Mondelez International (Eigenschreibweise Mondelēz International, ausgesprochen: []) ist ein börsennotierter US-amerikanischer Lebensmittelkonzern mit Sitz in Chicago, Illinois, der überwiegend auf Markenprodukte in den Bereichen Snacks und Süßwaren spezialisiert ist. Der Konzern geht auf das 1903 in Chicago von James Lewis Kraft als Kraft Foods gegründete Unternehmen zurück. Im Oktober 2012 wurde Kraft Foods Inc. in Mondelez International, Inc. umbenannt, während der nordamerikanische Lebensmittelzweig an die neu gegründete eigenständige Kraft Foods Group (seit 2015 The Kraft Heinz Company) abgegeben wurde.
Geschichte Ursprung von Mondelez: Das Unternehmen Kraft Foods mini|Ehemaliges Kraft Marken- und Unternehmenslogo mini|Unternehmenslogo bis 2012 mini|Jacobs-Logo am Tivoli-Hochhaus in Bremen (2013/14 wurde das Jacobs-Logo entfernt), eine der bekanntesten ehemaligen Mondelez-Marken mini|Aktie von Suchard vom 24. August 1950 mini|Dänische Miracle-Whip-Gläser von Mondelez Danmark
Die Unternehmensgeschichte von Kraft begann 1903, als der Farmerssohn James Lewis Kraft in Chicago mit einem Startkapital von 65 US-Dollar einen Käsehandel aufbaute.Unternehmensgeschichte. (PDF) In: kraftfoods.de 1980 fusionierte Kraft mit Dart Industries. (DIED. Justin Whitlock Dart, 76). Am 30. Oktober 1988 stimmten die Kraft-Foods-Hauptaktionäre dem Angebot des Konzerns Philip Morris, des später in Altria Group umbenannten weltweit größten Herstellers von Tabakwaren, zum Verkauf ihrer Aktien zu. Der Kaufpreis summierte sich auf 13,1 Milliarden US-Dollar, das bedeutete zu diesem Zeitpunkt eine der größten Akquisitionen in den USA. Getätigt wurde der Kauf im Dezember für einen Betrag von 12,9 Milliarden US-Dollar. Im März 1989 fusionierten Kraft und General Foods zu einer Firma, der Kraft General Foods Inc. Ein Jahr später übernahm der Mutterkonzern den ab 1973 in Zürich sitzenden Schokoladenhersteller und Kaffeeröster Jacobs Suchard (Jacobs Suchard Management & Consultung AG). Kraft General Foods Europe und Jacobs Suchard wurden 1993 zu Kraft Jacobs Suchard zusammengeführt. Im Jahr 2000 erwarb der Konzern den Produzenten Nabisco, einen Weltmarktführer im Bereich Kekse, Kuchen und Snacks.
Ende März 2007 trennte sich die Altria Group von Kraft – unter anderem, um zu verhindern, dass Kraft von möglichen Klagen von Tabakkonsumenten gegen Altria überzogen werden könnte. Kraft wurde somit wieder unabhängig, da Altria ihre Beteiligung an Kraft anteilig an die eigenen Aktionäre in Form einer Sachdividende weiterreichte. Im Oktober 2007 gab Kraft Foods bekannt, einen Teil der Kekssparte von Danone mit Marken wie LU und Mikado für knapp 5,3 Milliarden Euro zu übernehmen. Das Unternehmen übernahm im Januar 2010 für 11,5 Milliarden britische Pfund den britischen Süßwarenhersteller Cadbury. Finanziert wurde die Übernahme zum Teil mit dem Verkauf des Geschäftes mit Tiefkühlpizzen an den Konkurrenten Nestlé.Hannoversche Allgemeine Zeitung, 20. Januar 2010, S. 11.
Entstehung von Mondelez International durch Aufspaltung von Kraft Am 1. Oktober 2012 wurde Kraft in zwei eigenständige börsennotierte Gesellschaften aufgespalten. Das Unternehmen Kraft Foods Group sollte für die nordamerikanischen Lebensmittelaktivitäten zuständig sein, Mondelez International sollte die globalen Aktivitäten für Snacks und Süßwaren umfassen und zunächst lizenzbedingt die Aktivitäten für Lebensmittel außerhalb Nordamerikas.Kraft Foods gibt Milka ab. weser-kurier.de, 3. August 2012. So waren beispielsweise die Oreo-Kekse weltweit von Mondelez, während Philadelphia-Frischkäse je nach Region von einer der beiden Firmen verkauft wurde; die Umfirmierung der Tochtergesellschaften wurde jedoch erst am 29. April 2014 abgeschlossen. Die Umbenennung betraf sämtliche Tochtergesellschaften und Niederlassungen weltweit, ausgenommen die in Delaware ansässige Kraft Foods R&D Inc. mit Zweigniederlassung in München sowie zwei Grundstücksverwaltungsgesellschaften. Mondelez ist ein Kunstwort, das sich von den beiden den romanischen Sprachen entlehnten Wörtern für „Welt“ (mondo) und deliziös ableitet. Schöpfer dieses Begriffes sind zwei Mitarbeiter, die unabhängig voneinander nahezu den gleichen Vorschlag für den neuen Namen bei einem firmeninternen, preislosen Wettbewerb einreichten: Der Wiener IT-Mitarbeiter Johannes Schmidt suchte etwas im Walzerrhythmus, dem in der US-amerikanischen Zentrale arbeitenden Mitarbeiter Marc Firestone fiel es auf einer Geschäftsreise von Brüssel nach Frankfurt ein.
Auslagerungen und Akquisitionen Im Mai 2014 gaben Mondelez International und das von einem Konsortium unter Führung der Finanzholding Joh. A. Benckiser der deutschen Familie Reimann kontrollierte niederländische Getränkeunternehmen D.E Master Blenders 1753 bekannt, ihre Kaffee-Marken zu einem reinen Kaffeeunternehmen zusammenlegen zu wollen. Von D.E Master Blenders 1753 wurden unter anderem die Marken Senseo, Douwe Egberts, L’OR und Pilão eingebracht, von Mondelez International kamen Marken wie Jacobs, Tassimo, Carte Noire, Gevalia, Kenco und Millicano. Das entstandene Joint Venture, an dem Mondelez International 49 Prozent hält, wurde Jacobs Douwe Egberts (JDE) genannt, hat seinen Sitz in den Niederlanden und wird vom bisherigen Chef von D.E Master Blenders 1753 geführt, dessen Mutter Acorn Holdings B.V. über 51 Prozent verfügt. Zusammen 7 Mrd. Dollar (5 Mrd. Euro) Jahresumsatz sollten etwa 8 Prozent Weltmarktanteil bedeuten.
Im Dezember 2018 wurde bekannt, dass Arla Foods das Kraft Käse-Markengeschäft in Vorderasien und Afrika von Mondelez International übernehmen wird. Ende 2022 übernahm die niederländisch-italienische Perfetti Van Melle Group das Kaugummigeschäft von Mondelez in Europa, Kanada und den USA. In weiteren Märkten außerhalb der USA, Kanada und Europa plant Mondelez allerdings, das Geschäft selber fortzuführen.
Im Jahr 2020 übernahm Mondelez die Mehrheit an Give & Go, Hersteller von süßem Kleingebäck wie Brownies,Mondelēz International Completes Acquisition of Give & Go April 1st, 2020. (englisch) im Jahr 2022 Chipita, Hersteller von Croissants und gebackenen Snacks, 2024 die Mehrheit an dem chinesischen Kuchen- und Gebäckhersteller Evirth.Mondelēz International to Acquire Evirth, a China Leader in Fast-Growing Cakes and Pastries September 20, 2024. (englisch)
Im Jahr 2024 ging Mondelez eine Partnerschaftsvereinbarung mit Lotus Bakeries ein, um weitere Produkte auf den Markt zu bringen. Indes übernimmt Mondelez Herstellung und Verkauf der Biscoff-Kekse in Indien und der Speiseeishersteller Froneri soll ab 2026 das Biscoff-Eis in einer Sublizenz in mehreren europäischen Ländern produzieren, vermarkten und verkaufen.
Produkte Eine vollständige Produktübersicht findet sich in der Liste der Mondelēz-Marken. Produktgruppen, Unternehmenszweige und Markennamen von Mondelez sind:Mondelez: Markenfamilie von Mondelez in Europa.
Getränke Getränkepulver: u. a. Kool-Aid.
Süßwaren und Snacks Schokolade: u. a. Suchard Milka/Finessa, Côte d’Or, Tobler/Toblerone, Mirabell/Echte Salzburger Mozartkugel, Bensdorp Schokoladen in Österreich, Marabou Schokoladenriegel: u. a. Daim, 3-Bit, Prince Polo, Nussini Gebäck: u. a. Nabisco, Bel Vita, Kolonáda Oblaten, TUCDPMA-Register, Oreo Kaugummi: Trident, Chiclets, Stimorol
Lizenz für Kraft-Marken außerhalb von Nordamerika Käse und Milchprodukte: Philadelphia, Lindenberger Saucen: Miracel Whip bzw. Miracle Whip
Das Unternehmen beliefert Kunden in etwa 160 Ländern.
Mondelez in Europa Das Unternehmen hat in 18 Ländern Europas eigenständige Tochtergesellschaften.
Schweiz Der europäische Hauptsitz von Mondelez ist in Opfikon bei Zürich.
Deutschland Die deutsche Zentrale von Mondelez befindet sich in Bremen, dem Stammsitz der aufgekauften Kaffeerösterei Jacobs. In München ist das europäische Forschungs- und Entwicklungszentrum für Schokoladen- und Food-Produkte angesiedelt. In Berlin befindet sich Mondelez Internationals weltweit größte Fabrik zur Herstellung von Trockenprodukten wie Kaffee und Tee.
Österreich Die österreichische Zentrale von Mondelez befindet sich in Wien. Hier war bis zur Umstrukturierung auch die zentrale Verwaltung für Ost- und Südost-Europa und Afrika angesiedelt. Insgesamt vier Tochterfirmen hat das Unternehmen in Österreich. In Bludenz befindet sich eine große Schokoladenfabrik.
Standorte im deutschsprachigen Raum Ort Tätigkeitsfeld Anmerkung Deutschland Bad Fallingbostel Herstellung von Käse (Philadelphia, Jocca und Lindenberger), Feinkost (Miracel Whip und Ketchup) und Tassimo-Produkten größtes Werk von Mondelez in Europa Berlin Herstellung von Kaffee (u. a. Jacobs Krönung, Meisterröstung, Kaffee Onko, Kaffee Hag und Tassimo) Hauptlieferant für den deutschen Kaffeemarkt Bremen-Hemelingen Herstellung von löslichem Kaffee, Herstellung sämtlicher Röstkaffeesorten wie im Werk in Berlin, sowie Herstellung von entcoffeiniertem Röstkaffee, Verpackung von Cappuccino um 2009/2010 wurden 21 Millionen Euro in das Kaffeewerk investiert Bremen-Holzhafen ehemals Entkoffeinierung von Kaffee seit 2017 geschlossen Elmshorn Herstellung von löslichem Kaffee (u. a. Jacobs Krönung, Maxwell und Kaffee Hag) Lörrach Herstellung von Schokolade (Milka) größter Produktionsstandort für Schokolade in Europa Donauwörth Herstellung von salzigen Snacks München Europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum von Kraft Foods für Kaugummi/Bonbons- und Food-Produkte Österreich Bludenz Schokoladentafeln der Marken Milka, Cadbury, Suchard, Bensdorp, Marabou und Lacta Wien Herstellung von Röstkaffee Produktion 2013 geschlossen Schweiz Bern-Brünnen Herstellung der Toblerone Opfikon Vertrieb für die Schweiz Hauptsitz in Europa Zug Handel mit Rohkaffee, Kakaobohnen, Kakaoprodukten und Trockenfrüchten
Kritik Kritik am Vorgängerunternehmen Kraft Foods Im Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne werden der Schokoladenindustrie und auch Kraft Foods schwere Menschenrechtsverletzungen wie Ausbeutung und Kindersklaverei bei den Kakao-Zulieferern der Elfenbeinküste vorgeworfen.Klaus Werner Lobo, Hans Weiss: Das neue Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne. Ullstein, Berlin 2010, ISBN 978-3-548-37314-0, S. 160–162, 312 f. Reportagen der ARD aus den Jahren 2010 und 2012 kamen zu dem Schluss, dass große Firmen wie Mars Inc., Kraft Foods oder Nestlé Kindersklaverei „zumindest dulden“.Schmutzige Schokolade. Reportage/Dokumentation von Miki Mistrati im Auftrag des NDR, 43:23 min, deutsche Erstausstrahlung am 6. Oktober 2010 in Das Erste, Video: Schmutzige Schokolade In: ardmediathek.deSchmutzige Schokolade II. Miki Mistrati, 45 Minuten, 2013 NDR-Dokumentation. Youtube-Video
Im Dezember 2009 verhängte das deutsche Bundeskartellamt gegen die Kaffeeröster Melitta, Dallmayr und Tchibo ein Bußgeld in Höhe von ca. 159,5 Millionen Euro wegen verbotener Preisabsprachen, das sogenannte Kaffeekartell. Kraft ermöglichte durch einen Bonusantrag die Ermittlungen und wurde im Rahmen einer Kronzeugenregelung von einem Bußgeld verschont.Bußgeldverfahren gegen Kaffeeröster wegen Preisabsprachen. (PDF; 78 kB) Bundeskartellamt, Pressemitteilung B11-18-08.
Im Juni 2010 wurde dem Deutschen Kaffeeverband Hamburg vom Bundeskartellamt vorgeworfen, mit einer Pressemitteilung im Februar 2005 ein Kartell von Kaffeeunternehmen gefördert zu haben, weswegen ein Bußgeld von bis zu 90.000 Euro verhängt wurde. Zu den beteiligten Kaffeeröstereien gehörten neben „Kraft Foods Außer-Haus-Service“ die Unternehmen Tchibo (Hamburg), Lavazza Deutschland (Frankfurt), Seeberger (Ulm), Segafredo Zanetti Deutschland (München), Gebr. Westhoff (Bremen), Melitta System Service (Minden) und J. J. Darboven (Hamburg). Den letzteren beiden Unternehmen wurden die Geldbußen wegen ihrer Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe reduziert.