Das Theater Aachen ist eine im Jahr 1825 eröffnete Kultureinrichtung für Schauspiel und Musiktheater der Stadt Aachen. Es steht in der Nachfolge des nicht mehr repräsentativen ehemaligen Alten Komödienhauses am Katschhof, des 1751 von Johann Joseph Couven errichteten ersten öffentlichen Theaters Aachens. 1920 wurde dem Theater das zuvor eigenständige Sinfonieorchester Aachen angegliedert.

Das derzeitige Mehrspartenhaus (Oper, Schauspiel, Konzert) hat seinen Sitz in einem von Karl Friedrich Schinkel und Johann Peter Cremer entworfenen klassizistischen Gebäudekomplex am Aachener Kapuzinergraben. Die einzelnen Aufführungen finden entweder auf der mit 730 Sitzplätzen ausgestatteten „Großen Bühne“ oder in der „kleinen Kammer“ mit 151 Sitzen statt. Für kammermusikalische Aufführungen, Lesungen, Podiumsdiskussionen und Feste steht das Spiegelfoyer zur Verfügung, wohingegen die großen Sinfoniekonzerte meist im Eurogress Aachen aufgeführt werden. Zum Theater Aachen gehört als externe Spielstätte noch das so genannte Mörgens mit seinen 99 Plätzen.

Geschichte Im Jahre 1802 beschloss die im besetzten Aachen amtierende französische Regierung, dass das bisherige Komödienhaus am Katschhof, welches den gestiegenen baulichen und repräsentativen Anforderungen nicht mehr entsprach, umfangreich umgebaut und modernisiert werden solle oder als Alternative ein Neubau zu entwerfen sei. Den Entwurf für den Um- und Ausbau übernahm der Architekt Jaques Cellerier (1742–1814), dessen Ausführung aber aufgrund massiven Geldmangels ebenso wie ein ggf. möglicher Neubau vorerst nicht realisiert werden konnte.

mini|Theater im Jahr 1826, Lithografie von Jean Nicolas Ponsart Nach Abzug der Franzosen und der Übernahme Aachens durch Preußen stand im Jahr 1815 die Theaterfrage erneut zur Debatte. Im Rahmen eines Besuches von Karl Friedrich Schinkel am 12. September 1816 in Aachen wurden ihm die Neubaupläne und die Entwürfe Celleriers zum Umbau des alten Schauspielhauses vorgelegt. In seinem Gutachten empfahl Schinkel zunächst den Umbau, aber nachdem im Juli 1816 König Friedrich Wilhelm III. das Grundstück des ehemaligen Kapuzinerklosters Aachen am Kapuzinergraben der Stadt Aachen übergeben hatte, entschied sich der Stadtrat für den Neubau eines Theaters. Im Zuge der umfangreichen städtebaulichen Veränderungen der Aachener Innenstadt nach Plänen von Adam Franz Friedrich Leydel in den 1820er Jahren wurde der Bauplatz für das Theater im ehemaligen Garten des Kapuzinerklosters ausgewählt. Das neue Theater sollte den Tourismus fördern und nach den Plänen Leydels gleichzeitig den zentralen Ausgangspunkt für eine prachtvolle Verbindungsstraße zwischen dem Aachener und Burtscheider Kurbezirk bilden. Da allerdings Celleriers Plan zu kostspielig war, wurde am 13. Juli 1817 Johann Peter Cremer mit der Anfertigung eines neuen Entwurfes beauftragt. Ergänzt durch Karl Friedrich Schinkel konnte Cremers Entwurf schließlich verwirklicht und das neue Theater Aachen am 15. Mai 1825 mit der Oper Jessonda von Louis Spohr eröffnet werden. In der darauffolgenden Woche wurde hier im Rahmen des Niederrheinischen Musikfestes, welches extra für diese Eröffnungsfeierlichkeiten nach Aachen vergeben wurde, die Neunte Sinfonie von Beethoven zum ersten Mal nach der Uraufführung in Wien aufgeführt. Die Aufführung wurde von 422 Sängern und Musikern bestritten, wobei schwierige Passagen indes ausgelassen wurden. 1829/30 übernahm Karl Fischer die Leitung des Hauses.

Für die musikalischen Darbietungen am Theater Aachen war ein im Jahr 1804 reorganisiertes Harmoniekorps zuständig, welches unter der Leitung eines Musikdirektors stand und aus dem sich 1852 unter Karl von Turanyi das städtische Orchester begründete. Es unterstand zunächst nicht der Theaterleitung, sondern ihm oblagen im Auftrag der Stadt die Gestaltung der gesamten öffentlichen Musikangebote in Aachen wie beispielsweise die Kurkonzerte in der Neuen Redoute oder im Elisengarten. Erst 1920 wurde das Orchester dem Theater Aachen offiziell angegliedert und die Leitung dem Generalmusikdirektor Peter Raabe übertragen, der nun zugleich auch künstlerischer Leiter des Sparte Musiktheater wurde. Der deutsch-national gesinnte Raabe betrachtete das Aachener Musikleben als exemplarisch und es gelang ihm in seiner Eigenschaft als Präsident der Reichsmusikkammer, dass seine in Aachen entwickelten Vorstellungen einer tariflich abgesicherten sinfonischen Monokultur deutschlandweit als sogenanntes Kulturorchestersystem für alle größeren Kommunen von 1938 bis heute Realität blieben.Lutz Felbick: Das „hohe Kulturgut deutscher Musik“ und das „Entartete“ – über die Problematik des Kulturorchester-Begriffs, in: Zeitschrift für Kulturmanagement, 2/2015, S. 29–59.

Die Schauspielsparte des Theaters unterstand von Beginn an den jeweiligen Schauspieldirektoren, welche im Rahmen der organisatorischen Umstellung 1920 zum Intendanten ernannt wurden und ab 1950 als Generalintendanten die Gesamtleitung des Theaters innehatten.

Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurde das Theatergebäude am 14. Juli 1943 bis auf den Portikus und Teilen des Foyers weitgehend zerstört und der Betrieb eingestellt. Erst 1945 wurde mit Kurt Sieder ein neuer Intendant an das Stadttheater Aachen berufen, um den Spielbetrieb neu zu organisieren. Es galt für Sieder, Alternativen für die Probe- und Aufführungsräume zu finden. Die ersten Aufführungen an provisorischen Spielstätten fanden unter anderem in der Stadtbibliothek Aachen statt. Dabei wurde Sieder von einem kleinen Kreis gleichgesinnter Künstler und Künstlerinnen unterstützt. Die anfänglichen Gagen bestanden vorwiegend aus Lebensmitteln, Kaffee oder Tabak. Gleichzeitig wurden Geschäftsleute, Unternehmen und prominente Privatleute um Zuschüsse für den Neuaufbau des Theaters gebeten. Der Wiederaufbau im alten Stil am bisherigen Platz unter Leitung von Baudirektor Philipp Kerz wurde unter anderem mit den Einnahmen eines Benefizkonzertes der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan im Aachener Eden-Palast finanziell unterstützt.

Nach Sieders frühem Tod veranlasste seine Witwe Gerda die Bildung der „Kurt-Sieder-Stiftung“, in die das gesamte Vermögen, einschließlich des Privathauses in Aachen-Brand, einflossen. Diese Stiftung verleiht jährlich den Kurt-Sieder-Preis für herausragende schauspielerische Leistungen an jeweils ein Ensemblemitglied des Stadttheaters sowie des Grenzlandtheaters.

Generalintendanten nach dem Wiederaufbau 1950–1968: Paul Mundorf: Erster Generalintendant des Stadttheater Aachen. Nach dem Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Theaters wurde es am 23. Dezember 1951 mit Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner unter der musikalischen Leitung des langjährigen Bayreuth-Dirigenten Karl Elmendorff wiedereröffnet. Die folgenden Aufführungen der Meistersinger fanden danach unter der Leitung des 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft emigrierten ehemaligen musikalischen Oberleiters Aachens, Paul Pella, statt. 1953 ließ Mundorf in der kleinen „Kammer“ eine Experimentierbühne eingerichtet, 1968 trat er in den Ruhestand. 1968–1981: Peter Maßmann, er erreichte, dass das Theater in einen kommunalen Eigenbetrieb umgewandelt wurde. 1981–1983: Manfred Mützel bat während seiner Generalintendanz den Schauspieler und Regisseur Tom Witkowski, alternative Theaterformen und Spielstätten zu entwickeln. Es entstand ein Nachtstudio an unterschiedlichen Stellen des Hauses, darunter in der Dekoration im Großen Haus, im Treppenhaus des Theaterfoyers, im ersten Rang und im Spiegelsaal auf Sitzkissen, welche die Zuschauer mitnahmen und vor dem Eisernen Vorhang. Dabei wurden Studenten und „Nachtschwärmer“ neu an das Theater herangeführt. 1984–1992: Klaus Schultz, leitete als Generalintendant die Bühnen der Stadt Aachen, vergrößerte den Orchestergraben und erneuerte die Bühnentechnik. Er errichtete zudem ein neues Probengebäude und baute die Kammerspiele um. Bereits seit den 1990er Jahren wurde das Theater auf Grund knapper öffentlicher Kassen fast im Jahresrhythmus von Teilauflösungen und/oder Zusammenlegungen bedroht So wurde es beispielsweise 1992 mit einer Sperre des laufenden Theateretats belegt, was zur Folge hatte, dass Orchesterstellen nicht besetzt werden konnten, was sich wiederum auf die Werkauswahl und die Qualität auswirkte. In diesem eskalierenden Streit, zu dem sich auch der Deutsche Bühnenverein mit einer Pressemitteilung äußerte, setzte sich die amtierende Aachener Bürgermeisterin Meike Thüllen (FDP) zusammen mit dem Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD) für den Erhalt des Theaters ein, trat dann jedoch wenig später aus Protest gegen die massiven Kürzungspläne ihres Koalitionspartners CDU von ihrem Amt zurück. 1992–1999: Elmar Ottenthal, ihm wurde neben seiner Generalintendanz die Leitung der Opernklasse an der Aachener Abteilung der Hochschule für Musik und Tanz Köln übertragen und er wurde dort zum Professor ernannt. Aufgrund des zunehmenden überregionalen Einzugs- als auch Einsatzgebietes wurde in seiner Zeit das „Stadttheater Aachen“ in „Theater Aachen“ umgetauft. 1999–2001: Claus Schmitz, wurde zunächst kommissarischer Generalintendant und übernahm später die Leitung des Theaters. 2001–2005: Paul Esterházy, lehrte gleichzeitig an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Abteilung Aachen, Musiktheaterregie und leitete die dortige Opernklasse. 2002 wurde ihm von der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik Aachen e. V. für die Pflege der Zeitgenössischen Musik der „Aachener Musikpreis“ verliehen. 2005–2023: Michael Schmitz-Aufterbeck, übernahm das Theater Aachen als Generalintendant und Geschäftsführer. Nach wie vor wurden immer wieder Pläne seitens der Stadtverwaltung verlautbart, wonach das städtische Theater oder einzelne Sparten desselben mit anderen Einrichtungen, vorzugsweise dem Grenzlandtheater Aachen, zusammengelegt oder gar geschlossen werden sollten. Dass dies bisher noch nicht geschehen ist, ist in den letzten Jahren maßgeblich Schmitz-Aufterbeck und dem Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch zu verdanken. Durch ihre Programmgestaltung und die Arbeit eines Ensembles auf hohem Niveau konnten die Zuschauerzahlen kontinuierlich gesteigert und anschließend stabil gehalten werden – ein Erfolg, der den Stadtrat überzeugte, die finanziellen Zuschüsse fortzuführen. mini|hochkant|Elmar Ottenthal, Manfred Mützel, Claus Schmitz, Elena Tzavara, Michael Schmitz-Aufterbeck Seit 2023: Elena Tzavara übernahm mit Beginn der Spielzeit 2023/24 die Generalintendanz des Theater Aachen. Ihre Intendanz ist durch eine stärkere Öffnung des Theaters in die Stadtgesellschaft, spartenübergreifende Formate sowie Kooperationen mit Hochschulen und anderen kulturellen Einrichtungen geprägt. Im Gegensatz zu vielen Intendanzwechseln übernahm sie das Haus ohne umfassende personelle Veränderungen in den Ensembles. Tzavara ist zudem Vorstandsmitglied der Kurt-Sieder-Stiftung. Die Spielzeit 2024/25 stand im Zeichen des 200-jährigen Bestehens des Theater Aachen. Aus diesem Anlass lud Tzavara die noch lebenden ehemaligen Generalintendanten zu einer Jubiläumsgala am 15. Mai 2025 ein. Gemeinsam mit Generalmusikdirektor Christopher Ward initiierte sie mehrere Projekte im öffentlichen Raum, darunter das Straßenoratorium Place Publique mit Schorsch Kamerun und einem Bürgerchor (Premiere: 31. Mai 2025) sowie eine Inszenierung von Giuseppe Verdis Ernani, deren Aufführung als „Pilgerreise“ unter Beteiligung des Aachener Karnevalsvereins Öcher Penn bis in den Aachener Dom führte (Premiere: 7. Juni 2025). Begleitend entstanden die Ausstellungen „Bravo! Bravissimo! – 200 Jahre Theater Aachen“ im Centre Charlemagne sowie „Auf die Spitze getrieben. Kostüme aus dem Theater Aachen“ im Couven-Museum. Im November 2023 ließ Tzavara die Karajan-Büste aus dem Foyer des Aachener Stadttheaters entfernen, was zu einer intensiven, langanhaltenden und bundesweit beachteten Kontroverse führte.

Architektur des Theatergebäudes mini|Das Theater vor dem Umbau (1899)