Transnistrien (, , , amtlich Transnistrische Moldauische Republik bzw. Transnistrische Moldawische Republik; aus Eigensicht als Cisnistrische Moldauische Republik bezeichnet, kurz Cisnistrien; meistens genutzte, teils übersetzte, teils eingedeutschte Eigenbezeichnung Pridnestrowische Moldauische Republik oder selten Pridnestrowische Moldawische Republik, kurz Pridnestrowien, mit dem eigensprachlichen Kürzel PMR; oder kurz ) ist ein international nicht anerkanntes, ausschließlich von Russland gestütztes De-facto-Regime in Osteuropa. Das hauptsächlich östlich des Flusses Dnister (russisch Dnestr) an der moldauisch-ukrainischen Grenze gelegene Gebiet wird international als Bestandteil der Republik Moldau angesehen und wird von rund 375.000 Menschen bewohnt.

Die Republik entstand zwischen 1990 und 1992 beim Zerfall der Sowjetunion durch Sezession von der Republik Moldau im Transnistrien-Konflikt, der seither als „eingefroren“ gilt. Sie ist seit 1990 faktisch von der Zentralregierung in Chișinău unabhängig und verfügt unter anderem über eine eigene Regierung, Währung, Verwaltung und Militär. Bislang erkennt allerdings kein anerkannter Staat und keine internationale Organisation das Gebiet als souveränen Staat an. Transnistrien ist deshalb Gründungsmitglied der Gemeinschaft nicht-anerkannter Staaten, zu denen nach der territorialen Auflösung der Republik Arzach nur noch die ebenfalls umstrittenen georgischen Regionen Abchasien und Südossetien gehören, welche sich wechselseitig in ihren jeweiligen Souveränitätsbestrebungen unterstützen. Das Gebiet steht unter entscheidendem russischen Einfluss, so sind beispielsweise 1200 bis 1500 Soldaten der russischen Streitkräfte in Transnistrien stationiert, neben 10.000 bis 15.000 moskautreuen Paramilitärs.

Geographie Die Fläche der Transnistrischen Moldauischen Republik umfasst je nach Definition 3567 oder 4163 Quadratkilometer, was 10,5 % oder 12,3 % der Fläche Moldaus entspricht. Flächenmäßig ist Transnistrien etwa 40 % größer als Luxemburg.

Die Länge von Nordwest nach Südost beträgt 202 Kilometer. Transnistrien liegt im Flachland, circa 50 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel, zwischen dem Territorium Moldaus im Westen und der Ukraine im Osten, entlang des östlichen Dnisterufers. Die Hauptstadt Tiraspol hat etwa 150.000 Einwohner und liegt im Süden des Landes, etwa zwischen Odessa (100 Kilometer) und Chișinău (70 Kilometer). Westlich des Dnisters liegen die Stadt Bendery und einige Vororte sowie die Ortschaft Kizkany nahe Slobodseja. Einige Dörfer im transnistrischen Rajon Dubossary östlich des Dnister stehen unter Kontrolle der moldauischen Regierung, werden jedoch von Transnistrien beansprucht wie auch die westlich des Dnister gelegenen, von der moldauischen Regierung kontrollierten Orte Varnița und Copanca.

Die wichtigsten Städte Transnistriens neben der Hauptstadt Tiraspol sind Bendery, Rybniza und Dubossary. Gewisse regionale Bedeutung besitzen daneben noch Dnestrowsk als Standort eines wichtigen Kraftwerks sowie die Rajonhauptstädte Grigoriopol, Kamenka sowie Slobodseja.

Der Großteil der Bevölkerung lebt in den südlichen Rajonen mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Tiraspol, Bendery, Slobodseja und einige Umlandgemeinden bilden zusammen eine Agglomeration von knapp 350.000 Einwohnern und damit den mit Abstand größten urbanen Raum des Gebietes, auf den sich der Großteil der Wirtschaft konzentriert.

Der nächstgelegene internationale Flughafen, der Flughafen Chișinău, befindet sich außerhalb Transnistriens. Er liegt 60 Kilometer nordwestlich von Tiraspol und rund 10 km südlich von Chișinău. In Tiraspol existiert ein Militärflugplatz, der für den Personenverkehr ausgebaut werden soll.

Verwaltung mini|Politische Gliederung des Landes in Rajone. Von der PMR beanspruchte, aber nicht gehaltene Gebiete sind schraffiert.

Transnistrien ist in insgesamt fünf Rajone eingeteilt, die beiden Städte Tiraspol und Bendery sind unabhängige Verwaltungssubjekte (wörtlich „Städte republikanischer Unterordnung“).

Rajon russische Bezeichnung rumänische Bezeichnung Verwaltungssitz Rajon Kamenka Каменский район Raionul Camenca Camenca (Kamenka) Rajon Dubossary Дубоссарский район Raionul Dubăsari Dubăsari (Dubossary) Rajon Grigoriopol Григориопольский район Raionul Grigoriopol Grigoriopol Rajon Rybniza Рыбницкий район Raionul Rîbnița Rîbnița (Rybniza) Rajon Slobodseja Слободзейский район Raionul Slobozia Slobozia (Slobodseja) Stadt Tiraspol Тирасполь Tiraspol Tiraspol Stadt Bender Бендеры Bender Bender (Bendery)

Bevölkerung Die Einwohnerzahl von Transnistrien ist stark rückläufig. Nach der sowjetischen Volkszählung von 1989 lebten in diesem Gebiet noch etwa 700.000 Menschen, davon 39,9 % Moldauer, 25,5 % Russen und 28,3 % Ukrainer. Der Anteil der jeweiligen Bevölkerungsgruppen schwankt von Region zu Region. So identifizierten sich im Norden des Landes, in der Region um Kamenka, nur 6,9 % der Bewohner als Russen, in Giska dagegen 61 %. Bulgaren machen landesweit nur 2,5 % der Bevölkerung aus, in der Ortschaft Parcani aber rund 80 %.

Bei der Volkszählung im November 2004 wurden rund 555.000 Einwohner gezählt, die sich aus etwa 31,9 % Moldauern, 30,3 % Russen und 28,9 % Ukrainern zusammensetzten. Dazu kommen Minderheiten wie Bulgaren (2,5 %), Juden (laut statistischer Zählung als Ethnie), Armenier, Tataren, Gagausen und Belarussen. Seit Ende des Krieges von 1992 nahm der prozentuale Bevölkerungsanteil der Russen zu.

Nach einer Volkszählung von 2015 war die Bevölkerungszahl auf 475.665 gesunken. Im November 2021 registrierte die Republik Moldau noch 347.251 Einwohner in Transnistrien, davon 338.008 mit moldauischer Staatsbürgerschaft.

Die meisten Bewohner besitzen neben der transnistrischen eine oder mehrere andere Staatsbürgerschaften, zumeist die moldauische oder russische, häufig auch beide.

Seit der De-facto-Unabhängigkeit des Landes bildet sich immer mehr eine eigene „transnistrische Identität“ heraus, die unabhängig von der ethnischen Herkunft definiert ist.Vgl. Olga Niutenko: Regional Identity and Conflict in Transnistria since Late Communism. (Masterarbeit) Karls-Universität, Prag 2013Marta Melnykevych: From the separatist movement to a new identity group - people of Transnistria: declarations countered by reality. (Masterarbeit) Universität für Umwelt- und Biowissenschaften, Ås (Norwegen) 2014, S. 71.

Bevölkerungsgruppen Moldauer mini|Traditionell gekleidete Moldauer führen einen Tanz auf Die Moldauer sind die größte Bevölkerungsgruppe Transnistriens. Ihr Bevölkerungsanteil ging seit Anfang des 20. Jahrhunderts allerdings kontinuierlich zurück und fiel von 44,1 % seit dem Jahr 1926 bis 2004 auf 31,9 %. Die Anzahl der Moldauer hat sich inzwischen aber etwas stabilisiert. Ihre Siedlungsschwerpunkte sind insbesondere die ländlichen Regionen des Landes. In den beiden bevölkerungsreichsten Städten Bendery und Tiraspol ist ihr Anteil relativ niedrig und beträgt dort nur 24,7 % sowie 15,2 %. In ländlichen Gebieten gibt es dafür viele fast ausschließlich von Moldauern bewohnte Dörfer. Mit 64,8 % ist der Rajon Grigoriopol der Bezirk Transnistriens mit dem höchsten Anteil an Moldauern.

Ein Teil der Moldauer, besonders in Städten, spricht inzwischen bevorzugt Russisch statt Moldauisch/Rumänisch.

Russen Russen sind mit einem Anteil von 30,3 % knapp hinter den Moldauern die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe Transnistriens. Seitdem das Gebiet Transnistriens ab 1792 zum Russischen Reich gehörte, ließen sich dort zahlreiche russische Siedler nieder, besonders in den größeren Städten. Dieser Zustrom setzte sich in der Zeit der Sowjetunion fort. Russische Siedlungsschwerpunkte sind meist die größeren Städte und Ortschaften im Süden Transnistriens, speziell Tiraspol, Bendery und Kizkany, die bereits im 19. Jahrhundert mehrheitlich von Russen bewohnt waren. Aber auch im Norden, in den Städten Dubossary und Rybniza, sind Russen zahlenmäßig stark vertreten. Unter der Landbevölkerung ist der Anteil der Russen deutlich niedriger, auch wenn es in den meisten Landesteilen mehrheitlich von Russen bewohnte Dörfer gibt. Lediglich im nördlichsten Bezirk, im Rajon Kamenka, wo Russen nur 6,9 % der Bevölkerung ausmachen, ist ihre Präsenz gering.

Wegen der dominanten Stellung der russischen Sprache und Kultur sehen viele Transnistrier nicht-russischer Herkunft „Russisch“ dennoch als Teil ihrer Identität.

Ukrainer mini|Dreisprachiges Ortsschild von Tiraspol (moldauisch, russisch, ukrainisch)

Ukrainer sind mit einem Anteil von 28,9 % die drittgrößte Volksgruppe des Landes. Sie sind in den Städten wie auch auf dem Land stark vertreten. Zu ihren Siedlungsschwerpunkten gehören besonders die Stadt Tiraspol, wo ihr Anteil bei rund 33 % liegt, wie auch der Norden Transnistriens. Im Rajon Rybniza sind Ukrainer mit 45,6 % die mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe, im Rajon Kamenka, dem nördlichsten Bezirk des Landes, sind sie mit 42,6 % ebenfalls überdurchschnittlich stark vertreten. In beiden genannten Bezirken gibt es zahlreiche mehrheitlich von Ukrainern bewohnte Dörfer.

Viele Ukrainer in Transnistrien und Moldau sprechen inzwischen Russisch statt Ukrainisch als Muttersprache, 1979 waren dies bereits rund 37 %.refworld.org Auch der Surschyk, eine russisch-ukrainische Mischsprache, ist verbreitet.

Minderheiten Bulgaren mini|Parcani, das einzige mehrheitlich bulgarische Dorf Transnistriens Neben den drei großen Volksgruppen leben in Transnistrien viele weitere Minderheiten, von denen die der Bulgaren mit 2,5 % der Gesamtbevölkerung (rund 14.000 Menschen) die zahlenmäßig bedeutendste ist. Das Zentrum der Bulgaren in Transnistrien bildet das Dorf Parcani, in dem eine bulgarische Bevölkerungsmehrheit lebt. An den dortigen Schulen wird Bulgarisch gelehrt,parcani.at.ua an der Universität Tiraspol existiert des Weiteren ein „Zentrum für bulgarische Kultur“.litera.spsu.ru

Deutsche Die transnistrische Volkszählung ergab 2004 eine Zahl von 2071 Deutschen in Transnistrien.pop-stat.mashke.org Dabei handelt es sich zum großen Teil um Russlanddeutsche, die sich erst vor einigen Jahrzehnten dort niedergelassen hatten.

Es gab jedoch auch eine historische deutsche Minderheit in Transnistrien. Anfang des 19. Jahrhunderts gründeten deutsche Siedler aus Baden und dem Elsass drei Kolonien im heutigen Transnistrien: Glückstal (seit 1944 Glinoje), Bergdorf (seit 1944 Kolossowo) und Neudorf (seit 1944 Karmanowo).transnistria-tour.com Die drei Ortschaften lagen nah beieinander und waren bis 1944 fast ausschließlich von Deutschen bewohnt. Sie liegen heute im Rajon Grigoriopol. Bei der russischen Volkszählung aus dem Jahr 1897 gaben im Bezirk Tiraspol, zu dem die deutschen Siedlungen damals gehörten, 23.527 Menschen Deutsch als Muttersprache an.demoscope.ru Die deutschen Siedler betrieben eigene Schulen, und es existierten mehrere deutschsprachige Kirchengemeinden.blackseagr.org (PDF) Der Zweite Weltkrieg bedeutete jedoch das Ende für die deutsche Gemeinde: 1944 floh der Großteil der Siedler entweder nach Deutschland oder wurde in andere Teile der Sowjetunion deportiert oder ermordet. Eine kleinere Zahl an Deutschen konnte jedoch bleiben oder kehrte später wieder zurück. Noch 1989 waren rund 7 % der Bevölkerung in Glinoje, dem ehemaligen Glückstal, Deutsche.Schaubild des Museums in Glinoje Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Transnistrien-Konflikt kam es zu einer erneuten Auswanderungswelle nach Deutschland, sodass in den ehemals deutschen Dörfern Transnistriens nur noch wenige, zumeist ältere Deutsche leben.

Sprachen mini|hochkant|Transnistrische Briefmarke – auf Russisch bedruckt mini|links|Schild auf Rumänisch in kyrillischer Schrift: „Бине аць венит!“ (Bine ați venit!) („Herzlich willkommen!“) Gemäß der transnistrischen Verfassung gibt es drei Amtssprachen, die zumindest de jure gleichberechtigt sind:, Статья 12 Russisch, Ukrainisch und Moldauisch.