mini|Avenue des Champs Élysées in Paris

Alleen sind Straßen oder Wege, die beidseitig von gleichförmig verlaufenden Baumreihen begrenzt oder in der Mitte durch eine Baumreihe getrennt werden. Die Bäume beiderseits des Weges werden planmäßig in gleichen Abständen und im gleichen Alter mit etwa der gleichen Pflanzqualität gepflanzt. Meist werden Bäume einer Baumart verwendet. Im engeren und ursprünglichen Sinn ist die Allee eine baumbestandene, in die Landschaft hinaus verlängerte architektonische Gartenwegachse einer herrschaftlichen Schlossanlage. Unter einer Halballee versteht man eine Sonderform der Allee, bei der nur auf einer Seite der Straße oder des Weges eine Baumreihe steht.

Geschichte Wortherkunft

Das Wort Allee stammt aus dem Französischen und wurde während des Dreißigjährigen Krieges in Deutschland eingebürgert. Als „allée“ (von = gehen) wurde ursprünglich ein (schattiger) Gehweg in einem architektonischen Garten bezeichnet. Erst die Ausdehnung der großen aristokratischen Schlossgärten in die Landschaft hinaus und der Anlage von Landschaftsgärten durch axiale baumbestandene Wege führte zur heutigen Bedeutung des Wortes Allee.

In manchen deutschsprachigen Straßennamen taucht der Wortbestandteil Allee zuweilen ohne Bezug auf einen etwaigen Baumbestand auf. In der englischen Sprache kann die avenue nicht immer mit dem deutschen Begriff einer Allee gleichgesetzt werden. Die französische Bezeichnung und die englische werden heutzutage als Baumallee in einem Wald oder Stadtpark verstanden. Ursprünglich diente die als Gang oder Zwischengang zwischen Häuserblocks (vgl. „Rademachergang“ in Hamburg, „Mårten Trotzigs Gränd“ in Stockholm, „Moss Side Alley“ in Manchester). entstammt der französischen Sprache und bedeutet im eigentlichen Sinne eine breit befahrbare Zugangsstraße (von = ‚herankommen‘, vgl. befestigte Dammstraße im Deutschen), damals als Ankunftsstraße zu einem Stadttor (vgl. „Lübeckertordamm“ in Hamburg, „Avenue de la Porte de Montreuil“ in Paris). Durch den Wegfall der Stadtbefestigungen im 16. Jahrhundert wurde die „französische“ Avenue in das Stadtinnere verlängert und zu einer Hauptstraße erklärt. Diese wurde entweder als Radialstraße zu einem Kreisel oder als Querstraße zu einem Boulevard verbunden und erhielt die Merkmale einer Baumallee. Diese neue Art der durchdringenden Straßenanlage, die das ferne Provinzland mit dem Hauptstadtinneren direkt verbindet (vgl. Nationalstraßen in Frankreich), verbreitete sich in ganz Europa. In Deutschland ist Hamburg eine der wenigen Städte, bei der eine große Vielfalt und Verbreitung von Straßentypenbezeichnungen bis in die heutige moderne Zeit erhalten und nicht umbenannt worden sind.

Antike bis Barock

Alleen wurden im 15. und 16. Jahrhundert vermehrt zur Gestaltung von Freiräumen und zur Betonung von flächengliedernden Wegachsen verwendet. Zwar gab es vor der Zeit der Renaissance bereits verschiedene (oft wenig regelmäßig) bepflanzte, baumbestandene Straßenränder vor allem im ländlichen Raum, es stand hier jedoch nicht die Architektur, sondern der Nutzen der Bäume im Vordergrund. In den alten Hochkulturen der ägyptischen Reiche, der römischen und der griechischen Antike sind Alleen als Gestaltungselement vereinzelt eingesetzt worden, spielten aber eine untergeordnete Rolle.

Im Barock – zur Zeit des französischen Absolutismus – war der Höhepunkt des Einsatzes und der Verwendung von Alleen. Der berühmte Gartenarchitekt André Le Nôtre nutzte dieses Gestaltungselement bei der Anlage der Gärten von Versailles und Vaux-le-Vicomte. Die streng geometrisch angelegten Baumreihen entlang der Wegachsen dienten dazu, die perspektivische und tatsächliche Beherrschung des Raumes zu unterstützen.

Alleen als Gestaltungselement der Stadtplanung

Ab dem 17. Jahrhundert wurden Alleen bereits im Städtebau verwendet. Ende des 18. Jahrhunderts wurden Alleen auch bei der Anlage von ingenieurtechnisch trassierten Chausseen eingesetzt. Im 19. Jahrhundert wurden in den wachsenden Städten Alleen zur Begrenzung von innerstädtischen Grünanlagen, in Wallanlagen, auf Promenaden und Plätzen, in den Volksparks eingesetzt. Alleen wurden zudem als Verbindungsachsen zwischen der historischen Altstadt und den neu entstehenden Vorstädten angelegt. Ästhetische Aspekte der Stadtgestaltung spielten bei der Planung ebenfalls eine Rolle.

Typen mini|Obstbaumallee aus Birnbäumen entlang eines Feldweges bei Burg Hochosterwitz in Kärnten

Nach dem Ursprung ihrer Entstehung und ihrer Nutzungsgeschichte können vier verschiedene Typen der Alleen unterschieden werden:

Alleen zur bäuerlichen Versorgung (z. B. Obstversorgung, Brennholzproduktion, Bienenweide), Alleen zur Anzucht von Seidenraupen (z. B. Maulbeerbaumalleen), Alleen als gartenarchitektonische Gestaltelemente in Gärten und Parkanlagen, herrschaftlichen Grundbesitzungen (Garten, Zufahrt), zur Stadtgliederung (z. B. Verkehrsweg und Flaniermeile) und Alleen als Markierung und zur Sicherung von Dämmen.

Funktionen Alleen bieten viele Vorzüge. So schützen sie vor Sonne oder Wind, und damit auch vor dem Humusabtrag in der Landwirtschaft. Durch die Beschattung der Fahrbahn kann die Temperatur auf der Straße an heißen Sommertagen um 11–25 Grad abgesenkt werden. Das ist nicht nur für die Verkehrsteilnehmer von Vorteil, es schützt auch den Beton- oder Asphaltbelag vor Hitzeschäden. (Akbari 1997). Alleen verbessern bei Nebel und Dämmerung die Orientierung und erleichtern das Schätzen von Entfernungen. Das Wurzelwerk der Alleebäume festigt die Fahrbahnen und schützt die Wege vor Erosion und Verschlammung. Im Winter ist an den Alleebäumen der Straßenverlauf zu erkennen, die Bäume schützen vor Verwehungen. Wurzeln und Baumkronen reinigen zudem das Grundwasser, filtern vor allem Feinstaub und andere Schadstoffe aus der Luft. Der dichte Baumbestand in Alleen ist letztlich ein natürlicher Schallschutz.

Oft entstehen in Alleen zusätzliche Biotope, die wiederum die Biodiversität erhöhen und in denen außerdem landwirtschaftliche Schädlinge vor allem durch baumbewohnende, insektenfressende Vögel – manchmal aber auch durch Greifvögel – auf natürliche Weise bekämpft werden.

Alleen fungieren als lineare Biotopverbindungselemente, indem sie Lebensräume strukturell vernetzen und die Ausbreitung sowie den genetischen Austausch zahlreicher Arten entlang von Verkehrsachsen ermöglichen Dabei kommt ihnen eine besondere Bedeutung in ausgeräumten Agrarlandschaften zu, da sie als kontinuierliche Habitatstrukturen ökologische Durchlässigkeit schaffen und so zur Stabilisierung von Populationen beitragen. (Peters 2022).

Die Bäume an Alleen dienen mitunter als Nutzholz und tragen häufig essbare Früchte, aus denen sich auch Most keltern lässt, Lindenblüten, Eicheln oder belaubte Zweige sind Futter für die Tiere der Umgebung. In Württemberg wurden vom Landesherrn Alleen mit Obstbäumen in den Dörfern angelegt. (PDF) apfelgut.de

Jedoch können sich in Alleenstraßen auch Nachteile ergeben. Bei Sturm- oder Schneebruch besteht Gefahr durch herabfallende Äste oder umstürzende Bäume. Das Risiko von Sachschäden, Verletzungen oder tödlichen Verkehrsunfällen ist erhöht. Wurzeln der umliegenden Bäume können zu einer unebenen Fahrbahn oder zu Kosten für ihre Entfernung führen. Durch die tagsüber häufig schnellen Wechsel zwischen grellem Sonnenlicht und Schatten in einer Allee wird die Sicht im Straßenverkehr hier oft behindert.

Laubfall kann durch erhöhten Verkehrsfluss, bei festgefahrenen Blättern auf dem Asphalt und vor allem bei plötzlich einsetzendem Regen zu einer extrem rutschigen Fahrbahn, ähnlich wie bei Schnee- oder Eisglätte, führen und birgt daher ein hohes Risiko im Straßenverkehr. Fallende Früchte, wie auch am Boden befindliche Früchte gefährden den Verkehr, wenn sie bei hoher Geschwindigkeit gegen die Windschutzscheibe prallen oder Zweiräder ins Rutschen bringen.

Napoleon Bonaparte ließ in großem Stil Alleen in ganz Europa anlegen – vornehmlich um für seine marschierenden Soldaten Sonnenschutz zu gewährleisten. Die meisten Alleen wurde aber nicht aus militärischen Gründen angelegt, sondern durch die Straßenbauverwaltungen der Länder um den Fuhrwerken Schatten und Orientierung zu geben und ein Abkommen von der Fahrbahn zu verhindern. (Peters 1996)

Landschaftsbild mini|Pappelallee in Kaschmir (1864)

Alleen stellen wichtige Gliederungselemente in der Landschaft und markante Orte in Gärten, Parks und urbanen Räumen dar. Alleen bilden visuelle Leitbahnen und Orientierungslinien in der Landschaft und prägen das Landschaftsbild. Als Kulturlandschaftselement haben Alleen trennende und verbindende Wirkung. Sie trennen beispielsweise Ackerflure von Wiesenflächen oder Ober- von Unterhang sowie Luv von Lee. Alleen können Siedlungen, Landnutzungsarten und Landschaftsräume miteinander verbinden.

Bestand Alleen werden je nach Baumartenwahl in Obstbaumreihen oder -alleen und Laubbaumalleen (keine Obstgehölze) untergliedert.

Für die Mosterzeugung hatten Straßen und Wege begleitende Obstbäume eine große Bedeutung in Teilen Deutschlands. Tafelobstbäume spielten eine untergeordnete Rolle als Alleebaum. Die ältesten Obstalleebäume stellen Pflaume (Prunus domestica) und Vogel-Kirsche (Prunus avium) dar, die ab dem 15. Jahrhundert in Deutschland angepflanzt wurden. Später ergänzten Apfel- und Birnensorten die Obstbaumreihen.

Baumarten mini|Lindenallee von Hof Möhr bei Schneverdingen Typische Alleebäume von historischen Schlossalleen Mitteleuropas sind Linden, je nach Landschaft vorrangig Winterlinden (Tilia cordata) oder Sommerlinden (Tilia platyphyllos), und Rotbuchen (Fagus sylvatica), oft auch in deren Kulturform der Blutbuche. Die Linde gilt als beliebtester Alleebaum in Deutschland. So verwundert es nicht, dass Vertreter der Kirche und des Adels ihre Besitzungen im Zeitraum zwischen dem 17. und Mitte des 19. Jahrhunderts mit Lindenalleen bepflanzten. Heute weisen diese Lindenalleen ein stattliches Alter von 100 bis 300 Jahren und einem Stammumfang bis zu 4 Metern auf. Im ländlichen Raum Mitteleuropas wurden neben Mostobst-Alleen häufig Eichenalleen, hauptsächlich Stieleichen (Quercus robur), gepflanzt. Stieleichen-Alleen zählen zu den ältesten existenten Alleen in Deutschland. Stieleichenbäume können bis zu 1000 Jahren alt werden. Im innerstädtischen Raum sind Ahornblättrige Platane (Platanus × acerifolia), Gemeine Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) und zunehmend die Fleischrote Rosskastanie (Aesculus × carnea) beliebt. Zum Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Rosskastanie als Alleebaumart aus Kleinasien nach Europa eingeführt. Im osmanischen Reich dienten die Früchte als Futter für die Rösser des osmanischen Heeres. Die Kastanie gilt als die beliebteste Alleebaumart in Europa und zeitweise auch in Deutschland. Im Zeitraum zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert wurde die Rosskastanie von vielen Adels- und Kirchenhäusern als Alleebaum verwendet. Schnellwüchsige Alleebäume sind Pappeln, vor allem Pyramidenpappeln (Populus nigra ‚Italica‘). Daneben sind auch Berg- und Spitzahorn (Acer pseudoplatanus und platanoides) nach Eichen- und Lindenalleen die drittwichtigsten Alleebaumarten in Deutschland.

Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland alt=Eichenallee im Landkreis Märkisch-Oderland, Brandenburg|mini|Eichenallee im Landkreis Märkisch-Oderland, Brandenburg Deutschland weist einen Alleenbestand von ungefähr von ungefähr 20.000 Kilometern an den Straßen und Wegen außerhalb geschlossener Ortslagen auf. Außerdem gibt es 73.000 km einseitige Baumreihen. (Peters et al. 2022)