Der Karlsruher Verkehrsverbund ist ein Verkehrsverbund, dessen Tarifgebiet sich über Mittelbaden, die Südpfalz und Teile des Elsass erstreckt. Er ist somit länderübergreifend in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz sowie in Frankreich tätig.

Aufgaben Der Verkehrsverbund ist für die Verkehrsplanung, das Leistungsangebot sowie den Vertrieb, die Entwicklung des Verbundtarifs, Absatzwirtschaft und die Verteilung der Einnahmen zuständig. Er führt die Interessen und die verkehrlichen Anforderungen der Gesellschafter zusammen. Die Gesellschafter sind zugleich Aufgabenträger nach dem ÖPNV-Gesetz. Der Verbund nimmt Beratungsaufgaben wahr, wenn die Aufgabenträger den Umfang und die Qualität ihres Verkehrsangebots festlegen. Vereinbarungen mit den Verkehrsunternehmen schließt er gemeinsam mit den Aufgabenträgern ab.

Kennzahlen

Im KVV sind 31 Verkehrsunternehmen zusammengeschlossen, die 275 Linien bedienen. Der KVV erschließt eine Fläche von 3550 Quadratkilometern für über 1,3 Millionen Einwohner im Einzugsgebiet. Die Länge des Schienennetzes beträgt 1000,62 Kilometer, davon entfallen auf die Eisenbahn 397,5 Kilometer, auf die Straßenbahn 99,5 und auf die Stadtbahn 503,6 Kilometer. Die Buslinien decken ein Liniennetz von etwa 2500 Kilometern Länge ab. Im Jahr 2024 erbrachte der KVV 51,3 Millionen Kilometer Fahrleistung und bediente damit rund 1.900 Haltestellen.

Im ersten vollen Kalenderjahr 1995 seit der Gründung nutzten 102 Millionen Fahrgäste das Angebot des Verbundes. In der Folge konnte der KVV die Fahrgastzahlen zunächst stetig steigern und erreichte im Jahr 2012 die bislang höchste Zahl an Fahrgästen von 178 Millionen. Danach setzte ein Rückgang ein und die Zahlen schrumpften bis zum Jahr 2018 auf 166 Millionen Fahrgäste, um sich im Jahr 2019 wieder leicht auf 166,7 Millionen Fahrgäste zu erhöhen. Die Fahrgeldeinnahmen beliefen sich 2019 auf 151,4 Millionen Euro. Infolge der COVID-19-Pandemie sanken sowohl die Zahl der Fahrgäste auf 100,5 Millionen als auch die Fahrgeldeinnahmen auf 121,2 Millionen Euro. Der Rückgang setzte sich im Jahr 2021 fort. Die Zahl der Fahrgäste belief sich in diesem Jahr auf 93,6 Millionen, die Fahrgeldeinnahmen auf 110,7 Millionen Euro. Den Berechnungen der Fahrgastzahlen legte der KVV dabei geringere Ausnutzungsfaktoren bei Zeitkarten während der Pandemie zugrunde. Seit 2021 befindet sich die Zahl der Fahrgäste, seit 2022 auch die Fahrgeldeinnahmen wieder im Anstieg. Bei 138,7 Millionen Fahrgästen erzielte der KVV im Jahr 2024 Fahrgeldeinnahmen in Höhe von 125,2 Millionen Euro.

Organisation Der Aufsichtsrat des KVV besteht aus 29 Mitgliedern. Mit der Aufnahme des Verkehrsverbunds Pforzheim-Enzkreis in den KVV zu Beginn des Jahres 2026 hat sich die Zusammensetzung des Gremiums geändert. Das Land Rheinland-Pfalz sendet einen Vertreter in den Aufsichtsrat, ist jedoch kein Gesellschafter.

Gesellschafter Gesellschafter Anteile Stammkapital Sitze imAufsichtsrat Stadt Karlsruhe 36 % 36.000 € 7 Landkreis Karlsruhe 19 % 19.000 € 5 Land Baden-Württemberg 19 % 19.000 € 1 Landkreis Rastatt 6 % 6.000 € 3 Pforzheim 6 % 6.000 € 3 Enzkreis 6 % 6.000 € 3 Stadt Baden-Baden 3 % 3.000 € 2 Landkreis Germersheim 3 % 3.000 € 2 Stadt Landau in der Pfalz 1 % 1.000 € 1 Landkreis Südliche Weinstraße 1 % 1.000 € 1 Gesamt 100,00 % 100.000 € 28 (von 29)

Die Verbundstruktur mini|Zweisystem-Stadtbahn auf der Tennetschluchtbrücke der Murgtalbahn mini|Bis 2010 verwendetes Logo

Das Tarifgebiet des KVV geht über das Gebiet der obigen Gebietskörperschaften hinaus. Ein Vorläufer des KVV war der Tarifverbund zwischen den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) in Karlsruhe. Die Bestellung der Verkehrsleistungen obliegt den Kommunen bzw. dem Land.

Der KVV ist auch Teilnehmer des Programms Konus. Konus steht für die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs für übernachtende Schwarzwaldurlauber. Mit der Konus-Gästekarte können die Schwarzwald-Urlauber ihr Ausflugsziel, den Startpunkt für die Wanderung oder die Skitour usw. gratis ansteuern. Finanziert wird diese Gästekarte über eine pauschale Abgabe von 30 Cent pro Übernachtung.

Geschäftsführer des KVV war von 2. August 2006 bis 31. Dezember 2013 Walter Casazza, der zuvor als Betriebsleiter der Innsbrucker Verkehrsbetriebe tätig war. Sein Vorgänger war Dieter Ludwig. Nachdem Ludwig bereits am 1. Februar 2006 die Geschäftsführertätigkeiten bei VBK und AVG an Walter Casazza abgegeben hatte, wurde Casazza am 2. August 2006 auch als sein Nachfolger als Geschäftsführer des KVV bestimmt. Dieter Ludwig hat sich in dieser Tätigkeit weit über die Stadtgrenze hinaus als „Nahverkehrspapst“ einen Namen gemacht.

Der KVV wurde durch das Karlsruher Modell weithin bekannt.

Erweiterung des Verbundgebiets Im Februar 2025 unterzeichneten die Gesellschafter des Karlsruher Verkehrsverbunds gemeinsam mit der Stadt Pforzheim, dem Enzkreis und dem Land Baden‑Württemberg eine Absichtserklärung zur Erweiterung des KVV um das Gebiet des Verkehrsverbunds Pforzheim‑Enzkreis. Ziel war es, die rechtlichen Grundlagen bis Ende 2025 zu schaffen und anschließend schrittweise Digitalisierung Tarif Vertrieb und Kundenservice anzugleichen. Im Dezember 2025 fassten der Kreistag des Enzkreises und der Gemeinderat der Stadt Pforzheim die Beitrittsbeschlüsse. Der formale Beitritt von Stadt und Kreis erfolgt zum 1. Januar 2026. Die Einführung des einheitlichen KVV‑Tarifs im Gebiet von Pforzheim und Enzkreis ist zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 vorgesehen. Mit der Erweiterung entsteht ein durchgängiger Verbundraum zwischen Nordschwarzwald und Rheinebene. Der Verkehrsverbund Pforzheim‑Enzkreis wird nach Abschluss der Übergangsphase aufgelöst.

Beteiligte Verkehrsunternehmen alternativtext=Ein Bus der VBK in Karlsruhe|mini|Bus der VBK in Karlsruhe Im KVV erbringen über 20 Verkehrsunternehmen Leistungen. Lediglich die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) betreiben dabei sowohl Bahn- als auch Buslinien.

Verkehrsunternehmen Betriebene Linien Albtal-Verkehrs-Gesellschaft

FEX Albtäler, FEX Kraichgau, NL Arverio Baden-Württemberg DB Regio Baden-Württemberg DB Regio Mitte DB Regio Bus Mitte BUS 546–549, 593, 598 Regionalverkehr Alb-Bodensee BUS 113, 116, 117, 719, F20, X63 Engel Omnibusverkehr BUS 151–155, 158, 159, 700, 702, 716 Shuttle M 154 Faller Reisen BUS 271–277, 281 Friedrich Müller Omnibusunternehmen (zu DB) BUS 101, 102, 106, 109, 120–122, 124–128, 130, 192–195, 198, 246, 248, 262–266, 715, 717, X45 Shuttle 100, 191 Friedrich Wöhrle BUS 141–146 Hetzler & Pfadt BUS 550, 552–559, 590, 592, 595, 596 Kraichtal Bus BUS 134–139 NVW Nahverkehr Mittelbaden Walz BUS 103–105, 110, 112, 222, 227, 290–292 ALT 111, 221, 223, 225, 226, 293 Omnibus Hassis BUS 131, 132, 133, 140 PalatinaBus BUS 500, 501, 503–507, 509 Queichtal Nahverkehr BUS 520–527, 530, 531, 535–545, 590, 592, 599 Richard Eberhardt BUS 214 (Sa–So+Feiertage), 240s, 241, 242, 244, 247, 251–253, 259, X44 ALT 240, 247, 252, 254, 255, 258 Stadtbus Bruchsal BUS 180–183, 185, 186 Verkehrsbetriebe Baden-Baden BUS 201, 203–208, 211, 212–216, 218 *214 (Mo–Fr) Stadtwerke Gaggenau / Taxi Holl Edeltraud ALT 213 Südwestbus RVS Regionalbusverkehr Südwest (Niederlassung Karlsruhe) BUS 187–189 Südwestbus RVS Regionalbusverkehr Südwest (Niederlassung Pforzheim) BUS 706, 733–735 Südwestbus RVS Regionalbusverkehr Südwest (Niederlassung Offenburg) BUS 7135 Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG) Verkehrsbetrieb Mittelbaden–Schwarzach BUS 234, 234s, 267, 268, 268s, X34 Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG) Verkehrsbetrieb Kraichgau–Wiesloch BUS 705, 763, 791 SWEG Bahn Stuttgart Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) (im Auftrag der AVG)

BUS M, 21–24, 26, 27, 30–32, 42, 44, 47, 50–52, 55, 60, 62, 70–75, 83, 107

ALT 53, 54, 64

NL (im Auftrag der AVG), NL 1–6, NL 11–14, NL 16 Verkehrsgesellschaft Rastatt (VERA) BUS 231, 232, 235, 236, 239 ALT 233 VPO Verkehrs- und Beratungsgesellschaft privater Omnibusunternehmen BUS 720, 721

Benachbarte Verkehrsverbünde Heilbronner Hohenloher Haller Nahverkehr (HNV) Tarifverbund Ortenau (TGO) Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw (VGC) Verkehrs-Gemeinschaft Landkreis Freudenstadt (VGF) Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN)

Tarifstruktur Seit September 2009 bietet der KVV die „Neubürgerkarte“ an, die sich an Kunden richtet, die in das Verbundgebiet ziehen oder innerhalb des Verbundgebiets umziehen. Die Karte gilt eine Woche ab Entwertung und ist innerhalb eines Jahres nach Erhalt zu entwerten. Mit der Neubürgerkarte erhalten Fahrgäste für einen Monat eine gratis Fahrt, wenn sie eine Jahreskarte erwerben. Die Karte ist Teil des Starterpakets der teilnehmenden Gemeinden.

Zum 1. Januar 2010 führte der KVV die 9-Uhr-Karte als persönliche Monatskarte zur Fahrt ab 9 Uhr nach der morgendlichen Hauptverkehrszeit ein.

mini|Ehemaliger KVV-Fahrkartenautomat Bis 2012 bot der KVV 24-Stunden-Tickets an. Diese wurden durch die ungünstigeren Tageskarten ersetzt. Den „alten“ 24-Stunden-Karten von 2012 wurde eine Aufbrauchsfrist bis 30. Juni 2013 eingeräumt.

Seniorenzeitkarten (ab 60 bzw. 63 Jahren) und die sogenannte „Scool-Card“ für Schüler werden deutlich vergünstigt abgegeben. Sie können im ganzen Netz genutzt werden, jedoch kann diese Zeitkarte nur für ein ganzes Jahr statt monatsweise gekauft werden.

Der KVV bietet neben Monats- und Jahreskarten ein Firmenticket an. Bis 2013 konnten Firmen übertragbare Umweltjahreskarten vergünstigt erwerben, seit 2014 sind die Firmenkarten nicht mehr übertragbar, jedoch wurde die notwendige Mindestanzahl reduziert.

Außerdem besteht ein Semesterticket, das von vielen beteiligten Hochschulen in Karlsruhe, Baden-Baden und Landau gekauft werden kann.

Mobiles Ticket Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2013 führte der KVV das Ticketsystem „Touch&Travel“ der Deutschen Bahn ein. Dafür errichtete der KVV entlang der Strecken der AVG in der Stadt Karlsruhe und in der Region Kontaktpunkte. Dort konnten sich Fahrgäste mit NFC, GPS, Aztec-Code oder über die Nummer des Kontaktpunkts für eine Reise an- und abmelden. Der Betreiber stellte „Touch&Travel“ zum 30. November 2016 ein, das Nachfolgesystem „ticket2go“ übernahm die zugrundeliegende Technologie.

Neben den beiden KVV-eigenen Smartphoneanwendungen konnte seit April 2017 „ticket2go“ bis zur Einstellung des Dienstes im Dezember 2019https://ticket2go.online/ für den KVV genutzt werden. Im Juni 2017 wurde für Fahrten innerhalb der Wabe 100 (Stadtgebiet Karlsruhe) der nur hierüber nutzbare Luftlinientarif „eTarif“ eingeführt. Dessen Preis setzt sich aus einem Grundpreis pro Fahrt (2017: 1 Euro) und einem Preis pro angefangenem Kilometer Luftlinie zwischen Ein- und Ausstieg (2017: 0,25 Euro) zusammen. Dieser Tarif ist nur für volljährige Fahrgäste nutzbar, Erste-Klasse-Aufschlag (+50 Prozent) und BahnCard-Ermäßigung (−25 Prozent) sind verfügbar.

Um nach dessen Einstellung weiterhin attraktive Tarife für Kurzstrecken anzubieten, wurde im Dezember 2021 das Tarifgebiet des KVV in die weit verbreitete App „FAIRTIQ“ integriert. Der als „kvv.luftlinie“ vermarktete Tarif funktioniert nach dem Check-in/Check-out System: vor Beginn der Fahrt wird der Start-Knopf in der App nach rechts gewischet. Am Zielort angekommen, wird der Stopp-Knopf in der App nach links gewischt. Umstiege zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wie beispielsweise Regionalbahnen, Stadtbahnen oder Bussen sind ohne weitere An- und Abmeldungen möglich. Dessen Preis setzt sich ebenfalls aus einem Grundpreis pro Fahrt (2024: 1,54 Euro) und einem Preis pro angefangenem Kilometer Luftlinie zwischen Ein- und Ausstieg (2024: 0,24 Euro) zusammen. Ebenso sind BahnCard-Ermäßigungen möglich. Anders als beim vorangegangenen „eTarif“ können auch Kinder und Minderjährige diesen Dienst nutzen.

Übergangstarife