mini|hochkant|Das angebliche Wappen des Dogen mit dem Hahn, wie es die Musei Civici von Venedig bis 2008 auf ihrer Website präsentierten.Cronologia dei Dogi dal 697 al 1084, Musei Civici di Venezia, archive.org, 18. November 2008. Bei den Wappen frühmittelalterlicher Dogen handelt es sich um bloße Rückprojektionen neuzeitlicher Familienwappen. Die Heraldik setzte erst im 3. Viertel des 12. Jahrhunderts ein. Später wurden auch Wappen an die frühen Dogen vergeben, die nie ein Wappen geführt hatten („fanta-araldica“); dies diente dazu, die Familien dieser Epoche mit möglichst frühen Dogen in ein verwandtschaftliches Verhältnis zu setzen, was ihnen Ansehen sowie politischen und gesellschaftlichen Einfluss verschaffte. Es wurden also die Wappen der sehr viel späteren Nachfahren dieser Dogen, vor allem seit dem 17. Jahrhundert, auf die angeblichen oder tatsächlichen Mitglieder der (angeblich) seit 697 in Venedig herrschenden Familien zurückprojiziert: „Il presupposto di continuità genealogica su cui si basava la trasmissione del potere in area veneziana ha portato come conseguenza la già accennata attribuzione ai dogi più antichi di stemmi coerenti con quelli realmente usati dai loro discendenti“ (Maurizio Carlo Alberto Gorra: Sugli stemmi di alcune famiglie di Dogi prearaldici, in: Notiziario dell’associazione nobiliare regionale veneta. Rivista di studi storici, n. s. 8 (2016) 35–68, hier: S. 41). Giovanni Galbaio (* Mitte des 8. Jahrhunderts; † nach 803) war nach der venezianischen historiographischen Tradition, wie die staatlich gesteuerte Geschichtsschreibung häufig genannt wird, der 8. Doge der Republik Venedig, aber auch der erste Mitdoge, da er nicht gewählt, sondern von seinem Vater eingesetzt wurde. Iohannes, wie er in den zeitnahen Quellen heißt, geriet im Kampf gegen die Langobarden, die unter König Desiderius versuchten, Istrien zu erobern, in deren Gefangenschaft. Aus dieser wurde er zu einem unbekannten Zeitpunkt entlassen.

Schon zu Lebzeiten seines Vaters Mauritius (I.) wurde er im Jahr 785 (auch 778 wurde genannt) zum Mitherrscher erhoben. Damit war er der erste Doge, der nicht von der Volksversammlung gewählt wurde. Er regierte nach dem Tod seines Vaters von 787 bis 803 allein, wobei die jüngere Forschung annimmt, dass er erst 797 zum alleinregierenden Dogen wurde. Mit Mauritius, Johannes sowie dessen Sohn Mauritius (II.), den Iohannes zum Mitdogen erhob, bildeten die Galbaii eine erste, wenn auch kurzlebige Dogendynastie in den Jahren 764 bis 803.

Ähnlich wie zur Zeit seines Vaters geriet der Dukat Venedig in die Auseinandersetzungen zwischen dem Frankenreich unter Karl I., der 774 das Langobardenreich erobert hatte, und dem Byzantinischen Reich, zu dem die Lagune von Venedig mit ihren städtischen Zentren formal noch immer gehörte. Dabei eskalierte mit der Kaiserkrönung Karls im Jahr 800 und dem Tod der Kaiserin Irene im Jahr 802Antonio Carile, Giorgio Fedalto, Roberta Budriesi: Le origini di Venezia, Bologna 1978, S. 345. der Streit zwischen den Großmächten ihrer Zeit (Zweikaiserproblem).

Nach dem Mord an Johannes, dem Patriarchen von Grado, musste der gleichnamige Doge gemeinsam mit seinem Sohn Mauritius (II.) fliehen, der auf Geheiß seines Vaters den Patriarchen von einem Turm hatte stürzen lassen. Der weitere Verbleib der beiden Dogen ist nicht überliefert, ebenso wie der Zeitpunkt ihres Todes, wenn auch Mantua genannt wurde, bzw. „Francia“. Die venezianische Tradition akzeptierte den Sohn des Iohannes, der von seinem Vater als Doge eingesetzt worden war, nie als Amtsinhaber, wenn sich auch in der venezianischen Historiographie Hinweise finden, dass es zur Legitimität des zweiten Mauritius spätestens im 18. Jahrhundert abweichende Auffassungen gab. Mauritius (II.) erscheint dementsprechend nicht in der traditionellen Liste der 120 Dogen, die die späte venezianische Tradition kennt.Vgl. Andrea Da Mosto: I Dogi di Venezia, Venedig 1939, Nachdruck: Mailand 2003, S. 90–92.

Mehrere patrizische Familien führten sich auf den Dogen, bzw. seine Familie zurück, darunter die Calbo, Querini und Canal.Andrea Da Mosto: I Dogi di Venezia, Venedig 1939, Nachdruck: Mailand 2003, S. 5.

Leben und Herrschaft mini|Fränkische Eroberungen zwischen 768 und 816; venezianisches Territorium Herkunft, Zeit vor dem Dogenamt Der Name von Johannes’ Vater ist zwar bekannt, jedoch nicht der seiner Mutter. Er hatte wahrscheinlich zwei Schwestern, nämlich Agata und Suria.Dabei ist es allerdings auch denkbar, dass diese beiden nicht Töchter des ersten, sondern des zweiten Mauritius waren, also Enkelinnen des Johannes (Andrea Castagnetti: Famiglie e affermazione politica, in: Storia di Venezia, Bd. I: Origini-Età ducale, Rom 1992, S. 613–644, hier: S. 615). Von seinem Vater wurde Johannes mit einflussreichen Positionen ausgestattet, darunter militärischen. So kämpfte er auf Seiten der Byzantiner gegen die Langobarden, die ab 770 versuchten, Istrien zu erobern, und in deren Gefangenschaft Johannes 772/773 geriet – ob es sich dabei um Johannes handelte, stellte Heinrich Kretschmayr 1905 en passant in Frage.„Der Sohn des Dux Mauritius – Johannes? – war in den Jahren 772/3 Gefangener des Königs“ (Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, 3 Bde., Bd. 1, Gotha 1905, S. 53). Diese Geiselnahme wird nämlich nur im Liber pontificalis erwähnt, während die venezianischen Quellen diesen Vorgang (wohlweislich?) verschweigen.

Fränkische Eroberung des Langobardenreiches Der Langobardenfeldzug Karls endete mit der Unterwerfung der Langobarden unter ihrem König Desiderius und der Besetzung weiter Teile seines Reiches in den Jahren 773 und 774. Auf Karls Betreiben wurde Johannes möglicherweise freigelassen, vielleicht auch schon 772 oder 773. Dem Dogen Mauritius gelang es, vom byzantinischen Kaiser die Bestätigung seines Sohnes als Nachfolger im Dogenamt zu erhalten. mini|Denar Karls, 1,27 g, geprägt in Treviso 771–793/4 (Revers: „TARVISO“) Mit den Franken trat eine noch aggressivere Macht in Oberitalien auf, die sich zudem mit dem Papst im Bündnis sah. Letzterer beanspruchte erhebliche Teile Oberitaliens. Daher wurden die venezianischen Händler 785 aus der Pentapolis – das sind die in den Marken gelegenen fünf Orte Rimini, Pesaro, Fano, Senigallia und Ancona – verbannt. 787/788 eroberten die Franken zudem das benachbarte Istrien, eine Eroberung durch eine fremde Macht, gegen die sich Johannes knapp zwei Jahrzehnte zuvor im Zusammenhang mit dem Besetzungsversuch der Langobarden gewehrt hatte.

Ehepolitik zwischen Frankenreich und Byzanz, Benevent mini|Tremissis Grimoalds III. von Benevent Von Byzanz war keine Hilfe zu erwarten, da gerade zwischen den Franken und Byzanz die Verlobung von Karls Tochter Rotrud mit dem byzantinischen Prinzen Konstantin arrangiert worden war. In Benevent, dem letzten langobardischen Machtbereich, wurde Anfang 788 Grimoald (III.) aus fränkischer Geiselhaft entlassen und gegen den päpstlichen Willen zum Nachfolger seines Vaters gemacht. Er musste Karl den Treueeid schwören, den Bart scheren und die fränkische Oberhoheit auf Siegeln und Münzen anerkennen. Adelchis, der Sohn des Königs Desiderius, stand im Bund mit Byzanz, doch erlitt er mit seinen byzantinischen Verbündeten noch 788 eine vernichtende Niederlage. Nach diesem Sieg heiratete Grimoald eine Schwägerin Kaiser Konstantins VI. namens Euanthia. Die Franken sahen dies als Provokation und griffen nun ihrerseits 791 Benevent an. Doch konnte dies der Unabhängigkeit der Langobarden im Süden der Halbinsel nichts mehr anhaben.

Allerdings entwickelte sich die genannte Allianz, die auch Benevent und Venedig gleichermaßen hätte gefährden können, die zwischen Karl und Konstantin angestrebt wurde, nicht im Sinne einer der beiden Mächte. Die Spannungen spitzten sich zu, als Karl nicht zu dem von Kaiserin Irene 787 einberufenen Konzil von Nicäa eingeladen wurde und Karl als Reaktion im Juni 794 eine eigene Synode in Frankfurt einberief, welche die gleichen Probleme ohne byzantinische Teilnahme behandelte.

Bistum Olivolo (Castello) gegen den Willen des Patriarchen von Grado Johannes’ Bestreben war es, sich an dem Patriarchen von Grado, dem Rivalen Venedigs um die Vorherrschaft in Venetien, zu rächen, der 785 die Vertreibung der venezianischen Kaufleute aus der Pentapolis betrieben hatte. Sein Vater hatte das Bistum Olivolo von Grado abgespalten und dort, in der Lagune von Venedig, zwischen 774 und 776 Obeliebatus als Bischof eingesetzt (Johannes Diaconus, S. 98 f.). Grado war wiederum Teil des Frankenreiches. Diese Abspaltung führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit einem weiteren Johannes, dem Patriarchen von Grado, der seine Rechte verletzt sah.

Mitregentschaft und Nachfolge auf dem Dogenstuhl, Grado erkennt Olivolos neuen Bischof nicht an Der amtierende Doge Mauritius, dessen Sohn zu einem unbekannten Zeitpunkt aus der Gefangenschaft entlassen worden war, versuchte ab 778/779 – vielleicht nach byzantinischem Vorbild – eine Mitregentschaft seines Sohnes durchzusetzen. Mit dem Tod seines Vaters erbte Johannes das Amt des Dogen. Der neue Doge vermied es – auch dies ein Verstoß gegen das Herkommen –, das Einverständnis des „Volkes“ einzuholen.

Nachdem den Franken die Eroberung Istriens gelungen war, erhöhte der Patriarch von Grado den Druck auf das Dukat Venedig, denn ihm waren seine Einnahmequellen in den eroberten Gebieten entzogen worden. Er konzentrierte sich nun auf sein neues Bündnis mit dem Papst und den Franken, deren Expansion er unterstützte. Als Bischof Obeliebato von Olivolo 795 starb, sollte ihm der griechischstämmige Cristoforo – „nacione grecus“ (Andrea Dandolo, S. 124) – nachfolgen. Patriarch Johannes weigerte sich jedoch, den neuen Bischof anzuerkennen.

Forschungsdiskussion um Zeitpunkt des Amtsantritts In der modernen Forschung, seien es die Arbeiten von Roberto Cessi oder Girolamo Arnaldi und Massimiliano PavanMassimiliano Pavan, Girolamo Arnaldi: Le origini dell’identità lagunare, in: Storia di Venezia, Bd. I: Origini-Età ducale, Rom 1992, S. 441–443, 446, 450., von Gherardo OrtalliGherardo Ortalli: Il Ducato e la „civitas Rivoalti“: tra Carolingi, Bizantini e Sassoni, in: Storia di Venezia, Bd. I: Origini-Età ducale, Rom 1992, S. 725–729, 737. oder Andrea CastagnettiAndrea Castagnetti: La società veneziana nel Medioevo, Bd. I: Dai tribuni ai giudici, Verona 1992, S. 61 f.; Ders.: Famiglie e affermazione politica, in: Storia di Venezia, Bd. I: Origini-Età ducale, Rom 1992, S. 613–644, hier: S. 614., wird die Dauer der Regierungszeiten, wie sie auf die Chronik des Andrea Dandolo, also auf das 14. Jahrhundert zurückgehen, nicht mehr akzeptiert. Die Chronik des Johannes Diaconus, die wohl um 1000 entstanden ist, wird daher zur Begründung herangezogen, dass der Doge Johannes erst 797, also zehn Jahre später als bei Andrea Dandolo, ins Amt kam. mini|Das Placitum vom Risano, benannt nach einem Fluss bei Capodistria, mit 172 Zeugen. Es erwähnt erstmals Slawen im Umkreis von Triest und sammelt Beschwerden gegen erhöhte Dienste, Übergriffe und dergl. Gezeichnet wurde es auch von Fortunatus, zu dieser Zeit noch Bischof von Pula.

Sohn und Mitdoge Mauritius (II.), fränkisch-byzantinischer Streit Johannes wiederum erhob nach dem Procedere, das schon sein Vater Mauritius eingeschlagen hatte, seinen eigenen, gleichnamigen Sohn Mauritius (II.) zum Dogen. Dieses Verfahren aus eigenem Machtanspruch, ohne jede äußere Legitimation, wurde nie anerkannt, und so erscheint sein Sohn auch in keiner der Dogenlisten. In der Chronik des Johannes Diaconus (S. 99) und in der des Andrea Dandolo (S. 124) deutet sich eine negative Beurteilung des Verhaltens des Dogen Johannes an.