mini|Veilsdorf von Westen Veilsdorf ist eine Gemeinde im Landkreis Hildburghausen im fränkisch geprägten Süden Thüringens.
Geografie Geografische Lage Die Kerngemeinde liegt südlich des Thüringer Waldes am Oberlauf der Werra, die den vom (in Veilsdorf Weihbach bzw. Wäbich genannten) Habergrund durchflossenen Kernort und das unmittelbar östlich angrenzende Schackendorf von Kloster Veilsdorf nördlich des Kernortes und dem 3 km westlich entfernten Heßberg trennt. Goßmannsrod liegt 4 km nordöstlich des Kernortes an der Schwaba, Hetschbach 3 km südlich nah der Rhein-Weser-Wasserscheide.
Veilsdorf liegt im Städtedreieck von Hildburghausen im Westen, Eisfeld im Osten und Bad Rodach im Süden. Im Gemeindegebiet werden Höhen von erreicht.
Die Gemeinde grenzt unmittelbar an Bayern (Regierungsbezirk Oberfranken). Die Landesgrenze ist vom Kernort nur etwa zweieinhalb Kilometer entfernt.
Nachbargemeinden Brünn/Thür. Auengrund Eisfeld Bad Rodach Straufhain Hildburghausen
Gemeindegliederung Ortsteile der Gemeinde sind: Goßmannsrod Heßberg Hetschbach Kloster Veilsdorf Schackendorf Veilsdorf
Veilsdorf bildet mit Kloster Veilsdorf und Schackendorf einen zusammenhängenden Kernort mit etwa 1800 Einwohnern.
Geschichte
Bis zum 19. Jahrhundert Im Jahre 817 wurde Veilsdorf erstmals in einer Fuldaer Urkunde erwähnt. Es gab verschiedene Namenschreibweisen: „Fiselestorp“, „Filedorff“, „Vilesdorp“, „Veihelsdorff“, „Feielsdorf“ und „Veylsdorf“.
In der Nähe des Ortes gab es ein Benediktiner-Nonnen-Kloster, welches vorher höchstwahrscheinlich eine BefestigungsanlageMichael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 257. war und dann dem Erzengel Michael geweiht wurde. 1189 wurde das Kloster erstmals urkundlich erwähnt. 1446 wurde das Nonnenkloster in ein Mönchskloster umgewandelt. Dieses wurde während des Bauernkrieges 1524/25 von Bauern abgebrannt.
Im Nordosten des Ortes gab es eine Burg, die Trigelsburg (Ingilinburg, Friselenburg) und ihr gegenüber – oberhalb der Gottesackerkirche – die Burg, genannt das Steinhaus, die den Rittern und Herren von Veilsdorf als Stammsitz diente.
1760 wurde in Veilsdorf durch Prinz Eugen von Sachsen-Hildburghausen auf dem Gelände des 1153 gegründeten und 1525 zerstörten Benediktiner-Klosters die erste Porzellanmanufaktur Thüringens gegründet. Nach 1863 begann unter Gustaf Kieser und Albert Heubach mit der Herstellung von Gebrauchs- und Industrieporzellan ein wirtschaftlicher Aufschwung. Die Fabrik, seit 1883 eine Aktiengesellschaft, hatte vor dem Ersten Weltkrieg 1300 Arbeiter und Angestellte. 1863 und 1883 fanden verheerende Brände statt, bei denen beide Male der Großteil des Dorfes zerstört wurde.
20. Jahrhundert Im Jahre 1903 brannte der Kirchturm der Trinitatiskirche durch Blitzschlag ab.
Während des Zweiten Weltkrieges mussten über 200 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion und Polen in der Porzellanfabrik Kloster Veilsdorf Zwangsarbeit verrichten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 134, ISBN 3-88864-343-0.
In Heßberg gab es ein ursprünglich heßbergisches Rittergut, das nach Verkauf von 1860 bis 1945 der Familie von Eichel-Streiber gehörte. Das Herrenhaus wurde 1948 gemäß Befehl 209 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) trotz Proteste der Einwohner abgerissen.
Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Hetschbach und Kloster Veilsdorf eingegliedert.
Am 29. November 1994 wurde Heßberg eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1994
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Veilsdorf besteht aus 14 Ratsmitgliedern, die alle fünf Jahre jeweils neu gewählt werden. Die Gemeinderatswahl am 26. Mai 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen der vorigen Wahl): Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2024 in Veilsdorf - endgültiges Ergebnis Partei/Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2019 Bürgerliste Veilsdorf 28,5 % 4 41,4 %, 6 Sitze Zukunftsfähiges Landleben Veilsdorf 17,0 % 2 – Wählergemeinschaft Heßberg 16,3 % 2 22,7 %, 3 Sitze Wählergruppe Goßmannsrod 12,6 % 2 9,5 %, 1 Sitz Rotkreuzgemeinschaft Veilsdorf 8,9 % 1 11,2 %, 2 Sitze SV EK Veilsdorf 8,9 % 1 – Feuerwehr Veilsdorf 4,9 % 1 6,3 %, 1 Sitz SPD 2,9 % 1 5,7 %, 1 Sitz Bündnis Zukunft Hildburghausen – – 3,2 %, 0 Sitze Wahlbeteiligung 67,9 % 62,3 %
Bürgermeister Am 10. April 2022 wurde Stefan Ullrich mit 57,8 % der gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 43,9 % zum neuen Bürgermeister Veilsdorfs gewählt. Er löste Herbert Heß ab, der seit 2016 Bürgermeister war.
Wappen Ein Schild geteilt – von oben rot über Silber durch drei aufrechte Spitzen, unten in schwarz eine goldene Waage.
Öffentliche Einrichtungen
Veilsdorf verfügt über eine Grundschule, drei kommunale Kindergärten in den Ortsteilen Veilsdorf, Kloster Veilsdorf und Heßberg, ein kommunal betriebenes Freibad sowie die Sportstätte Weihbachgrund mit Sporthalle und Stadion.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kirchen Aegidienkirche in Heßberg, erbaut vor 1425 Veitskirche (Friedhofskirche) in Veilsdorf, erbaut um 1308 Trinitatiskirche in Veilsdorf mit bemerkenswerter Kassettendecke und Inneneinrichtung, erbaut um 1604 – im Ensemble mit Pfarrhaus und Alter Schule
Gedenkstätten Seit 1984 erinnert auf dem Friedhof des Ortsteils Goßmannsrod eine Grabstätte mit Gedenkstein an den kommunistischen Widerstandskämpfer Albin Fischer, der mit Zuchthausstrafen belegt und ins KZ Ravensbrück deportiert wurde, wo er 1945 ermordet wurde. Der Gedenkstein wurde durch Unbekannte geschändet und nach 1992 entfernt. Kriegerdenkmal an der Leite in Veilsdorf Gedenkstätte an die Porzellanmanufaktur im Ortsteil Kloster Veilsdorf
Dialekt In Veilsdorf wird Itzgründisch, ein mainfränkischer Dialekt, gesprochen.
Wirtschaft und Verkehr
Wirtschaft
Seit 1760 wird in Veilsdorf Porzellan hergestellt. Heute befindet sich hier ein Werk der Rauschert-Gruppe mit etwa 200 Mitarbeitern, das sich auf die Herstellung technischer Keramik ausgerichtet hat. Bedeutender Arbeitgeber ist daneben die Milch Land GmbH, die neben einer modernen Milchviehanlage unter anderem einen Landmarkt mit regionalen Produkten und EDEKA-Sortiment, eine Frühstücks- und Mittagsversorgung sowie ein „Milch-Café“ betreibt. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung pendelt zur Arbeit nach Bad Rodach und Coburg in Oberfranken.
Verkehr mini|Bahnhof Veilsdorf Veilsdorf besitzt einen Bahnhof an der Werrabahn, der im Stundentakt von Zügen der Süd-Thüringen-Bahn in Richtung Eisenach bzw. Eisfeld (von dort zweistündlich weiter in Richtung Rauenstein/Sonneberg/Neuhaus am Rennweg) bedient wird.
Einzelne Busverbindungen bestehen nach Hildburghausen, Eisfeld und Waffenrod/Hinterrod.
Durch die Ortsteile Heßberg, Veilsdorf/Kloster Veilsdorf und Schackendorf verläuft die Bundesstraße 89. Eine günstige Anbindung im Individualverkehr ist durch die jeweils ca. 9 Kilometer entfernten Anschlussstellen Eisfeld-Nord und Eisfeld-Süd an der A 73 gegeben.
Bahnübergänge
In den Straßen "Bahnhofstrasse" und "Schwarzer Weg" exesiteren Bahnübergänge mit der Sicherrungs Technik "Andreaskreutz mit intigrertem Blinklicht" und Voll- (am Schwarzen Weg) sowie Halbschranken (in der Bahnhofstraße)
Tourismus
Der Werratal-Radweg verläuft direkt durch die Veilsdorfer Ortsmitte. Vor und nach dem Ort führt der Weg entlang des bewaldeten Höhenzugs der Leite. Zudem wird Veilsdorf vom Werra-Burgen-Steig sowie vom Grenzwanderweg Grünes Band tangiert.
Persönlichkeiten Friedrich Wilhelm Eugen Döll (1750–1816), Bildhauer Hermann Hahn (1868–1945), Bildhauer Albert Habermann (1913 in Schackendorf–1987), Maler und Grafiker
Einzelnachweise
Literatur Armin Human: Chronik vom Kloster Veilsdorf – Eine Quellenstudie, veröffentlicht von F. W. Gadow & Sohn, Hildburghausen 1882 Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, Herzogtum Sachsen-Meiningen, Kreis Hildburghausen, II Bd., Jena 1904
Weblinks
Website der Gemeinde Veilsdorf
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