Rauenzell ist ein Gemeindeteil der Stadt Herrieden im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Rauenzell hat eine Fläche von 12,574 km². Sie ist in 1269 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9908,57 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Rös und Velden und die Kugelmühle, Rösmühle, Schreinermühle.
Geografie Durch das Pfarrdorf fließt der Rösgraben, ein rechter Zufluss des Schreinermühlbachs, der wiederum ein linker Zufluss der Altmühl ist. Im Westen grenzt der Steinbachforst an, 0,75 km nordwestlich liegt das Röther Holz. Im Süden liegt das Flurgebiet Am Judenweg, 0,75 km südwestlich liegt der Schulberg (). 1 km westlich bei dem Tieffeld gibt es einen Modellflugplatz.
Geschichte Aus dem Grundwort des Ortsnamens „-zell“ kann geschlossen werden, dass der Ort von einem Kloster gegründet wurde. In Frage kommt hierfür das Herriedener Benediktinerkloster St. Vitus. Da das Kloster nur von 797 bis 888 bestand, muss der Ort in diesem Zeitraum gegründet worden sein. Das Bestimmungswort des Ortsnamens „Rauh“ verweist auf die Herstellung von Rauhwaren.J. Göppel: Rauenzell – Die Wallfahrt im Wald. S. 280.
Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1801) wird der Ort folgendermaßen beschrieben:J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Bd. 4, Sp. 432 f.
Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Ansbach.
Im Jahre 1806 kam Rauenzell an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Rauenzell gebildet, zu dem Höfstetten, Hohenberg, Kugelmühle, Leutenbuch, Rös, Rösmühle, Roth, Schreinermühle, Seebronn und Velden gehörten. Wenig später entstand die Ruralgemeinde Rauenzell, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Herrieden zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Herrieden (1919 in Finanzamt Herrieden umbenannt, seit 1929 Finanzamt Ansbach). Der Ort hatte ursprünglich ein Marktrecht. Dort als Rauhenzell aufgelistet. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurden zwei Ruralgemeinden gebildet: Hohenberg mit Höfstetten, Leutenbuch, Roth und Seebronn; Rauenzell mit Kugelmühle, Rös, Rösmühle, Schreinermühle und Velden. Ab 1862 gehörte Rauenzell zum Bezirksamt Feuchtwangen (1939 in Landkreis Feuchtwangen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis beim Landgericht Herrieden (1879 in das Amtsgericht Herrieden umgewandelt), seit 1931 ist das Amtsgericht Ansbach zuständig. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 7,158 km². Am 1. Juli 1971 wurde sie im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Herrieden eingemeindet.
In der Nähe des Ortes stehen die Reste der ehemaligen Wallfahrtskirche St. Salvator. In Rauenzell gibt es die katholische Pfarrei Mariä Heimsuchung mit Kirche, Friedhof und Kindergarten.
Bau- und Bodendenkmäler In Rauenzell gibt es 13 Baudenkmäler: Am Judenweg; Veldener Straße: Bildstock, historisierend, 1923; am Ortsausgang Richtung Velden. Am Schutz 32: Ausleger mit Wirtshausschild, wohl späteres 18. Jahrhundert Bodenwiesen; St 2249: Wegkreuz, gusseisernes Kruzifix mit Marienfigur auf Sandsteinsockel, um 1880/90; 500 Meter außerhalb an der Straße nach Herrieden Breitfeld: Bildstock, achtseitiger Pfeiler mit viergiebeligem Aufsatz, spätmittelalterlich, daneben freistehender Steinaltar, wohl gleichzeitig; am Fußweg nach Herrieden, etwa 900 m westlich außerhalb des Ortes Eisenfeld: Wegkreuz, gusseisernes Kruzifix auf Sandsteinsockel, zweite Hälfte 19. Jahrhundert, 1,4 Kilometer vor dem Ortsausgang in Richtung Rös Fuchsloch: Wegkreuz, gusseisernes Kruzifix auf Sandsteinsockel, spätes 19. Jahrhundert, 2 Kilometer vor dem Ortsausgang in Richtung Rös Nähe Veldener Straße: Wegkapelle, kleiner massiver Satteldachbau, Natursteinquader, mit Muttergottesfigur, bezeichnet 1848, am südlichen Ortsrand bei Veldener Straße 6 Röser Straße 2: Relief Heilige Anna Selbdritt, im Giebel eingemauert, zweite Hälfte 16. Jahrhundert, von der abgegangenen Wallfahrtskirche. Steinbach-Trüdinger Forst: Bildstock, massiv, vorkragendes Giebelgehäuse mit Satteldachabschluss und Rundbogennischen, wohl spätmittelalterlich, im Steinbachwald, etwa 500 Meter südöstlich der Pfarrkirche Steinbach-Trüdinger Forst: Bildstock, spätmittelalterlich, vorkragendes Giebelgehäuse und Rundbogennischen; im Steinbachwald, etwa 1000 Meter südöstlich der Pfarrkirche Zum Steinbachwald 4: Bildstock, Steinpfeiler mit Blechkreuz, 18. Jahrhundert, an der Hauptstraße nördlich der Brücke Zum Steinbachwald 21: Katholische Friedhofskapelle St. Johann, quadratischer, außen achteckiger gewölbter Raum, 15. Jahrhundert, verändert im 17. und 18. Jahrhundert, langhausartiger Westvorbau 1950, mit Ausstattung Zum Steinbachwald 21: Friedhof, ummauerte ehemalige Wehranlage, Grabdenkmäler, 19./20. Jahrhundert Gusseisenkruzifixus, um 1900, bei der Kirche Zum Steinbachwald 21: Katholische Pfarrkirche Mariä Heimsuchung, einschiffiger flachgedeckter Bau mit eingezogenem Chor, 14./15. Jahrhundert, Westturm 1748, Verlängerung nach Osten 1821, Vorzeichen und Ölbergnische mit volkstümlichen Figuren, wohl 17. Jahrhundert nach Vorbild des 15. Jahrhunderts, mit Ausstattung; Gusseisenkruzifix, neben der Kirche, um 1900; katholische Friedhofskapelle St. Johann, quadratischer, außen achteckiger gewölbter Raum, 15. Jahrhundert, verändert im 17. und 18. Jahrhundert, langhausartiger Westvorbau 1950; Friedhofsummauerung, ehemalige Wehranlage, wohl spätmittelalterlich, Veränderungen 19./20. Jahrhundert Zum Steinbachwald 23: Pfarrscheune, Fachwerkbau, mit massivem Erdgeschoss, 18. Jahrhundert, im Inneren Bauteile und Balkenkonstruktion, 1616 Zum Steinbachwald 23: Pfarrhaus, zweigeschossiges Gebäude mit Mansardwalmdach, nach Plänen von Anton Meyer, 1788; Scheune, eingeschossiger Bau mit Halbwalmdach, in Teilen Fachwerk, 18. Jahrhundert, im Inneren Bauteile und Balkenkonstruktion, 1616; erhaltene Teile der Einfriedung, gusseiserner Zaun und Steinpfeiler, um 1900
Einwohnerentwicklung Gemeinde Rauenzell Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 380 433 425 429 402 415 416 398 440 418 396 390 361 390 409 436 433 405 409 613 655 649 562 596HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 82 73 85 82 82 84 86 94 107 Quelle Für die Gemeinde Rauenzell zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Kugelmühle mit 6 E. und 1 F. (S. 51), Rös (S. 76), Rösmühle (S. 76), Schreinermühle mit 3 E. und 1 F. (S. 83) und Velden (S. 97).
Ort Rauenzell Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2024 Einwohner 258 267 267 274 253 228 286 446 393 429 588 702Häuser 53 42 50 52 57 63 72 63 Quelle
Religion Der Ort ist römisch-katholisch geprägt und Sitz der Pfarrei Mariä Heimsuchung. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession waren ursprünglich nach Sommersdorf gepfarrt, seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Pfarrei Christuskirche (Herrieden) zuständig.
Verkehr Die Staatsstraße 2249 führt nach Herrieden (3,5 km westlich) bzw. nach Burgoberbach (3,5 km östlich). Die Kreisstraße AN 55 führt nach Rös (2,5 km nördlich) bzw. nach Velden (1 km südlich). Bis in die 1970er Jahre hatte Rauenzell einen eigenen Bahnhof an der mittlerweile stillgelegten Bahnstrecke Leutershausen-Wiedersbach–Bechhofen.Rauenzeller Bahnhof auf der Website woernitz-franken
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Ortsteil von Herrieden Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach