Wörbzig ist ein Dorf in Sachsen-Anhalt. Die ehemals selbständige Gemeinde wurde zum 1. Januar 2004 nach Gröbzig eingemeindet. Mit Gröbzig kam Wörbzig am 1. September 2010 zur Stadt Südliches Anhalt.
Geographie
Wörbzig liegt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt rund 6 km südwestlich der Kreisstadt Köthen (Anhalt) und 35 km nordöstlich von Halle (Saale). Südlich von Wörbzig liegt Gröbzig, westlich Dohndorf, nördlich Löbnitz an der Linde, südwestlich Pfaffendorf. Östlich liegen Klein- und Groß-Wülknitz. Dohndorf, Löbnitz, Klein- und Groß-Wülknitz sind Ortsteile der Stadt Köthen.
Westlich von Wörbzig befindet sich der Wörbziger Busch, ein kleinerer, für das Gebiet aber bedeutender Laubmischwald aus Stiel-Eichen, Hainbuchen, Eschen und Ulmen. Er wird vorwiegend für Erholungszwecke genutzt, da er stellenweise parkartig offen ist. Der Wörbziger Busch ist ein Teil des Landschaftsschutzgebietes Horngrabenniederung.
Nördlich von Wörbzig befindet sich der kleine Kirschwald (im Volksmund der Kirsch-Busch).
Nordwestlich von Wörbzig befindet sich die Karoline, ein geflutetes Tagebaurestloch.
Durch das südliche Wörbzig fließt, aus Richtung Pfaffendorf kommend, der Horngraben. Durch das nördliche Wörbzig fließt, vom Kirschwald kommend, der Kirschgraben. Im Wörbziger Busch mündet der Kirschgraben in den Horngraben. Der Horngraben fließt weiter, durch den Wörbziger Busch in Richtung Dohndorf. Er mündet später, bei Plömnitz in die Ziethe. Der Horngraben ist der Abfluss des Edderitzer Sees.
Der höchste Punkt in Wörbzig ist der 82,3 Meter hohe Weinberg. Er befindet sich nördlich des Wörbziger Busches auf einer Ackerfläche.
Nordöstlich von Wörbzig befindet sich die Wüstung Hanskendorf (1450 noch bewohnt, 1524 wüst), östlich von Wörbzig befindet sich die Wüstung Nienstedt (1370 noch bewohnt, 1484 wüst) und südlich von Wörbzig gibt es die Wüstung Peplingen (1484 noch bewohnt).
Geschichte Mittelalter Erstmals wurde die Siedlung Wrbizke in einer Urkunde vom 15. Januar 1149 erwähnt, was so viel heißt wie kleines Weidicht (ein mit vielen Weidenbäumen oder Weidenbüschen bewachsener Ort). Am 28. Dezember 1156 hielt Albrecht der Bär hier ein „öffentliches Landgericht“ ab.
Lange Zeit war Wörbzig Mittelpunkt einer kleinen Grafschaft, bis es 1252 durch Heinrich II. in das Fürstentum Anhalt eingegliedert wurde. Bekannt wurde der Ort unter anderem durch sein großflächig angelegtes Rittergut im Südwesten der Gemeinde, welches als Privatgrundstück heute noch zum Teil gut erhalten ist.
Frühe Neuzeit Im Dreißigjährigen Krieg hatte Wörbzig mindestens vier Einquartierungen zu verkraften. Nachweislich gab es in den Jahren 1626, 1634, 1637 und 1641 jeweils eine Einquartierung.
Hochwasser durch Schneeschmelze, das war keine Seltenheit in Wörbzig. Belegt sind solche Hochwasser für die Jahre 1729, 1744, 1784, 1830 und 1845. Betroffen war immer das südliche Wörbzig.
Eigentümer und Pächter des Rittergutes Bis 1471/1475 war die Familie von Leutzsch Eigentümer, anschließend war bis zum 5. November 1484 Fürst Waldemar VI. der Eigentümer und von 1484 bis 1621 war es im Besitz der Familie von Beltzigk (Albrecht von Beltzigk zahlte 1070 rheinische Gulden als Kaufsumme an das Fürstenhaus).
Die einzelnen Eigentümer aus der Familie von Beltzigk waren: 1484–1504 Albrecht von Beltzigk 1504–1561 Heinrich von Beltzigk, Sohn des vorigen 1561–1582 Karl von Beltzigk, Sohn des vorigen 1582–1617 Joachim von Beltzigk, Sohn des vorigen 1617–1618 Otto von Beltzigk, Sohn des vorigen (Otto fand ein gewaltsames Ende. Er wurde von einem gewissen Lorentz Borckhausen „ohne seine Verursachung ganz unverantwortlicher Weise entleibet“.) 1618–1621 Albrecht von Beltzigk, Bruder des vorigen
Am 29. August 1621 verkaufte Albrecht von Beltzigk das Rittergut seinem Schwager Anton (II.) von Wietersheim. Der Kaufpreis betrug 70.000 Taler.
Von 1647 bis 1710 und von 1737 bis 1776 wurde das Rittergut in einen Vorder- und Hinterhof geteilt.
Die einzelnen Eigentümer aus der Familie von Wietersheim waren: 1621–1647 Anton (II.) von Wietersheim, Schwager des Vorbesitzers Albrecht von Beltzigk 1647–1687 Anton (III.) von Wietersheim, Sohn des Anton (II.), Eigentümer des Vorder- oder Hinterhofes 1647–1693 Friedrich von Wietersheim, Sohn des Anton (II.), Eigentümer des Vorder- oder Hinterhofes 1687–1710 Anton (IV.) von Wietersheim, Sohn des Anton (III.), Eigentümer des Vorder- oder Hinterhofes. 1693–1713 Victor Ludwig von Wietersheim, Sohn des Friedrich, Eigentümer des Vorder- oder Hinterhofes, ab 1710 Eigentümer des ganzen Rittergutes 1713–1737 Friedrich Casimir von Wietersheim, 1737 in Wörbzig verstorben,Alexander Freiherr von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1882. Siebenter Jahrgang, Buschak & Irrgang, Brünn/Wien 1881, S. 587. Bruder des Victor Ludwig 1737–1761 Leopold Friedrich Ludwig von Wietersheim, Sohn des Friedrich Casimir, Eigentümer des Vorderhofes 1737–1786 Wilhelm Ludwig von Wietersheim, Sohn des Friedrich Casimir, Eigentümer des Hinterhofes, ab 1776 Eigentümer des ganzen Rittergutes 1761–1776 Dietrich Christian von Wietersheim, Sohn des Friedrich Casimir, Eigentümer des Vorderhofes 1786–1787 Kasimir Gottlob von Wietersheim, Sohn des Friedrich Casimir
1787 verkaufte Kasimir Gottlob von Wietersheim sein verschuldetes Rittergut für 106.000 Taler an das Köthener Fürstenhaus.
Die Pächter des Rittergutes waren: 1787–1796: Kasimir Gottlob von Wietersheim 179?–180?: J. Schulenburg 180?–1819: Johann Heinrich Jacob Hoff 1819–1821: Dorothee Hoff (Witwe des verstorbenen Johann Heinrich Jacob Hoff) 1821–1838: Friedrich Leopold Diener 1838–1847: Carl Nette
Die Besitzer/Eigentümer des Rittergutes waren: 1847 kaufte Amtsrat Carl Nette das Rittergut. Der Kaufpreis betrug 190.000 Taler. Sein Nachfahre, Gutsherr Georg Nette, besaß mehrere Güter, im Freistaat Sachsen das Gut Müglenz bei Wurzen, Grüningen in Thüringen. Er war zudem politisch aktiv, als zeitweiliges Mitglied des Landtages in Anhalt. Des Weiteren war er als Vorstand an mehreren Zuckerfabriken beteiligt.Nette, Georg. Ökon.-R. Rittergutsbes., In: Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Who’s Who in Germany. Wer ist’s?, Band (Ausgabe) 5, G. E. Stechert & Co. New York. Selbstverlag, Leipzig 1911, S. 1013. In Müglenz richtete Georg Nette um 1911 ein kleines Völkerschlacht-MuseumHubert Ermisch (Hrsg.): Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde. Band 32, Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1911, S. 208. ein und hielt zeitgleich Kontakt mit mehreren Museen, in Nürnberg und Stralsund. Seine Tochter Anneliese (1915–1962), Erbin von Gut Müglenz,Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1956. Band II, Band 12 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, , S. 306–311. heiratete den Offizier und Diplomaten Friedrich-Karl von Plehwe. Der letzte Gutsherr in Wörbzig war dessen Schwager, Walther Nette.
19. Jahrhundert Während der napoleonischen Zeit war der Rittergutspächter und Amtmann Johann Heinrich Jacob Hoff der Canton-Maire (Bürgermeister) im zweiten Canton (bestehend aus den Orten Wohlsdorf, Biendorf, Frenz, Klein- und Groß-Wülknitz, Plömnitz, Preußlitz, Wenndorf und Wörbzig) des dritten Distrikt des Landes Nienburg im Herzogtum Anhalt-Köthen.
Während der Märzrevolution 1848/49 bildete sich auch in Wörbzig eine sogenannte Bürgerwehr. Die Fahne der Wörbziger Bürgerwehr ist erhalten und befindet sich im Historischen Museum für Mittelanhalt in Köthen.
Im Jahre 1859 gab es, vorgeschlagen vom Rittergutsbesitzer Carl Nette, auf dem Weinberg ergiebige archäologische Ausgrabungen. Die aus der Bronzezeit stammenden Funde wurden von Professor Hermann Schaaffhausen begutachtet.H. Schaaffhausen, Über die Ausgrabungen bei Wörbzig. In: "Mitteilungen des Vereins für anhaltische Geschichte und Altertumskunde", Heft 2, 1880, S. 83–97.
Im Jahre 1869 hielt sich der preußische König Wilhelm I. in Wörbzig auf. Er frühstückte täglich, während eines dreitägigen Manövers bei Pilsenhöhe, zusammen mit dem Rittergutsbesitzer Carl Nette und dessen Familie.
20. und 21. Jahrhundert 1906 gründet sich der Wörbziger Turn- und Sportverein.
Am 7. Dezember 1922 besuchte Reichspräsident Friedrich Ebert Wörbzig und das Rittergut.
1925/26 lässt die Gemeinde in der heutigen Schulstraße ein Vier-Familien-Haus errichten. 1937 beschließt der Gemeinderat die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr.
Am 15. April 1945 besetzten aus Richtung Dohndorf kommende US-amerikanische Soldaten das Dorf.
Nach dem Kriegsende wurden im Zeitraum 1945/1946 diese Einwohner festgenommen und in Speziallager des NKWD inhaftiert: Arndt, Hermann (* 21. Februar 1900 in Preußisch Börnecke; † 4. März 1947 in Neuburxdorf (Speziallager Nr. 1 Mühlberg))Comp.Gen e.V. Berlin (Hrsg.): Symbolisches Grab des Hermann Arndt., Buchhalter, Vater des Dietrich Arndt. Bock, Hans Joachim (* 24. Juni 1905 in Braunschweig; † unbekannt), Festnahme am 6. März 1946, Inspektor. Herr Bock überlebte die Haft. Eichmann, Otto (* 20. Oktober 1890 in Dannigkow; † 7. Februar 1953 in Köthen), Hofverwalter. Herr Eichmann überlebte die Haft. Elze, Werner (* 20. Juli 1907 in Wörbzig; † 21. März 1948 in Zinna (Speziallager Nr. 10 Torgau)), Großbauer. Hammer, Paul (* 31. Januar 1898 in Rohndorf; † 17. März 1946 in Sandhausen (Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen)), Lehrer, NSDAP-Ortsgruppenleiter. Hoffmann, Oskar (* 11. Juni 1901 in Wörbzig; † 27. März 1946 in Ketschendorf (Speziallager Nr. 5 Ketschendorf)), Gutsbesitzer, Bürgermeister. Michaelis, Willi (* 22. Februar 1904 in Gröbzig; † 19. August 1946 in Sandhausen (Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen)), Festnahme im August 1945, Schneidermeister, SA-Mann. Nette, Walther (* 14. Oktober 1879 in Trinum; † 28. Dezember 1946 in Bautzen (Speziallager Nr. 4 Bautzen)), Festnahme am 3. September 1945Schriftlich bestätigt durch seine Ehefrau Martha Nette., Rittergutsbesitzer, Schwiegervater des Arno von Lenski und Großvater des Hasso von Lenski.
1948 wurde der Bau von 21 Neubauerngehöfte beschlossen. Gebaut wurden nur drei Neubauerngehöfte. 1958/59 werden in der heutigen Schulstraße drei Vier-Familien-Häuser gebaut. 1969 folgt in dieser Straße ein zweigeschossiger Neubaublock mit zwölf Wohnungen, verteilt in drei Aufgänge.
Am 11. September 2011 wurde Wörbzig von einem schweren Unwetter mit Orkan und tennisballgroßen Hagelkörnern heimgesucht.
Am südöstlichen Dorfrand fanden 2013/14 archäologische Ausgrabungen statt. Die Archäologen vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt machten Funde die aus der Bronzezeit stammen., Mitteldeutsche Zeitung vom 31. Juli 2014, Ausgabe Köthen.
Einwohnerentwicklung 31.12.1829 – 477 Einwohner 31.12.1850 – 502 Einwohner 31.12.1867 – 625 Einwohner 31.12.1876 – 705 Einwohner 31.12.1879 – 705 Einwohner 31.12.1883 – 733 Einwohner 31.12.1887 – 700 Einwohner 31.12.1894 – 650 Einwohner 31.12.1900 – 651 Einwohner 31.12.1902 – 651 Einwohner 31.12.1905 – 679 Einwohner 31.12.1907 – 679 Einwohner 31.12.1910 – 661 Einwohner 31.12.1919 – 597 Einwohner 31.12.1925 – 672 Einwohner 31.12.1933 – 672 Einwohner 31.12.1937 – 617 Einwohner 20.07.1938 – 604 Einwohner 10.10.1938 – 602 Einwohner 01.01.1939 – 595 Einwohner 17.05.1939 – 603 Einwohner 01.10.1939 – 598 Einwohner 08.11.1939 – 604 Einwohner 31.12.1939 – 617 Einwohner 01.09.1940 – 634 Einwohner 01.09.1941 – 634 Einwohner 10.10.1941 – 671 Einwohner 18.10.1942 – 614 Einwohner + 86 ausländische Zwangsarbeiter 12.02.1945 – 726 Einwohner + 82 ausländische Zwangsarbeiter 31.12.1945 – 954 Einwohner 31.05.1959 – 734 Einwohner 31.12.1965 – 703 Einwohner 31.12.1969 – 703 Einwohner 31.12.1971 – 701 Einwohner 31.12.1972 – 697 Einwohner 25.08.1992 – 506 Einwohner 31.12.1993 – 534 Einwohner 31.12.1998 – 444 Einwohner 31.12.2002 – 434 Einwohner 31.12.2007 – 405 Einwohner 31.10.2021 – 376 Einwohner