In dieser Liste von Anschlägen im Schienenverkehr sind Ereignisse aufgenommen, bei denen der Vorsatz bestand, gezielt einen Schienenverkehrsunfall herbeizuführen oder die Infrastruktur zu schädigen.
Unfälle und Schadensereignisse, die sich im normalen Betrieb ereigneten und nicht auf gezielte äußere Einwirkung zurückzuführen sind, werden in der Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr und Kesselzerknall erfasst.
19. Jahrhundert 1801 bis 1850 Priestewitz () 7. April 1839 – Missgünstige Konkurrenten von Johann Andreas Schubert, dem Konstrukteur der SAXONIA, hätten eine Weiche verstellt, so dass die Lokomotive auf eine andere, abgestellte Lokomotive auffuhr. Der Sachschaden sei gering gewesen. Diese Geschichte wird heute als Anekdote eingestuft.Verkehrsmuseum Dresden (Hrsg.): Deutschland wird mobil. 175 Jahre Leipzig-Dresdner Eisenbahn. Dresden 2014, ISBN 978-3-936240-03-0, S. 35.
Weinheim () 23. September 1848 – Im Zuge der Badischen Revolution beschädigten Revolutionäre den Oberbau der Bahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg. Zwei Lokomotiven, die einen Leerzug zogen, entgleisten und stürzten vom Bahndamm. Das Zugpersonal kam mit dem Leben davon.
1851 bis 1900 Platte River () 3. September 1861 – Bei einem Anschlag auf die Platte-Brücke durch Guerillakämpfer der Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg auf einen Zug der Nordstaaten kamen knapp 20 Personen ums Leben. Der Anschlag betraf einen gemischten Zug der Hannibal and St. Joseph Railroad und eine Brücke auf deren Bahnstrecke, die als erste den Staat Missouri querte. Sie erschloss unter anderem den östlichen Endpunkt des Pony Express in Saint Joseph und war damit von erheblicher strategischer Bedeutung. Die Guerillas beschädigten die Stützen der etwa 50 Meter langen Brücke über den Platte River so, dass dies vom Zug aus nicht zu erkennen war. Als in der Dunkelheit gegen 23:15 Uhr der Zug von Hannibal nach St. Joseph auf die Brücke fuhr, brach diese unter dem Zug mit seinen etwa 100 Reisenden zusammen und seine Fahrzeuge stürzten zehn Meter tief in den Fluss. Die Armee der Union gab den Befehl aus, die Guerillas zu verfolgen und zu erschießen. Die Konföderation reklamierte das Attentat als kriegsrechtlich zulässige Handlung.Preston Filbert: The Half Not Told. The Civil War in a Frontier Town. ISBN 0-8117-1536-1. Cincinnati () Mai 1865 – Ein Zug der Ohio and Mississippi Railway, nach St. Louis unterwegs, wurde 22 km nördlich von Cincinnati zum Entgleisen gebracht, Reisende und Gepäckwagen von den Tätern geplündert. Dieser Raubzug gilt als erster der „klassischen“ Eisenbahnüberfälle, mit denen die US-amerikanischen Eisenbahnen in den folgenden drei Jahrzehnten zu kämpfen hatten.Lucius Beebe, Charles Clegg: Hear the train blow. Apictoral epic of America in the railroad age. E. P. Dutton, New York 1952, S. 293. Beja () 18. September 1865 – Wegen einer absichtlichen Beschädigung am Oberbau wurde ein Zug durch eine Notbremsung angehalten. Dabei wurden Reisende aus dem Zug geschleudert. Drei Tote und zwei Schwerverletzte waren die Folge.Luís Filipe Rosa Santos: Os Acessos a Faro e aos Concelhos Limítrofes na Segunda Metade do Séc. XIX. Faro 1995, S. 130. Modena () 20. Oktober 1865 – Attentat auf den Hofzug des italienischen Königs. Es bleibt ohne Erfolg. Consolaron () 30. März 1871 – In der Nacht überfiel eine Räuberbande das Personal in dem kleinen Bahnhof Consolaron. Sie rissen ein Stück des Gleises aus dem Oberbau und zerstörten die Telegrafenleitung. So brachten sie den Nachtschnellzug von Sevilla nach Madrid zum Entgleisen. Zwei Polizisten und ein Armeeoffizier, die mit dem Zug unterwegs waren und sich wehrten, wurden erschossen. Anschließend wurden die Reisenden und der Packwagen geplündert. Allein hier betrug die Beute 125.000 Francs. Anschließend setzte sich die Bande in die Berge ab. Schwarzenau () 4. November 1875 – Durch das Lösen der Befestigungen eines Gleisstücks der äußeren Schiene in einer Kurve, die beim Bahnhof Schwarzenau auf einem 10 Meter hohen Damm mit 5 ‰ Gefälle auf eine Brücke zulief, entgleiste ein Personenzug von Wien Franz-Josefs-Bahnhof nach Prag entlang der Tangente des Kurvenbogens. Mindestens neun Menschen starben.
Moskau () 1. Dezember 1879 – Nihilisten verübten auf den Hofzug des Zaren Alexander II. einen Sprengstoffanschlag, der jedoch ohne Folgen blieb. Neapel () 20. Juli 1880 – Attentat auf den Hofzug des italienischen Königs. Es bleibt ohne Erfolg. Chillón () 27. April 1884 – Nachdem unbekannte Täter eine Brücke über den Fluss Alcudia beschädigt hatten, stürzt ein Zug in den Fluss. 59 Menschen kamen dabei ums Leben. Dies war der bis dahin schwerste Eisenbahnunfall in der Geschichte Spaniens.
mini|Verunglückter Hofzug des Zaren Charkow () : Vermutlich kein Attentat lag dem Unfall des Hofzuges des Zaren Alexander III. bei Borki zugrunde. Allerdings hielten sich diesbezüglich hartnäckig Gerüchte. Der Zug entgleiste auf der Fahrt von der Krim nach St. Petersburg südlich von Charkow. 23 Reisende starben. Die Angaben zu den Verletzten schwanken zwischen 12 und 36 Personen. Die Zarenfamilie blieb unverletzt, obwohl der Speisewagen, in dem sie sich zum Unfallzeitpunkt aufhielt, stark beschädigt wurde. Die Unfallursache wurde nie aufgeklärt, da sich Bahngesellschaft und Staatsbeamte gegenseitig die Schuld zuwiesen. Vermutlich war die Unfallursache eine Kombination aus einem zu schweren Zug, der zu schnell auf unzureichendem Oberbau fuhr.
Lincoln () 9. August 1894: – Auf einer 13 Meter hohen und etwa 130 Meter langen Fachwerkbrücke der Chicago, Rock Island and Pacific Railroad wurden bei Wilderness Park in Lincoln, Nebraska, Schienennägel entfernt. Ein Zug aus Fairbury, Nebraska, der aus einer Lokomotive und zwei Reisezugwagen bestand, überquerte die Brücke gegen 21:20 Uhr. Der Zug entgleiste und stürzte ab. Die Feuerbüchse der Lokomotive brach auf und die hölzernen Wagen fingen Feuer. Elf der 33 Fahrgäste des Zuges kamen ums Leben. Die Untersuchung ergab, dass die Bahnanlage vorsätzlich beschädigt worden war und der Zug deswegen entgleiste. Die Polizei verhaftete den Afroamerikaner George Washington Davis, der zum Zeitpunkt des Unfalls in der Nähe der Unfallstelle gesehen worden sein soll. Nach zwei Prozessen vor einer Jury wurde er in einem reinen Indizienprozess – er selbst bestritt die Tat immer – wegen Totschlags verurteilt. Eine Verurteilung wegen Mordes scheiterte. Ein Motiv konnte ihm nie nachgewiesen werden. Er wurde nach zehn Jahren durch Gouverneur John H. Mickey begnadigt.Epilogue: A forgotten mystery of death and destruction. In: Lincoln Journal-Star, 22. Februar 2010. Original story from 1894: Death by fire.
20. Jahrhundert 1901 bis 1910 Horrem (Kerpen) () 28. November 1901 – Gegen 19 Uhr entgleiste der Personenzug Nr. 640 von Verviers nach Köln Hauptbahnhof in der Nähe des Bahnhofs Horrem, weil eine ausgewechselte alte Schiene, die zwischen den Gleisen gelagert war, quer über das Gleis gelegt und mit Draht befestigt worden war. Vier Tote, drei Schwerverletzte und zwölf Leichtverletzte waren die Folge.Ludwig Ritter von Stockert: Eisenbahnunfälle. Ein Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre. Band 1. Leipzig 1913, S. 269, Nr. 197. Stockert macht keine Angaben dazu, ob der oder die Täter festgestellt werden konnten. Drebkau () 29. Mai 1903 – Beim Bahnhof Drebkau entgleiste der Personenzug Nr. 983 auf der Bahnstrecke Großenhain–Cottbus, nachdem ein betrunkener Zimmermann eine neben der Strecke gelagerte Bahnschwelle quer über das Gleis gelegt hatte. Die Lokomotive und drei folgende Wagen entgleisten, wobei der der Lokomotive direkt folgende Wagen vollständig zertrümmert wurde. Ein Toter, drei Schwer- und fünf Leichtverletzte waren die Folge.Ludwig Ritter von Stockert: Eisenbahnunfälle. Ein Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre. Band 1. Leipzig 1913, S. 270, Nr. 198. Zwischen Aachen und Köln () Sommer 1906 – Ein Geistesgestörter brachte den „Orient-Express“ zum Entgleisen, ohne dass nennenswerter Sachschaden entstand.Hans-Otto Meissner: Eisenbahn-Safari. Auf Schienen durch fünf Kontinente. Bertelsmann, München 1980, S. 111. Vermutlich handelte es sich um den Ostende-Wien-Express.Hans-Otto Meissner: Eisenbahn-Safari. Auf Schienen durch fünf Kontinente. Bertelsmann, München 1980, S. 111, verwechselt beide Züge hier auch hinsichtlich des Eisenbahnunfalls im Centralbahnhof Frankfurt. Der Orientexpress befuhr diese Strecke nicht. Rehfelde () 3. September 1907 – Nachdem bei einem Schienenstück die Befestigungsschrauben in den Schwellen gelockert worden waren, entgleiste nachts der Schnellzug Nr. 6 von Insterburg nach Berlin mit einer Geschwindigkeit von ca. 85 km/h beim Bahnhof Rehfelde. Ein Teil der Wagen stürzte um. Fettgasbehälter im Speisewagen brachen, das Gas strömte aus und entzündete sich. Der Wagen verbrannte vollständig, die beiden benachbarten Wagen je zur Hälfte. Ein Reisender verbrannte, darüber hinaus wurden acht Menschen verletzt. Für die Ergreifung des Täters oder der Täter wurde eine Belohnung von zunächst 2.000 Mark ausgesetzt, die später auf 5.000 Mark erhöht wurde – vergeblich.Ludwig Ritter von Stockert: Eisenbahnunfälle. Ein Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre. Band 1. Leipzig 1913, S. 270, Nr. 199.
1911 bis 1920 Sarry () – Absturz nach Brückensprengung 17. September 1914 – Französisches Militär sprengte eine Brücke über die Marne bei Sarry, ohne die zuständigen Eisenbahner zu verständigen oder die Strecke selbst zu sichern. Ein Lazarettzug stürzte in die entstandene Lücke. 57 Menschen kamen ums Leben.
Rossendale-Edenfield () 25. September 1916 – Bei einem Bombenangriff durch ein deutsches Zeppelin-Luftschiff wurde der Bahnhof von Ewood Bridge and Edenfield an der Bahnstrecke von Bury nach Bacup zerstört.World War One – News – Rossendale Free Press. Homburg () 9. Februar 1917 – Bei Homburg, auf der Bahnstrecke Mannheim–Saarbrücken, entgleiste der D 32 nach einem Luftangriff. London () 13. Juni 1917 – Deutsche Flugzeuge des Typs Gotha G.I bombardierten während des Ersten Weltkriegs unter anderem den Bahnhof Liverpool Street. Dies war der erste derartige Angriff. Eine 1000-Pfund-Bombe traf den Bahnhof und tötete 162 Menschen, 432 wurden darüber hinaus verletzt.Justin D. Murphy: Military Aircraft, Origins to 1918: An Illustrated History of Their Impact. 2005, S. 66; Neil Hanson: The first Blitz: the secret German plan to raze London to the ground in 1918. London 2008, S. 126 f. Gjunis () 11. Oktober 1917 – Bei Gjunis auf der Bahnstrecke Belgrad–Niš wurden Schienen gesprengt. Dadurch entgleiste ein „Transportzug“,Gemeint ist wohl ein Militärtransport. dessen sämtliche Fahrzeuge einen Bahndamm hinab stürzten. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte.Ludwig Stockert: Eisenbahnunfälle (Neue Folge) – Ein weiterer Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre. Berlin 1920, Nr. 317. Schneidemühl () 20. Januar 1920 – Zwischen Schönlanke und Schneidemühl lösten drei Täter die Verschraubung der Schienen und brachten damit einen Güterzug zum Entgleisen. Ein nachfolgender Schnellzug konnte nicht mehr rechtzeitig gewarnt werden und fuhr in die Trümmer. Im Zug gab es 18 Tote und 20 Verletzte. Die drei Attentäter wurden gefasst, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Nach anderer Quelle wurden die Todesurteile in lebenslange Haft umgewandelt.
1921 bis 1930 1921 bis 1922 mini|Sprengstoffanschlag in Ammendorf am 24. April 1921 mini|Folgen eines Eisenbahnattentats während der Märzkämpfe
Hettstedt () März 1921 – Im Zuge der Märzkämpfe in Mitteldeutschland sprengten Aufständische einen Teil des Empfangsgebäudes in Hettstedt.Hettstedt-Burgörner – der Geschichte auf der Spur (mit Foto); abgerufen am 25. Dezember 2022. Ammendorf (heute Halle Süd) () 16. März 1921 – Im Zuge der Märzkämpfe in Mitteldeutschland lösten linksradikale Arbeiter Gleisbefestigungen auf der zweigleisigen Strecke. Zwei Güterzüge entgleisten, drei Eisenbahner starben. Ammendorf (heute Halle Süd) ()