Die Fürstlich Castell’sche Bank, Credit-Casse AG ist ein in deutsches Kreditinstitut mit juristischem Sitz in Castell und der Hauptverwaltung in Würzburg. Es wird in der Rechtsform einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft geführt, deren Anteile je zur Hälfte die Familien Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen halten.
Geschichte Gründung Die Bank wurde 1774 als Gräflich Castell-Remlingen’sche Landes-Credit-Casse gegründet mit dem Ziel, durch günstigere Kredite als bei anderen Geldverleihern Landwirte und Kaufleute der Grafschaft zu unterstützen. Hinter der Gründung stand der von Gräfin Katharina Hedwig zu Castell-Remlingen eingesetzte damalige Kanzleidirektor der Grafschaft, Friedrich Adolph von Zwanziger. Dem vorausgegangen war eine europaweite Hungersnot, in der Landwirte und Kaufleute ihre Schulden bei Geldverleihern nicht mehr zurückzahlen konnten. Die Bank löste die Verbindlichkeiten ab und vergab Kredite zu günstigen Zinsen.
Von 1857 bis 1941 Die „Neue Credit-Casse“ wurde als Privatbank gegründet und lief parallel über 80 Jahre zur „Alten Credit-Casse“, die ihren sparkassenähnlichen Charakter behielt. Mit der Übernahme des halben Bankhauses Meyer (Kitzingen) mit zahlreichen Filialen und der Umstrukturierung des fränkischen Bankwesens wurden die beiden Credit-Cassen 1937 in „Fürstlich Castell'sche Bank, Credit-Casse“ umbenannt, wie sie auch heute noch heißt. Die Fusion der „alten“ und „neuen“ Credit-Casse fand letztendlich 1941 statt.
Seit 1951 Der Sitz der Geschäftsleitung des bis dato agrarisch geprägten Credit-Instituts wurde 1951 von Castell nach Kitzingen verlegt, was die Bank „städtischer“ machte. Der Umzug der Geschäftsleitung nach Würzburg 1973 setzte diesen Prozess fort.
Auch die Fürstlich Castell'sche Bank beteiligte sich in der Zeit des Nationalsozialismus an der Enteignung jüdischer Vermögen. Als Aufsichtsratsvorsitzender beauftragte Albrecht Fürst zu Castell-Castell im Jahr 1997 eine Recherche, die der Historiker Jesko zu Dohna, Leiter des Fürstlich Castell'schen Archivs, in seinem 2005 erschienenen Buch „Die jüdischen Konten“ schildert. Mit Stand 2026 finden sich die 163 Namen jüdischer Kunden auf einer Gedenktafel im traditionellen Archivgebäude in Castell.
Albrecht Fürst zu Castell-Castell († 9. Mai 2016) übergab im Dezember 1992 die Gesellschafteranteile an seinen Sohn Ferdinand Fürst zu Castell-Castell. Im Juli 2013 übernahm Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen die Anteile seines Vaters Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen († 30. Oktober 2014).
2020 bis heute Im Jahr 2020 leitete die Bank unter dem Titel „Souverän 2024“ eine strategische Neuausrichtung ein. Im Zuge dessen wurde das Filialnetz neu strukturiert: Mehrere Standorte wurden geschlossen, neue Standorte – darunter in Frankfurt am Main – eröffnet sowie eine DialogFiliale für die überregionale Kundenberatung eingerichtet.
Im Jahr 2024 beging die Fürstlich Castell'sche Bank ihr 250-jähriges Bestehen. Die Fürstlich Castell'sche Bank zählt zu den ältesten Privatbanken Deutschlands und befindet sich weiterhin im Familienbesitz. Das Geschäft umfasst insbesondere Private Banking und Vermögensverwaltung. Mit der Marke „NeoPrivatbank“ bietet die Bank zudem digitale Anlagelösungen an.
Standorte Die Fürstlich Castell’sche Bank verfügt über Standorte in Würzburg, Frankfurt/Main, München, Nürnberg, Bamberg, Ulm und Heilbronn.
Beteiligungen
Castell Immobilien GmbH Castell-Versicherungs-Dienst GmbH & Co. KG MLF Mercator-Leasing GmbH & Co. Finanz-KG Bau 2000 GmbH
Weitere Unternehmen der Eigentümerfamilien
Fürstlich Castell’sche Domäne (Wein) Fürstlich Castell’scher Forst Fürstlich Castell’sche Meierei
Literatur
Ferdinand Fürst zu Castell-Castell, Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen: Der Wald für unsere Enkel, Westend Verlag GmbH, Frankfurt am Main am 19. September 2022, ISBN 978-3-86489-376-6 Jesko zu Dohna: Die „jüdischen Konten“ der Fürstlich Castell’schen Credit-Cassen und des Bankhauses Karl Meyer KG (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte Bd. 45), Kommissionsverlag Wegener, Castell am 1. September 2005, ISBN 978-3-86652-045-5 Christian von Hiller: Die Castells führen ihre Bank wie ihren Wald. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Oktober 2008 Harald Freiberger: Von Bäumen und Banken. In: Süddeutsche Zeitung vom 4. August 2010 Klaus Vikuk: Unternehmensfinanzierung im Wandel – Erfahrungen eines Privatbankiers. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 1/2012, S. 32f. Thilo H. Wendenburg: Aus Überzeugung konservativ. In: Die Elite der Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum 10. Jahrgang 2013, S. 137
Weblinks
Website Fürstlich Castell’sche Bank Website NeoPrivatbank - Fürstlich Castell'sche Bank Website Private Banking - Fürstlich Castell'sche Bank
Einzelnachweise
Kategorie:Castell (Adelsgeschlecht) Kategorie:Kreditinstitut (Bayern) Kategorie:Unternehmen (Würzburg) Kategorie:Castell (Unterfranken) Kategorie:Unternehmen (Landkreis Kitzingen) Kategorie:Unternehmensgründung 1774