Der Wartburg 353 ist ein Personenkraftwagen des VEB Automobilwerk Eisenach, der von 1966 bis 1989 hergestellt wurde.
Entwicklungsgeschichte und Technik mini|links|hochkant|Wartburg 353: Radaufhängung vorn an Doppelquerlenkern (automobile welt eisenach)
Der im Juni 1966 als Nachfolger des Wartburg 312 eingeführte Wartburg 353Kraftfahrzeugtechnik, 7/1966, S. 243–252; 278: Der neue Wartburg 1000, ausführliche technische Vorstellung des W353, aufgerufen am 15. Juli 2012 verband in seiner Konzeption als überholt angesehene Merkmale wie den wassergekühlten Dreizylinder-Zweitaktmotor und Rahmenbauweise (Kastenprofilrahmen) mit fortschrittlicher Technik wie dem schraubengefederten und wartungsfreien Fahrwerk mit an Doppelquerlenkern vorn/Schräglenkern mit Querstabilisator hinten einzeln aufgehängten Rädern mit Tripode-Doppelgelenkwellen und Bremskraftregler. Das neue Fahrwerk war im Wesentlichen bereits 1965 beim Wartburg 312 eingeführt worden.
Zeitgemäß war die gänzlich neu entworfene, sachlich gestaltete Karosserie mit einem Kofferraum von über 500 Litern,Wolfgang Roediger in Der Deutsche Straßenverkehr 7/1966: Der neue Wartburg 1000, Vorstellung des W353, aufgerufen am 15. Juli 2012 die, wie auch schon die des Wartburg 311, der Eisenacher Konstrukteur Hans Fleischer gezeichnet hatte,Hans Fleischer Entwerfer und Gestalter im VEB Automobilwerk Eisenach. In: Kraftfahrzeugtechnik. 3/1968, S. 90. unterstützt von den Formgestaltern Clauss Dietel und Lutz Rudolph. Ob Clauss Dietel oder Hans Fleischer den maßgeblicheren Anteil am Design des 353 hatte, ist unter Fachleuten und Zeitzeugen strittig.Heiko Kleinschmidt/Horst Ihling: Konstrukteur Hans Fleischer formte die Karosserie vom Wartburg, in: Thüringer Allgemeine, 20. September 2014. Das Grunddesign des 353 basierte auf der Studie eines Vollheck-Pkw von Dietel aus dem Jahr 1962, aus der Fleischer das Design der 353-Limousine ableitete. Dietel wirkte zudem an der Farbgestaltung des Innenraums und der Formgestaltung einiger Innenraumbauteile mit., mdr.de, 30. September 2014
Die Fachpresse bedauerte, dass die besonders durch den Frontantrieb gegebene Chance, einen zukunftsweisenden Pkw in Vollheck-Bauweise zu realisieren, vertan wurde.Kraftfahrzeugtechnik beurteilt den neuen Wartburg 1000 In: Kraftfahrzeugtechnik. 9/1966, S. 322–325; 348 Das nunmehr verwendete Bandtachometer, das zu dieser Zeit gerade wieder aus der Mode geriet und zudem keine Vorteile brachte, wurde stellvertretend herangezogen, um Kritik an zu großen Zeiträumen zwischen Entwicklungsbeginn und Einführung in die Produktion zu äußern.Wie steht es mit der Tachometerqualität?. In: Kraftfahrzeugtechnik. 11/1966, S. 434.
Modernisiert wurde im Vergleich zum Wartburg 312 auch die Fahrzeugelektrik, unter anderem erfolgte eine Umstellung auf 12 Volt.Elektrik-Einzelheiten vom neuen Wartburg. In: Kraftfahrzeugtechnik. 8/1966, S. 316. Ein neues, vollsynchronisiertes Getriebe mit erhöhter Lebensdauer erhielten seit Juli 1966 alle Fahrzeuge.Das neue Getriebe des Wartburg 353. In: Kraftfahrzeugtechnik. 9/1967, S. 261–263. Verbessert wurde auch die Kupplung.Die Kupplung des Personenkraftwagen Wartburg 353. In: Kraftfahrzeugtechnik. 1/1968, S. 11–12.
Die Einführung der neuen Karosserie in Gestalt des Typs 353 blieb vorerst die letzte tiefgreifende Veränderung am Wartburg. Über mehr als 20 Jahre hinweg brachten regelmäßige Detailverbesserungen zwar Fortschritte, doch der beibehaltene Zweitaktmotor entwickelte sich zu einem immer größeren Manko. Auch die Karosserie entfernte sich im Laufe der Jahre vom internationalen Stand der Technik.
Modelle und Produktionsstandorte Serienmodelle Limousine, viertürig. Neupreis Basisausstattung 1967 wie 1986 unverändert 16 950 Mark, sowie 5 500 DM im Jahr 1967 Werner Oswald: Kraftfahrzeuge der DDR. Motorbuch Verlag, Stuttgart, 2. Auflage 2000, ISBN 3-613-01913-2. Kombi, viertürig („Tourist“). Neupreis Basisausstattung 1967: 17 700 Mark Pick-up, zweitürig („Trans“)
Der Wartburg 353 wurde in zwei Ausstattungsvarianten hergestellt. Die Ausführung „de luxe“ hob sich vom „Standard“ zu Produktionsbeginn unter anderem durch mehr eloxierte und verchromte Teile, Zweiklangfanfare und eine verbesserte Innenausstattung ab. Aufpreispflichtig als Sonderwunsch waren außerdem ein Stahlschiebedach, ein Radio und Lackierung in piniengrün oder karminrot erhältlich.Wartburg 353 als de-Luxe- und Standard-Ausführung. In: Kraftfahrzeugtechnik. 9/1967, S. 260. Vom 2. Januar 1984 an wurde ab Fahrgestellnummer 19.00 401 statt der bisherigen Ausführung „de luxe“ die Ausführung Wartburg 353 S (S = Sonderwunsch) produziert. Die Sonderausführung, bei der anders als beim Rallye-Fahrzeug 353 WR auf das W in der Bezeichnung verzichtet wurde, war gekennzeichnet durch mattschwarze PVC-Türfensterrahmen, Armaturenverkleidung mit Kunstleder in Holzmaserung, Kofferraumauskleidung, Nebellichtanlage (Nebelscheinwerfer und -schlusslicht), Zweiklangfanfare, Knüppelschaltung/Lenkradschaltung, heizbare Heckscheibe sowie einen Malimo-Cordbezugsstoff.
Anders als der Trabant wurde der Wartburg ab Werk weder mit Hycomat, noch in einer Ausführung für Behinderte produziert. Darauf spezialisierte Betriebe führten jedoch entsprechende Umbaumaßnahmen aus.Wartburg-Umbau für Versehrte. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1981, S. 276.
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Modellpflege Markteinführung und Änderungen bis 1974 mini|Fahrgestell des Wartburg 312/353 bis 1975Deckenmontage im Museum automobile welt eisenach Ab 1967 wurde eine Rechtslenker-Ausführung für Exportländer mit Linksverkehr produziert, die sich technisch vor allem durch die Knüppelschaltung unterschiedDer neue Wartburg 1000 als Sonderausführung Rechtslenkung. In: Kraftfahrzeugtechnik. 5/1967, S. 131. – diese war später teilweise auch für den Binnenmarkt erhältlich. Auf Sonderwunsch war ab Ende 1967 ein Schiebedach erhältlich. Schon 1968 gab es diverse Detailverbesserungen und ein neues Farbprogramm.Neues vom Wartburg 353. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1968, S. 84; 87.
Die Einführung der in den Karosseriewerken Halle und Dresden gefertigten Kombivariante Wartburg Tourist erfolgte 1968. Mit viertüriger Karosserie, harmonischer Linienführung und Pkw-gerechter Innenausstattung ersetzte er sowohl die Kombi- als auch Camping-Ausführung des bisherigen Wartburg 312. Heckklappe und hintere Kotflügel wurden aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Das maximale Kofferraumvolumen betrug 1800 Liter.Der neue Wartburg Tourist. In: Kraftfahrzeugtechnik. 10/1967, S. 300–304.KFT beurteilt Wartburg-Tourist. In: Kraftfahrzeugtechnik. 1/1968, S. 18–19. Der Limousine entsprechend war er in Standard- und Luxusausführung erhältlich, wobei Letztere auch schon eine Abdeckung des Kofferraums hatte,Wartburg-Tourist de Luxe. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1969, S. 16. was damals auch im Westen noch nicht üblich war. Auch beim Tourist waren Extras wie ein Stahlschiebedach erhältlich. Zunächst wurde der Tourist mit geschlossener C-Säule gefertigt, 1970 wurde eine Zwangsentlüftung mit Luftauslässen in der C-Säule eingeführt.
Im Mai 1969 erfolgte die Einführung des neuen Motors 353-1 mit 36,8 kW (50 PS) und geändertem Vergaser, Drehschwingungsdämpfer und Kolbenringabdichtung der Kurbelwelle (bisher Radialdichtringe aus Gummi), was die Lebensdauer des Motors beträchtlich vergrößerte.Serienvorbereitung eines neuen 50-PS-Wartburg-Motors in Eisenach. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1969, S. 101–104. Im selben Jahr wurde von Randfeder- auf Tellerfederkupplung umgestelltNeue Kupplungen für Trabant 601 und Wartburg 353. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1969, S. 120–121.Der Fallstromvergaser 40 F 1-11 für den neuen 50-PS-Wartburg-Motor. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1969, S. 263–264. und eine Elektrotauchgrundierung der Karosserien eingeführt.Moderne Elektrotauchgrundierung für die Karosserie des Wartburg 353. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1969, S. 362–364. Der Garantie-Zeitraum betrug ab 1969 20.000 km bzw. ein Jahr.Trabant- und Wartburg-Garantie verlängert. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1969, S. 379. Ab 1971 waren Schalensitze, Knüppelschaltung, Radialreifen und anderes mehr gegen Aufpreis erhältlich.Wartburg-Verbesserungen zur Leipziger Herbstmesse. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1971, S. 267–269.
Auf Basis des Wartburg 353 wurde der Rennsportwagen Melkus RS 1000 unter Leitung von Heinz Melkus entwickelt und ab 1969 in Kleinserie produziert. Zur Rallye Monte Carlo 1973 erreichte die Wartburg-Werksmannschaft mit den Fahrern Peter Hommel und Günter Bork auf einem W 353 den zweiten Platz in der Klasse bis 1150 Kubikzentimeter und den 38. Platz in der Gesamtwertung.Kraftfahrzeugtechnik 3/1973, S. 71
Wartburg 353 W Ab März 1975 wurde das Fahrzeug als Wartburg 353 W (W = Weiterentwicklung) produziert. Bezogen auf die äußere und innere Sicherheit wurde der Wartburg dabei an den internationalen Stand der Technik angeglichen: Die Bremsanlage hatte fortan ein Zweikreisbremssystem in HT-Aufteilung, Scheibenbremsen (von AB Jablonec, ČSSR) vorn mit vier Bremskolben pro Rad und wie bisher Trommelbremsen hinten, jedoch mit lastabhängigem Bremskraftregler. Weiterhin sollte es nun serienmäßig H4-Scheinwerfer geben (die jedoch zunächst nicht geliefert werden konntenZum Serienanlauf des Wartburg 353 W. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1975, S. 103.) und als Extra sogar eine Scheinwerfer-Scheibenwaschanlage. Die bisherige Gleichstromlichtmaschine wurde durch eine Drehstromlichtmaschine mit 588 W Leistung ersetzt.Weiterentwicklungen am Wartburg 353. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1974, S. 271–273. Mit Blick auf die innere Sicherheit wurden unter anderem Lenkung (ECE-gerechte Sicherheitslenksäule), Türschlösser, Gurte und Instrumententafel überarbeitet.Kraftfahrzeuge auf der Leipziger Herbstmesse 1974. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1974, S. 318–321.
Es folgten einige Jahre nahezu völligen Entwicklungsstillstands. Zu den wenigen geänderten Details zählte für gehobene Ausstattungen der Bugspoiler ab 1977 (ab 1980 auch an der Standard-AusführungLeipziger Herbstmesse 1979. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1979, S. 294–297.), in den in der besten Ausstattungsvariante „Sonderwunsch mit Mittelschalthebel“ Halogen-Nebelscheinwerfer integriert waren. Weiterhin gab es nun eine aufpreispflichtige Wisch-Wasch-Anlage für die Heckscheibe am Tourist,Kraftfahrzeugtechnische Neu- und Weiterentwicklungen zur Leipziger Herbstmesse 1976. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1976, S. 293–295. eine Heckscheibenheizung ab 1979 und geänderte Radkappen.Verbesserungen am Wartburg. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1978, S. 272. Regelmäßig änderte sich das Farbprogramm. Einer Aufstellung von 1977 zufolge lag seinerzeit Brillantweiß mit einem Anteil von 30 % in der Käufergunst vorne, gefolgt von Citrusgelb (25 %), Biberbraun (10 %), Goldoliv (10 %), Billardgrün (10 %), Velourrot (5 %), Neptunblau (5 %) und Viridingrün (5 %).Fahrzeuge und Farbe. In: Kraftfahrzeugtechnik. 8/1979, S. 242–244. Die Farbe Caprigrün gab es ab 1982.Technik Dienst Wartburg. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1982, S. 131.
Modellpflege in den 1980er Jahren Zwischen 1980 und 1985 erfolgten noch einmal einige Detailverbesserungen mit Blick auf Sicherheit, Komfort und Kraftstoffverbrauch: Ab 1980 gab es, zunächst nur für die gehobene Ausstattung, neben Gurten auch an den Fondsitzen ein zeitgemäßes PUR-Lenkrad und -Kopfstützen, ab 1981 gab es neue Sitze und ein neues Radio Autosuper A200 aus dem VEB Elektrotechnik Eisenach mit UKW-Empfang und Sendersuchlauf,IFA-Erzeugnisse, dynamisch und zuverlässig. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1980, S. 265–267. sowie einen elektronischen Regler für die Lichtmaschine.Wartburg 353 mit Detailverbesserungen. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1981, S. 219–220. Detailverbesserungen 1982 waren unter anderem ein neues Zündschloss mit Anlasswiederholsperre, eine Wisch-Wasch-Automatik und H4-Scheinwerfer, sowie ein geänderter Kofferraumboden beim Tourist.Neu- und Weiterentwicklungen aus dem VEB IFA-Kombinat Personenkraftwagen. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1981, S. 273–275.