Die Elektrobau Mulfingen GmbH & Co. KGaA ist die Konzernobergesellschaft der EBM-Papst-Gruppe (Eigenschreibweise ebm-papst), einem Hersteller von Elektromotoren und Ventilatoren mit Hauptsitz in Mulfingen im Hohenlohekreis.

Die Gruppe entstand 2003 aus dem Zusammenschluss der Unternehmen Elektrobau Mulfingen GmbH & Co. KG (EBM), Papst Motoren GmbH (St. Georgen) und Motoren Ventilatoren Landshut GmbH (MVL) und betreibt international 27 Produktionsstätten (u. a. in Deutschland, China, USA) sowie 49 Vertriebsstandorte.Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.04.2022 bis zum 31.03.2023, veröffentlicht im Unternehmensregister am 3. Mai 2024, abgerufen am 14. Oktober 2024.

Die Unternehmensgruppe gilt als Weltmarktführer im Bereich Ventilatorentechnik.

Im August 2026 wurde EBM-Papst für rund 4,8 Milliarden Euro an den US-Konzern Madison Air verkauft. Bis zum Verkauf befand sich das Unternehmen im Besitz der Familien Ziehl, Sturm und Philippiak.

Geschichte Gründung der EBM mini|Außenläufermotor von 1957 aus einem Grundig-Tonbandgerät Gerhard Sturm gründete gemeinsam mit Heinz und Günther Ziehl, Söhne von Ziehl-Abegg-Gründer Emil Ziehl, im Jahr 1963 die Elektrobau Mulfingen GmbH & Co. KG, um kleinere Ventilatoren zu bauen.Langer Weg an die Spitze, in: Handelsblatt, 1. Oktober 2007, abgerufen am 22. Mai 2023. Das damals 35 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen konzentrierte sich auf die Entwicklung und Produktion kleiner Außenläufermotoren. 1963 und 1964 wurden auf einer Produktions- und Bürofläche von 560 Quadratmetern täglich vier Motoren pro Mitarbeiter hergestellt. 1968 hatte sich die Zahl verdoppelt, 1973 erfolgte eine weitere Verdopplung. Dies erforderte zahlreiche Erweiterungen der Produktionskapazitäten. 1971 wurde unter anderem eine 2400 Quadratmeter große Halle mit installierten Fließbändern in Betrieb genommen.

1965 wurden die ersten Kompaktlüfter entwickelt, zu diesem Zeitpunkt noch „kollektorlose Gleichstrommotoren“ genannt. Es folgte 1974 die Entwicklung des ersten Kompaktlüfters in EC/DC-Technik, der durch eine elektronische Regelung Strom sparen konnte. Der bürstenlose Gleichstrommotor trieb einen Querlüfter an, der in den Bugschrank eines Kässbohrer-Busses eingebaut wurde. EBM-Papst fertigte diese bürstenlosen EC-Motoren zudem für die Computerkühlung, später für die Reinraumtechnik und die Wohnungslüftung.

Expansion der Geschäftstätigkeiten 1992 wurde das angeschlagene Unternehmen Papst Motoren GmbH in St. Georgen im Schwarzwald übernommen, das Hermann Papst 1942 gegründet hatte. 1985 hatte Papst Motoren noch 180 Millionen Mark Umsatz erwirtschaftet und beschäftigte 1.700 Mitarbeiter. 1993 waren an den Standorten des ehemals eigenständigen Unternehmens in St. Georgen und Herbolzheim noch 750 Mitarbeiter tätig. 1995 errichtete die EBM-Papst-Gruppe ihren ersten Standort in Shanghai (China) und gründete dort eine Tochtergesellschaft.

Vier Jahre später veräußerte der Stuttgarter Telekommunikationshersteller Alcatel sein Werk am Standort in Landshut an EBM-Papst. Gleichzeitig wurde das Werk in Motoren Ventilatoren Landshut GmbH (MVL) umbenannt. Im Jahr darauf wurden die ersten energiesparenden Radial- und Axialventilatoren mit integrierter Elektronik entwickelt, auf denen unter anderem die in den folgenden Jahren zur Marktreife gebrachten EC-Ventilatoren basieren. Parallel dazu baute sich das Unternehmen bis zur Jahrtausendwende international ein Netz an Vertriebsniederlassungen auf.

Umfirmierung in EBM-Papst und Geschäftsausbau Im Jahr 2003 firmierten die Unternehmen in ebm-papst Mulfingen, ebm-papst St. Georgen und ebm-papst Landshut um. Aus dem Zusammenschluss der Unternehmen wurde der Name ebm-papst etabliert, das Mutterunternehmen hieß fortan Elektrobau Mulfingen GmbH. Seit 2006 stellt EBM-Papst auch Großventilatoren her. 2007 begann der Bau einer energieautonomen Fabrik für energiesparende Ventilatoren in Mulfingen-Hollenbach, die 2008 in Betrieb genommen wurde.

2007 überschritt EBM-Papst erstmals die Umsatzschwelle von einer Milliarde Euro, und beschäftigte im Geschäftsjahr 2008/09 erstmals kurzzeitig mehr als 10.000 Mitarbeiter. Im selben Jahr wurde die Firmengruppe zum ersten Mal von einer familienfremden Geschäftsführung geleitet. Gerhard Sturm wurde Vorsitzender des Beirats.

Das Unternehmen entwickelte im Nachgang 2010 die GreenTech-Strategie, nach der jedes neu entwickelte Produkt einen ökonomischen und ökologischen Optimierungsprozess im Vergleich zum Vorgängerprodukt durchläuft. Im selben Jahr initiierte die EBM-Papst-Gruppe das Auszubildenden-Projekt Energiescouts, welches in der Folge von weiteren Unternehmen übernommen wurde. In dem Programm wird gemeinsam mit den regionalen Industrie- und Handelskammern ein Qualifizierungsmodul für Auszubildende umgesetzt, damit diese in ihren Betrieben dazu beitragen, Einsparpotenziale zu erkennen. 2013 wurde die Firma Zeitlauf in Lauf an der Pegnitz übernommen, ein 1957 gegründetes Familienunternehmen, das auf Planetengetriebe, Stirnradgetriebe und Winkelgetriebe spezialisiert ist. Die Firma wurde zunächst in die EBM-Papst Zeitlauf umfirmiert. In der Folge gliederte sich die Firma in die EBM-Papst St. Georgen ein und wurde stattdessen zu einem Standort des Unternehmens.

Produkt- und Betriebsausbau mini|Produktionswerk in Hollenbach 2014 führte EBM-Papst seine neue Axialventilatoren-Baureihe ein. Mit ein- und dreiphasigen Ausführungen decken die Geräte den Leistungsbereich von 250 Watt bis 1,3 Kilowatt ab, wobei die Geräuschemission – bei gestiegener Luftleistung – um bis zu drei Dezibel geringer ist als bisher. Zudem wurde in dem Jahr erstmalig das Vorleitgitter Flowgrid hergestellt.Lisa-Maria Müller: Geballtes Fachwissen, in: Hohenloher Tagblatt, 17. Oktober 2014, abgerufen am 23. Mai 2023. Im Folgejahr wurden 137 Millionen Euro in Betriebserweiterungen investiert. Dies umfasste unter anderem den Neubau im Gewerbegebiet Hagenmoos in St. Georgen für die Fertigung von elektronischen Bauteilen.Roland Sprich: Schallock rückt in Führungsriege auf, in: Südkurier, 8. Juni 2016, abgerufen am 23. Mai 2023.

Nachdem die Formel 1 für die Saison 2014 ihr Regelwerk zugunsten höherer Energieeffizienz und Hybridtechnologie verändert hatte, ging EBM-Papst eine Partnerschaft mit dem Formel-1-Team Mercedes AMG Petronas ein und unterstützte es mit Kühlsystemen. EBM-Papst entwickelte energieeffiziente Aufsatzkühlsysteme für die Mercedes AMG Petronas F1-W05-Rennwagen, die die temperaturempfindlichen Komponenten der Boliden im Stand auf die optimale Betriebstemperatur herunterkühlen. Die Partnerschaft bestand bis einschließlich zur Saison 2015 fort.

2017 errichtete EBM-Papst in Hollenbach ein 37.000 Quadratmeter großes Versandzentrum, in dem das gesamte Produkt- und Verpackungslager des Unternehmens vereint wurde. Im selben Jahr übernahm EBM-Papst das italienische Unternehmen LAE, das Schutzgitter herstellt.Christian Gleichauf: EBM-Papst kauft sich ein Werk 6, in: Heilbronner Stimme, 16. Mai 2023, abgerufen am 24. Mai 2023. Im Folgejahr überschritt das Unternehmen erstmals die Umsatzschwelle von 2 Milliarden Euro.Patrick Ganter: ebm-papst baut Personal ab, in: Südkurier Konstanz, 21. Juni 2018, abgerufen am 24. Mai 2023. 2019 stellte EBM-Papst eine 27.000 Quadratmeter große Produktionsstätte in Xi’an (China) fertig. Dieses Werk erhielt als erste Produktionsstätte international eine Reset-Zertifizierung. Dieses Zertifikat bescheinigt die hohe Leistungsfähigkeit der Gebäudeklimatisierung. Im selben Jahr entwickelte das Unternehmen das Konzept GreenIntelligence zur intelligenten Steuerung und Vernetzung von Ventilatoren, Antrieben und Systemen. Dies stellt die Weiterentwicklung der GreenTech-Strategie dar.

Im Jahr 2022 eröffnete EBM-Papst ein Produktionswerk in Telford, Tennessee (USA), in das knapp 30 Millionen Dollar investiert wurden. Im November 2022 gab EBM-Papst bekannt, zukünftig keine neuen Aufträge der Automobilindustrie anzunehmen. Da Aufträge üblicherweise für ein Fahrzeug-Modell geschlossen werden, werden diese auslaufenden Verträge noch bedient. Auch die Zusammenarbeit mit Kühlschrank- und Geschirrspülmaschinenherstellern wurde eingestellt.

Im Frühling 2023 stellte EBM-Papst seinen 33.000 Quadratmeter großen chinesischen Hauptsitz in Shanghai fertig, der die bisherigen vier Standorte in einem Gebäude zusammenfasst. Etwa zur gleichen Zeit übernahm das Unternehmen auch den ehemaligen Stadtmüller-Standort von LTI in Osterburken.

Zum 1. April 2025 erfolgte die formwechselnde Umwandlung der Elektrobau Mulfingen GmbH. Die Muttergesellschaft der EBM-Papst-Gruppe firmiert seitdem unter Elektrobau Mulfingen GmbH & Co. KGaA.Elektrobau Mulfingen GmbH & Co. KGaA, Registereintrag beim Amtsgericht Stuttgart, 1. April 2025 Im Sommer 2025 verkaufte EBM-Papst ihren Geschäftsbereich Industrielle Antriebstechnik (IDT) an Siemens. Dieser Schritt betraf rund 650 Mitarbeiter an den Standorten St. Georgen im Schwarzwald, Lauf an der Pegnitz und Oradea in Rumänien.

Stand 2025 baut EBM-Papst an mehreren Standorten: Es entsteht ein drittes Produktionswerk in Indien in der Stadt Chennai sowie für ebenfalls 30 Millionen Euro eine Erweiterung des bestehenden Werkes in Xi’an. Ende 2025 wurde das Werk in Xi’an eröffnet. 2026 wurde mit einer Investition von 30 Millionen Euro ein neues Werk für intelligente Ventilatoren im rumänischen Oradea in Betrieb genommen. Ebenfalls erweitere EBM-Papst seine Produktionskapazitäten am Standort Mulfingen um etwa 200 Stellen.

Verkauf an Madison Air Am 17. August 2026 gab EBM-Papst bekannt, dass das Unternehmen für 4,775 Milliarden Euro an den US-Konzern Madison Air verkauft wird. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen weltweit mehr als 13.000 Mitarbeiter, davon rund 5.800 in Deutschland. Durch den Abschluss der Transaktion scheiden die bisherigen Gesellschafterfamilien Sturm, Ziehl und Philippiak aus. Die Übernahme soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden, wobei der Hauptsitz weiterhin in Mulfingen sein wird.

Unternehmensstruktur Elektrobau Mulfingen GmbH & Co. KGaA ist das Mutterunternehmen der EBM-Papst-Gruppe. Diese umfasst zudem neun inländische und 36 ausländische Tochterunternehmen sowie zwei inländische Zweckgesellschaften.

Die inländischen Produktionsstandorte befinden sich in Mulfingen, Niederstetten, Hollenbach, Landshut, St. Georgen, Herbolzheim und Lauf. Die ausländischen Produktionsstätten befinden sich in China, USA, Ungarn, Rumänien, Italien, Tschechien, Slowenien, Taiwan, Serbien und Indien.

Die internationalen Absatzmärkte werden fast ausschließlich über eigene Vertriebsgesellschaften bearbeitet. Die Einsatzgebiete umfassen in erster Linie die industrielle Lufttechnik, die Klima- und Kältetechnik, den Markt für Heiz- und Hausgerätetechnik, die Telekommunikation sowie die industrielle Antriebstechnik. Darüber hinaus werden neue Geschäftsfelder im Bereich digitaler Anwendungen über die Tochtergesellschaft ebm-papst neo GmbH & Co. KG entwickelt.

Produkte mini|Kompaktlüfter EBM-Papst beschäftigt sich mit der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb von Motoren, Ventilatoren und Pumpen. Mit knapp 20.000 Produkten (Stand August 2023) verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben über das weltweit größte Angebot an Ventilatoren.

Die Ventilatoren basieren zumeist auf Außenläufermotoren, da so besonders kompakte Axial-, Radial- und Diagonalventilatoren realisiert werden können. Motoren für die Antriebstechnik werden teilweise auch als Innenläufer konzipiert.