als inzwischen etablierte invasive Art und steht deshalb seit 2016 in der Liste der unerwünschten Spezies für die Europäische Union. Die nach Europa eingeschleppten Völker unterscheiden sich vor allem durch ihre deutlich dunklere Färbung mit schwarzem Thorax von der heimischen Hornisse.
Neben dieser im Deutschen als Asiatische Hornisse (Vespa velutina) bezeichneten Art gibt es auch die ähnlich lautende Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia), die in Europa jedoch nicht vorkommt.
Merkmale
mini|Detailansicht einer männlichen Vespa velutina
Vespa velutina ist in ihrer natürlichen Heimat eine vielgestaltige Art, die zahlreiche unterschiedliche Farbmorphen ausbildet, die meist als Unterarten aufgefasst werden. Nur eine dieser Formen, die Unterart nigrithorax, wurde nach Europa eingeschleppt. Hier ist sie von anderen sozialen Faltenwespen recht einfach, in erster Linie anhand von Färbungsmerkmalen, unterscheidbar. Darauf weist schon das Unterartepitheton nigrithorax hin – wörtlich übersetzt „schwarzer Brustpanzer“ (, ).
Die Königinnen erreichen eine Körperlänge von etwa drei Zentimetern, Arbeiterinnen werden etwa 1,7 bis 2,4 Zentimeter lang. Damit ist die Art etwas kleiner als die in Europa weit verbreitete Hornisse (Vespa crabro) und etwas größer als die Mittlere Wespe (Dolichovespula media). Als Hornisse (Gattung Vespa) ist sie an der Gestalt des Kopfes erkennbar: Dieser ist – bei Ansicht von oben – im hinteren Teil, dem Scheitel oder Vertex, verlängert. Der Abstand der Ocellen zu den Komplexaugen ist dadurch kleiner als ihr Abstand zum Kopfhinterrand.
Vespa velutina nigrithorax hat eine schwarze Grundfärbung und eine feine, aufrechte, schwarze oder braune Behaarung. Der Kopf ist bei Ansicht von oben schwarz. Bei Ansicht von vorn ist der Clypeus, die untere Hälfte der Schläfen und die Mandibeln (außer der Spitze und den Zähnen) gelb- bis rotbraun – in Asien (Hongkong) kommen auch Tiere mit vollständig schwarzem Kopf vor. Die Antennen sind oberseits schwarz, auf der Unterseite rotbraun. Der Rumpfabschnitt unter Einschluss des Propodeums ist beinahe vollständig schwarz gefärbt. Auch die Beine sind schwarz, nur die Tarsen, teilweise auch die Schienen, sind gelbbraun bis gelb aufgehellt. Am freien Hinterleib sind bei Ansicht von oben die ersten drei Tergite schwarz mit einer feinen gelben Endbinde, die am dritten gelegentlich etwas verbreitert sein kann. Der vierte Tergit ist überwiegend gelb gefärbt, die übrigen sind braun. Sie besitzen einen 3–4 mm langen Stachel. Das Gift ähnelt dem von Wespen, enthält aber auch Komponenten, die Schlangengift ähneln.
Männchen sind ähnlich gefärbt wie Königinnen und Arbeiterinnen (die schwer unterscheidbar sind). Ein weiteres Merkmal ist, dass der Hinterrand des siebten abdominalen Sternits tief halbkreisförmig ausgeschnitten ist. Ferner ist der Hinterleib der Männchen etwas länger und schmaler.
Vorkommen
Ursprüngliche Verbreitung
Das ursprüngliche Vorkommen von Vespa velutina umfasst den Süden Chinas und die Insel Taiwan, den Osten Indiens entlang des Westrands des Himalaya (randlich auch bis Pakistan und Afghanistan), die hinterindische Halbinsel und die Inselwelt Indonesiens. Die Art wurde vom Menschen 2003 nach Südkorea und 2014 nach Japan (Tsushima) eingeschleppt. Sie lebt überwiegend im Gebirge, erreicht aber in Indonesien auch den tropischen Tieflandregenwald.
Europa, Frankreich
Als Neozoon nach Europa wurde die Art vermutlich über den Seeweg aus China eingeschleppt: Der erste bekannt gewordene europäische Fund stammt von 2005 aus Nérac im Südwesten Frankreichs, möglicherweise war sie davor aber schon 2004 im südfranzösischen Agen präsent. Von dort aus breitete sie sich rapide über Südwestfrankreich aus. Im August 2010 erreichte sie im Osten das Rhonetal und im Norden in der Ostbretagne die Küste des Ärmelkanals; gleichzeitig wurde sie zuerst südlich der Pyrenäen in Spanien in Amaiur, Navarra registriert, von wo sie sich bis 2015 über große Teile Nordspaniens ausbreitete, vor allem das Baskenland und die Region Navarra. 2011 erreichte sie in Viana do Castelo die portugiesische Atlantikküste. 2012 wurde in Loano (Ligurien) das erste Tier in Italien nachgewiesen. Inzwischen hat die Art fast ganz Frankreich mit Ausnahme des Nordostens besiedelt.Classements du frelon asiatique et mise à jour de sa distribution Inventaire national du patrimoine naturel (INPN), Muséum national d’histoire naturelle, 11. Februar 2013. DNA-Analysen zeigen, dass Stand 2023 alle in Europa vorkommenden Asiatischen Hornissen wahrscheinlich auf eine Königin zurückgehen.
Deutschland
Mit dem Fund eines Nests in Büchelberg in Rheinland-Pfalz 2014 ist die Reproduktion der Art auch in Deutschland erstmals nachgewiesen worden.
In Baden-Württemberg wurde die Art ebenfalls 2014 in Waghäusel (Nordbaden) und 2016 in Freiburg im Breisgau (Südbaden) gesichtet; Nester wurden 2017 auch in Karlsruhe gefunden. Im Oktober 2019 wurden Exemplare im südhessischen Lorsch und in Mannheim nachgewiesen.
2019 wurde erstmals ein Fund in Hamburg bekannt, 2020 fand man mittels Besenderung von Arbeiterinnen (Radiotelemetrie) zwei Nester und entfernte sie. Genetische Untersuchungen zeigten, dass die Tiere in Hamburg eng mit den übrigen bisher in Europa gefundenen Hornissen verwandt sind und so eine Einschleppung aus Asien ausgeschlossen werden kann. Es wird wegen der großen Distanzen zwischen den einzelnen Invasionsgebieten vermutet, dass die Art nach ihrer Verschleppung in Europa durch LKW-Transporte verbreitet worden ist.
Im August 2022 wurde in Freiburg ein weiteres Nest entdeckt. Ebenfalls im August 2022 wurden verschiedene Sichtungen von Vespa velutina-Individuen bei der Jagd an Bienenstöcken in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen; im ersten Halbjahr 2024 haben sich in diesem deutschen Bundesland die Sichtungen gegenüber Juni 2023 vervielfacht. Auch Imker in der Westpfalz berichteten Anfang 2023 von einer Ausbreitung der Vespa velutina. Im September 2023 wurde ein Nest in Badenweiler im Markgräflerland entdeckt.
Bis 2024 hat sich die Art in Deutschland stark verbreitet und wurde mittlerweile aus fast allen Bundesländern gemeldet. Flächendeckende Vorkommen gibt es jedoch nur regional, beispielsweise im Rhein-Main-Neckar-Gebiet, am Niederrhein oder nahe an Luxemburg.siehe auch oekotest.de.
Im März 2024 richtete Baden-Württemberg eine zentrale Stelle zur Bekämpfung der Art ein: bei der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim – laut Landes-Umweltministerium wurden in diesem Bundesland 2023 550 Nester gefunden, abgesehen von der Dunkelziffer zwanzig Mal so viele wie 2022. Eine Übersichtskarte zu den Meldungen findet sich bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).
Im Mai 2024 erfolgte eine erste Sichtung im Nordwesten Deutschlands; hier wurde ein Tier in Rhauderfehn gesichtet und getötet. Im August des Jahres wurde die Ausbreitung der Art am Hochrhein im Landkreis Lörrach konstatiert.
Am 24. März 2025 meldete Deutschland der EU die Umstufung der Asiatischen Hornisse auf Artikel 19 der EU-Verordnung 1143/2014 als „etablierte“ Art.Umweltbundesamt, Häufig gestellte Fragen zur Asiatischen Hornisse, umweltbundesamt.de vom 20. März 2026. Nach Artikel 19 entfällt die Bekämpfungs- und Ausrottungspflicht, wenn eine Art bereits weit verbreitet ist. Deutschland geht damit von der Bekämpfungsphase in die Managementphase über. Vor der Umstufung waren die Umweltministerien der Bundesländer dazu verpflichtet, gemeldete Nester von den örtlichen Naturschutzbehörden entfernen zu lassen. In der Managementphase muss Deutschland der EU Maßnahmen zum Management der invasiven Art melden, damit „Auswirkungen auf die Biodiversität und die damit verbundenen Ökosystemdienstleistungen sowie gegebenenfalls auf die menschliche Gesundheit oder die Wirtschaft minimiert werden“.
Im Juli 2026 wurde die Hornisse erstmalig in Brandenburg nachgewiesen.
Im August 2026 wurde die Hornisse erstmalig in Sachsen nachgewiesen.
Großbritannien
Auf der Insel Großbritannien wurde das erste Nest 2016 in Rayleigh (Essex) gefunden. Im gleichen Jahr wurden auch die Kanalinseln erreicht, wo sie seitdem bekämpft wird.Hornet hunters: the crack squad keeping an invasive species at bay on Jersey., 19. Juni 2023, The Guardian (englisch).
Belgien Das erste Nest in Flandern wurde am 22. November 2017 in der westflämischen Stadt Poperinge entfernt. Der Ort liegt nur wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt.De Aziatische hoornaar nestelt zich in Vlaanderen, standaard.be, mmmm Im Jahr 2018 wurde die Asiatische Hornisse bereits in allen flämischen Provinzen gesichtet. Um die Ausbreitung in Flandern zu überwachen, wurde im Jahr 2018 das Bürgerwissenschaftsprojekt „Vespa-Watch“ ins Leben gerufen.Vespa-Watch: Invasiemonitoring van de Aziatische hoornaar met hobbyimkers en het publiek. inbo.be
In Ostbelgien wird die Asiatische Hornisse aktiv bekämpft. Im September 2026 hat die Hilfeleistungszone im Norden der Region vier Nester entfernt, in den südlich gelegenen Eifelgemeinden drei. Private Fachfirmen beseitigten zusätzlich mehr als 20 Nester. Außerdem werden selektiv Fallen ausgebracht. Im Norden der Region konnten so 2026 mehr als 1000 Gründerinnen gefangen werden; im Süden waren es etwas über 500.Hilfeleistungszone der DG: Bekämpfung der Asiatischen Hornisse geht in die nächste Phase, brf.be, 23. September 2026
Die Niederlande
2017 wurde in Zeeland eine erste Beobachtung aus den Niederlanden registriert, 2023 war die Art in allen Provinzen gemeldet.
Schweiz
In der Schweiz wurde Ende April 2017 eine fortpflanzungsfähige Königin in Fregiécourt, Kanton Jura, gefangen. Im Dezember 2019 wurde in Mont-sur-Rolle, Kanton Waadt, ein Nest entdeckt. Im Oktober 2020 wurde in Ludiano, Kanton Tessin, ein Exemplar entdeckt. Im selben Jahr wurde in Genf ein Exemplar gefangen. Im August 2022 wurde in Münchenstein, Kanton Basel-Landschaft, ein Exemplar nachgewiesen. Um das betreffende Nest aufzufinden, waren vorher zwei Arbeiterinnen in einem befallenen Bienenstock mit Minisendern versehen worden. Der Kanton hat eine Meldeseite eingerichtet. Inzwischen hat sie sich in mehreren Kantonen etabliert. Während im Kanton Luzern im Jahr 2024 erst zwei Nester bestätigt wurden, waren es 2025 bereits 29. Die Schweiz hat infolge der raschen Ausbreitung die Bekämpfung mit Bioziden unter klar definierten Voraussetzungen auch im Wald zugelassen und dazu die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung per 1. Oktober 2025 entsprechend angepasst. Unter www.asiatischehornisse.ch wurde eine nationale Meldeplattform eingerichtet.
Luxemburg
Im September 2020 wurde die Art erstmals in Luxemburg nachgewiesen.
Ungarn
Am 22. August 2023 wurde die Asiatische Hornisse nahe der österreichischen Grenze beobachtet. Das Ungarische Naturwissenschaftliche Museum hat zwei der gefundenen Exemplare aus Kimle untersucht und bestätigt, dass es sich um die Vespa velutina handelt.
Österreich
Am 11. April 2024 wurde die erste Sichtung aus Salzburg gemeldet.
Im Juni 2026 in Vorarlberg wurden – erstmals für Österreich – Nester entdeckt.
Tschechien
Das erste Vorkommen in der Tschechischen Republik wurde am 5. Oktober 2023 registriert. Feuerwehrleute entfernten am 9. Oktober das Nest in der Krone einer Akazie am Stadtrand von Pilsen. In dem Nest, das von den Mitarbeitern des Westböhmischen Museums untersucht wurde, entdeckten die Naturforscher unter anderem mehrere junge Königinnen.
USA
Im August 2023 wurden in Savannah von einem Imker ungewöhnliche Hornissen gesichtet. Lewis Bartlett von der University of Georgia identifizierte sie als Vespa velutina.
Lebensweise