Jane Beß (auch Jane Bess; * 28. November 1891 als Rosette Herta Rosenthal in Posen; † Ende März / Anfang April 1944 im KZ Auschwitz) war eine deutsche Drehbuchautorin und Filmproduzentin.

Leben Die geborene Herta Rosenthal, eine Tochter des jüdischen Zahnkünstlers Max Rosenthal und seiner Frau Luise, geb. Cohn,Staatsarchiv Posen, Geburtsregister Standesamt Posen, Nr. 2031/1891 (szukajwarchiwach.gov.pl). wuchs zunächst in ihrer Geburtsstadt Posen auf. Seit 1898 Halbwaise, übersiedelte sie 1902 mit ihrer Mutter nach Berlin, wo sie später die Universität besuchte. Ab 1914 war sie Gesellschafterin des Michael Wilhelm & Co. Filmvertrieb und ab 1915 Inhaberin der Tiger-Film. Bei der Produktion ...und die Gerechtigkeit fand den Weg ist erstmals ihre Mitwirkung als Drehbuchautorin überliefert. Ab 1917 zeichnete sie mit ihrem Pseudonym Jane Beß.

Jane Beß erwies sich als ungemein produktive Stummfilmautorin. Sie schrieb vor allem die Stoffe zu Kriminal- und Abenteuerfilmen, daneben auch für Melodramen und Filmkomödien. Ihren Angaben zufolge verfasste sie bis 1926 die Drehbücher zu 128 Filmen, wovon jedoch nur gut die Hälfte nachweisbar sind. Oft arbeitete sie mit den Regisseuren Wolfgang Neff, Siegfried Dessauer und Willy Zeyn senior zusammen. Beß lieferte ihre Drehbücher verschiedenen Filmfirmen und wirkte bei einer davon, der Ima-Film, zugleich als Dramaturgin. In dieser Funktion bearbeitete sie die eingereichten Stoffideen.

Von 1910 bis 1920 war Beß mit dem Rechtsanwalt Leonhard Holz und von 1921 bis 1925 mit dem Direktor der Ima-Film Alfons Fruchter verheiratet.Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin XII a, Nr. 199/1910 (Ancestry.com).Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Wilmersdorf, Nr. 1404/1921 (Ancestry.com). Mit Holz hatte sie ab 1912 eine gemeinsame Tochter. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 emigrierte sie zunächst in die Niederlande. Dort schrieb sie 1935 ihr letztes Drehbuch. Kurz darauf wurde ihr die preußische und damit deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, 11. Juli 1935, Erste Beilage, S. 2 (uni-mannheim.de). 1937 stand ihr Name nochmals mit der Berufsangabe „Schriftstell[erin]“ im Berliner Adressbuch. Noch im selben Jahr verließ sie abermals das Deutsche Reich und ging nach Paris, wo sie ihren ersten Ehemann erneut heiratete.Archives de Paris, Heiratsregister 17. Arrondissement, Nr. 478/1937 (archives.paris.fr, Scan 21). 1940 wurden sie und ihr Ehemann in Frankreich interniert und am 27. März 1944 mit dem Transport Nr. 70Rosetta Holz. In: Holocaust Survivors and Victims Database. vom Lager Drancy in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde Jane Beß dort kurz nach ihrer Ankunft ermordet. Leonhard Holz hingegen wurde noch zur Zwangsarbeit verpflichtet, ehe er in den letzten Kriegsmonaten 1945 zunächst ins KZ Mauthausen und dann ins KZ Flossenbürg kam, wo vermutlich auch er eines gewaltsamen Todes starb. Für ihn wurde 2009 ein Stolperstein vor seiner ehemaligen Wohnung in Berlin-Wilmersdorf verlegt.

Filmografie Als Hert(h)a Holz (P: als Produzentin, D: als Drehbuchautorin) 1915: Zwischen Lipp’ und Kelchesrand (P) 1915: Perlen bedeuten Tränen (P) 1916: Stumme Zeugen (P) 1916: … und die Gerechtigkeit fand den Weg (D, P) 1916: Die Möbelpolonäse (P) 1916: Die vier Finger (P) 1917: Die Schuld einer Frau (P) 1917: Die abgeschnittene Ehr’ (P) 1917: Die Heirat mit Hindernissen (P)

Als Jane Beß (wenn nicht anders angegeben, als Drehbuchautorin) 1917: Die Nichte aus Amerika 1918: Kinder der Straße 1919: Die Juwelenmarder von San Francisco 1919: Sklaven des Kapitals 1919: Margot de Plaisance (Vorlage) 1919: In den Krallen des Vampyrs 1919: Die Erbschaft von New York 1919: Seine Kammerzofe 1920: Die Todesmaske 1920: Das grüne Plakat 1920: Der Sklavenhalter von Kansas-City 1920: Das Geheimnis der Mitternachtsstunde 1920: Der Plan der Drei 1920: Der Mann in der Falle 1920: Der Spitzel 1920: Der Unerkannte 1920: Menschliche Hyänen 1920: Das Geheimnis der Spielhölle von Sebastopol 1920: Das eherne Gesetz 1920: Der schwarze Gast 1920: In den Goldfeldern von Nevada 1920: Apachenrache, 3. Teil: Die verschwundene Million 1920: Apachenrache, 4. Teil: Der Affenmensch 1920: Rafaello, das Rätsel von Kopenhagen, 1. Teil: Das Mysterium des Hauses Ragmar 1920: Der Schrecken der Millionäre 1920/21: Nat Pinkerton im Kampf (2 Teile) 1921: Hände hoch (2 Teile) 1921: Ratten der Großstadt, 1. Teil: Die geheimnisvolle Nacht 1921: Großstadtmädels (3 Teile) 1921: Lola, die Apachenbraut (2 Teile) 1921: Das Achtgroschenmädel. Jagd auf Schurken (2 Teile) 1921: Verbrechen in der Wallstreet 13 1921: Der Sohn des Verbrechers 1921: Das Kind der Straße (2 Teile) 1921: Die Brillantenmieze (2 Teile) 1921: Die Hafenlore (2 Teile) 1921: Die kleine Midinette 1921: Razzia 1921: Morast 1921: Gelbstern 1922: Brudermord 1922: Schande 1922: Schamlose Seelen oder Ein Mädchenhandel 1922: Bummellotte 1922: Der Roman einer Halbweltdame 1922: Kaschemmengräfin 1922: Der Heiratsschwindler 1922: Die Zigarettengräfin 1922: Schie-Bo-Li (auch Regie) 1922: Im Glutrausch der Sinne (2 Teile) 1922: Die Macht einer Frau 1922: Das Lebensroulette 1924: Das Herz der Lilian Thorland 1924: Der Aufstieg der kleinen Lilian 1925: Die Moral der Gasse 1926: Der goldene Schmetterling 1926: Zopf und Schwert 1926: Die geschiedene Frau 1926: Staatsanwalt Jordan 1926: Der lachende Ehemann 1926: Dagfin 1926: Die Königin des Weltbades 1926: Ledige Töchter 1927: Die Bräutigame der Babette Bomberling 1927: Funkzauber 1927: Die Frau mit dem Weltrekord 1927: Der Sprung ins Glück 1927: Die Sandgräfin 1928: Wer das Scheiden hat erfunden 1928: Die Geliebte seiner Hoheit 1928: Die Königin seines Herzens 1928: Frauenarzt Dr. Schäfer 1928: Das Spiel mit der Liebe 1928: Ein Mädel mit Temperament 1928: Lockendes Gift 1928: Die Abenteurer G.m.b.H. 1929: Die Zirkusprinzessin 1929: Die Frau im Talar 1930: Einbruch im Bankhaus Reichenbach 1931: Der Tanzhusar 1931: Hilfe! Überfall! 1932: Hasenklein kann nichts dafür 1935: Der Murrkopf (De Kribbebijter)

Literatur Matthäus Edinger, Hans-Michael Bock: Jane Beß – Drehbuchautorin, Produzentin. In: Hans-Michael Bock (Hrsg.): CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film. Lieferung 61, edition text + kritik, München 2021; mit einem Essay von Jürgen Kasten, Lieferung 18, 1991. Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 565.

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Einzelnachweise

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