Heinrich Plütschau (auch Plütschow oder Plütscho, * um 1676 in Wesenberg (Mecklenburg); † 4. Januar 1752 in Beidenfleth in Holstein)Laut Sterberegister 1752 (Archiv der ev.-luth. Pfarrei Beidenfleth/Holstein) verstarb Plütschau am 4. Januar 1752 und nicht, wie oft angenommen, 1746/47). Vgl. Werner Raupp (Hrsg.): Plütschau, Heinrich, 1994 (w.o., Lit.), Sp. 757 f.). war mit Bartholomäus Ziegenbalg der erste deutsche evangelische Missionar.
Leben und Werk
Plütschau besuchte das Friedrichswerdersche Gymnasium in Berlin unter dessen Rektor Joachim Lange und studierte danach Theologie an der Universität Halle. Dort kam er in Kontakt mit August Hermann Francke, dem Gründer des Glauchaschen Waisenhauses. Auf eine Anfrage des dänischen Königs Friedrich IV. nach potentiellen Missionaren wurden Plütschau und sein Studienkollege Bartholomäus Ziegenbalg von Joachim Lange vorgeschlagen. Durch ihre am 29. November 1705 erfolgte Aussendung in die dänische Kolonie Trankebar an der Südostküste Indiens entstand die Dänisch-Hallesche Mission.
Die Missionare hatten bereits während der Überfahrt angefangen, Portugiesisch zu lernen, die dortige lingua franca. Im April 1706 waren sie einige Tage am Kap der Guten Hoffnung, um sich erholen zu können. Nach der Ankunft am 9. Juli 1706 in Südindien vertieften sie sich zusätzlich in die Tamilische Sprache („Malabarische Sprache“). Mit zunehmender Arbeit teilten sich die Missionare ihre Gemeindeaufgaben. Plütschau konzentrierte sich auf die Gemeindemitglieder, welche Portugiesisch beherrschten, und Ziegenbalg, auf Grund seiner besonderen sprachlichen Fähigkeiten, auf die tamilischsprachige Gemeinde.
Bereits 1711 musste Plütschau aber aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurückkehren. Zudem musste er in der Heimat die Mission gegen Kritik, auch des dänischen Königshofs, rechtfertigen und verteidigen. In Halle gab er um 1713 den kleinen Katechismus in Tamil heraus und unterrichtete Missionskandidaten in dieser Sprache und auch in Portugiesisch. Kurze Zeit war er Direktor des neuen Missionsseminar in Kopenhagen, das wegen Mangel an Studenten bald geschlossen wurde; zudem hielt ihn Francke als ungeeignet für die Leitung dieses Seminars.Plütschau, Heinrich (1677-1752). Pioneer missionary of the Tranquebar mission, Boston University, Website bu.edu, abgerufen am 21. September 2026
Im Jahr 1714 heiratete er Dorothea Dietrichsen († 1751), aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor.Plütschau, Heinrich, Persons of Indian Studies by Prof. Dr. Klaus Karttunen, Website whoaswho-indology.info (19. März 2017, englisch, abgerufen am 21. September 2026) Im gleichen Jahr erhielt er die Pfarrstelle als lutherischer Pastor in Beidenfleth, das damals vom dänischen König regiert wurde, wo er 36 Jahre lang bis zum Jahr 1750 als lutherischer Pfarrer wirken konnte.
Literatur Daniel L. Brunner: Collaboration and Conflict in Europe around the Early Tranquebar Mission, Portland Seminary, 136, George Fox University, Portland 2008 (online). Hans-Werner Genischen: Plütschau, Heinrich, in: Biographical Dictionary of Christian Missions, ed. Gerald H. Anderson, Macmillan Reference USA, New York 1998, S. 540–541. W. Germann: Ziegenbalg und Plütschau, Erlangen 1868. Viktor Hantzsch: Der königlich dänischen Missionarien aus Ostindien eingesandter Ausführlichen Berichten Erster Theil, Halle 1718.
Arno Lehmann: It Began at Tranquebar: The Story of the Tranquebar Mission and the Beginnings of Protestant Christianity in India: Published to Celebrate the 250th Anniversary of the Landing of the First Protestant Missionaries at Tranquebar in 1706, Christian Literature Society on behalf of the Federation of Evangelical Lutheran Churches in India, Madras 1956. Stephen Neill: A History of Christianity in India, 1707-1858, Cambridge University Press, Cambridge 1985. Johann Lucas Niekamp: Kurtzgefaßte Mißions-Geschichte, Halle 1740.
Werner Raupp (Hrsg.): Mission in Quellentexten. Geschichte der Deutschen Evangelischen Mission von der Reformation bis zur Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910, Erlangen/Bad Liebenzell 1990 (ISBN 3-87214-238-0 / 3-88002-424-3), S. 138–163 (Einführung, Quellen, Lit. zur Dänisch-Halleschen Mission). Werner Raupp: Plütschau, Heinrich, in: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG), 4. Auflage, Band 6 (2003), Sp. 1411–1412. Martin Tamcke: Heinrich Plütschau – the man in Ziegenbalg’s shadow, in: Halle and the beginning of Protestant Christianity in India, Halle 2006, S. 547–566.
Weblinks
Hans Paul: Heinrich Plütschau, Website amycarmichel.bplaced.net.
Plütschau, Heinrich (1677-1752). Pioneer missionary of the Tranquebar mission, Boston University, Website bu.edu (amerikanisches Englisch). Friedhelm Hans: Evangelische Missionstätigkeit und Entwicklungshilfe und der Tsunami (Pfälzisches Pfarrerblatt)
Einzelnachweise
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