hochkant=1.4|mini|KMW Komplex auf der Ingelheimer Aue
Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG ist ein regionales Energieunternehmen in Mainz, das Strom, Fernwärme und Dampf erzeugt. Weiterhin ist das Unternehmen in der Bereitstellung und Verteilung von Energie sowie im Bereich Erneuerbare Energien tätig. Die Gesellschaft befindet sich im Eigentum der Mainzer Stadtwerke und ESWE Versorgung.
Geschichte Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden entstanden 1931 aus dem Zusammenschluss der Elektrizitätswerke Wiesbaden und Mainz. In den Jahren 1958, 1963 und 1966 gingen im Kraftwerk 1 drei Kohleblöcke mit einer elektrischen Leistung von je 100 MW ans Netz. 1977 ging das Kraftwerk 2 mit einer Kombination aus Dampfturboblock und vorgeschalteter Gasturbine (Kombiblock) ans Netz. In den 1990ern bekam KMW gemeinsam mit RWE den Zuschlag, für das Rüsselsheimer Opel-Stammwerk ein GuD-Kraftwerk und ein Heizwerk zu errichten. Beide sind seit 1999 in Betrieb, geführt von dem Beteiligungsunternehmen KEO (Konsortium Energieversorgung Opel)."Neue Energie für Opel. Kraftwerk jagt weniger Kohlendioxid in die Luft.". Frankfurter Rundschau, 11. September 1999, abgerufen am 8. März 2021
2000 wurden die drei Kohleblöcke im Kraftwerk 1 stillgelegt, bis 2004 erfolgte die Demontage des Kraftwerks."Eine Ära löst sich in Staub auf". Allgemeine Zeitung, 16. August 2004, abgerufen am 8. März 2020 2001 ging auf der Ingelheimer Aue die neue 400 MW GuD-Anlage in Betrieb,"Umbau kostet 300 Millionen Mark und die Hälfte aller Stellen". Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. März 2001, abgerufen am 8. März 2021 2004 folgte ein angeschlossenes Müllheizkraftwerk.Michael Grabenströer: "Abfall geht in Flammen auf - Müllverbrennung Mainz nimmt Heizkraftwerk in Betrieb". Frankfurter Rundschau, 13. November 2003, abgerufen am 8. März 2021
Bereits ab 2004 wurden Pläne bekannt, auf der Ingelheimer Aue anstatt eines weiteren Gaskraftwerks erneut ein Kohlekraftwerk zu errichten, das 2012 fertiggestellt werden sollte.Michael Theurer: "KMW plant neues Kohlekraftwerk". Rhein-Zeitung, 11. Dezember 2004, abgerufen am 8. März 2021Erich Michael Lang: "Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue". Wiesbadener Tagblatt, 21. Mai 2005, abgerufen am 8. März 2021 Der Bau wurde über mehrere Jahre zum Streitthema lokaler Politik und Bürgerinitiativen."Ein Kraftwerk, viele Meinungen". Rhein-Zeitung, 30. Januar 2007, abgerufen am 8. März 2021 Nach einem Baustopp kurz nach Baubeginn 2009 aufgrund von ungewisser Finanzierungslage wurde das Projekt im Juni 2012 offiziell beendet.
2010 verkündete KMW, den Bau eines zweiten GuD-Kraftwerkes anstatt des Kohlekraftwerks zu erwägen, das für die Spitzen- und Mittellast gedacht war und frühestens im Jahr 2015 ans Netz gehen sollte. Begründet wurde dies mit der inzwischen veränderten Marktsituation für Kohle und Gas."KMW prüft Bau eines neuen Gastkraftwerks". Wiesbadener Tagblatt, 2. Oktober 2010, abgerufen am 8. März 2021 Dieses Projekt wurde 2017 in Form eines Blockheizkraftwerks begonnen und ist seit 2021 in Betrieb."Beitrag für Klimaschutz": Spatenstich für Blockheizkraftwerk auf der Ingelheimer Aue. In: Allgemeine Zeitung, 26. April 2017. Abgerufen am 27. April 2017.
Im Juli 2013 beteiligten sich die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden mit einem Mehrheitsanteil an dem Karlsruher Projektentwickler Altus AG, der im Bereich Erneuerbare Energien (Windenergie, Biogas und Photovoltaik) tätig ist. 2014 wurde Altus vollständig übernommen.Company Profile, KMW AG, Juli 2015, abgerufen am 26. April 2021
2019 gründeten das Überlandwerk Groß-Gerau, die Hochschule RheinMain, die Infraserv GmbH & Co. Höchst KG und die Mainzer Stadtwerke zusammen mit KMW eine Initiative, um die H2-Wirtschaft im Rhein-Main Gebiet gemeinsam weiter auszubauen. Das Projekt wird begleitet von der Hessischen LandesEnergieAgentur (LEA).
Ebenfalls 2019 erweiterte KMW das Portfolio an erneuerbaren Energien um 49,8 MW durch Beteiligungen an den Windparks Heßloch, Göllheim, Oberndorf und Straubenhardt. Im Juni 2020 übernahm KMW die Wind to Gas Energy GmbH & Co. KG (W2G Energy), die in Brunsbüttel eine Power-to-Gas-Anlage mit einer Leistung von 2,4 MW betreibt.
Unternehmensstruktur Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden sind beim Amtsgericht Mainz als Aktiengesellschaft registriert und laut Selbstzweck ein "kommunaler und regionaler Energieerzeuger mit mehreren Produktionsanlagen im Rhein-Main-Gebiet für Strom, Fernwärme und Dampf". Im Jahr 2019 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 203 Mio. Euro und erzeugte insgesamt 604,1 Mrd. kWh Strom und rund 13 Mrd. kWh Fernwärme. 2020 hatte KMW ca. 335 Mitarbeiter.Auskunft der Creditreform, abgerufen am 6. März 2021. Die Vorstände des Unternehmens sind Oliver Malerius (Vorsitzender), Jörg Höhler und Stephan Krome. Vorsitzender des Aufsichtsrates ist seit Juni 2025 der Oberbürgermeister der Stadt Mainz, Nino Haase.
KMW gehört zu je 50 % den Mainzer Stadtwerken und der ESWE Versorgungs AG.
Beteiligungen des Unternehmens
Gesellschafterin
Mainzer Fernwärme GmbH EGM Entsorgungsgesellschaft Mainz mbH KMW Gastransport GmbH Neue Energie Donnersbergkreis GmbH KMW Energien Verwaltungs GmbH KVL-KMW-Valentin-Lager GmbH BinnenWind GmbH BinnenWind Windpark Verwaltungs GmbH
Persönlich haftende Gesellschafterin
Konsortium Energieversorgung Opel beschränkt haftende oHG
Kommanditistin
KMW Wind to Gas Energy GmbH & Co. KG Windpark Westpfalz RMG Risk Management GmbH & Co. KG Windkraft Kahlenberg GmbH & Co. KG Windpark Kahlenberg II GmbH & Co. KG Windpark Kahlenberg III GmbH & Co. KG Windpark Bad Camberg GmbH & Co. KG KMW Windpark Dingen GmbH & Co. KG KMW Windpark Eifel GmbH & Co. KG KMW Windpark Heßloch GmbH & Co. KG KMW Windpark Straubenhardt GmbH & Co. KG Pfalzwerke Neue Energie Oberndorf GmbH & Co. KG Pfalzwerke Neue Energie Göllheim GmbH & Co. KG
Aktionärin
Altus AG
Anlagen
Erneuerbare Energien Die Windkraftanlagen und Solarparks der KMW werden durch die Tochter Altus betrieben. Das größte Windkraftprojekt ist der Windpark Straubenhardt mit 11 Anlagen. Weitere Windparks befinden sich in Brunsbüttel, Heßloch, in der Westpfalz, Oberndorf, Göllheim, Bad Camberg, Dingen und in der Eifel. Seit der Übernahme von W2G im Jahr 2020 unterhält KMW in Brunsbüttel eine Wind-to-Gas Anlage, mit der grüner Wasserstoff aus dem Energieüberschuss des ansässigen Windparks gewonnen und in das Erdgasnetz eingespeist oder an die benachbarte Wasserstofftankstelle geliefert werden kann.
Müllheizkraftwerk Das MHKW auf der Ingelheimer Aue mit zwei Verbrennungslinien ist seit 2004 in Betrieb, 2009 wurde es um eine dritte Verbrennungslinie und eine 20 MW-Dampfturbine erweitert. Es ist an das anliegende Kraftwerk 3 angeschlossen und speist Dampf ins Mainzer Fernwärmenetz ein. Jährlich werden dort laut eigenen Angaben etwa 350.000 Tonnen Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle verwertet.
Kraftwerk 2 – Kombikraftwerk Das Kraftwerk 2 ist ein GuD-Kombikraftwerk und ist seit 1977 am Netz. Nachdem der Vertrag mit dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion zur Netzreserve zum 31. Januar 2018 auslief, sollte ab dem 1. Februar 2018 die endgültige Stilllegung des Kraftwerks 2 begonnen werden. Bei einer erneuten Prüfung wurde es jedoch weiterhin als systemrelevant eingestuft und durch die Bundesnetzagentur bis Ende April 2022 bestätigt.
Kraftwerk 3 – Gas-und-Dampf-Kraftwerk Kraftwerk 3 ist seit 2001 auf der Ingelheimer Aue in Betrieb. 2014 wurde es generalüberholt.Michael Erfurth: "Generalüberholung kostet 60 Millionen - GASKRAFTWERK KMW macht Anlage auf Ingelheimer Aue fit für die nächsten 15 Jahre". Allgemeine Zeitung, 21. Juni 2014, abgerufen am 8. März 2021 Der Großteil der Energieerzeugung erfolgt im Kraftwerk 3, das im Jahr 2019 insgesamt 5.272 Betriebsstunden lief und 2,02 Mrd. kWh Strom produzierte.
Kraftwerk 5 – Blockheizkraftwerk Das Kraftwerk 5 ist modular aufgebaut und besteht aus 10 voneinander unabhängigen Gasmotoren des Typs 34SG mit einer elektrischen Leistung von jeweils 10 Megawatt, die vom finnischen Hersteller Wärtsilä hergestellt wurden. Damit ist ein flexibler Betrieb möglich, zudem lassen sich die einzelnen Gasmotoren binnen weniger Minuten hoch- bzw. herunterfahren. Betrieben wird das Kraftwerk in Kraft-Wärme-Kopplung, d. h., neben Strom wird auch Fernwärme (90 MWth) erzeugt. Das Kraftwerk wurde am 18. April 2019 erstmals erfolgreich im Testbetrieb angefahren. Am 23. Dezember 2020 ist das fertiggestellte Blockheizkraftwerk offiziell in Betrieb gegangen. Die Investitionssumme wird mit 115 Mio. Euro angegeben.
Kraftwerk 6 – Gas-Kraftwerk Kraftwerk 6 wurde im Juli 2026 von der SGD Süd genehmigt. Es soll für einen Betrieb mit Wasserstoffgas geeignet sein.Andrea Zaschka: Gaskraftwerk auf Ingelheimer Aue ist genehmigt. Allgemeine Zeitung, 20. Juli 2026, abgerufen am 20. Juli 2026 Das Kraftwerk wird im Rahmen der Entstehung eines Rechenzentrums als Notstrom back-up dienen und 54 Megawatt an Leistung zusätzlich zu den vorhandenen Kapazitäten bringen. Die Fertigstellung ist für Dezember 2027 geplant. Die KMW plant keinen eingeschränkten Betrieb des neuen Kraftwerks, um dieses je nach Marktlage und Nachfrage einsetzen zu können. Zunächst sind circa 2.000 Stunden Laufzeit pro Jahr vorgesehen. Das zu versorgende Rechenzentrum „Green Rocks“ ist mit einer Gesamtleistung von 80 Megawatt geplant, wovon 54 auf die reine IT-Dienstleistung entfallen.
Wärmespeicher und Fernwärme Zusätzlich zu den Anlagen auf der Ingelheimer Aue unterhält KMW dort auch drei Wärmespeicher, die 2019 zur Speicherung der Abwärme des Kraftwerk 5 in den Sommermonaten gebaut wurden. Diese Speicher können die Wärme der verschiedenen KWK-Anlagen auf der Ingelheimer Aue für mehrere Stunden einspeichern.
Zudem hält KMW ein Drittel an der Mainzer Fernwärme GmbH, über die Wärme von den Kraftwerken an die umliegenden Gebiete verteilt wird.
Weblinks Homepage des Unternehmens KMW AG Bündnis für eine kohlekraftwerksfreie Region Mainz Wiesbaden e. V.
Einzelnachweise
Mainz Kategorie:Unternehmen (Mainz) Mainz Mainz Wiesbaden Kategorie:Industriekultur Rhein-Main (Mainz) Kategorie:Erneuerbare Energien (Deutschland) Kategorie:Unternehmensgründung 1931