Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) bzw. das Freiwillige Umweltjahr (FUJ) ist ein Freiwilligendienst in geeigneten Stellen und Einrichtungen, die im Bereich des Natur- und Umweltschutzes einschließlich der Bildung zur Nachhaltigkeit tätig sind. Abs. 1 des Jugendfreiwilligendienstgesetzes Es wird von Jugendlichen im Alter von 16 bis 26 Jahren Abs. 1 Nr. 1 des Jugendfreiwilligendienstgesetzes als überwiegend praktische Hilfstätigkeit, die an Lernzielen orientiert ist, in Deutschland und in Österreich geleistet. Es dauert in der Regel 12 Monate, kann aber auch in einem Zeitraum zwischen sechs und achtzehn Monaten absolviert werden. In der Regel beginnt es am 1. August oder 1. September.

Deutschland Das Freiwillige Ökologische Jahr kann bei der Stiftung für Hochschulzulassung, ehemals ZVS, als Wartesemester angerechnet werden. Es wird von den Ländern und einzelnen Trägern finanziell unterstützt und durchgeführt. Die Teilnehmer organisieren sich darüber hinaus auch selbständig in Landes- und Bundesgremien.

Das Freiwillige Ökologische Jahr kann auch im Ausland abgeleistet werden, zum Beispiel in Frankreich als sogenanntes Deutsch-Französisches Ökologisches Jahr, welches vom BUND in Rheinland-Pfalz organisiert wird.

FÖJ-Träger sind meist Naturschutzvereine und Umweltschutzvereine, teils deren Jugendorganisationen. Diese Träger übernehmen durch ihre staatliche Anerkennung die Auswahl der Einsatzstellen und Betreuung der Teilnehmer des freiwilligen ökologischen Jahres sowie die Verwaltung der staatlichen Fördergelder.

Es gibt zurzeit etwa 3.300 FÖJ-Einsatzstellen in Deutschland. Dazu kommen noch etwa 600 ÖBFD-Stellen (Ökologischer Bundesfreiwilligendienst).

Einsatzstellen mini|FÖJ'lerin der Biologischen Station Hochsauerlandkreis beim Einsatz einer Mulchraupe Listen der Einsatzstellen (EST) gibt es bei den Trägern im jeweiligen Bundesland. Als EST kommen gemeinnützige Einrichtungen in Frage, die in ihrer Arbeit ökologische Aspekte beachten und ihre vielseitigen Arbeitsbereiche und Tätigkeiten in Bereichen vom praktischen Naturschutz über Umweltbildung bis hin zur Umweltforschung haben. Jede Einsatzstelle wird von einem Träger betreut, bei dem auch der FÖJ-Teilnehmer seine Seminare besucht.

Mögliche Erfahrungs- und Arbeitsbereiche für FÖJler sind in vielfältigen Bereichen möglich. Beispielsweise in den folgenden: Land-, Forstwirtschaft und Gartenbau Umweltbildung Verbandsarbeit Umwelt-, Tier- und Naturschutz Wissenschaftlicher Umweltschutz Klimaschutz Ökologische Kinder- und Jugendarbeit

Seminare Die Träger der einzelnen Einsatzstellen organisieren mindestens 25 Seminartage. In den einzelnen Seminaren werden von den FÖJ-Teilnehmern oder den Trägern festgesetzte Themen wie Ökosysteme, Nachhaltigkeit, Demokratie oder Globalisierung behandelt. Die Ausgestaltung dieser Tage erfolgt meist durch Referenten oder Selbstorganisation. Auch können die Teilnehmer bei einigen Trägern zusätzliche Qualifizierungsbausteine wie beispielsweise die Bausteine Pädagogik oder Grüne Berufe erwerben.

Sprechersystem Das Sprechersystem des FÖJ ist basisdemokratisch aufgebaut. In jedem Bundesland gibt es verschieden viele Träger, welche mit ihren FÖJ-Teilnehmern die Seminargruppen bilden. In diesen Seminargruppen werden in der Regel zwei Gruppensprecher gewählt, welche auf Gruppensprechertreffen fahren und dort die Landessprecher (auch Bundesdelegierte genannt) wählen, welche das FÖJ im jeweiligen Bundesland repräsentieren. In etwa kommt ein Landessprecher auf fünfzig FÖJ-Teilnehmer. Anschließend nehmen alle Landessprecher der 16 Bundesländer Deutschlands an einer Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) teil, auf welcher fünf Bundessprecher gewählt werden, die das FÖJ in Deutschland und die Interessen aller FÖJ-Teilnehmer in der Öffentlichkeit, der Presse und der Politik vertreten.

Bundessprechende des Freiwilligen Ökologischen Jahres sind aktuell im Jahrgang 2025/26 Maximilian Eder, Junia Ernsting, Leyan Jansen, Ida Rietz und Clara Stiebitz.

Kosten Die Kostenträger des Unterhalts für FÖJ-Teilnehmer sind zu einem Teil die Einsatzstellen beziehungsweise deren Träger, zum anderen Teil die Bundesländer. Der Unterhalt von Teilnehmern des freiwilligen ökologischen Jahres, die manchmal noch Minderjährige sind, besteht im Prinzip aus einem monatlichen Taschengeld von ca. 180 € bis 370 € sowie Verpflegung und Unterkunft. Letztere werden gestellt, häufig aber auch ganz oder anteilig ausbezahlt. Zusätzlich können staatliche Zuwendungen, wie Kindergeld, Wohngeld und Hartz IV, bezogen werden. Die Höhe des Unterhalts ist vom jeweiligen Bundesland abhängig, wobei es gravierende Unterschiede innerhalb Deutschlands gibt. Der Bezug von Unterhalt für volljährige FÖJ-Teilnehmer durch Eltern bzw. Sorgeberechtigte ist für die Zeit des FÖJ nicht vorgesehen, insbesondere, wenn das FÖJ nur der Überbrückung einer Wartezeit dient, er wird durch die oben genannten Kostenträger geleistet. Für minderjährige FÖJ-Teilnehmer kann ein Restbedarf an Unterhalt bestehen, der in der Regel durch Eltern bzw. Sorgeberechtigte geleistet werden muss.

Rechtliche Grundlagen Die sozialrechtlichen Grundlagen für das Freiwillige Ökologische Jahr sind seit dem 1. Juni 2008 im Jugendfreiwilligendienstegesetz geregelt. Bis dahin galt das Gesetz zur Förderung eines freiwilligen ökologischen Jahres.

Bei abgeschlossenem Hochschulstudium oder Berufsausbildung kann in einigen Bundesländern kein FÖJ abgeleistet werden.

Geschichte Mit dem Gesetz zur Förderung eines Freiwilligen Ökologischen Jahres vom 17. Dezember 1993 () wurde das FÖJ offiziell mit Wirkung vom 1. September 1993 eingeführt.

Von 2002 bis zur Aussetzung des Zivildienstes im Jahr 2011 war es auch für anerkannte Kriegsdienstverweigerer (KDV) möglich, das Freiwillige Ökologische Jahr zu leisten. Im Zivildienstgesetz war u. a. geregelt, dass jeder anerkannte Verweigerer, der sich zwölf Monate lang als FÖJler engagiert und dies dem Bundesamt für den Zivildienst (BAZ) nachweisen konnte (durch die FÖJ-Trägerorganisation), nicht mehr zum Zivildienst herangezogen wurde. Das BAZ beteiligte sich nur im Falle zusätzlich eingerichteter „14 c-Plätze“ an deren Kosten. KDV mussten also schon bei der Bewerbung angeben, dass sie das FÖJ als Ersatz für den Zivildienst leisten wollen. Das „Zivi-FÖJ“ wurde nicht von allen FÖJ-Trägern angeboten. Grundsätzlich leisteten Kriegsdienstverweigerer das freiwillige ökologische Jahr zu FÖJ-Bedingungen, d. h. die Rahmenbedingungen und Besonderheiten des Zivildienstes galten hier nicht.

Teilnehmer Seit dem Jahrgang 2015/16 hat die Anzahl der Teilnehmer insgesamt zugenommen. 61 % der Teilnehmer hatten 2024 den Bildungsabschluss der (Fach-)hochschulreife. + Anzahl der Freiwilligen nach Jahren Jahrgang weiblich männlich diversk. A. Gesamt 2011/2012 1.458 1.102 2.560 2012/2013 1.551 1.137 2.688 2013/2014 1.569 1.208 2.777 2014/2015 1.528 1.272 2.800 2015/2016 1.559 1.127 2.686 2016/2017 1.666 1.115 2.781 2017/2018 1.708 1.287 2.995 2018/2019 1.763 1.186 2.949 2019/2020 1.882 1.253 7 3.142 2020/2021 1.912 1.256 7 3.175 2021/2022 2.082 1.136 40 3.258 2022/2023 1.983 1.217 21 3 3.244 2023/2024 1.933 1.229 69 1 3.232 2024/2025 2.000 1.243 62 3 3.308

Österreich

Das Freiwillige Umweltjahr (FUJ) bietet in Österreich Jugendlichen ab 17 Jahren die Möglichkeit, sich im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich zu engagieren. Hintergrund dafür ist die gesetzliche Regelung in den im Freiwilligengesetz.Bundesgesetz zur Förderung von freiwilligem Engagement (Freiwilligengesetz – FreiwG), Das FUJ richtet sich an junge Erwachsene, die sich in einer beruflichen Orientierungsphase befinden. Voraussetzung für die Teilnahme ist Interesse an Umwelt-, Naturschutz- und Nachhaltigkeitsthemen, sowie ein ärztliches Attest, das die psychische und physische Belastbarkeit für den Einsatz bestätigt.

Teilnehmer

Seit dem Beschluss des Freiwilligengesetzes im Jahr 2012 hat die Anzahl der Teilnehmer auf niedrigem Niveau stetig zugenommen. 86 % der Teilnehmer haben eine Schule mit Matura abgeschlossen, die restliche 14 % eine Universität oder Fachhochschule, 89 % haben weiterhin Familienbeihilfe bezogen.

+ Anzahl der Freiwilligen nach Jahren Jahr Frauen Männer Gesamtanzahl 2012 18 8 26 2013 12 9 21 2014 21 19 40 2015 24 17 41 2016 23 18 41 2017 24 30 54 2018 23 37 60 2019 N/A N/A N/A 2020 N/A N/A N/A 2021 N/A N/A N/Ahttps://www.freiwilligenweb.at/wp-content/uploads/2020/05/Frewilligenbericht-2019.pdf Für das Jahr 2023 sind rund 100 Einsatzplätze vorgesehen, davon 21 in Wien.https://wien.orf.at/stories/3183762

Träger

Träger für das Freiwillige Umweltjahr werden vom Umweltministerium per Bescheid anerkannt und von der Jugend-Umwelt-Plattform (JUMP) verwaltet, die auch als Dienstgeberin fungiert. Derzeit (Stand: 2020) gibt es über 50 anerkannte gemeinnützige Einsatzstellen bei Organisationen, wie National- und Naturparks, beim Klimabündnis Österreich, bei den Naturfreunden und weiteren gemeinnützigen Einrichtungen.https://www.freiwilligenweb.at/wp-content/uploads/2020/05/Frewilligenbericht-2019.pdf

Anrechenbarkeit des FUJ ECTS-Punkte

Ein FUJ beginnt grundsätzlich am 1. September des jeweiligen Jahres mit einem Lehrgang an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien, für den ECTS-Punkte für weiterführende Universitätsstudien an der Universität Wien, der Universität für Bodenkultur Wien sowie an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik gesammelt werden können.

Wehrersatzdienst

Seit 2013 kann das FUJ für Männer zu den teilweise besseren Konditionen des FUJ als Wehrersatzdienst zum regulären Zivildienst angerechnet werden und ist im Gegensatz zum neunmonatigen Zivildienst bis zum 28. Lebensjahr aufschiebbar.

Vergütung

Rechtliche Grundlage für das Freiwillige Umweltjahr ist das Bundesgesetz zur Förderung von freiwilligem Engagement (Freiwilligengesetz – FreiwG). Dieses Gesetz regelt, dass Teilnehmer während ihres FUJ Familienbeihilfe beziehen können und zusätzlich ein Taschengeld in der Höhe von 500 € (Stand: 2023), ein gratis Klimaticket Österreich, sowie täglich zwei Mahlzeiten oder Essensgeld erhalten.

Literatur Dobslaw, Fischer, Jax: Freiwilligendienste in Deutschland. interconnections

Siehe auch Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Freiwilliges Soziales Jahr Kultur Freiwilliges Soziales Jahr Politik Freiwilliges Soziales Jahr Schule Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege Anderer Dienst im Ausland Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst Europäischer Freiwilligendienst Gemeinnütziges Bildungsjahr Bundesfreiwilligendienst Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung (BFD Kultur und Bildung)

Weblinks

Allgemeine Informationen zum FÖJ beim Dachverband der FÖJ-Träger (FÖF e. V.) Übersicht über alle bundesweiten FÖJ-Träger FÖJ im Ausland Zentrale Datenbank für Freiwilligendienste im Umweltschutz Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Internetpräsenz der Bundessprechervertretung mit Forum Internetpräsenz des Vereins Ehemaliger und aktiver Freiwilliger zur Förderung des FÖJ (FÖJ AKTIV e. V.) Österreichischer Träger des FÖJs

Ökologischer Bundesfreiwilligendienst – ÖBFD Freiwilligendienste DRS Träger für das Freiwillige Ökologische Jahr in Baden-Württemberg

Einzelnachweise

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