Schach960 oder Schach-960FIDE-Regeln 2014 (deutsch) zum Download auf www.schachbund.de: „Schach-960“ ist die Bezeichnung im offiziellen Regelwerk des Deutschen Schachbundes., englisch Chess960, ursprünglich auch Fischer-Random-Chess oder Fischerschach genannt, seit 2024 vermehrt auch Freestyle-Schach bzw. Freestyle chess, ist eine von Schachgroßmeister Bobby Fischer entwickelte Schachvariante mit 960 möglichen unterschiedlichen Ausgangsstellungen. Es ist eine Verallgemeinerung des Schachspiels durch eine fast beliebige Anordnung der Schachfiguren auf der Grundreihe jeder Partei.

Zum ersten Mal vorgestellt wurde diese Variante am 19. Juni 1996 in Buenos Aires. Fischers Ziel war es, eine Schachvariante zu entwickeln, die mehr Gewicht auf die Kreativität und das Talent des Spielers legte als auf das Auswendiglernen und Analysieren von Eröffnungen. Dies sollte durch zufällige Eröffnungsstellungen erreicht werden, die ein Auswendiglernen von Eröffnungszügen wenig hilfreich erscheinen lassen.

Die Regeln für Schach960 wurden 2009 vom Weltschachverband FIDE als Bestandteil der Schachregeln in ihr Regelwerk („Laws of Chess“, Anhang F) aufgenommen. Im Jahre 2019 fand erstmals eine offizielle Weltmeisterschaft statt. Weltmeister wurde Wesley So. Sein Nachfolger bei der zweiten Weltmeisterschaft 2022 wurde Hikaru Nakamura.

2024 wurde von Jan Henric Buettner und Magnus Carlsen eine Schachorganisation gegründet, die unter dem Namen Freestyle chess unabhängig von der FIDE Turniere nach Schach960-Regeln ausrichtet.Magnus Carlsen und Jan Henric Buettner geben Gründung des Freestyle Chess Players Club und der globalen Freestyle Chess Grand Slam Tour bekannt In: chessbase.de

Geschichte miniatur|hochkant=1.3|5. Livingston Chess960 Computer World Championship 2009 in Mainz; die vier Programme Deep Sjeng, Shredder, Rybka und Ikarus sowie ihre Programmierer Bereits 1993 berichtete Der Spiegel über ein von Bobby Fischer erdachtes Losverfahren für die Grundlinienfiguren. Das erste „Fischer-Random-Chess“-Turnier wurde 1996 in Jugoslawien gespielt und wurde von Péter Lékó gewonnen.

Im Jahre 2001 erwarb sich Lékó – durch einen Sieg gegen Michael Adams in einem Acht-Partien-Match im Rahmen der Mainzer Chess Classic – das Recht, 2003 um die Weltmeisterschaft zu spielen. Für dieses Match gab es keine Qualifikation (die es auch bei den ersten normalen Schachweltmeisterschaften nicht gab), aber beide Spieler waren zu dieser Zeit unter den besten fünf der normalen Schach-Weltrangliste. Lékó wurde ausgewählt, da er zum einen viele Neuerungen in die Schachtheorie eingebracht hatte und zum anderen Sieger des vorjährigen Turniers war. Dazu hatte er mit Fischer selbst Fischer-Random-Chess gespielt. Adams wurde gewählt, weil er die Weltrangliste im Blitzschach anführte und als extrem starker Spieler in ungewöhnlichen Situationen galt. Das Match endete mit 4,5:3,5.

Im Jahre 2002 veranstalteten bei den Chess Classic in Mainz die Chess Tigers ein Chess960 Open mit über 130 Teilnehmern und über 50 Titelträgern. Einer von ihnen war der russische Großmeister Peter Swidler. Er strauchelte zwar zu Beginn des Turniers, doch nach einer furiosen Aufholjagd hievte er sich noch auf Platz 1 und qualifizierte sich so für ein offizielles Match um die Weltmeisterkrone. Zudem wurde 2002 Fischer-Random-Chess/Chess960 auch von ChessVariants.com zur Recognized Variant of the Month für April 2002 gewählt und der jugoslawische Großmeister Svetozar Gligorić veröffentlichte sein Buch Shall We Play Fischerandom Chess?, das dieser Variante zu mehr Popularität verhalf.

Ein Jahr später wurde dann im Rahmen der Chess Classic die erste (inoffizielle) Schach960-Weltmeisterschaft zwischen Peter Swidler und Péter Lékó ausgetragen, die Swidler mit 4,5:3,5 gewann. Das parallel laufende Chess960-Open zog 179 Spieler an, darunter 50 Großmeister. Es wurde von Levon Aronian, dem (damals) in Deutschland lebenden Armenier und Juniorenweltmeister von 2002, gewonnen. Dieser erwarb sich so das Recht, im kommenden Jahr Weltmeister Swidler herauszufordern.

In den folgenden Jahren wurden mehrere inoffizielle Weltmeisterschaftswettkämpfe ausgetragen. Neben Swidler konnten zeitweise auch Lewon Aronjan und Hikaru Nakamura den Titel erringen. Nach dem Sieg des Amerikaners im Jahr 2009 kam es längere Zeit zu keinen Weltmeisterschaftskämpfen mehr. Erst 2018 wurde Nakamura von Magnus Carlsen herausgefordert und besiegt.

Ein Jahr später fand dann die erste offizielle Weltmeisterschaft im Fischer-Random-Schach statt. Carlsen, der als inoffizieller Titelverteidiger fürs Halbfinale gesetzt war, verlor gegen Wesley So, der damit zum ersten von der FIDE anerkannten Weltmeister wurde.

Rybka siegte 2007 bei der Chess960-Computer-Weltmeisterschaft und verteidigte sowohl 2008 als auch 2009 seinen Chess960-Computer-Weltmeistertitel. 2009 fand die letzte Chess960-Computer-Weltmeisterschaft im Rahmen der Chess Classic in Mainz statt.

Hans-Walter Schmitt war auch Initiator zur Gründung eines 960-Weltverbandes: der World New Chess Association (WNCA) mit eigenem Ratingsystem.Conrad Schormann: Gens una sumus? Nicht im Schach960 – Geschichte und Hintergründe zur neuen Schachvariante, auf Perlen vom Bodensee – das Schachmagazin, 16. August 2019.

Namensgebung miniatur|Hans-Walter Schmitt, Frankfurt am Main 2011

Diese Schachvariante ist unter verschiedenen Namen bekannt. Unter den ersten Namen, die ihr gegeben wurden, sind Fischer-Random-Chess und Fischerandom-Chess.

Hans-Walter Schmitt (Vorsitzender der Frankfurt Chess Tigers e. V.) ist ein Verfechter dieser Schachvariante, und er suchte nach einem neuen Namen, der die folgenden Voraussetzungen erfüllen sollte: Er sollte keinen Bestandteil des Namens eines Großmeisters tragen. Er sollte keine negativ besetzten oder schwammigen Begriffe wie „Random“ oder „Freestyle“ enthalten. Er sollte weltweit verstanden werden. Als Ergebnis dieser Suche wurde der neue Name Chess960 bzw. Schach960 gefunden, abgeleitet von der Zahl möglicher Eröffnungspositionen. Man findet auch die Schreibweise Schach 960 oder Schach-960.

Hans-Walter Schmitt meldete die Domain chess960.com an. Jedoch war es der US-amerikanische Milliardär Rex Sinquefield, der sich die Marke Chess960 sichern ließ.

Mit der Gründung des Freestyle chess players club im Jahr 2024 und folgenden großen Turnieren etablierte sich Freestyle-Schach bzw. Freestyle chess als weitere Bezeichnung für diese Schachvariante.

Eröffnungsstellungen

Die Eröffnungsstellungen im Schach960 müssen die folgenden Regeln erfüllen: Die weißen Bauern stehen auf ihren üblichen Positionen. Alle übrigen weißen Figuren stehen in der ersten Reihe. Der weiße König steht zwischen den weißen Türmen. Ein Läufer steht auf einem weißen, der andere auf einem schwarzen Feld. Die schwarzen Figuren werden entsprechend den weißen spiegelsymmetrisch platziert. Steht zum Beispiel der weiße König auf f1, so wird der schwarze König auf f8 gestellt.

Die Anzahl von 960 möglichen Startpositionen ergibt sich kombinatorisch: Für jeden Läufer gibt es vier mögliche Felder; nach deren Positionierung bleiben für die Dame noch sechs, dann für die beiden Springer fünf bzw. vier Möglichkeiten. Der Rest ist zwingend, da der König zwischen den beiden nicht unterscheidbaren Türmen steht. Bei Unterscheidbarkeit der Springer ergäben sich somit 4×4×6×5×4 = 1920 mögliche Eröffnungspositionen. Da aber auch die Springer nicht unterscheidbar sind, ist diese Zahl noch zu halbieren, was auf 960 Variationen führt.

Durch die asymmetrischen Rochaderegeln sind alle 960 Grundstellungen effektiv verschieden. Anderenfalls wäre die Zahl nochmals zu halbieren, da immer zwei verschiedene Stellungen zueinander links-rechts-symmetrisch sind.

Ist die Eröffnungsstellung gefunden, wird nach den üblichen Schachregeln gespielt, abgesehen von den verallgemeinerten Rochaderegeln.

Rochaden

Rochaderegeln Auch im Schach960 gibt es die Möglichkeit der Rochade. Dabei ziehen König und Turm auf dieselben Felder wie beim klassischen Schach:

Bei der Rochade mit dem Turm, dessen Startposition näher an der a-Linie ist, gelangt der König auf die c-Linie und der Turm auf die d-Linie. Bei der Rochade mit dem Turm, dessen Startposition näher an der h-Linie ist, gelangt der König auf die g-Linie und der Turm auf die f-Linie.

Die von König und Turm zurückgelegten Wege können je nach Ausgangsposition sehr unterschiedlich sein, daher wären die Bezeichnungen „lange Rochade“ und „kurze Rochade“ unpassend; man spricht stattdessen von der c‑Rochade und der g‑Rochade. Wie im klassischen Schach wird die c‑Rochade als notiert und die g‑Rochade als

Die übrigen Rochaderegeln aus dem klassischen Schach gelten auch im Schach960: Zwischen Ausgangs- und Zielfeld sowie auf dem Zielfeld des Königs und des beteiligten Turms dürfen keine Figuren stehen (außer den beiden beteiligten Figuren). Somit ist es auch nicht möglich, mit der Rochade eine Figur zu schlagen. Der König darf nicht angegriffen sein und darf kein bedrohtes Feld überqueren. Der König und der beteiligte Turm dürfen noch nicht gezogen haben. Eine Rochade zählt als Königszug, auch wenn sich der König dabei nicht bewegt. Deshalb kann auch im Schach960 jede Seite höchstens einmal in einer Partie rochieren.

Wenn die ausgeloste Position von König und Türmen dem klassischen Schach entspricht, sind dadurch die normalen Rochaderegeln gültig. Die c‑Rochade wird dabei zur langen und die g‑Rochade zur kurzen Rochade. Dadurch ist gewährleistet, dass das klassische Schach eine der 960 Varianten des Schach960 ist.

Im Schach960 können Konstellationen auftreten, die es im klassischen Schach nicht gibt: In einigen Eröffnungspositionen kann man rochieren, obwohl Felder besetzt sind, die beim klassischen Schach dafür frei sein müssen. Zum Beispiel dürfen die Grundreihenfelder in der a- und der b-Linie bei der c‑Rochade besetzt sein, wenn der beteiligte Turm auf der c/d/e/f-Linie steht. Es kann vorkommen (zum Beispiel bei einer Ausgangsstellung mit König in der f- und Turm in der g-Linie), dass König und Turm benachbart sind und bei der Rochade einfach ihre Plätze tauschen. Dies kann dann schon im ersten Zug geschehen. Es kann vorkommen, dass nur der Turm oder nur der König bei der Rochade seine Position ändert. Dies tritt auf bei Ta1/b1 Kc1; Kg1 Th1 bzw. Td1 Ke/f/g1; Kb/c/d/e1 Tf1. Dass beide unbewegt bleiben, ist hingegen ausgeschlossen, weil in der Eröffnungsstellung der König zwischen beiden Türmen steht. Es kann vorkommen, dass König und Turm bei der Rochade in die gleiche Richtung ziehen. Bei der c‑Rochade tritt dies z. B. bei Kb1 Ta1 oder Te1 Kf1 auf.

Der Rochadevorgang Beim Spiel mit einem menschlichen Gegner an einem physischen Brett wird durch die FIDE empfohlen, dass der König bei der Rochade erst außerhalb des Bretts neben sein zukünftiges Feld gestellt wird, dann der Turm auf seine Endposition gesetzt und abschließend der König auf seine Endposition gesetzt wird. Diese Regel ist leicht zu befolgen und zeigt den geplanten Zug unmissverständlich an.

Gerade bei Spielern, die wenig Erfahrung mit Schach960 haben, kann angebracht sein, eine Rochade anzukündigen, um Missverständnissen vorzubeugen.

Bei Spielen am Computer gegen ein Programm oder auf einem Schachserver ist normalerweise ein gesonderter Menüeintrag oder eine Schaltfläche für die kurze und lange Rochade vorhanden. Auch erkennen gute Schachprogramme bei einigen Zügen des Königs, dass nur eine Rochade gemeint sein kann, und komplettieren den Zug von sich aus. Es existieren verschiedene Ansätze, einem Programm über seine GUI eine Rochade eindeutig zu signalisieren. Zum Beispiel zieht der König auf ein mindestens zwei Schritte weit entferntes Rochadezielfeld oder aber ansonsten auf den beteiligten Turm, um somit Verwechslungen mit möglichen einfachen Königszügen zu vermeiden. Bei einigen Programmoberflächen ist auch die textuelle Eingabe der Rochade als oder möglich.