mini|hochkant=1.5|Die Räuberbande des Schwarzen Veri, Gemälde von Johann Baptist Pflug, frühes 19. Jahrhundert Die Bezeichnung Bande ist eine Entlehnung aus dem Französischen bande „Gruppe, Schar“ und stand ursprünglich für eine Gruppe von Menschen, die sich hinter einer gemeinsamen Fahne (gotisch bandwa „Symbol, Zeichen“) versammelten. Umgangssprachlich wird damit eine Gruppe meist junger Menschen bezeichnet, die zusammen etwas unternehmen, etwa als Rasselbande, Jungenbande oder Mädchenbande. In der Hip-Hop-Szene wird dafür auch der Anglizismus Gang verwendet. Die japanischen Bōsōzoku ähneln den westlichen Tuningklubs.

Die Bedeutungsverschlechterung zu einer Gruppe von Verbrechern geht vermutlich auf den Einfluss des Wortes Bandit (italienisch bandito für „Verbannter“, „Geächteter“) zurück.Bande Wahrig Herkunftswörterbuch, abgerufen am 24. November 2020.

Historische Begriffsprägungen Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Banden häufig mit Söldnern gleichgesetzt. So definierte Meyers Konversationslexikon 1905 „Banden“ als:

Während des Russischen Bürgerkrieges wurden gegen die Bolschewiki bzw. gegen die Tscheka und die Rote Armee operierende Partisanen wie Nestor Machno als Banditen bezeichnet, um ihre politischen Motive zu denunzieren.Leggett, S. 334–338.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Begriff vor allem in der Form Bandenbekämpfung von der nationalsozialistischen Propaganda gebraucht. Die Weisung Nr. 46 (Richtlinien für die verstärkte Bekämpfung des Bandenunwesens im Osten) wurde weit ausgelegt und in allen besetzten Gebieten aufgegriffen. Die Nationalsozialisten verstanden darunter willkürlich auch unschuldige Zivilisten, Juden und feindliche Kommandoeinheiten (Gangster). Sie sollten getötet werden. Die Mehrheit der deutschen Truppen, die in der Bandenbekämpfung eingesetzt wurden, begingen abscheuliche Kriegsverbrechen, zu denen sie offiziell ermuntert worden waren.

Im Zuge der 68er-Bewegung, die sich – teilweise – in Form von terroristischen Gruppen wie der Rote Armee Fraktion, der Bewegung 2. Juni und der Revolutionären Zellen zu kriminellen Vereinigungen zusammenschloss, erfuhr der Begriff der „Bande“ in Teilen der Alternativbewegung eine positive Umdeutung. „Bildet Banden!“ war in den 1970er Jahren ein gängiger Slogan in diesem Umfeld und oft in Verbindung mit dem Konterfei Pippi Langstrumpfs in Flugschriften abgedruckt oder auf Hauswände gesprüht.

In der Hip-Hop-Szene kam es ebenfalls zu einer positiven Prägung des Begriffs „Gang“, nicht zuletzt in Form einer Romantisierung des Ghetto-Lebens. Das Leben als „Gangster“ in einer Straßenbande wird im Gangsta-Rap glorifiziert. Andererseits trat der Hip-Hop aber auch als Befriedung des Bandenwesens auf, etwa in Initiativen wie der durch den New Yorker DJ Afrika Bambaataa gegründeten, einflussreichen Organisation Zulu Nation.Vgl. Gabriele Klein, Malte Friedrich: Is this real? Die Kultur des HipHop (= Edition Suhrkamp 2315). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-518-12315-7, S. 27. Der Begriff der Gang wird hier auch für den Freundeskreis benutzt.

In den 1970er-Jahren prägte Mao Zedong, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, den Begriff Viererbande, um eine ihm missliebige Gruppe von vier Führungskräften seiner Staatspartei zu kennzeichnen, darunter Jiang Qing, seine Gattin.

In einer alternativen Wortbedeutung wird der Begriff auch für nicht-kriminelle Gruppen verwendet, insbesondere für junge Menschen, die gemeinsam etwas unternehmen.

Sozialwissenschaftliche Bedeutung Nach der ‚Theorie des schützenden Rahmens’Siegbert A. Warwitz: Die Theorie des schützenden Rahmens. In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. Schneider, Baltmannsweiler 2016, Seite 227–238. ordnet der Wagnisforscher Siegbert A. Warwitz der Bandenbildung von Jugendlichen bei ihren Risikounternehmungen und gegebenenfalls auch rechtswidrigen Handlungen eine doppelte Schutzfunktion zu: Zum einen scheint das Aufgehen in der Anonymität einer größeren Gruppe den Einzelnen als Täter schwerer identifizieren, sogar verschwinden zu lassen. Zum anderen meint man, dass die gemeinsam begangene Tat die Verantwortung für den Einzelnen verringere, weil die Schuld sich auf viele Schultern verteile. Die Ermittlung eines Haupttäters oder eines speziellen Tatanteils wird besonders dann schwierig, wenn sich die Gang als eine verschworene Solidargemeinschaft erweist:

„Als gerne genutzter schützender Rahmen dient vielen Jugendlichen bei ihren Risikounternehmungen auch die Gang: Die gemeinsam begangene Tat schwächt die Schwere des Vergehens für den einzelnen ab, so meinen sie: ‚Ich war es nicht. Wir waren es alle zusammen,’ heißt die gängige Entschuldigung, mit der die Schuldverteilung auf mehrere den einzelnen entlasten soll.“Siegbert A. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. Schneider. Baltmannsweiler 2021, ISBN 9783834016201, S. 235/236.

Unter großen Banden, die konkurrierende Absatzmärkte in gleichen geographischen Gebieten pflegen, sind Bandenkriege (wie beispielsweise in Mexiko und Brasilien) nicht selten. Sie dienen dazu, das Einflussgebiet zu vergrößern. Je weniger Bandenkonkurrenz pro Deliktsgruppe besteht, desto größer wird das Monopol einer Bande.

Deutschland Ende der 1970er-Jahre formierten sich insbesondere in Hamburg zahlreiche Straßengangs nach amerikanischem Vorbild, wie die Champs, Die Löwen, Grave Diggers oder Streetboys, die in der Stadt ihre Gebietsansprüche gewaltsam durchsetzten. In der Folge kam es in den 1980er Jahren, vor allem im Umkreis des Rotlichtmilieus, unter den Straßengangs zu gewalttätigen Auseinandersetzungen untereinander, aber auch mit Poppern, Skinheadgruppen und der Polizei. Zahlreiche Mitglieder der Streetgangs stiegen in Rotlichtgeschäfte ein. Nach einem Mordfall innerhalb der Streetboys im Jahre 1986 und durch zunehmenden Druck durch die Behörden verloren die Straßengangs zunehmend an Bedeutung und die meisten Gruppen zerfielen.

Der Begriff Bandenkriminalität wurde 2023 in Baden-Württemberg für ein Phänomen rivalisierender gewalttätiger multiethnischer junger Männergruppen im Großraum Stuttgart wieder aufgenommen, um von der jahrzehntelangen Clan-Kriminalität abzugrenzen: „‚Ein neues Phänomen‘ und keine Clan-Kriminalität“, laut Landesinnenminister Thomas Strobl.

Vereinigte Staaten In den USA gibt es keine einheitliche, allgemein anerkannte Definition einer Bande: die Bundesstaaten und lokalen Zuständigkeiten verwenden eigene Kriterien. In Polizeibefragungen wurde das gemeinsame Begehen von Straftaten als wichtigeres Kennzeichen einer Bande angesehen als Name, Symbolik, Territorium oder Anführer. Die Strategie focused deterrence/GVI gegen gruppenbezogene bewaffnete Gewalt verbindet Kriminalitätsanalyse, Gemeinwesenarbeit, Unterstützungsangebote und gezielte Sanktionen. Die Seattle Field Division der ATF stuft Bandengewalt als Priorität ein und hat eine überbehördliche Task Force gebildet.

Kalifornien In Kalifornien umfasst § 186.22 die aktive Beteiligung an einer kriminellen Straßenbande bei Kenntnis ihrer kriminellen Tätigkeiten und sieht eine Strafverschärfung für Straftaten im Interesse der Bande vor. Je nach Art und Ausmaß der Aktivitäten können solche Fälle nach Staatsrecht oder nach Bundesrecht verfolgt werden. Der STEP Act wurde 1988 in Kalifornien verabschiedet und führte zusätzliche Sanktionen für Straftaten im Zusammenhang mit Straßenbanden ein. Eine kriminelle Straßenbande wird dabei definiert als eine dauerhafte Vereinigung von mindestens drei Personen mit einem gemeinsamen Namen oder Zeichen, bei der die aufgezählten Straftaten zu den Haupttätigkeiten gehören.

Später hat Kalifornien die Liste der Straftaten eingeschränkt, die als Nachweis von „gang activity“ bei der Anwendung solcher Strafverschärfungen herangezogen werden können. In der US‑Praxis werden Straßenbanden seit langem zu Gegenständen polizeilicher Maßnahmen gezählt, während sich transnationale organisierte Kriminalität zudem durch grenzüberschreitende Tätigkeit auszeichnet. Im Jahr 2026 berichtete die ATF über Anklagen in einem Fall eines mutmaßlichen Waffenversorgungskanals aus Georgia nach Chicago, der unter anderem für Mitglieder von Banden bestimmt war.

New York

In den USA wird der Begriff „Gang“ für eine Straßenbande verwendet; bereits in den 1860er-Jahren bildeten sich solche kriminellen Vereinigungen, wie z. B. die irischen Boodles in New York City. Angeschoben durch die Einwanderungswellen verstärkte sich die Bildung ethnischorientierter Straßenbanden. In diesen „Big Five“ genannten klassischen Banden organisierten sich die Iren bei den Whyos, Hudson Dusters oder Gophers, Italiener in der Five Points Gang und osteuropäische Juden in der Eastman Gang. Nach 1900 waren davon im Wesentlichen nur die Eastmans und die Five Pointers übriggeblieben.

Fast alle dieser Big Five wurden von Politikern der Tammany Hall eingespannt; Banden wie die Eastman Gang oder die Whyos boten illegale Dienstleistungen nach einer Preisliste an. Allerdings waren auch die Mafia und die Camorra nach New York City gekommen. Über die Black Hand Gang wurde die Unione Siciliana unterwandert. Die darüber kontrollierten italienischen Stimmen waren mit Sicherheit von besonderem Interesse der Tammany Hall. Gefördert durch die Alkoholprohibition bildeten sich fünf Clans der US-amerikanischen Mafia heraus, die auch die Fünf Familien genannt werden. Dementsprechend kam es zur Auflösung dieser klassischen Straßenbanden von New York City bis 1920.

Los Angeles Als Hochburg des Bandenwesens in den USA gilt zum Beispiel auch die Stadt Los Angeles in Kalifornien. Insbesondere der Stadtteil South Los Angeles ist die gefährlichste Region der Stadt. Hier bekämpfen sich die Bloods und Crips, die 18th Street Gang, die Mara Salvatrucha, und weitere Banden gegenseitig. Außerdem gibt es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Afroamerikanern und Latinos. All diese Gangs beanspruchen ein bestimmtes Territorium und haben jeweils eigene Erkennungszeichen, wie Farben, Kleidung, Tätowierungen, Handzeichen und Graffiti.

Historisch gehen die heutigen Gangs von Los Angeles zurück auf zunehmende Auseinandersetzungen zwischen Schwarzen und Weißen im Lauf der 1940er Jahre. Zu dieser Zeit zogen zahlreiche Schwarze nach Los Angeles, konnten aber in den damaligen ghettos keinen ausreichenden Wohnraum finden. Dem Versuch, aus dem ghetto auszubrechen und in anderen Stadtteilen Wohnraum zu beziehen, setzten die dortigen weißen Einwohner starke Segregationsbestrebungen entgegen, die teilweise bis zur Eintragung von Rassenbeschränkungen in die Grundbücher reichten und weite Teile der Stadt für Nicht-Weiße unzugänglich machten. Nur im Süden und Südwesten, wo die Wohngebiete der unteren, weißen Mittelschicht lagen, konnten Schwarze noch Wohnraum finden, stießen hier aber ebenfalls auf Widerstand.

Mitte bis Ende der 1940er Jahre wurden vor diesem Hintergrund schwarze Anwohner vor den Grenzen des Central-Avenue-ghettos von Gangs weißer Jugendlicher wie den Spookhunters terrorisiert. Im Gegenzug gründeten sich erste schwarze Gangs wie die Businessmen, Slausons oder Flips, die oft den einzigen Schutz vor rassistischen Angriffen boten, zugleich aber auch eine kulturelle oder soziale Heimat darstellten.

Strafrecht Aus strafrechtlicher Sicht spielen sowohl Begriffsdefinitionen als auch die Zahl der Mitglieder eine Rolle. Grundlage kann eine informelle Gruppe sein.

Deutsches Strafrecht Nach deutschem Strafrecht ist Bande eine Bezeichnung für mehrere Straftäter, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden haben, etwa zu einem Bandendiebstahl oder schweren Bandendiebstahl ( Abs. 1 Nr. 2, StGB).vgl. zur erforderlichen Anzahl von mehr als zwei Personen: BGH, Beschluss vom 26. Oktober 2000 - 4 StR 284/99 Rdnr. 21 ff., 24 ff., 38.