mini|Georg Quander (2011) Georg Quander (* 29. November 1950 in Düsseldorf) ist ein deutscher Opern- und Filmregisseur, Musikjournalist, Autor und Kulturmanager. Von 1991 bis 2002 leitete er als Intendant die Deutsche Staatsoper Berlin. Von 2005 bis 2013 war er Beigeordneter für Kunst und Kultur (Kulturdezernent) der Stadt Köln.Hartmut Wilmes: Kölnische Rundschau, 30. Dezember 2011 Von 2018 bis 2023 war er Künstlerischer Direktor der Musikkultur Rheinsberg gGmbH und zugleich von 2018 bis 2025 Künstlerischer Leiter der Kammeroper Schloss Rheinsberg.

Leben und Karriere Georg Quander, Sohn des Tierarztes Joachim Quander, studierte nach seinem Abitur 1970 am Düsseldorfer Görres-Gymnasium Theaterwissenschaften, Musikwissenschaft, Kunstwissenschaft, Kunstgeschichte und Altamerikanistik an der FU Berlin und arbeitete seit 1973 während des Studiums als Dramaturg, freier Musikjournalist und Autor für verschiedene Rundfunkanstalten, Zeitungen und Kulturinstitutionen. Seit 1979 war Quander Musikredakteur beim damaligen SFB-Hörfunk und -Fernsehen (bis 1987) und arbeitete von 1988 bis 1991 als Hauptabteilungsleiter Musik und Unterhaltung beim damaligen RIAS Berlin.

Von 1991 bis 2002 war er Intendant der Staatsoper Unter den Linden Berlin an der Seite des Generalmusikdirektors Daniel Barenboim. In dieser Zeit hat er die DDR-Staatsoper in einen modernen Opernbetrieb umgewandelt und die Zahl der Mitarbeiter von rund 1.400 auf 700 reduziert, dies ohne Skandale. Neben der künstlerischen Neuprofilierung des Hauses galt sein Hauptanliegen, das Opernhaus Unter den Linden wieder in die Reihe der führenden Opernhäuser der Welt zurückzuführen, zu denen es in seiner langen Geschichte und vor der Nazi-Zeit und der deutschen Teilung stets gehört hatte. Er verpflichtete namhafte Regisseure wie Harry Kupfer, Patrice Chéreau, Dieter Dorn, Jürgen Flimm, Peter Mussbach und Peter Greenaway und holte Dirigenten wie Zubin Mehta, Claudio Abbado, Carlo Maria Giulini, Christoph von Dohnányi, Georg Solti und Michael Gielen regelmäßig ans Haus. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit galt dabei der Pflege des barocken und vorklassischen Opernrepertoires, das größtenteils in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten René Jacobs und zum ersten Mal im Repertoire eines großen Opernhauses konsequent auf Original-Instrumenten gemäß den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis realisiert wurde. Darüber hinaus hat Quander immer wieder Uraufführungsaufträge vergeben.

2001 ernannte ihn der Bremer Senat zum Professor.Namen & Fakten. Oper & Tanz 2001/05, abgerufen am 2. Januar 2015. Als Honorarprofessor unterrichtete er im berufsbegleitenden Studiengang Musik- und Kulturmanagement an der Fachhochschule Bremen.

Am 28. April 2005 wurde der parteilose Georg Quander auf Vorschlag von CDU und SPD mit großer Mehrheit vom Rat der Stadt Köln für acht Jahre zum Dezernenten für Kunst und Kultur gewählt. Damit trat er nach einer Vakanz von rund einem Jahr die Nachfolge der plötzlich verstorbenen Marie Hüllenkremer an, nachdem die Kandidatur des Kasseler Theaterintendanten Christoph Nix gescheitert war.

In seiner Amtszeit hat sich Quander unter anderem für eine erhebliche Aufstockung des Kulturetats eingesetzt, der in den Jahren bis 2009 von 99 Mio. € um rund 50 % auf 156 Mio. € erhöht wurde. Er stärkte die Etats der 9 städtischen Museen Kölns, verschaffte ihnen wieder Ankaufs- und Ausstellungsetats, sorgte für eine bessere finanzielle Ausstattung von Oper, Schauspiel und Gürzenich-Orchester sowie eine vermehrte Förderung der Freien Szene.

Unter dem Motto Kulturmetropole am Rhein wurde Ende 2008 ein Kulturentwicklungsplan erarbeitet, der dann vom Rat der Stadt diskutiert und verabschiedet wurde.Kultur-Entwicklungsplan: Spitze und Spritze. Kölner Stadt-Anzeiger, 25. November 2008.

Dorothea Marcus: Interviewt in: akt. Die Kölner Theaterzeitung 28/2011, Dezember 2011. In Quanders Kölner Amtszeit fällt auch die Eröffnung der Akademie der Künste der Welt Köln und des Zentrums für Alte Musik. Quander war Mitglied des Kulturausschusses des deutschen Städtetags sowie von 2007 bis 2013 Vorsitzender des NRW-Kultursekretariats.

Zudem traf Quander zahlreiche, für das Kulturleben Kölns wichtige Personalentscheidungen. So holte er die Regisseurin Karin Beier als Intendantin an das Schauspiel Köln, das sich unter ihrer Leitung zu einer der erfolgreichsten deutschen Schauspielbühnen entwickelte, mehrfach zum Theater des Jahres gewählt und regelmäßig zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen wurde. Ihre Nachfolge trat auf Quanders Vorschlag hin im Jahr 2013 Stefan Bachmann an. Nach dem Ausscheiden von Christoph Damann berief er 2009 Uwe Eric Laufenberg zum Intendanten der Oper Köln, der diese erfolgreich neu positionierte und für seine Spielzeit 2011/12 den Titel Opernhaus des Jahres erringen konnte. Zugleich wurde das Haus zum „Ärgernis des Jahres“ gewählt, weil die Stadt Köln Laufenberg fristlos gekündigt hatte (und später einer einvernehmlichen Vertragsaufhebung zustimmen musste). In Quanders Amtszeit wurden ferner die Direktion des Historischen Archivs, der Stadtbibliothek und des Stadt-Konservators, sowie 6 der 9 städtischen Museumsdirektoren neu berufen.

2009 kam es infolge des U-Bahn-Baus zum Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln. Der Großteil der wertvollen historischen Dokumente aus der über 1000-jährigen Stadtgeschichte, die unter Trümmern begraben waren, wurden in einer beispiellosen Rettungsaktion geborgen und werden seither in dem großen neu eingerichteten Restaurierungs- und Digitalisierungs-Zentrum wieder lesbar und benutzbar gemacht.

Im Dezember 2012 hat sich der Rat der Stadt Köln gegen seine Wiederwahl als Kulturdezernent ausgesprochen. Die Fraktionen von SPD, Grünen und FDP haben gegen, die CDU, Linke und die übrigen Ratsmitglieder für eine Verlängerung gestimmt. Für seine Wiederwahl hatten sich zahlreiche Kulturinitiativen, etwa die Theaterkonferenz und Initiativen der freien Szene, das Kölner Kulturnetz, der Kölner Kulturrat, Leiter städtischer Kultureinrichtungen, das Gürzenich-Orchester, die Fördervereine der städtischen Kölner Museen und der Personalrat der Kulturverwaltung ausgesprochen. Quanders Amtszeit endete am 31. Mai 2013.Offener Brief: Quander dankt der Kulturszene. Kölner Stadt-Anzeiger, 21. Dezember 2012; abgerufen am 30. Dezember 2012

In den Jahren 2014–2018 arbeitete Georg Quander freischaffend. So drehte er für den WDR eine vierteilige Fernsehdokumentation über die Opernhäuser in Nordrhein-Westfalen, deren umfangreiche Recherchen er im Kölner Wienand Verlag auch als Buch veröffentlichte. Ferner inszenierte bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik Johann Adolph Hasses frühe Oper Semele. 2018 wurde er vom Aufsichtsrat der Musikkultur Rheinsberg zum Künstlerischen Direktor des aus der Kammeroper Schloss Rheinsberg und der Bundes- und Landesmusikakademie Rheinsberg hervorgegangenen Instituts berufen. Hier ist er für das Profil und die Weiterentwicklung der Musikakademie sowie das von Siegfried Matthus gegründete Internationale Festival Junger Opernsänger verantwortlich. 2019 gründete er zudem die Osterfestspiele Schloss Rheinsberg, die sich mit Konzerten, Opern-, Theateraufführungen und literarischen Programmen thematisch an dem legendären Musenhof des Prinzen Heinrich orientierten. Im Rahmen der Osterfestspiele und während des Sommerfestivals inszenierte Quander mehrfach und profilierte die Kammeroper Rheinsberg dabei immer wieder auch durch die Ausgrabung „zu Unrecht in Vergessenheit geratener Opernstücke“.Märkische Oderzeitung, 4. April 2026 Kritik zu Paisiellos „Il Barbiere di Siviglia“ Ein herausragendes Ereignis stellte hierbei die international gefeierte, erste Wiederaufführung nach 240 der Oper Silla von Carl Heinrich Graun auf einen Text von Friedrich dem Großen nach mehr als 240 Jahren dar, deren vier Kastratenrollen von vier der weltbesten Contertenören gestaltet wurden.

Georg Quander war mit Jutta, geb. Blaznik (1954–2013), verheiratet und hat zwei Töchter. In zweiter Ehe ist er seit 2021 mit Alexandra, geb. Bielewicz, verheiratet.

Filme

1983: für die ARD Bilder einer Ausstellung nach Wassily Kandinsky und Modest Mussorgsky 1986: für die ARD Die Sterne dürfet Ihr verschwenden. 25 Jahre Deutsche Oper Berlin, Buch und Regie 1986: Aufforderung zum Tanz. Klavierwerk Carl Maria von Weber, 1986 1986–1988: für die ARD fünfteilige Filmdokumentation Musikstadt Berlin 1994: für die ARD Filmdokumentation über die Inszenierung von Harry Kupfer, Hoffmanns Erzählungen 2004: Le nozze di Figaro, Aufzeichnung der Aufführungen bei den Ludwigsburger Festspielen, SWR 2015–2016: für den WDR Wie du warst! Wie du bist! - Das Opernland Nordrhein-Westfalen. Vierteilige Filmdokumentation 2022: Hänsel und Gretel, Aufzeichnung der Aufführungen bei der Kammeroper Schloss Rheinsberg / accentus music

Uraufführungen und Inszenierungen

1980 Uraufführung bei den Schwetzinger Festspielen Hippolyt und Aricia deutsche Textfassung nach Simon-Joseph Pellegrin und Jean-Philippe Rameau 1981 Uraufführung bei den Berliner Festwochen Montezuma von Carl Heinrich Graun, deutsche Textfassung nach Friedrich II. / P. Tagliazucchi 1984 Buch und Inszenierung Das Schweigen des Lord Chandos nach Hugo von Hofmannsthal, Musik von J. Brettingham Smith, (Uraufführung bei den Berliner Festwochen) 1987 Inszenierung Belshazar von Volker David Kirchner am Staatstheater Braunschweig 1993 Inszenierung Turandot von Giacomo Puccini am Staatstheater Saarbrücken 1994 Inszenierung Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck am Staatstheater Saarbrücken 1997 und 1999 Inszenierung Solimano von Johann Adolph Hasse bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, an der Deutschen Staatsoper Berlin und bei den Dresdner Musikfestspielen 2000 Robert le diable (Robert der Teufel) von Giacomo Meyerbeer an der Deutschen Staatsoper Berlin, Erstaufführung nach der textkritischen, neuen Meyerbeerausgabe von Peter Kaiser und Wolfgang Kühnhold, Ricordi 2003 Inszenierung Der Freischütz am Theater Koblenz 2004 Inszenierung Le nozze di Figaro bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen 2018 Inszenierung Semele von Johann Adolph Hasse, Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2019 Inszenierung Gli Orazi e i Curiazi von Domenico Cimarosa, Kammeroper Schloss Rheinsberg 2021 Inszenierung Fidelio oder Die eheliche Liebe, Aufführung der Urfassung von 1805, anlässlich des Beethoven-Jubiläums 2020, Kammeroper Schloss Rheinsberg 2021 Inszenierung Hänsel und Gretel, Uraufführung einer Kammerfassung für Solisten und Kammerorchester (Instrumentation Christian van den Berg), Kammeroper Schloss Rheinsberg 2022 Inszenierung Die Entführung aus dem Serail, Uraufführung einer neuen Dialogfassung und des unvollendeten Duetts Pedrillo-Belmonte zu Beginn des 3. Aktes 2022 und 2023 Inszenierung Silla von Friedrich II./Carl Heinrich Graun, erste Wiederaufführung nach 240 Jahren, Koproduktion der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik und der Osterfestspiele Schloss Rheinsberg 2023 Inszenierung La Molinara von Giovanni Paisiello, Kammeroper Schloss Rheinsberg 2024 Inszenierung Iphigenie in Aulis von Christoph Willibald Gluck, Osterfestspiele und Kammeroper Schloss Rheinsberg 2025 Inszenierung Die Fledermaus, Uraufführung einer neuen Fassung für Solisten, Chor und Salonorchester (Instrumentation Christian van den Berg), Kammeroper Schloss Rheinsberg 2026 Inszenierung Il Barbiere di Siviglia von Giovanni Paisiello, Osterfestspiele und Kammeroper Schloss Rheinsberg

Publikationen (Auswahl)

Montezuma als Gegenbild des großen Friedrich. In: Preußen. Versuch einer Bilanz, Band 4, Rowohlt Verlag, Berlin 1981, S. 121–134. Schauplätze für Musik. Tendenzen im amerikanischen Musiktheater der Gegenwart, in: Hellmuth Kühn: Musiktheater heute. Mainz u. a., 1982, S. 105ff. Hrsg. mit Hellmut Kühn: Gustav Mahler. Ein Lesebuch mit Bildern. Orell Füssli, Zürich 1982, ISBN 3-280-01377-1.