Der Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) ist ein Berliner Segelclub am Wannsee. Der traditionsreiche Club ist der zweitälteste Segelverein Deutschlands.
Geschichte Der Verein wurde am 6. Oktober 1867 von 14 Mitgliedern mit acht Booten unter Führung von Kapitän Markgraf als Gesellschaft der vereinigten Segler der Unterhavel gegründet. Er ist nach dem seinerzeit in Königsberg gegründeten Segelclub Rhe der zweitälteste deutsche Segelverein. Mit Gründung der Colonie Alsen im Südwesten vor den Toren Berlins, dem späteren Ort Wannsee, ankerten viele seiner Yachten in der großen Bucht des Wannsees. Seit 1880 besteht unter dem Namen „Verein Seglerhaus am Wannsee“ ein Verein, dem am 6. Februar 1893 die Rechte einer juristischen Person verliehen wurden.Satzung des „Verein Seglerhaus am Wannsee“, , S. 3. 1881 wurde ein 2600 m² großes Wassergrundstück in der Kolonie erworben und das erste Vereinshaus errichtet, das noch existiert und nach diversen Aus- und Umbauten heute unter Denkmalschutz steht und als Werft- und Jugendhaus genutzt wird.Verein Seglerhaus am Wannsee in der Denkmaldatenbank des Landes Berlin, ID 09075477 Mit dem Erwerb des Grundstücks löste sich die „Gesellschaft der vereinigten Segler der Unterhavel“ auf und eine neue Gesellschaft mit dem Namen Verein Seglerhaus am Wannsee – abgekürzt VSaW – wurde gegründet.
mini|Vereinsheim
Als der Verein wuchs und Kronprinz Wilhelm auf der Havel und dem Wannsee mit seiner Sonderklassen-Yacht Angela segelte, wurde im Jahr 1910 das neue, größere Vereinsheim eröffnet, das ebenso wie Schloss Cecilienhof im ländlichen britischen Tudorstil erbaut worden war.Otto Berlich, Das neue Haus des Vereins Seglerhaus am Wannsee, in: Die Yacht 7,29 (1910), 713–720. Online-Volltext Es ist nach wie vor Mittelpunkt eines abwechslungsreichen sportlichen, geselligen und kulturellen Vereinslebens. Dieses Haus, zusammen mit seinem heute rund 10.000 m² großen Wassergrundstück und den Sportanlagen, zählt zu den schönsten Clubhäusern Europas. Ein großer Versammlungs- und Festsaal im Stil des Speisesaals eines damaligen Luxusdampfers (unverändert seit der Errichtung), ein gemütlich-stilvoller Barraum, ein teilbarer Restaurantbereich mit schönstem Wannseeblick und eine große Terrasse prägen den Bau.
Aktivitäten Mit etwa 1000 Mitgliedern ist der VSaW einer der großen Vereine im Deutschen Segler-Verband. Die Jugendabteilung hat weit über 100 Segler in ihren Reihen.
Laut Satzung ist die Förderung des Wassersports, insbesondere des Rennsegelsports sowie die Ausbildung der jugendlichen Mitglieder zu Rennseglern, Zweck des Vereins. Für die Jugendlichen wird Training für Optimist-Anfänger, Optimist B, Optimist A, Laser Standard, Laser Radial, Laser 4.7 und 420er Jolle angeboten.
Erfolge mini|Altes Vereinshaus
Schon vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ersegelten die Yachten des VSaW Siege in internationalen und nationalen Wettkämpfen. In der von Kaiser Wilhelm II. um 1900 mitinitiierten Sonderklasse gewann Otto Protzen sechsmal die Kieler Woche und 1907 mit der von Max Oertz entworfenen Yacht Wannsee VII den Kaiser-Wilhelm-Pokal im deutsch-amerikanischen Länder-Rückkampf in Kiel. Der kaiserliche Pokal ist wie viele weitere bedeutende Preise im Vereinsheim des VSaW ausgestellt.Zur deutsch-amerikanischen Seglerfreundschaft (u. a. ein Bild des Kaiser Wilhelm-Pokals)
Bei den olympischen Segelwettbewerben 1936 auf der Kieler Förde gewann die Mannschaft Peter Bischoff/Joachim Weise im Starboot die erste olympische Goldmedaille im Segeln überhaupt für Deutschland. Nach 1936 bis heute haben VSaW Segler an allen olympischen Segelwettbewerben teilgenommen. Bei den olympischen Segelwettbewerben 1964 wurde von Willi Kuhweide die zweite olympische Goldmedaille, dieses Mal in der Finn-Dinghy-Bootsklasse, errungen. Sein hölzernes Finn Darling wird heute im Deutschen Schifffahrtsmuseum ausgestellt. Zudem haben Mitglieder des VSaW zahlreiche Siege bei Welt- und Europameisterschaften sowie nationalen und internationalen Regatten errungen. Auf den Gewässern von Wannsee und Unterhavel werden jedes Jahr mehr als zehn größere Regatten veranstaltet, darunter mindestens eine internationale deutsche Meisterschaft mit Beteiligung der weltbesten Segler. Das Fahrtensegeln kommt nicht zu kurz: Etliche Vereinsmitglieder haben ihre Yachten in Häfen der Ostsee und des Mittelmeeres liegen, und vom heimatlichen Wannsee aus starten in jeder Saison zahlreiche Mannschaften zu Seetörns.
Der VSaW gehört seit langem zu den vier deutschen Yachtclubs, die an der Organisation der Kieler Woche beteiligt sind. Entsprechend seiner Größe und Geschichte sind Mitglieder des VSaW in nationalen und internationalen Organisationen mit der Gestaltung des Segelsports befasst. So stellte er dem Deutschen Segler-Verband mehrfach Vorsitzende wie Wilhelm Rakenius (1928–1932), Kurt Pochhammer (1973–1985) oder Rolf Bähr (2005–2013).
Bekannte Mitglieder mini|Vorstand für das Jahr 1894 mini|Anteilschein des Vereins Seglerhaus am Wannsee vom 24. Oktober 1907, unterschrieben vom Vorstand
Max Abel (1851–1912), Bankier Barthold Arons (1852–1934), Bankier Oscar Begas (1828–1883), Maler Hans Bohrdt (1857–1945), Maler Georg Büxenstein (1857–1924), Verleger und Druckereibesitzer, Mitbegründer des Berliner Rudervereins Wilhelm Conrad (1822–1899), Bankier Hermann Ende (1829–1907), Architekt Robert Guthmann (1839–1924), Kalksandstein-Fabrikant und Bauunternehmer Heinrich Haukohl (1841–1906), Großkaufmann und Handelsrichter Hans Adolf Hertz (1848–1895), Buchhändler und Verleger Robert Freiherr von der Heydt (1837–1877), Bankier Oscar Huldschinsky (1846–1931), Großindustrieller und Kunstsammler Max Friedrich Koch (1859–1930), Maler Rudolph von Koch (1847–1923), Bankier Walter Kyllmann (1837–1913), Architekt Otto Meyer (1851–1929), Fabrikant Julius Model (1838–1920), Geschäftsmann und Kunstsammler Joseph Neuss jun. (1843–1912), Inhaber der Wagenfabrik Jos. Neuss Franz Oppenheim (1852–1929), Chemiker, Fabrikdirektor und Kunstsammler Johannes Otzen (1839–1911), Architekt, Stadtplaner und Hochschullehrer Paul Parey (1842–1900), Verleger und Buchhändler Ludwig Polborn (1850–1907), Fabrikant Eduard Puls (1840–1909), Kunstschmied Otto Protzen (1868–1925), Schriftsteller, Landschaftsmaler, Illustrator Louis Auguste Ravené (1866–1944), Kaufmann Alfred Schulz (1854–1902), Architekt – siehe Schulz & Schlichting Adolph Schwabacher (1843–1912), Bankier und Direktor der Berliner Börse Hermann Wallich (1879–1887), Bankier Anton von Werner (1843–1915), Maler Wilhelm Wessel (1830–1898), Lampenfabrikant Emil Wild (1826–1896), Lampenfabrikant
Siehe auch Roosevelt-Pokal Akademischer Seglerverein Meteor I–V Kieler Yacht-Club
Literatur
Otto Berlich, Das neue Haus des Vereins Seglerhaus am Wannsee, in: Die Yacht 7,29 (1910), 713–720. Online-Volltext Otto Protzen, Die Geschichte unseres Seglerhauses, Wannsee: Im Selbstverlage des Vereins Seglerhaus am Wannsee 1924. urn:nbn:de:kobv:109-1-15493994 Otto Protzen, Der Wassersport auf dem Wannsee, in: Das Wannseebuch, hrsg. von Georg Brasch, Schneider: Wannsee, , S. 121–126. Verein Seglerhaus am Wannsee, Alexander Rost: Das Seglerhaus – 125 Jahre VSaW, Bielefeld, Delius Klasing 1992. ISBN 978-3-7688-0775-3. Martin Pritzel, Peter Rieck, Festschrift : 100 Jahre Clubhaus, Berlin: Verein Seglerhaus am Wannsee, 2010. urn:nbn:de:kobv:109-1-15491370 Otto Protzen, Herrensegler: die Geschichte unseres Seglerhauses, hrsg. Matthias Bonness, Norderstedt: Books on Demand, 2010 [=Nachdruck: Otto Protzen, Die Geschichte unseres Seglerhauses, 1924]. ISBN 978-3-8391-8342-7 Rolf Bähr, Kunst am und im Seglerhaus, Berlin: Verein Seglerhaus am Wannsee, 2014. urn:nbn:de:kobv:109-1-15491396 Rolf Bähr, Das alte Seglerhaus : Ein Kulturdenkmal im Diskurs: die "Scheune", Berlin: Verein Seglerhaus am Wannsee, 2018. urn:nbn:de:kobv:109-1-15491092 Rolf Bähr, Logbuch 1867 - 2017 : Chronik Verein Seglerhaus am Wannsee, Berlin: Verein Seglerhaus am Wannsee, 2019. urn:nbn:de:kobv:109-1-15491382 VSaW Seglerhaus-Brief, 2005–; ID:
Weblinks
Website des VSaW in der Denkmaldatenbank des Landes Berlin
Einzelnachweise
Wannsee, Verein Sglerhaus am Kategorie:Vereinsgründung 1867