mini|Das Gemälde Kurfürst Joachim II. von Brandenburg von Lucas Cranach d. J. um 1570, Jagdschloss Grunewald rahmenlos|class=notpageimage skin-invert-image|zentriert|140px mini|Der spätere Kurfürst Joachim II., gemalt 1529 von Lucas Cranach d. Ä. Joachim II. „Hector“ (* 13. Januar 1505 in Cölln; † 3. Januar 1571 in Köpenick) aus dem Geschlecht der Hohenzollern war von 1535 bis 1571 Markgraf von Brandenburg sowie Kurfürst und Erzkämmerer des Heiligen Römischen Reiches.
Leben Jugend Joachim II. war der älteste Sohn von Joachim I. Nestor und Elisabeth von Dänemark, Norwegen und Schweden. Als Gegenleistung für die kurfürstliche Stimme des Vaters bei der Königswahl kam es 1517–1518 zu Heiratsangeboten mit der Tochter des französischen Königs und der 10-jährigen Enkelin des Kaisers.
Seine Mutter neigte früh der Lehre Martin Luthers zu und musste deshalb 1528 vor seinem Vater fliehen. Durch das Testament seines Vaters von 1534 gingen die Neumark und weitere Landesteile als Markgrafschaft Brandenburg-Küstrin an seinen jüngeren Bruder Johann. 1524 heiratete Joachim II. die Tochter Magdalene des sächsischen Herzogs und band sich damit zunächst stärker an die katholische Seite.
1532 zog er als Führer des Kontingents des Niedersächsischen Kreises in einen Kriegszug gegen die Türken, kehrte als Sieger zurück und ließ sich unter großem Pomp mit dem Beinamen Hector feiern.
1533 band ihn der Vater im Hallischen Bündnis noch einmal an die katholische Seite und verpflichtete die Söhne in seinem Testament 1534, auf ewig katholisch zu bleiben.
Beginn der Regentschaft 1535 übernahm Joachim nach dem Tod des Vaters die Regentschaft in Brandenburg. Nach dem Tod von Magdalene 1534 heiratete er in zweiter Ehe Hedwig von Polen, eine Tochter von König Sigismund I. Mit seinem Bruder Johann stritt er nahezu ein Jahr um die Ansprüche auf die Neumark, die auf Betreiben des Vaters von der Mark Brandenburg abgetrennt worden war und dies schließlich bis 1571 auch blieb.
Der neue Kurfürst ließ eine Hofkirche in der nahegelegenen Dominikanerklosterkirche errichten und mit prachtvollen Kunstwerken und Reliquien aus vielen Kirchen und Klöstern der Mark ausstatten. Nach dem Vorbild der von Lucas Cranach dem Älteren für seinen Onkel Kardinal Albrecht von Brandenburg, Kurfürst und Erzbischof von Mainz, für dessen Hallenser Stiftskirche 1519–1525 gemalten 16 Passionsaltäre mit 140 Bildtafeln gab Kurfürst Joachim II. bei Cranach einen Passions-Zyklus zum Ersatz der alten Altäre in Auftrag. Hiervon haben sich neun Mitteltafeln erhalten die heute im Jagdschloss Grunewald ausgestellt sind.Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Cranach und die Kunst der Renaissance unter den Hohenzollern: Kirche, Hof und Stadtkultur, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2009, ISBN 978-3-422-06910-7, S. 19–20.SPSG, Cranachs Passionszyklus im Jagdschloss Grunewald 1536 wurde die Kirche geweiht und die Überreste seines Vaters und Großvaters aus dem Kloster Lehnin überführt. 1538 begann er mit dem Umbau des Schlosses.
Zu den engsten Vertrauten des Kurfürsten wurden im Verlauf seiner Regierungszeit der Rat Eustachius von Schlieben, der Hofmarschall Adam von Trott, der Kämmerer Matthias von Saldern und der spätere Kanzler Lampert Distelmeyer.
Wiederzulassung für Juden in der Mark Brandenburg Nachdem Philipp Melanchthon auf dem Fürstentag zu Frankfurt am Main im Frühjahr 1539 den versammelten Reichsfürsten, darunter Joachim, den märkischen Pogrom von 1510 im Ergebnis des Berliner Hostienschänderprozesses anlässlich einer fingierten Hostienschändung als Justizverbrechen auseinandergesetzt hatte, war Josel von Rosheim an Joachim II. herangetreten und erreichte die Zusage, Juden die seither verbotene Niederlassung in der Mark Brandenburg wieder zu gestatten. In der Folge beider Begegnungen öffnete Joachim II. zunächst am 25. Juni 1539 die Mark wieder für Juden.Eugen Wolbe, Geschichte der Juden in Berlin und in der Mark Brandenburg, Berlin: Kedem, 1937, S. 64.
Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg mini|Joachim II. nimmt das heilige Abendmahl in beiderlei Gestalt; Radierung von Bernhard Rode, 1783 1539 führte Joachim eine neue Kirchenordnung in der Mark Brandenburg ein, nach Konsultationen mit Philipp Melanchthon. Diese übernahm die reformatorische Praxis der Priesterehe und des Kelches für Laien beim Abendmahl und die Lehre von der Rechtfertigung nach Luthers Theologie. Ansonsten bemühte er sich, die katholischen Traditionen beizubehalten, um bei Verhandlungen im Reich ein Gesprächspartner für beide Seiten bleiben zu können.
Am 1. November 1539 nahm er persönlich erstmals an einem Gottesdienst mit der Feier des Abendmahls in beiderlei Gestalt teil, wahrscheinlich in der Spandauer Nikolaikirche. Dieses Ereignis wurde allerdings in zeitgenössischen Zeugnissen nur sehr unklar überliefert, sodass der genaue Ablauf bis heute nicht eindeutig zu rekonstruieren ist.Der Ort war immer strittig, siehe neueste Literatur: Mathis Leibetseder: Kurfürst und Konfession. Der Gottesdienst vom 1. November 1539 als Teil kurfürstlicher Positionierungen im religiösen Feld des 16. Jahrhunderts. In: Frank Göse (Hrsg.): Reformation in Brandenburg. Verlauf, Akteure, Deutungen. Berlin 2017. S. 91–112 Adolf Laminski: Die offizielle Einführung der Reformation in Brandenburg begann am 1. November 1539 zu Berlin-Kölln. In: Herbergen der Christenheit. 19 (1995). S. 107–109. Karl Themel: Was geschah am 1. und 2. November 1539 in Berlin und Spandau? In: Jahrbuch für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte, 40 (1965), S. 86–123.1. November 1539 Reformation in der Mark Brandenburg Rekonstruktion nach den überlieferten Quellen Am 2. November fand wahrscheinlich ein weiterer evangelischer Gottesdienst in der Berliner Nikolaikirche statt.
In der Folgezeit wurden die Klöster und Stifte in der Mark Brandenburg säkularisiert.
Feldherr im Türkenkrieg Nachdem die osmanischen Türken im September 1541 Ofen und Pest erobert hatten, bewilligte der Reichstag zu Speyer 1542 Gelder für einen neuen Feldzug gegen die Türken in Ungarn. Joachim II. Hector erhielt für diesen Feldzug als Reichs-Oberfeldhauptmann den Oberbefehl über das Reichsheer. Mit etwa 60.000 Mann und 60 Geschützen begann er Ende September 1542 die Belagerung von Pest. Unter anderem weil unter den Soldaten Fleckfieber ausbrach, musste er die Belagerung und den Feldzug kurz darauf abbrechen und sich kläglich zurückziehen.Bertrand Michael Buchmann: Österreich und das Osmanische Reich. Eine bilaterale Geschichte. Wien 1999, S. 99. Sein Beiname „Hector“ trug ihm nunmehr Spott und Hohn ein.Johannes Schultze: Neue Deutsche Biographie.
Anhäufung des Schuldenbergs 1542 begann Joachim II. mit dem Bau des Jagdschlosses Zum grünen Walde und ließ einen Dammweg vom Berliner Stadtschloss dorthin errichten. Dieser ursprüngliche Dammweg sollte später Kurfürstendamm genannt werden und Jahrhunderte danach in ganz anderer Gestaltung Bekanntheit erlangen. Joachim II. hatte durch seine verschwenderische Hofhaltung und Bautätigkeit schon bis 1544 einen Schuldenberg von 700.000 Reichsthalern oder umgerechnet rund 1.000.000 Gulden angehäuft. Er förderte ab 1543 aus finanziellen Gründen die Ansiedlung der Juden in Brandenburg, die hohe Sondersteuern zahlen mussten (Judenregal). Vor allem in der Messestadt Frankfurt an der Oder entstand daher schon seit 1539 eine große Gemeinde.
mini|Standbild Joachims II. vor der Nikolaikirche in Berlin-Spandau von Erdmann Encke (1889); es erinnert an den Übertritt des Kurfürsten zum lutherischen Glauben in dieser Kirche im Jahre 1539
Nachdem Joachims Hoffaktor Michael von Derenburg bei Überführung kurfürstlicher Einkünfte von Frankfurt an der Oder nach Berlin am 23. April 1549 einem Raubüberfall zum Opfer gefallen und bald darauf tödlich verunglückt warJaeger, Hans, "Michel von Derenburg" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 440 f. Online-Version , ernannte der Kurfürst im Jahre 1556 den 13 Jahre früher aus Prag eingewanderten Lippold Ben Chluchim zu seinem Kämmerer und Hoffaktor (Hofjude), außerdem zum Vorsteher aller märkischen Juden und 1567 zudem zum Münzmeister.Ingo Materna, Wolfgang Ribbe, Kurt Adamy: Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, 1995, ISBN 3-05-002508-5, S. 279. (Digitalisat) Als Münzmeister verlegte dieser die Münze in die Poststraße 4 im Nikolaiviertel (heute Geschäftshaus Kurfürstenhöfe).
Am 18. März 1558 unterschrieb Joachim II. gemeinsam mit Ottheinrich von der Pfalz, August von Sachsen, dem Pfalzgrafen Wolfgang von Zweibrücken, Herzog Christoph von Württemberg und Landgraf Philipp von Hessen den von Philipp Melanchthon entworfenen Frankfurter Rezess, in dem er sich zur Augsburgischen Konfession bekannte. Des Weiteren veranlasste er im Jahre 1558 den Bau des Schlosses Köpenick nach dem Abriss der Überreste einer alten Burg.
Nach dem Tode seines Onkels Albrecht 1568 erstrebte Joachim II. Hector Miterbe des Herzogtums Preußen zu werden. Hieraus mag sich erklären, dass Joachim II. auch nach seiner Konversion zu den versöhnlichen Kräften im Reich zählte und vor allem nicht dem Schmalkaldischen Bund beitrat. Da das Herzogtum Preußen zu der Zeit ein polnisches Lehen war, galt es beim polnischen König Sigismund II. August unter dem damals üblichen finanziellen Aufwand die Mitbelehnung zu erreichen. Dies gelang, 1569 belehnte der König, zugleich Schwager Joachims II., ihn und die Berliner Hohenzollern als erbberechtigt im Herzogtum Preußen. Zu diesem Zweck – und wegen der auch sonst verschwenderischen Hofhaltung Joachims II. – unterwarf der Kurfürst die Einwohner der Mark, insbesondere die jüdischen, hohen Steuern. Joachim II. schreckte auch nicht vor Münzverschlechterung und Konfiskationen zurück.
Zwangsmaßnahmen gegen die Kaufleute Märkische Kaufleute, die von außerhalb der Mark Waren importierten, mussten diese in gewogenem Edelmetall bezahlen, da die märkische Münze wegen ihres herabgesetzten Edelmetallgehalts nicht mehr im Ausland akzeptiert wurde. Joachim II. verbot jedoch die Münze zu herabgesetzten Kursen zu berechnen. Entsprechend entzogen sich die Kaufleute den Zwangskursen, indem sie zunächst ihre Außen- und Großhandelsgeschäfte in fremder Währung tätigten, und nachdem Joachim II. dies verboten hatte, in gewogenem Edelmetall zahlten. Darauf reagierte der Kurfürst mit einem Verbot, Edelmetall zu nutzen und zu besitzen. In Edelmetall erlangte Verkaufserlöse mussten zu verordneten, die entwertete Landesmünze hoch taxierenden, Zwangskursen an die Landeskasse verkauft werden.Eugen Wolbe: Geschichte der Juden in Berlin und in der Mark Brandenburg, Berlin: Kedem, 1937, S. 74. Märkische Juden mussten darüber hinaus teuer Edelmetall importieren, das sie dann unter Einstandspreis zu diktierten Inlandspreisen an den Kurfürsten liefern mussten.Eugen Wolbe: Geschichte der Juden in Berlin und in der Mark Brandenburg, Berlin: Kedem, 1937, S. 75. Das machte es Kaufleuten unmöglich, zu kostendeckenden Erlösen im- und exportieren zu können. Lippold war als Münzmeister beauftragt die Zwangsmaßnahmen gegen die Kaufleute, lutherische und jüdische gleichermaßen, durchzusetzen. Zu den Maßnahmen gehörten auch Hausdurchsuchungen bei Kaufleuten, wobei gefundenes – verbotenerweise gehaltenes – Edelmetall zu Gunsten des Landesherrn beschlagnahmt wurde.
Zuweilen bizarre Lebens- und Amtsführung